Unterrichtsentwurf zum Thema "Auferstehung Jesu Christi" (Gymnasium)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
43 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theologische Dimension der Auferstehung Christi
2. 1. Auferstehung im Alten Testament
2. 2. Auferstehung Christi im Neuen Testament
2. 3. Auferweckung der Toten im Neuen Testament
2. 4. Auferstehung und Jenseitsglaube in nichtchristlichen Kontexten

3. Didaktischer Übergang
3. 1. Ziele der Unterrichtseinheit
3. 2. Stoffverteilungsplan
3. 3. Konzeption einer Doppelstunde

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

„ Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben auch wenn er stirbt “

Joh 11,25

Diese Worte Jesu aus dem Johannesevangelium fassen kurz und prägnant die Botschaft Jesu zusammen. Er kam zu uns auf die Welt, um uns von der Macht der Sünde zu befreien. Er wurde getötet, doch das konnte ihn nicht aufhalten, er ist auferstanden und ermöglicht so auch uns die Auferstehung und damit ein Leben nach dem Tod. Dieser zentrale Gegenstand der christlichen Theologie - mit dem „der Glaube […] steht und fällt“1 - soll das übergeordnete Thema der folgenden Arbeit sein. Eine knappe theologische Analyse der Auferstehung Christi, sowie eine Untersuchung, wie in nicht- christlichen Religionsgemeinschaften über das Thema Auferstehung und Leben nach dem Tod nachgedacht wird, sollen die Vorbereitung für einen Unterrichtsentwurf zum Thema „ Die Auferstehung Jesu Christi “ bilden.

Dargestellt werden soll eine Möglichkeit, wie mit der Auferstehung Christi, im Rahmen einer sechsstündigen Themeneinheit in der zwölften Klasse eines Gymnasiums, umgegangen werden kann. Hierzu wird ein sogenannter Stoffverteilungsplan angefertigt, zudem soll der Verlauf einer Doppelstunde genauer dargestellt werden. Um die konkreten Ziele dieser Unterrichtseinheit benennen zu können, muss zunächst etwas weiter ausgeholt werden. Eine kurze Darstellung des „ordentlichen Lehrfachs“ 2 Religion mit Hilfe des Bildungsplans von 2004 ist notwendig, um die Ziele der Unterrichtseinheit, sowie der einzelnen Stunden nachvollziehen zu können. Aufgabe und Ziel des evangelischen Religionsunterrichts ist es einerseits „ Kinder und Jugendliche bei ihrer Suche nach Orientierung und Lebenssinn “ 3 zu begleiten, sowie „ die Bedeutung des Evangeliums von Jesus Christus im Leben zu entdecken und im christlichen Glauben eine Hilfe zur Deutung und Gestaltung zu finden “ 4. Andererseits zielt der evangelische Religionsunterricht auch auf, „ü berpr ü fbare Kompetenzen und Inhalte “ 5 ab.

Die Konzentration auf Vermittlung von überprüfbaren Kompetenzen kann als Reaktion auf den Schock, der nach Veröffentlichung der PISA-Studie von 2001 vorherrschte, gesehen werden. Durch das unerwartet schlechte Abschneiden Deutschlands war den Verantwortlichen klar, dass über die Art der Lehre an deutschen Schulen kritisch nachgedacht werden muss. Das Ergebnis war ein Paradigmenwechsel. Im Zentrum des Religionsunterrichts steht nun die Vermittlung von Kompetenzen6: Beispiele für solche Kompetenzen sind die Hermeneutische Kompetenz („ die F ä higkeit [ … ] biblische Texte zu verstehen und auf Gegenwart und Zukunft hin auszulegen “) oder die Soziale Kompetenz („ die F ä higkeit, mit anderen r ü cksichtsvoll und verantwortungsbewusst umzugehen [ … ] “).

Im Folgenden soll in Auszügen dargestellt werden, was die konkreten Ziele dieses Unterrichtsentwurfes sind, indem dargestellt wird, welche, im Bildungsplan festgehaltenen, Dimensionen7 bearbeitet werden können und welche Kompetenzen von den Schülern erlernt werden sollen. Eine vollständige Ausführung über die Ziele würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen. Bei der Darstellung der einzelnen Unterrichtsstunden, sowie im Stoffverteilungsplan soll jedoch immer Bezug zu den Dimensionen und den Kompetenzen genommen werden.

