Nach TIMSS und PISA stellte man sich in Deutschland die Frage, warum unsere Schülerinnen und Schüler nur durchschnittlich oder sogar unterdurchschnittlich bei den Leistungstests im internationalen Vergleich abgeschnitten haben.
In dieser Arbeit werde ich mich auf TIMSS bzw. TIMSS-Video beziehen. PISA lasse ich außen vor, da ich als Mathematiklehramtsstudentin mich für die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik mehr interessiere, als zum Beispiel für ihre Leseschwäche.
Als Vergleichsland zu Deutschland habe ich Japan gewählt. Zum einem, da Japan mit Singapur und Korea, nicht nur im mathematischen sondern auch in den naturwissenschaftlichen Fächern, zu der Spitzengruppe bei den TIMSS-Leistungstest gehört. Zum anderen, da ich mir selbst mithilfe von TIMSS-Video ein Bild über den japanischen Mathematikunterricht machen konnte.
Von mir herangezogene Tabellen und Abbildungen werden sich dabei mit dem entsprechenden Verweis im Anhang befinden, damit der Lesefluss nicht unnötig unterbrochen wird.
In dieser Arbeit möchte ich die Unterschiede zwischen den beiden Ländern analysieren um die Gründe herauszufinden, warum Japan bei TIMSS wesentlich besser abgeschnitten hat als Deutschland. Deshalb möchte ich nach einem kurzen Überblick über TIMSS und TIMSS-Video erst einmal die beiden Schulsysteme vorstellen. Im Weiteren werde ich versuchen, Unterschiede im Unterrichtsverlauf herauszufinden um sie dann am Ende abzuwägen, welche für die unterschiedlichen Leistungsstärken bei der TIMSS-Hauptstudie verantwortlich sind.
Ein weiterer Punkt den ich betrachten möchte, ist der kulturelle Hintergrund in Deutschland und Japan. Ich werde dies allerdings nicht als einen eigenständigen Punkt in diese Arbeit aufnehmen, da er sich schon im japanischen Schulsystem widerspiegelt. Der kulturelle Aspekt sollte aber trotzdem nicht vernachlässigt werden.
Hier stellt sich mir die Frage, was nun wirklich für die Leistungsunterschiede zwischen Japan und Deutschland bei TIMSS verantwortlich ist, ob es die Schulsysteme, die verwendeten Methoden im Unterricht sind oder am Ende die kulturellen Unterschiede alleine dafür verantwortlich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. TIMSS
2.1. Überblick über TIMSS
2.2. Ergebnisse von TIMSS
3. TIMSS-Video
3.1. Durchführung von TIMSS-Video
3.2. Ziele von TIMSS-Video
4. Die Schulsysteme
4.1. Das deutsche Schulsystem
4.2. Das japanische Schulsystem
5. Unterrichtsablauf
5.1. Skript des deutschen Mathematikunterrichts
5.2. Skript des japanischen Mathematikunterrichts
6. Unterrichtsmethode
6.1. Fragend-enwickelndes Unterrichtsgespräch
6.2. Open-ended problem solving
7. Auswertung des japanischen Unterrichts
8. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für die Leistungsunterschiede zwischen deutschen und japanischen Schülern im Fach Mathematik, wie sie in den TIMSS-Studien zutage traten. Ziel ist es, den Einfluss von Schulsystemen, Unterrichtsformen und kulturellen Aspekten auf das Abschneiden der Lernenden zu analysieren.
