Die Behandlung der Rhinitis allergica mit klassischer Akupunktur


Hausarbeit, 2009

32 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Schulmedizinische Definition der Rhinitis allergica
2.2 Betrachtung der Rhinitis allergica aus Sicht der TCM
2.2.1 Pathogenese und Einordnung der Symptome in die Denkweise der TCM
2.2.2 Das Wei-Qi
2.2.3 Das Lungen- Qi und sein Bezug zum Wei-Qi
2.2.4 Das Nieren- Qi
2.2.5 Der Yang Wei Mai
2.3 Differentialdiagnosen aus Sicht der TCM
2.3.1 Tabellarische Übersicht der Syndrome bei Rhinitis allergica

3 Zungendiagnose bei Rhinitis allergica
3.1 Der Zungenkörper
3.1.1 Die Form des Zungenkörpers
3.1.2 Die Haltung des Zungenkörpers
3.1.3 Die Farbe des Zungenkörpers
3.1.4 Der Zungenbelag
3.2 Zungenbilder im Bezug zum Syndrom
3.2.1 Zunge bei Störung im Funktionskreis Milz
3.2.2 Zunge bei Störung im Funktionskreis Leber
3.2.3 Zunge bei Störungen im Funktionskreis Lunge
3.2.4 Zunge bei Störungen im Funktionskreis Herz
3.2.5 Zunge bei Störungen im Funktionskreis Niere
3.2.6 Zunge bei Blut-Stagnation
3.2.7 Zunge bei Hitze

4 Pulsdiagnose bei Rhinitis allergica
4.1 Pulsqualitäten
4.1.1 Shumai – der schnelle Puls
4.1.2 Fu mai – der oberflächlich treibende Puls
4.1.3 Shi mai – der volle Puls
4.1.4 Xian mai – der Bogensehnen-Puls
4.1.5 Wei mai und ruo mai – der verschwindende und schwache Puls
4.2 Die Pulsbilder in Bezug zum Syndrom
4.2.1 Der Puls bei Wind-Hitze
4.2.2 Der Puls bei Wind-Kälte
4.2.3 Pulsqualitäten bei Lungen- Qi -Mangel
4.2.4 Pulsqualität bei Hitze in der Lunge
4.2.5 Der Puls bei Nieren-Yang-Mangel

5 Therapievorschläge
5.1 Die Akuttherapie
5.1.1 Erwärmer 5 Waiguan – Äußeres Tor
5.1.2 Gallenblase 41 Zulinqi – Fließende Tränen des Fußes
5.1.3 Gallenblase 20 Fengchi – Wind-Teich
5.1.4 Gallenblase 14 YangbaiYang- Weiß
5.1.5 Dickdarm 4 Hegu – Talverbindung
5.1.6 Dickdarm 11 Quchi – Gewundener Teich
5.1.7 Blase 40 Weizhong – Unterstützende Mitte
5.1.8 Blase 12 Fengmen - Windtor
5.1.9 Blase 13 Feishu – Zustimmungspunkt der Lunge
5.1.10 Lunge 7 Lieque – Unterbrochene Reihenfolge
5.1.11 Milz 3 Taibai – Höchstes Weiß
5.1.12 Magen 40 Fenglong – Reiche Wölbung
5.1.13 Lunge 10 Yuji – Fischbauchgrenze
5.1.14 Lunge 11 Shaoshang – Geringes Metall
5.2 Die prophylaktische Therapie
5.2.1 Lunge 8 Jingqu - Kanalgraben
5.2.2 Lunge 11 Shaoshang – Geringes Metall
5.2.3 Leber 1 Dadun – Großes Dickes
5.2.4 Leber 4 Zhongfeng – Mittleres Siegel
5.2.5 Du Mai 23 Shangxing – Oberer Stern
5.2.6 Du Mai 24 Shenting – Hof des Geistes
5.2.7 Gallenblase 20 Fengchi – Windteich
5.2.8 Du Mai 4 Mingmen – Tor der Vitalität
5.2.9 Ren Mai 4 Guanyuan – Tor des Ursprungs- Qi
5.2.10 Blase 23 Shenshu – Zustimmungspunkt der Niere
5.2.11 Niere 3 Taixi – Großer Wildbach
5.2.12 Blase 13 Feishu – Zustimmungspunkt der Lunge
5.2.13 Du Mai 12 Shenzhu – Säule des Körpers
5.2.14 Du Mai 14 Dazhui – Großer Wirbel

6 Zusammenfassung

7. Quellenangaben

1 Einleitung

Der Entschluss das Thema Rhinitis allergica in meiner Abschlussarbeit aufzugreifen, begründet sich durch die saisonal gehäufte Anfrage von Patienten, die unter der alljährlichen Belastung durch Heuschnupfen leiden. Wichtig ist hierbei, dass eine genaue Differenzierung der Beschwerden vorgenommen wird, um die Zusammenhänge klar zu erkennen und eine sinn- und wirkungsvolle Behandlungsstrategie zu entwerfen. Diese Arbeit stellt den Versuch dar, einen praxisrelevanten Überblick der möglichen Erscheinungsformen und Behandlungsstrategien des Heuschnupfens aufzuzeigen, der sich jedoch nur auf einen kleinen Teil des weit reichenden Krankheitsbildes bezieht. Es sollen die Unterschiedlichen Erscheinungsformen des Heuschnupfens genauer betrachtet und verdeutlicht werden, um einen Einblick in die Form der Traditionelle Chinesischen Medizin in Diagnostik und Therapie mit Akupunktur zu geben. Schwerpunkt dieser Arbeit soll dabei die differentialdiagnostische Betrachtung der Symptome, Zungen- und Pulsdiagnostik sowie die Therapie des akuten Stadiums und auch die prophylaktische Therapie sein.