Die sechsstündige Unterrichtseinheit „ Die Auferstehung Jesu Christi “ ist Teil des Themenpaars III Mensch und Jesus Christus. Die Dimensionen Bibel, Gott und Jesus Christus sind demnach diejenigen, welchen die größte Bedeutung in dieser Unterrichtseinheit zukommt. Doch auch die Dimension Religionen und Weltanschauungen wird bearbeitet, wenn der Frage nachgegangen wird, was in anderen Weltanschauungen unter Auferstehung beziehungsweise Leben nach dem Tod verstanden wird.8

Unter Berücksichtigung des Kompetenzmodells, soll darauf geachtet werden, die Schüler dafür sprachfähig zu machen, über „ Kernst ü cke der biblisch-christlichen Tradition und des christlichen Lebens Auskunft zu geben und deren Bedeutung f ü r unsere Kultur zu benennen “.9

2. Theologische Dimension der Auferstehung Christi

Im Folgenden soll nun eine theologische Analyse der Auferstehung Christi erarbeitet werden. Hierzu ist es in einem ersten Schritt nötig, zu untersuchen wie zu Jesu Lebzeiten über Auferstehung nachgedacht wurde. Grundlage hierfür, ist eine Untersuchung der Auferstehungsvorstellungen im Alten Testament. Auch über die Frage des Zusammenhangs zwischen der Auferstehung Christi und der allgemeinen Auferstehung der Toten, soll Aufschluss gegeben werden. Abschließend soll noch ein Blick über den abendländisch-christlichen Tellerrand gewagt werden, um Eindrücke davon zu bekommen, wie in anderen Kulturen, bzw. Religionsgemeinschaften über Auferstehung nachgedacht wird. Dieser Schritt ist notwendig, da der „ Dialog und [die] Auseinandersetzung mit anderen Sinn- und Wertangeboten “ 10 vom Bildungsplan ausdrücklich gefordert ist und somit auch Bestandteil des Unterrichtsentwurfs sein wird.

2. 1. Auferstehung im Alten Testament

Die moderne Forschung ist sich größtenteils einig darüber, dass sich der Auferstehungsglaube erst in den jüngsten Schriften des Alten Testaments manifestiert hat. Insbesondere dem Pentateuch ist ein Auferstehungsglaube fremd.11 Auch bevor sich in Israel Gruppen bildeten, die eine Auferstehung ähnlich unserer heutigen Vorstellungen lehrten, herrschte ein Glaube vor, der das Dasein nicht mit dem Tod enden ließ. Vielmehr war die allgemein anerkannte Meinung, dass sowohl Gottlose als auch Gerechte ein trostloses Schicksal in der Scheol erwarten würde.12 Doch zwischen dem Leben im Diesseits und der Scheol liegt eine Grenze an der sogar Gott Halt zu machen scheint: „ und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Wahrheit “ (Jes 38,18) Ausnahmen bilden hier nur die Entrückungen des Elia und des Henoch, sowie die Totenerweckungen des Elia und Elisa.

Doch diese Beispiele können nicht dafür herhalten, eine Vorstellung für die Auferstehung aller Gläubigen anzunehmen, da sie gänzlich anderer Natur sind. Im Falle Elia ist es zwar klar, dass er in den Himmel aufgenommen wird (2. Kön. 11), für Henoch werden dagegen keinerlei Angaben darüber gemacht was mit ihm geschieht (Gen. 5, 21 - 24). Beiden Fällen ist jedoch gemein, dass sie dem Schicksal des Todes entgehen und deswegen können beide Fälle nicht als Beispiele für Auferstehungsvorstellungen herhalten.