- Vergleich der Schulsysteme von Deutschland und Japan
- Analyse der kulturellen Skripte im Mathematikunterricht
- Untersuchung der Unterrichtsmethoden "Fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch" und "Open-ended problem solving"
- Bewertung des Einflusses von Nachhilfe und gesellschaftlicher Wertschätzung des Lehrerberufs
Auszug aus dem Buch
6.1. Fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch
Wie das Skript des deutschen Mathematikunterrichts gezeigt hat, ist das fragend entwickelnde Unterrichtsgespräch eine wichtige Komponente im deutschen Mathematikunterricht. Überspitzt könnte man sagen, dass diese Unterrichtsform ein „Kleinarbeiten von komplexen Aufgaben“ (Klieme 1997: S.45) ist. Denn am Anfang des fragend-entwickelndem Unterrichtsgespräch steht immer eine komplexe und anspruchsvolle Aufgabenstellung. Diese Aufgabenstellung wird im Unterrichtsgespräch Stück für Stück erarbeitet. Den Schülern wird also keine Gelegenheit gegeben, sich selbst an einer solchen Aufgabenstellung zu üben. Der Schüler hat lediglich die Aufgabe schon gelerntes zu reproduzieren, geometrische Objekte und Terme zu benennen und/oder einfache Teiloperationen, Rechenschritte oder algebraische Umformungen auszuführen. Die Fragen, die der Lehrer bei dieser Unterrichtsform stellt, sind überwiegend konvergent, d.h. sie zielen auf eine ganz bestimmte Antwort ab (vgl. Klieme 1997: S.45). Dies kann man sich wie einen Lückentext vorstellen, bei dem die Schüler die Lücken füllen müssen.
Die Lehrform des fragend-entwickelndes Unterrichtsgesprächs ist in ihrer Idealform ein Versuch eine starke Lehrerzentrierung und zu geringe Schülerorientierung auszubalancieren. Damit ist sie eine sehr anspruchsvolle Unterrichtsform, die leider allzu oft misslingt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Wahl des Themas und das Vergleichsland Japan vor dem Hintergrund der TIMSS- und PISA-Ergebnisse.
2. TIMSS: Dieses Kapitel erläutert die Struktur und Zielsetzung der TIMSS-Studie sowie deren wichtigste Ergebnisse für Deutschland.
3. TIMSS-Video: Das Kapitel beschreibt die Durchführung und die wissenschaftlichen Ziele der ergänzenden videographischen Unterrichtsuntersuchung.
4. Die Schulsysteme: Hier werden das deutsche gegliederte System und die japanische Einheitsschule einander gegenübergestellt.
5. Unterrichtsablauf: Es werden die typischen kulturellen Skripte vorgestellt, nach denen der Mathematikunterricht in beiden Ländern verläuft.
6. Unterrichtsmethode: Dieses Kapitel analysiert das "Fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch" und das "Open-ended problem solving" als zentrale Methoden.
7. Auswertung des japanischen Unterrichts: Eine Synthese der Beobachtungen zur Unterrichtsstruktur und Disziplin in Japan.
8. Schluss: Die Autorin reflektiert die Ergebnisse und diskutiert gesellschaftliche Faktoren sowie die Lehrerausbildung als mögliche Ursachen für die Leistungsdivergenzen.
Schlüsselwörter
TIMSS, TIMSS-Video, Mathematikunterricht, Schulsystem, Leistungsvergleich, Deutschland, Japan, Fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch, Open-ended problem solving, Unterrichtskultur, Lehrerberuf, Lehrerausbildung, Leistungsunterschiede, Bildungsforschung, Ganztagsschule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die mathematischen Schulleistungen von Schülern in Deutschland und Japan basierend auf den TIMSS-Studien.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentrale Felder sind die Schulsysteme, die Unterrichtsgestaltung, unterschiedliche Lehrmethoden sowie kulturelle Einflüsse auf den Lernprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation von Gründen für das bessere Abschneiden japanischer Schüler bei internationalen Leistungstests im Vergleich zu deutschen Schülern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der TIMSS-Ergebnisse, der Auswertung videographischer Studien und dem Vergleich nationaler Schulstrukturen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schulsysteme, vergleicht die typischen "Skripte" des Unterrichtsverlaufs und stellt die angewandten Lehrmethoden gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben TIMSS sind Begriffe wie Unterrichtsqualität, Problemorientierung, Schulstruktur und Lehrerrolle maßgebend.
Warum wird der Begriff "Open-ended problem solving" im japanischen Kontext verwendet?
Dieser Begriff beschreibt ein Problemlösekonzept, das den Schülern ermöglicht, durch komplexe, offene Aufgaben selbstständig Lösungswege zu entwickeln.
Welche Bedeutung misst die Autorin der deutschen Lehrerausbildung bei?
Die Autorin sieht in der zu theoretischen und auf Beweise fokussierten Ausbildung ein Problem, das den Transfer in den praktischen Schulalltag erschwert.
- Quote paper
- Susanne Freitag (Author), 2005, TIMSS und TIMSS-Video: Deutschland - Japan ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42877