2 Hauptteil

2.1 Schulmedizinische Definition der Rhinitis allergica

Rhinitis allergica oder Pollinosis beschreibt eine allgemein als Heuschnupfen bekannte IgE-vermittelte allergische Sofortreaktion (Typ 1), die nach zwei Kriterien eingeteilt werden kann. Zum einen unterscheidet man nach der Dauer in intermittierende (saisonale) sowie persistierende (nicht saisonale) allergische Rhinitis. Weiter unterscheidet man nach der Ursache, die sich in die Reaktion auf Pollen und Sporen oder auf häusliche, bakterielle oder andere Antigene trennen lässt.1

Charakterisiert ist die Erkrankung durch Niesreiz, Rhinorrhö, Verstopfung der Nasenwege, konjunktivalen, nasalen und pharyngealen Juckreiz sowie Tränen, Rötung und Schwellung der Augen. Diese Symptome treten in zeitlichem Bezug zur Allergenexposition (z.B. Pollenflug) auf.2

Von Februar bis Mai findet der Pollenflug der Bäume statt. Dabei handelt es sich um Hasel, Birke und Erle. Der Pollenflug der Gräser findet in der Zeit von Juni bis September statt, der Pollenflug der Unkräuter zieht sicht von Mitte August bis Oktober.

Näher soll auf die Schulmedizinische Betrachtung nicht eingegangen werden. Die Definition soll das Krankheitsgeschehen, wie es allgemein bekannt ist, verdeutlichen. Die weitere und tiefere Betrachtung soll aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin erfolgen.

2.2 Betrachtung der Rhinitis allergica aus Sicht der TCM

Die Rhinitis allergica mit ihren oben angeführten Symptomen wird aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin in die Kategorie eines Wei-Qi -Mangels eingeordnet. Das Wei-Qi hat seine Wurzel im Nieren- Yang und steht eng mit der Lunge in Verbindung, die das Wei-Qi auf Körperoberfläche und unter der Haut verteilt. Ist das Lungen- Qi nicht stark genug, kann es dieser Funktion nicht nachkommen. Die als Auslöser in Frage kommenden Allergene werden aus Sicht der TCM am ehesten den externen pathogenen Faktoren zugeordnet, genauer dem Faktor Wind.

Ist das Wei-Qi schwach, kann der pathogene Faktor Wind über die Nase eindringen und den Heuschnupfen verursachen.

Die Nase wird als „Öffner der Lunge“3 betrachtet und ist durchgängig, solange das Lungen- Qi stark genug ist. Dringt nun Wind als ein pathogener Faktor ein, muss unterschieden werden zwischen Wind-Hitze und Wind-Kälte, die sich in unterschiedlicher Symptomatik zeigen. Niesen, starker Fließschnupfen, Nasenobstruktion und weißlich-wässriges Sekret zeigen das Eindringen von Wind-Kälte an, eine stärkere Augenbeteiligung mit Rötung, Jucken, Schwellung sowie Rachenjucken steht eher für das Eindringen von Wind-Hitze.

Begriffe und Zusammenhänge werden im nächsten Abschnitt näher betrachtet.

2.2.1 Pathogenese und Einordnung der Symptome in die Denkweise der TCM

Der klassische Ablauf des Heuschnupfens besagt einen Beginn im Frühjahr, das den Wandlungsphasen nach dem Holz4 zugeordnet wird. Dem Holz werden der Osten sowie die Organe Leber und Gallenblase zugeordnet. Der Frühling gilt als sehr dynamisch, aktiv und als Zeit des neuen Beginnens innerhalb des Wandlungsphasenzyklus. Interessant ist in diesem Zusammenhang das immer wieder neue Beginnen, oder saisonale Auftreten des Heuschnupfens, der immer wieder mit dem Frühling zurückkehrt. Der Charakter des Heuschnupfens kann mitunter auch sehr dynamisch und aktiv sein und den Betroffenen stark beeinträchtigen.

Gerade die Leber ist als im Holz charakterisiertes Organ ein Organ, das selbst durch Stagnation und übermäßiges aufsteigendes Yang Wind erzeugen kann. Die Leber ist ebenfalls verantwortlich für den freien Fluss des Qi im gesamten Körper und somit auch für die freie Bewegung des Wei-Qi im Bereich der Haut. Die Leber öffnet sich in den Augen und sorgt durch das Leber- Yin dafür, dass sie ausreichend befeuchtet und genährt sind.

Dringt nun Wind-Hitze in den Körper ein, wird das Wei-Qi im Kampf gegen den pathogenen Faktor blockiert und es zeigen sich im Falle des Heuschnupfens am Auge die klassischen Symptome wie Rötung, Jucken und tränen. Die Hitze greift in diesem Fall auf die Leber-Leitbahn über, die das Auge zusammen mit der Gallenblasen-Leitbahn umzieht. Hier kann die Hitze, begünstigt durch Leber- Qi -Stagnation und, beziehungsweise oder Leber- Yin -Mangel, die Gefäße erweitern, was zu Rötung der Augen führt. Juckreiz und tränen entstehen durch den Wind, der sich innerhalb der Leitbahn bewegt. Schwellungen können auftreten, da das blockierte Qi die Flüssigkeit nicht mehr weiterbewegen kann. Der Mangel an Leber- Yin und Leber-Blut ist der Grund dafür, dass die entstehende oder schon bestehende Hitze durch Wind und Stagnation nicht ausreichend gekühlt werden kann und das Leber- Yang nach oben steigt, was die klassischen Entzündungszeichen der Augen hervorruft.

Der Wind bewegt sich allerdings nicht ausschließlich in der Leber- und Gallenblasen-Leitbahn, er dringt auch in die Lunge ein und blockiert hier das Lungen- Qi. Das Lungen -Qi kann in diesem Fall gegenläufig werden und so Niesen verursachen. Ein regelrecht fließendes Lungen- Qi führt den Atem nach unten. Das Lungen- Qi hat unter anderem die Aufgabe, das Wei-Qi im Körper zu zirkulieren und Flüssigkeit im Körper zu verteilen. Ein gegenläufiges Lungen- Qi kann diese Aufgaben nicht mehr erfüllen und die Pforte nach außen nicht geöffnet halten. Auf diesem Wege entstehen Nasenobstruktion, Niesen und Fließschnupfen. Rachenjucken und Juckreiz der Nase erklären sich durch den Wind, der die Hitze in den Körper trägt und in die vom Wei-Qi geöffneten Poren in die oberen Abschnitte des Körpers bringt. Das anfallsartige Auftreten des Heuschnupfens lässt sich auch durch den Wind erklären. Wind wandert im Körper umher, er kommt und geht. Ist der Wind gerade im kommen begriffen, so entsteht ein Anfall, der mit verstärkten Wind-Zeichen einhergeht und so lange anhält, bis der Wind wieder geht.