Der Fall der Totenerweckungen durch Elia und Elisa sieht hingegen anders aus. Hier kommt es tatsächlich zu einer Auferweckung oder Auferstehung von bereits Gestorbenen. Die jeweils Handelnden Elia (1. Kön 17) und Elisa (2. Kön 4) sind dabei Werkzeuge Gottes. Denn beide beten vor und während der Auferweckung zu Gott und bitten ihn, den jeweiligen Knaben lebendig zu machen. Diese beiden Berichte können sehr gut mit den Auferweckungen des Lazarus (Joh 11) und der Tochter des Jairus (Lk 8,49 - 56) verglichen werden. Alle vier Berichte haben nämlich die Intention, die Autorität des Handelnden, sowie dessen Verbundenheit mit Gott zu bezeugen. Jede dieser Auferweckungen verlängert das Leben des Auferweckten lediglich, zögert den Tod demnach nur hinaus und überwindet ihn nicht. Daraus lässt sich ableiten, dass auch die Berichte aus 1. Kön 17 und 2. Kön 4 nicht geeignet sind von einer allgemeinen Auferstehungsvorstellung zu reden.

Sowohl in Jesaja (26,19) als auch im Daniel Buch (12,2) ist die Rede von einer Auferstehung der Toten. Bei Daniel ist sogar vom ewigen Leben für die Frommen unter den Auferstandenen die Rede. Davon war in Jesaja noch keine Rede.13 Den Gottlosen wird jedoch mit „ewiger Schmach und Schande“ gedroht. Es bleibt jedoch unklar ob diese Auferweckung, egal ob zum ewigen Leben oder zur ewigen Schmach, exklusiv für Israeliten gilt. Der Text gibt hierzu keine Hinweise.14

Was jedoch klar wird, ist, dass die Auferstehung des Einzelnen bei Jesaja und Daniel zentraler ist, als in Hesekiel (37,7 - 11). Dort wird ja explizit erwähnt, dass Israel als Volk auferstanden ist. Der Einzelne Auferstandene spielt eine untergeordnete Rolle.15 Dies ist dadurch zu erklären, dass bei Hesekiel auch die Resignation des Gesamten Volkes über die Exilierung zum Ausdruck kommt. (Hes 37,1116 ) Die Hoffnung auf eine Auferstehung als Volk, ist sozusagen ein Gegenpol zur Verzweiflung im Exil.17

Es ist also klar erkennbar, dass sich in der Zeit zwischen der Entstehung des Pentateuch (fertiggestellt im 5. Jhd. v. Chr.) und der Niederschrift des Danielbuches (2. Jhd. v. Chr.) eine Auferstehungsvorstellung entwickelt hat, die dazu führte, dass zu Lebzeiten Jesu, die Sadduzäer die einzig verbliebene Gruppe war, die eine Auferstehung der Toten leugnete. Bei Jesaja 26,19 handelt es sich um einen redaktionellen Zusatz zur sogenannten Jesaja Apokalypse. Die Stelle ist in die frühhellenistische Zeit zu datieren.18

Im Buch Hiob (14, 10 - 16) wird diese Entwicklung deutlich. Denn der Autor lehnt den Auferstehungsgedanken zunächst ab (Vers 10 - 12):

„ 10 Der Mann aber stirbt und liegt da; und wo ist er? 11 Es verrinnen die Wasser aus dem See, und der Fluss trocknet ein und versiegt: 12 so legt der Mensch sich hin und steht nicht wieder auf; bis die Himmel nicht mehr sind, erwachsen sie nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlafe. “

Doch der Autor scheint nicht vollständig überzeugt, fragt sogar Gott ob es eine Auferstehung geben wird (Verse 13 - 16):

„ 13 O dass du in dem Scheol mich verstecktest, mich verb ä rgest, bis dein Zorn sich abwendete, mir eine Frist setztest und dann meiner ged ä chtest! 14 Wenn ein Mann stirbt, wird er wieder leben? Alle Tage meiner Dienstzeit wollte ich harren, bis meine Abl ö sung k ä me! 15 Du w ü rdest rufen, und ich w ü rde dir antworten; du w ü rdest dich sehnen nach dem Werke deiner H ä nde. 16 Denn nun z ä hlst du meine Schritte; wachst du nicht ü ber meine S ü nde? “

Es scheint also, dass im Buch Hiob Zweifel an der Vorstellung, es gebe keine Auferstehung vorhanden sind. Das Buch Hiob ist zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr. entstanden.19 Da eine genauere Datierung leider nicht möglich ist, fällt es auch schwer, Rückschlüsse darauf zu ziehen, wann in der israelitischen Kultur ein Umdenken in Bezug auf die Auferstehung stattfand.