Die Grundlagen und Begrifflichkeiten sowie die Zusammenhänge werden in den nächsten Abschnitten genauer erläutert.

2.2.2 Das Wei-Qi

Das Wei-Qi, das in Haut und Muskeln zirkuliert, wird gerne mit „Abwehr- Qi “ übersetzt. „ Wei “ bedeutet im Chinesischen soviel wie „verteidigen“ oder „schützen“. Das Wei-Qi wird am ehesten dem Konzept von Yang zugeordnet, da es sich mehr an der Körperoberfläche bewegt und im Abwehrkampf gegen externe pathogene Faktoren, wie den Wind, viel Energie und Kraft benötigt.

Das Wei-Qi hat seinen Ursprung im unteren Erwärmer und bezieht von dort einen Großteil seiner Energie aus dem Nieren- Yang. Die Mitte, also Magen und Milz im mittleren Erwärmer, nähren das Wei-Qi und die Lunge im oberen Erwärmer verteilt es durch ihr Qi im Körper, in den Muskeln und in der Haut. Liegt in diesem Zusammenhang eine Schwäche von Nieren- Yang und/oder Lungen- Qi vor, kann das Wei-Qi seinen Aufgaben nicht nachkommen.

Der Bezug von Wei-Qi zum Dreifachen Erwärmer wird durch seine Verteilung und Herkunft in allen drei Abschnitten des Erwärmers deutlich. Der San jiao 5 wird als „Vater des Qi bezeichnet und ist verantwortlich für die Koordination aller energetischer Abläufe im Körper. Der Dreifache Erwärmer hat einen engen Bezug zum Yang Wei Mai und somit zum Yang des ganzen Körpers. Die Verbindung zwischen San jiao und Yang Wei Mai beinhaltet sehr viel Yang-Qi, ohne das das Wei-Qi nicht arbeiten kann. Der Yang Wei Mai verbindet alle Yang -Leitbahnen des Körpers miteinander6 und folgt sogar über einen Weile dem Verlauf der Gallenblasen-Leitbahn. Zu seinen Aufgaben zählt auch die Zirkulation von Wei-Qi durch den Körper, hauptsächlich über die Seiten des Rumpfes, die Außenseite der Beine und die seitlichen Anteile von Hals und Kopf. Hier kann der Yang Wei Mai auch gezielt verwendet werden, um aufsteigendes Yang in Leber und Gallenblase zu behandeln. Der Yang Wei Mai hat besonders großen Einfluss im Bereich des Kopfes.

Eine Schwäche des Wei-Qi oder eine Störung in seiner Zirkulation ist vergleichbar mit einer Schwächung der Körperabwehr. Es wird von der Lunge regiert und kontrolliert das Öffnen und Schließen der Poren zur Schweißabsonderung und Temperaturregulierung. Diese Schwäche der Körperabwehr ermöglicht es nun verschiedenen bösartigen Faktoren von außen in den Körper einzudringen. Im Falle der Rhinitis allergica geschieht dies über die Öffnungspforte der Lunge. Über die Nase tritt der externe pathogene Faktor ein und löst lokal die charakteristischen Symptome des Heuschnupfens aus.

2.2.3 Das Lungen- Qi und sein Bezug zum Wei-Qi

Die Lunge wird vom Nei Jing als „Schutzschirm der Yin -Organe“ bezeichnet7.Diese Bezeichnung begründet sich auf der Lage der Lunge, die sich wie ein Schirm über die Brusthöhle legt. Die Lunge, auch „das zarte Organ“ genannt, ist ein Yin -Organ und hat durch Nase und Rachen direkte Verbindung zur Welt außerhalb des Körpers. Durch diese direkten Zugänge zum Körperinneren ist die Lunge auch das Organ, das am leichtesten durch äußere pathogene Faktoren angreifbar ist.

Die Lunge regiert das Qi des gesamten Körpers. Durch die Atmung tritt das äußere Qi in den Körper ein und verbindet sich innerhalb der Lunge mit dem Inneren Qi. Die reine Luft, die von der Lunge aufgenommen wird, wird in das „Atmungs- Qi “, das Kong-Qi, umgewandelt. Dieses Kong-Qi verbindet sich nun mit dem Gu-Qi, dem „Nahrungs- Qi “ aus der Milz, zum „Sammel- Qi “, dem Zong-Qi.

Eine weitere Quelle des Qi bildet das „Ursprungs- Qi “, das Yuan-Qi, dessen Speicherort in den Nieren zu suchen ist. Vereinigt sich das Yuan-Qi mit dem Zong-Qi, entsteht das „wahre Qi “. das Zheng-Qi, welches sich wiederum in das Ying-Qi, dem „Nähr- Qi “, und das bereits besprochene Wei-Qi aufspaltet. Das Lungen- Qi bildet somit eine wichtige Grundlage für die Entstehung des Wei-Qi. Das Qi der Lunge hat nun unter anderem die Aufgabe, das Qi im Körper zu verteilen. Dazu gehört auch, das ausreichend Wei-Qi in Haut und Muskeln verteilt wird, um eine wirkungsvolle Hürde gegen externe Einflüsse zu Bilden. Ist das Lungen- Qi schwach, so wirkt sich dies natürlich auf das Wei-Qi aus. Die Zuordnung der Lunge zur Wandlungsphase Metall drückt hier auch eine Mangelnde Kontrolle des Metalls über das Holz im Ko -Zyklus aus. Hier kann ein schwaches Metall das Holz nicht mehr kontrollieren, wodurch Hitze und Wind entstehen können. Das Wei-Qi wird so schon in seinen Grundlagen geschwächt und wird nicht richtig an seine Bestimmungsorte verteilt. Symptomatisch kann sich dieser Zustand in erhöhter oder auch verminderter Schweißneigung oder auch Infektanfälligkeit zeigen. Schweiß tritt über die Hautporen aus, die ebenfalls durch Lungen- Qi und Wei-Qi kontrolliert werden.

Infektanfälligkeit sowie die allergische Reaktion in Form des Heuschnupfens basieren so auf der gegebenen Möglichkeit, dass ein pathogener Faktor vom Wei-Qi nicht mehr abgewehrt werden kann und so über die Öffner (Nase und Rachen) der Lunge direkt in den Körper eindringt. Gelingt es diesem pathogenen Faktor nun, sich im Körper festzusetzen und zu manifestieren, resultieren daraus die klassischen Symptome des Heuschnupfens.

2.2.4 Das Nieren- Qi

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel erwähnt, stellt die Niere, beziehungsweise das Nieren- Qi eine weitere Quelle des Wei-Qi dar. In der Niere wird das Yuan-Qi gespeichert, das sich mit dem Zong-Qi zum Zheng-Qi verbindet, welches wiederum in Wei-Qi und Ying-Qi geteilt wird.

Die Betrachtung der Niere erfordert die Berücksichtigung, dass das Nieren- Yin und das Nieren- Yang die Grundlage für alles Yin und Yang im Körper sind. Daher bekommen in diesem Fall Yin und Yang eine andere Bedeutung, wobei auch hier das Nieren- Yang in Bezug zum Äußeren und das Nieren- Yin natürlich eher in Bezug zum Inneren steht.

Das Wei-Qi hat im direkten Vergleich zum Ying-Qi einen deutlichen Yang -Charakter, obwohl es eher aus gröberen Anteilen besteht, und bezieht seine Energie vornehmlich aus dem Yang der Niere. Der Yang -Charakter leitet sich aus der Lokalisation in den äußeren Schichten des Körpers und der Aktivität des Wei-Qi ab. Ist das Yang der Niere schwach, so kann sich das Yuan-Qi nicht in ausreichendem Maß mit dem Zong-Qi verbinden und führt so zu einer ungenügenden Produktion von Wei-Qi. Das Yuan-Qi stellt auch den Ursprung des Qi der Lunge dar und beschreibt als „Ursprungs- Qi “ oder auch „vorgeburtliches Qi “ den Anteil des Qi, der bei der Empfängnis von den Eltern an das Kind weitergegeben wird. Hier wird die ererbte Konstitution hervorgehoben, die der erworbenen Qi -Schwäche gegenübersteht. Im Falle des Heuschnupfens zeigt sich im Falle einer Nieren-Schwäche eine familiäre Häufung der Erkrankung.

2.2.5 Der Yang Wei Mai

Der Yang Wei Mai6 stellt ein Verbindungsgefäß aller Yang -Leitbahnen im Körper dar und ist als Wei-Qi zirkulierendes Gefäß mit starkem Yang -Charakter in der Pflicht, Wei-Qi in ausreichendem Maß in alle Regionen des Körpers zu bringen. Der Yang Wei Mai verbindet nach dem Modell der sechs Schichten die drei Yang, Tai Yang, Shao Yang und Yang Ming. Dadurch, dass er das Tai Yang kontrolliert, wird deutlich, wie sein Zusammenhang zwischen Wei-Qi und dem Eindringen pathogener Faktoren in die obersten Schichten des Körpers zustande kommt. Hiernach liegen die Quellen des Wei-Qi in allen drei Erwärmern verteilt: im unteren Erwärmer zieht es seine Energie aus der Niere, weiterhin wird die Bildung im mittleren Erwärmer durch Magen und Milz unterstützt, bis das Wei-Qi schließlich im oberen Erwärmer durch die Lunge verteilt wird. Kann durch die drei Yang nicht genug Energie zur Verfügung gestellt werden, ist es dem pathogenen Faktor möglich, das Wei-Qi zu umgehen. Eine Schwäche des Yang Wei Mai kommt einer Schwäche des Yang und somit des Wei-Qi gleich, dass einen bedeutenden Yang -Charakter aufweisen muss, um sich im Kampf gegen äußere pathogene Faktoren behaupten zu können.

Der Yang Wei Mai findet eine besondere Bedeutung in der Behandlung von äußerer Wind-Kälte. Es entsteht ein Missverhältnis zwischen Ying-Qi und Wei-Qi, was es dem pathogenen Faktor ermöglicht, in den Körper einzudringen.

2.3 Differentialdiagnosen aus Sicht der TCM

Nach einem kurzen Überblick stellt sich nun die Frage, woran man den Unterschied, den man in der Traditionellen Chinesischen Medizin am Heuschnupfen beobachten kann, in der Praxis erkennt und richtig therapiert. Differentialdiagnostisch müssen nun die verschiedenen Erscheinungsformen des Heuschnupfens sowie die Konstitution des Patienten genau erfragt und untersucht werden.

In der chinesischen Medizin werden unter dem Konzept „ Bi yuan10 die Symptome eitrige Nasensekretion, Nasenobstruktion, Fließschnupfen, Kopfschmerzen und Niesen zusammengefasst. Dieses Modell passt nicht genau zur allergischen Komponente der Rhinitis allergica, da es sich eher um die Beschreibung einer Sinusitis oder einer chronischen Rhinitis handelt.

Im Vordergrund der Betrachtung steht das Eindringen des pathogenen Faktors Wind-Hitze oder Wind-Kälte. Dringt Wind-Hitze in die Lunge ein, ist mit Symptomen mit Hinweis auf Hitze zu rechnen. Dazu gehören die eitrige dickflüssige Nasensekretion, gerötete und juckende Augen, was Anzeigt, dass sich der pathogene Faktor auch in den Holz-Leitbahnen Leber und Gallenblase bewegt. Dringt Wind-Kälte ein, sind diese Manifestationen nicht zu erwarten. Der Schnupfen und die Nasensekretion erweisen sich als klar, dünnflüssig und sturzbachartig. Auch die Mitbeteiligung der Augen ist nicht so deutlich bis nicht ausgeprägt. Niesen deutet auf eine Störung des Lungen- Qi hin. Das Lungen- Qi hat eine absenkende und verteilende Funktion. Durch das Eindringen der Wind-Hitze oder Kälte wird die Funktion des Lungen- Qi blockiert und es kann seiner Flussrichtung nicht folgen. Die einzige Ausweichmöglichkeit des Lungen- Qi führt nun nach oben und nach außen, durch die Öffner der Lunge, Mund und Nase. Begibt sich das Lungen- Qi nun in eine umgekehrte Flussrichtung und steigt auf, spricht man von rebellierendem Qi mit der Symptomatik Niesen und Husten. Dieses rebellierende Qi kann nun, je nach Ausprägung, dazu führen, dass nicht genug Qi durch die Lunge nach unten geführt und verteilt wird, was im Zusammenhang mit der Rhinitis zu asthmatischen Erscheinungen wie Atemnot führen kann. Weitere Anzeichen, die auf eine direkte Störung des Lungen- Qi hinweisen, sind wässriges Sputum, schwache Stimme, Schwitzen, Abneigung gegen Kälte, Infektanfälligkeit, Müdigkeit.