Es lässt sich schon allein deshalb kaum eine Aussage darüber treffen wann und wie genau sich der Gedanke der Auferstehung Bahn gebrochen hat, weil es im Alten Testament schwer fällt eine genaue Grenze zwischen Heilung, Errettung vor dem Tod und Auferstehung zu ziehen. Dies liegt an der Nähe und Auswechselbarkeit der Bilder von Krankheit und Heilung, sowie Tod und Leben.20

2. 2. Auferstehung Christi im Neuen Testament

Eine Beschreibung der Auferstehung Christi findet in den kanonischen Schriften des Neuen Testaments nicht statt.21 Dies ist damit zu Begründen, dass die Auferstehung Christi als reines Glaubenszeugnis verstanden wird. Vielmehr sind die Tatsache der Auferstehung22, die Rede vom leeren Grab23, sowie Begegnungen mit dem Auferstandenen24 Gegenstand der Darstellung.25

Die vier Evangelisten sind sich darüber einig, dass Jesu Grab am ersten Tag der Woche leer war. Uneinigkeit herrscht jedoch sowohl darüber, welche Personen das leere Grab entdecken, sowie wer am leeren Grab angetroffen wird. Markus (16, 1 - 8) berichtet, das leere Grab wird von Maria von Magdala, Maria, der Mutter des Jakobus, und Salome gefunden. Sie entdecken einen Jüngling im Grab, der ihnen die Auferstehung Jesu verkündigt. Salome wird bei Matthäus (28, 1 - 10) nicht mehr erwähnt. Die beiden Marias finden das Grab noch bewacht und durch einen Stein versiegelt. Es erscheint jedoch ein Engel, der die Wachen erstarren lässt und den Stein wegrollt. Er verkündet den Frauen die Auferstehung. Die von Matthäus erwähnten Wachen am Grab tauchen auch im bereits erwähnten Petrusevangelium auf, sie sind wohl eine Reaktion auf die Betrugshypothese26. Lukas (24, 1 - 12) verändert die Markusvorlage indem er Salome durch Johanna ersetzt. Hierbei stützt er sich wohl auf sein Sondergut. Desweiteren berichtet er, wie auch Markus, von einem bereits weggerollten Stein. Die Auferstehung wird den Frauen diesmal von gleich zwei Engeln verkündet. Johannes (20, 1 - 18) unterscheidet sich deutlich von den Synoptikern. Denn Maria von Magdala ist zunächst allein am Grab. Da der Stein vor dem Grab weggerollt war, eilt sie zu Petrus und Johannes, die ihr zum Grab folgen. Als sie im Grab nur noch die Leintücher Jesu vorfanden, gingen die Jünger nach Hause und ließen Maria zurück. Ihr erscheint nun der Auferstandene und verkündet ihr, er werde auffahren zu Gott, seinem Vater.

Die Mischung aus Parallelitäten und Unterschieden bei der Entdeckung des leeren Grabes bieten die ideale Grundlage dafür, im Unterricht einen synoptischen Vergleich vorzunehmen und an Hand der Ergebnisse die Zweiquellentheorie zu erläutern.

Auch wenn der Gang der Frauen (bzw. der Frau) zum Grab kein historischer Bericht ist, so liefert er doch zumindest Anhaltspunkte dafür, dass schon weit vor der Niederschreibung des ersten Berichts (Markus ca. 70 n. Chr.) der Brauch bestand am Ostermorgen das Grab Jesu zu verehren. Dadurch wird die Erzählung vom Fund des leeren Grabes zur Ätiologie. Soll heißen, ursprünglich ist der Bericht vom leeren Grab entstanden, um den kultischen Brauch am Ostermorgen zu begründen.27 Die Evangelisten mussten ihre Leserschaft wohl kaum mehr von der tatsächlichen Auferstehung Christi überzeugen, sonst hätten sie wohl kaum (mit Ausnahme von Johannes) auf männliche Zeugen am leeren Grab verzichtet. Anders ist dies noch zur Zeit des Paulus. Denn in 1. Kor 15 5 - 8 führt Paulus eine Vielzahl von Zeugen, zuletzt auch sich selbst, auf, denen der Auferstanden Christus begegnet ist:

„ 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zw ö lfen. 6 Danach ist er gesehen worden von mehr als f ü nfhundert Br ü dern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. 8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. “

Es sei noch angemerkt, dass nicht nur die Auferstehung Autorität durch die Zeugen erhält, sondern auch die Stellung des Paulus unter den Aposteln wird natürlich dadurch größer, dass er der letzte ist, dem Christus erschienen ist.

2. 3. Auferweckung der Toten im Neuen Testament

Der Glaube an eine Auferweckung der Toten ist an sich zunächst nichts typisch christliches gewesen. Die frühe Christenheit knüpfte zunächst einfach an die Auferstehungsvorstellungen des Frühjudentums an. Dies wird durch die Auseinandersetzung Jesu mit den Sadduzäern, ausgesprochenen Auferstehungsgegnern, von der alle Synoptiker berichten (Mt 22, 23 - 33; Mk 12, 18 - 27; Lk 20, 27 - 40) verdeutlicht. Allein die Auferstehung Christi hatte eine religionsstiftende Bedeutung. Zudem ist eine Auferweckung der Toten, sofern sie christlich verstanden wird, auch immer an die Auferstehung Christi gebunden.28 Denn nur durch Jesu Sieg am Kreuz, wird eine Auferweckung der Toten überhaupt erst möglich gemacht. Insgesamt lässt sich sagen, dass im Neuen Testament ein sehr enger Zusammenhang zwischen der

Hoffnung auf die Auferweckung der Toten und der Auferstehung Jesu besteht.29 Denn die Auferstehung Jesu hat einen Prozess in Gang gesetzt, an dessen Ende die Auferweckung „ der zu Christus Geh ö renden “ (1. Kor 15, 23) steht.30 In Röm 8, 11 wird dann erneut diese Verbindung aufgegriffen. Paulus ist es demnach wichtig, die Parallelität der Auferstehungen hervorzuheben. Er beschränkt die Auferweckung jedoch auf diejenigen die den Heiligen Geist in sich haben:

„ 11 Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus Jesus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes. “

Eine weitere Schlüsselstelle zur Auferweckung findet sich erneut in Paulus erstem Korintherbrief. In 1. Kor 15, 12 - 19 führt Paulus die ganzen Ausmaße einer Leugnung der Auferweckung der Toten auf. An seiner Argumentation ist erkennbar, dass es wohl eine einflussreiche Strömung in Korinth gibt, die eine Auferweckung der Toten leugnet. Um was für eine Gruppe es sich dabei genau handelt, ist ein großer Streitpunkt in der modernen Forschung. Einigkeit scheint nur darüber zu herrschen, dass es keine zum Christentum konvertierten Sadduzäer waren.31

Beachtlich ist jedoch Paulus Reaktion auf die Leugnungen (1. Kor 15, 16 - 19):

„ 16 Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt. 17 Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren S ü nden. 18 Also sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verlorengegangen. 19 Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendsten von allen Menschen. “

Durch die Verknüpfung von Auferweckung der Toten und Auferstehung Christi und den verhängnisvollen Konsequenzen die sich aus letzterem ableiten lassen, versucht Paulus die Korinther zur Besinnung zu bringen.32

Nachdem nun die Verbindung der Auferweckung der Toten mit der Auferstehung Christi dargelegt wurde, ebenso wie die zentrale Bedeutung für den christlichen Glauben, soll nun noch geklärt werden, wie diese Auferweckung aussieht. Diese Frage führt zu einem „ komplizierten metaphysischen Problem: Was macht die menschliche und personale Identit ä t aus? “ 33 Der Geist oder der Leib? Daraus entwickelt sich dann die Frage nach der Art der Auferstehung: Wird nur die Seele, also der Geist in Ewigkeit bei Gott34 sein, oder bekommen wir einen neuen Leib. Um diese Frage sinnvoll beantworten zu können muss sowohl der auferstandene Christus, als auch Paulus Rede von der Auferweckung der Toten im Blick behalten werden. Würde man nur einen der beiden Punkte beachten, so Etzelmüller, wäre eine Antwort entweder spekulativ oder würde in einer archäologischen Sackgasse35 enden.36