Fehlt es an Nieren- Yang, so begünstigt dies die Situation des Lungen- Qi. Die Niere liefert im Körper den Grundsatz für alle Vorgänge und steuert somit auch die Funktionen der einzelnen Organe. Kann nun das Lungen- Qi seine absenkende Funktion nicht ausführen, kann ein Mangel an Nieren- Yang das Bild ergänzen. Die Niere hat die Funktion, alles, was von der Lunge nach unten geführt wird, zu halten und weiter zu verteilen. Wird nun das von der Lunge abgesenkte Qi nicht von der Niere gehalten, steigt es wieder auf und erzeugt ebenfalls Symptome wie Atemnot.

Eine Störung des Nieren- Yang führt aber schon an früherer Stelle zu einem Mangel an Wei-Qi, da es an Yuan-Qi mangelt. Beim Zusammenschluss von Zong-Qi und Yuan-Qi kommt es so zu einer nicht ausreichenden Bildung von Zheng-Qi und so zu einem Mangel an Wei-Qi. Zusätzliche Symptome, die auf ein schwaches Nieren- Yang schließen lassen, wären Abneigung gegen Kälte, Knie- und Rückenschmerzen, schlechter Appetit und weiche Stühle.

Um einen besseren Überblick geben zu können, soll die folgende Tabelle 2.3.1 dienen.

Bei genauer Untersuchung des Patienten fallen natürlich auch andere Zustände auf, wie zum Beispiel eine Stauung des Leber- Qi oder auch ein Mangel an Milz- Qi. Eine unendliche Vielzahl an Syndromen kann mit dem bisher Aufgeführten in Kombination auftreten und diese mitbeeinflussen. In dieser Arbeit sollen lediglich die relevantesten aufgeführt werden, um den Rahmen nicht zu sprengen.

2.3.1 Tabellarische Übersicht der Syndrome bei Rhinitis allergica

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Zungendiagnose bei Rhinitis allergica

Die Zungendiagnose8 spielt in der chinesischen Medizin eine besondere Rolle und soll demnach hier noch einmal gesondert aufgeführt werden. Da es sich um ein besonders umfangreiches Thema handelt, dass dem Therapeuten viele wichtige Hinweise auf den Zustand des Patienten geben kann, würde eine komplette Diskussion den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Aus diesem Grund sollen hier nur die charakteristischsten Zungenbilder in Bezug zur Rhinitis allergica besprochen werden. Das Bild der Zunge variiert je nach Zustand des Patienten und des eingedrungenen pathogenen Faktors. In den folgenden Abschnitten sollen zuerst die einzelnen Zungenzeichen an sich, und darauf folgend die im Zusammenhang stehenden Syndrome besprochen werden.

3.1 Der Zungenkörper

Bei der Betrachtung des Zungenkörpers unterteilt man die Zunge nach Organbezug. Die Zungenspitze zeigt den Zustand des Herzens an, die Mitte Milz und Magen, Leber und Gallenblase finden ihre Lokalisation am Zungenrand und die Zungenwurzel zeigt die Niere an. Am Zungenkörper und an den unterschiedlichen Arealen können verschiedene Qualitäten beobachtet werden. Den Therapeuten interessiert hier Form, Haltung, Farbe und Beweglichkeit des Zungenkörpers, die Qualität und die Lokalisation des Zungenbelags sowie die allgemeine Feuchtigkeit der Zunge. Was die einzelnen Kriterien aussagen, soll in den folgenden Abschnitten erörtert werden.

3.1.1 Die Form des Zungenkörpers

Der Zungenkörper kann in verschiedenen Formen verändert sein. Er kann geschwollen sein, was auf eine Ansammlung von Feuchtigkeit hinweist. Vergrößert sich der Zungenkörper soweit, dass sich Zahneindrücke abbilden, kann ein Milz- Qi -Mangel vorliegen. Ein dünner und verkleinerter Zungenkörper kann Anzeichen für einen Yin-Mangel sein, aber auch einen Qi - und Blut-Mangel anzeigen. Zeigen sich Papillen auf der Zungenoberfläche, spricht dies für einen Hitze-Zustand. Führt dieser Hitze-Zustand zu einem extremen Yin -Mangel, können sich Furchen unterschiedlich starker Ausprägung auf dem Zungenkörper bilden.

3.1.2 Die Haltung des Zungenkörpers

Die Haltung des Zungenkörpers ermöglicht es, Aussagen über den allgemeinen Zustand des Qi im Körper zu treffen. Eine Stagnation von Qi in der Muskulatur kann zum Beispiel Spasmen hervorrufen. Ein Zittern des Zungenkörpers hingegen entsteht auf der Grundlage eines Mangels an Qi, aber auch von Blut und Yang. Ein extremer Mangel an Qi, Blut und Yin kann sogar eine Atrophie des Zungenkörpers hervorrufen. Eine starke Hitze, die das Yin verbraucht und so stark schädigt, kann eine steife Zunge zur Folge haben. Weicht der Zungenkörper sogar von einer Seite ab, so kann die Ursache dafür ein aufsteigender Leber-Wind oder auch Schleim und Feuchtigkeit sein.

3.1.3 Die Farbe des Zungenkörpers

Die Farbe des Zungenkörpers kann zwischen blass und dunkelrot bis violett sein. Eine blasse Zunge zeigt ein Mangel- oder Kälte-Syndrom am oder geht mit einem Qi- und Blut-Mangel einher.

Ein roter Zungenkörper ist ein Zeichen für Hitze und kann für einen Fülle-, wie auch für einen Mangel-Zustand stehen, wenn eine volle Hitze das Yin verbraucht. Meist geht eine rote Zunge mit einem Belag einher, mit dessen Hilfe eine weitere Differenzierung möglich ist. Eine Dunkelrote Zunge zeugt von einer schweren Hitze, die schon lange andauert und sich meist im Herzen befindet. Färbt sich die Zunge blauviolett, besteht eine Blutstagnation besonderer Schwere. In diesem Fall ist es interessant, auch die Unterseite der Zunge und die dort befindlichen Unterzungenvenen zu betrachten, die bei einer Stagnation von Blut gestaut sind.

3.1.4 Der Zungenbelag

Am Zungenbelag kann man erkennen und unterscheiden, ob es sich um einen Hitze-, Kälte-, Leere- oder Füllezustand handelt. Ein gelber Belag spricht für Hitze, ein weißer eher für Kälte. Auch Menge und Konsistenz des Belags spielen eine wichtige Rolle, um aussagen zu können, ob und wie tief zum Beispiel ein pathogener Faktor in den Körper eingedrungen ist. Ist der Belag nass, ist Feuchtigkeit im Körper, ist er trocken, handelt es sich um Hitze und Säftemangel. Ein dicker öliger oder auch klebriger Belag kann im Gegensatz für Schleim oder feuchte Hitze stehen.

3.2 Zungenbilder im Bezug zum Syndrom

In diesem Abschnitt sollen nun die vorher besprochenen Zeichen der Zunge im Zusammenhang mit ihrem Auftreten im Rahmen bestimmter Syndrome und Funktionskreise erläutert werden. Es soll geklärt werden, wie eine Kombination verschiedener Zungenzeichen auf den Zustand der Erkrankung rückschließen lässt.

3.2.1 Zunge bei Störung im Funktionskreis Milz

Störungen im Funktionskreis Milz bestehen meist aus einem Qi -Mangel-Zustand und einer damit einhergehenden Retention von Feuchtigkeit. Ist das der Fall, ist der Zungenkörper geschwollen und kann Zahneindrücke auf den Rändern aufweisen. Der Qi -Mangel kann als Bewegung ein leichtes Zittern verursachen.

Die Farbe der Zunge ist meist blass, da durch den Qi -Mangel auch ein Blutmangel entsteht, wenn nicht ausreichend Energie für die Energieproduktion zur Verfügung steht oder diese durch zuviel Feuchtigkeit blockiert wird. Ein weiteres Zeichen kann in diesem Zusammenhang ein weißer, eventuell schmieriger Belag sein, der sich hauptsächlich auf die Mitte der Zunge konzentriert. Die feuchte Erscheinung des Belags ist von der Menge an Feuchtigkeit und/oder Schleim abhängig, die sich im Körper befindet und nicht mehr vom Milz- Qi bewältigt werden kann.

3.2.2 Zunge bei Störung im Funktionskreis Leber

Störungen im Funktionskreis Leber zeigen sich als charakteristische Veränderungen am Zungenkörper an den Seitenrändern. Diese können im Falle einer Leber- Qi -Stagnation aufgerollt sein. Stellt sich ein Leber-Blut-Mangel durch starke Stagnation und einem Leber- Yang -Zustand ein, erscheinen die Ränder auch oft abgefressen. Die Oberfläche der Zunge ist oft rau und unregelmäßig. Im ersten Zungendrittel kann ein tiefer vertikaler Riss entstehen. Die Haltung ist meist unauffällig, kann aber bei Leber-Wind zu einem Abweichen der Zunge führen. Farblich zeigt sich die Zunge deutlich gerötet, eventuell mit roten Punkten an der Spitze. Die Rötung ist ein Hinweis auf ein Hitze-Geschehen, dass mit einer Tendenz zum Nieren- Yin -Mangel einhergehen kann. Der Belag befindet sich im Bereich der Zungenwurzel und ist dick und gelb mit öliger Erscheinung. Dies weist auf feuchte Hitze im unteren Erwärmer hin, die auch als toxische Hitze gewertet werden kann, abhängig von der Ausprägung des Belags.

3.2.3 Zunge bei Störungen im Funktionskreis Lunge

Ist die Bewegung des Lungen- Qi blockiert, kann es die von der Milz gesandten Flüssigkeiten nicht mehr ausreichend verteilen und zirkulieren. Dies äußert sich in einem geschwollenen Zungenkörper, der wie beim Milz- Qi -Mangel Zahneindrücke an den Rändern zeigen kann. Der Zungenkörper weist bei einem Lungen- Qi oder Lungen- Yin -Mangel einen schrägen vertikalen Riss im ersten Drittel der Zunge auf. Die Haltung der Zunge ist eher unauffällig, kann aber bei extremem Qi -Mangel leicht zittrig sein. Die Farbe ist meist blassrot, ein Belag muss nicht vorliegen.

3.2.4 Zunge bei Störungen im Funktionskreis Herz

Grundlage des Zungenbildes ist Hitze in Leber und Herz. Diese Hitze verbraucht das Yin und lässt einen Mittelriss über den gesamten Zungenkörper entstehen. Kann man eine Einkerbung an der Zungenspitze beobachten, zeigt dies einen Herz-Blut-Mangel an. Ist der Zungenkörper hingegen geschwollen, zeigt das eine Mitbeteiligung von Milz- und Lungen- Qi, die sich jeweils in einem Mangelzustand befinden. Durch diesen Mangel sammelt sich Feuchtigkeit und lässt die Zungen anschwellen. Eine Delle am Zungengrund tritt bei einer Kombination mit einem Nieren- Jing -Mangel auf und erklärt sich durch einen Mangel an Essenz und Substanz. Die Haltung der Zunge ist nicht auffällig. Die Zunge sieht rötlich aus und hat deutlich gerötete Ränder, auch die Spitze ist rot. Handelt es sich jedoch nicht um einen Hitze-Zustand, kann die Zunge auch blass erscheinen, was wieder im Zusammenhang mit einem Milz- und Lungen- Qi -Mangel steht. Der Belag kann dünn, gelb und ölig sein, was für eine Retention von feuchter Hitze in Leber und Herz spricht. Ein dicker gelber Belag an der Zungenwurzel zeigt eine feuchte Hitze im unteren Erwärmer an.

3.2.5 Zunge bei Störungen im Funktionskreis Niere

Die Form des Zungenkörpers ist meist unauffällig und zeigt sich von der Haltung her eher schlaff aufgrund des mangelnden Yangs, wodurch die Muskulatur nicht mehr in der Lage ist, den Zungenkörper stabil zu halten.

Farblich zeigt sich die Zunge blass bei mangelnder Versorgung durch den Yang -Mangelzustand. Der Zungenbelag kann weiß und feucht sein.

Besonders bei den hier vorliegenden Zeichen ist an einen Wei-Qi -Mangel aufgrund eines mangelnden Nieren- Yangs zu denken. Die Zunge liefert hier den Ausdruck, dass zu wenig Energie vorhanden ist, um ausreichend den Körper mit den nötigen Yang zur Abwehr zur versorgen.

3.2.6 Zunge bei Blut-Stagnation

Bei einer Blutstagnation ist der Körper meist etwas schmaler und zugespitzt, was ein Zeichen für stagniertes Leber-Blut ist. Zahneindrücke können vorhanden sein, wenn ein Milz- Qi - oder Milz- Yang -Mangel vorliegt. Die Unterzungenvenen sind gestaut. Die Haltung ist unauffällig, kann aber zu Steifigkeit durch die Stagnation neigen. Die Färbung der Zunge scheint blassbläulich bei leichter Stagnation. Eine Rötung der Zungenspitze kann als unpathologisch betrachtet werden. Ein weißer dünner Belag zeigt eine Retention von Feuchtigkeit an.

3.2.7 Zunge bei Hitze

Die Körperform bei Hitze ist meist leicht geschwollen und trocken. Begleiterscheinungen im Mundraum können Aphten und Zahnfleischentzündungen sein. Der Zungenkörper ist rötlich gefärbt und kann einen auffällig dicken und gelben Belag aufweisen, der von der Konsistenz her ölig ist. Lokalisation des Belags ist an der Zungenwurzel, wo rote Papillen hervortreten können. Der Belag zeigt feuchte Hitze, beziehungsweise eine Retention von feuchter Hitze in der Blase an.

4 Pulsdiagnose bei Rhinitis allergica

Die Pulsdiagnose9 liefert in der Chinesischen Medizin wichtige Aufschlüsse über den Zustand des Patienten und gehört somit zu den Grundpfeilern der chinesischen Diagnostik.

Betrachtet man die verschiedenen Ursachen und Verlaufsformen des Heuschnupfens, so muss klar sein, dass sich unterschiedlichste Pulse ertasten lassen müssen. Das Spektrum der Pulse reicht von einem oberflächlichen, schnellen und gespannten Puls bishin zu einem leeren Puls, der sehr tief und schwach sein kann. Die Pulse werden an beiden Handgelenken im Bereich der Arteria radialis in drei Positionen getastet, an der Oberfläche wie auch in der Tiefe. Diese Positionen werden Cun, Guan und Chi genannt, sollen aber hier nicht weiter erläutert werden. Auch in diesem Abschnitt gilt, dass nur die charakteristischsten Pulsbilder9 besprochen werden sollen, die am häufigsten bei der Diagnose Heuschnupfen auftreten, auch die Technik der Pulstastung und Diagnose werden als bekannt vorausgesetzt. Zuerst sollen die Pulsqualitäten im Einzelnen besprochen werden, im Anschluss sollen die betreffenden Qualitäten dem jeweiligen Erscheinungsbild des Pulses bei Heuschnupfen zugeordnet werden.

4.1 Pulsqualitäten

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Pulsqualitäten im Allgemeinen beschrieben. Die Zusammenhänge der Pulsbilder mit dem den jeweiligen Syndromen und Krankheitserscheinungen werden in Abschnitt 4.2 erläutert.

4.1.1 Shumai – der schnelle Puls

Shu mai beschreibt einen Puls, der schneller ist, als er im Normalfall sein sollte. Ein schneller Puls kennzeichnet einen Zustand von Yang -Überschuss oder Hitze. Bei Hitze handelt es sich meist um einen pathogenen Zustand, der durch Fülle, als auch durch Leere herbeigeführt werden kann. Der schnelle Puls zeigt Hitze-Zustände im oberen Teil des Körpers an, wo meist Herz und Lunge agitiert werden. Das Herz kontrolliert die Geschwindigkeit des Pulsschlages.

4.1.2 Fu mai – der oberflächlich treibende Puls

De oberflächliche Puls Fu ma i ist am besten in der oberen Position zu tasten und verschwindet oder wird schwächer bei Druck in die Tiefe. Hier lässt sich nun der Zustand des Yang-Qi herauslesen, das sich in den oberen oder äußeren Körperbereichen ansammelt. Ursache für dieses Verhalten des Yang-Qi kann das Eindringen eines pathogenen Faktors sein, der zuerst in die oberen und äußeren Anteile des Körpers eindringt. Hier findet nun in der Abwehrschicht der Kampf von Wei-Qi gegen das Pathogen statt. Eine weitere Ursache für Fu mai ist ein Yin -Mangel. Yang-Qi hat die Eigenschaft, nach oben und nach außen zu fließen und wird vom Yin kontrolliert. Kann das Yin das Yang nun nicht halten, steigt das Yang-Qi im Übermaß nach oben und kann so einen pathogenen Zustand hervorrufen. Auch eine Leere von Qi und Yang kann dafür sorgen, dass Yang-Qi unkontrolliert nach oben fließt, da die Wurzel im unteren Anteil des Körpers verloren geht.

4.1.3 Shi mai – der volle Puls

Der volle Puls Shi mai zeigt den Kampf zwischen pathogenem Qi und einem doch relativ starken Wei-Qi an. Der Puls kann in diesem Fall auch eine eindeutig gespannte Qualität aufweisen, die an eine klassische Bogensehne erinnert. Ein gespannter Puls zeigt immer eine Stagnation an, die im Falle von Shi mai durch den aktuellen Abwehrkampf entsteht. Das freie Fließen von Qi und Blut kann hier nicht mehr regelrecht stattfinden.

4.1.4 Xian mai – der Bogensehnen-Puls

Der Bogensehnen-Puls beschreibt einen puls, der eng zusammengezogen ist und nur mit Anstrengung bewegt wird. Ursache ist hierfür immer eine Behinderung des freien Flusses von Qi.

Im Allgemeinen stehen hier die Qualitäten und die Zustände dreier Organe im Vordergrund, die auch im Zusammenhang mit der Rhinitis allergica stehen. Zum ersten betrachten wir die Leber, die den freien Fluss von Qi regelt. Diese Kontrolle über das Qi kann durch vielfältige innere und äußere Faktoren beeinflusst werden und das Qi kann nicht sich mehr frei bewegen, stagniert und erzeugt so einen gespannten Puls. Die Milz ist das zweite Organ, das im Rahmen der Energieproduktion für die Aufrechterhaltung von Qi - und Blutversorgung des Körpers verantwortlich ist. Kann die Milz nicht in genügendem Maß Qi hervorbringen, kann das Blut in den Gefäßen nicht mehr leicht bewegt werden, woraus ein stagnierender gespannter Puls entsteht.

Kommt es zu einem Nieren- Yang -Mangel, so steht der Niere nicht genug Energie zur Verfügung, um unter anderem die Leber zu wärmen und zu kräftigen. Dies kann zu einer Leere-Stauung führen, die aus einem Mangelzustand heraus Grundlage einer Qi - und Blut-Stagnation sein kann.

Weiterhin kann eine so genannte Yin -Obstruktion einen gespannten Puls erzeugen, wenn Feuchtigkeit, Schleim, Kälte und mehr den Fluss des Qi behindern.

4.1.5 Wei mai und ruo mai – der verschwindende und schwache Puls

Der Puls ist sehr schwach, sogar zum verschwinden schwach, wenn eine große Qi - und Blut-Leere vorliegt. Der zugrunde liegende Mangel bringt als Resultat mit sich, dass nicht ausreichend Energie vorhanden ist, um das Yang nach oben zu tragen, wodurch es in der Tiefe zu „verschwinden“ droht.

4.2 Die Pulsbilder in Bezug zum Syndrom

Im vorhergehenden Kapitel wurden die wichtigsten Pulsqualitäten im Einzelnen besprochen. Jetzt soll erläutert werden, worauf die einzelnen Pulsqualitäten schließen lassen und wie sie diagnostisch auftreten und wertbar sein können. Hier gilt zu beachten, dass nicht nur eine Pulsqualität je Syndrom tastbar ist. So wie eine Vielfalt von Krankheitserscheinungen und/oder Zusammenhänge mit im Spiel sein kann, verhält es sich auch mit den Pulsen, die verschiedenste Qualitäten an unterschiedlichen Tastpositionen aufweisen können. Auch hier sollen nur die wichtigsten besprochen werden.

4.2.1 Der Puls bei Wind-Hitze

Dringt Wind-Hitze in die Lunge ein, so wie es beim Heuschnupfen geschieht, verändert sich der Puls hin zu einem oberflächlichen, treibenden und schnellen Puls. Man spricht von Fu mai, dem oberflächlich treibenden Puls.

Diese Pulsqualität lässt sich weiter nach Leere und Fülle unterscheiden. Eine Leere, zum Beispiel des Yin, zeigt sich dadurch, dass der Puls nicht nur an die Oberfläche steigt und beschleunigt ist, sondern auch von der Qualität her eine deutliche Leere aufzeigt, die je nach Zustand und Konstitution des Patienten zum Beispiel in Yin, oder im Blut, auftreten kann. Dies kann durch Sommerhitze bedingt sein, die zur Erschöpfung führt. Ein oberflächlicher und wogender Puls kann hier Leere-Hitze anzeigen. Ist der Puls aufgeweicht, lässt sich ein Yin -Mangel ablesen. Ein rauer Puls zeigt an, dass die Hitze bereits das Blut geschädigt hat.

4.2.2 Der Puls bei Wind-Kälte

Der Puls bei dem Befall durch Wind-Kälte unterscheidet sich zu dem Puls von Wind-Hitze dadurch, dass er in der Qualität fest und steif wirkt. Auch bei Wind-Kälte spricht man von Fumai, einem oberflächlichen Puls, der aber durch die Kälte leicht verlangsamt und stagniert wirkt. Die Kälte wirkt verlangsamend und sorgt dafür, dass das Qi nicht ausreichend gewärmt wird und somit nicht mehr frei fließt. Dieser Zustand bewirkt, dass das Blut nicht mehr so leicht bewegt werden kann und sich „verfestigt“, was durch die feste Pulsqualität widergespiegelt wird, die auch einen gespannten Charakter aufweisen kann. Der Puls bei Wind-Kälte ist aber wider erwarten nicht schwach, obwohl er langsam und stagniert erscheinen mag. Die zugrunde liegende Fülle, die durch den eingedrungenen pathogenen Faktor entstanden ist zeigt auch hier einen vollen Puls, der wogend an der Oberfläche zu finden sein kann. Man kann auch von Jin mai sprechen, dem festen Puls, der durch Kälte-Muster entsteht. In Kombination mit der oberflächlichen Lokalisation und der treibenden Qualität zeigt dieser Puls eine äußere Kälte an. Wäre dieser Puls in der Tiefe zu fühlen, handelt es sich um innere Kälte.

4.2.3 Pulsqualitäten bei Lungen- Qi -Mangel

Der Puls, der die Qualität des Lungen- Qi anzeigt, ist am rechten Handgelenk in der Cun -Position zu finden und wird mit Xiong Zhong bezeichnet.

Bei einem vorliegenden Lungen- Qi -Mangel spricht man von Duan mai, dem kurzen Puls, der nach der Definition nicht über die Guan -Position, die Position der Schranke, hinaus spürbar ist. Dies sagt aus, dass das Yang-Qi nicht bishin zur Zoll-Position reichen kann. In diesem Fall reicht die Menge des großen Qi, oder auch Thorax- Qi, nicht aus. Die Quelle des Thorax- Qi ist zwar die Milz, aber die dadurch anfallende allgemeine Qi -Leere geht nicht spurlos am Lungen- Qi vorbei, wodurch sich die Pulsqualität mit deutlicher Schwäche des Lungen-Pulses zeigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Behandlung der Rhinitis allergica mit klassischer Akupunktur
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
32
Katalognummer
V428804
ISBN (eBook)
9783668726888
ISBN (Buch)
9783668726895
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rhinitis Allergica, Heuschnupfen, Akupunktur
Arbeit zitieren
Marco Weser (Autor), 2009, Die Behandlung der Rhinitis allergica mit klassischer Akupunktur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428804

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