Der Theologe Emanuel Hirsch widerspricht einer leiblichen Auferstehung Christi, indem er konstatiert, dass alles was sichtbar ist, irdisch und zeitlich sein muss. „ die Ewigkeit ist uns das schlechthin in Gestaltlosigkeit verborgene “ 37 Christus kann demnach nicht gleichzeitig leiblich auferstanden und ewiger Gott sein. Dem hält Etzelmüller entgegen, dass sich der Glaube nicht nur „ auf die schlechthin verborgene Ewigkeit richtet “, sondern dass er „ vom Sehen der Apostel herkommt “. Wie es auch die Evangelien berichten (Mt 28, 16 - 20; Mk 16, 9 - 19; Lk 36 - 49; Joh 29).

Die Frage wie Paulus die Auferweckung der Toten beschreibt führt zurück zu 1. Kor 15. Paulus gibt in den Versen 35 - 53 eine Antwort auf die in Korinth aufgekommene Frage: „ Wie werden die Toten auferweckt? “ Nachdem in den Versen 12 - 34 noch die Frage nach dem „ ob “ im Mittelpunkt stand, widmet sich nun auch Paulus der Frage nach dem „wie“ der Auferweckung. Durch zahlreiche Gegenüberstellungen (1. Kor 15, 42 - 44) stellt Paulus zunächst klar, dass sich der irdische Leib und der, von ihm als himmlische Leib (1. Kor 15, 40) bezeichnete, von Grund auf unterscheiden. Bei Paulus ist es also vollkommen klar, dass es sich um eine leibliche Auferweckung der Toten handeln muss. Auch darüber, wie dieser himmlische Leib aussehen wird, zeigt sich Paulus gut informiert. Paulus vergleicht die beiden Leiber mit einem Samenkorn, das ja auch sterben muss, um eine Pflanze hervorzubringen. (1. Kor 15, 37) Außerdem verdeutlicht Paulus die Unterschiede zwischen „ neuem und altem Menschen “ nocheinmal, indem er sie auf Adam und Christus - auch letzter Adam - bezieht. Durch 33 Schärtl, Thomas: Was heißt „Auferstehung des Leibes“? In: Auferstehung des Leibes - Unsterblich- keit der Seele, hrsg. von Godehard Brüntrup, Matthias Rugel und Maria Schwartz. Stuttgart. 2010. S. 59.

Adam soll die „ Erd- und Staubgebundenheit des Menschen “ 38 deutlich werden. So wie dann auch das Samenkorn stirbt, stirbt der alte Mensch und kehrt zum Staub der Erde zurück.39 Gott verleiht uns schließlich den zweiten Leib, den Himmlischen. Dieser ist nun nicht mehr vergänglich, denn Fleisch und Blut, also die Vergänglichkeit, kann das Reich Gottes nicht erben.40 Der zweite Mensch stammt demnach aus der „Sphäre Gottes“ und so wird es ihm möglich Anteil am Reich Gottes zu haben.

2. 4. Auferstehung und Jenseitsglaube in nicht-christlichen Kontexten

Im Hinblick auf den noch folgenden Unterrichtsentwurf kommt auch diesem Abschnitt eine besondere Bedeutung zu. Denn im Verlauf einer Doppelstunde sollen die Schüler einen religionsgeschichtlichen Vergleich durchführen. Sie sollen die Auferstehung Christi, beziehungsweise die christliche Auferstehungsvorstellung mit Jenseitsmodellen sowie Auferstehungshoffnungen in anderen Religionen41 und Kulturen vergleichen. Es ist festzuhalten, dass bisher mit Auferstehung, beziehungsweise Auferweckung, nie ein bloßes wieder-lebendig-machen gemeint war42, sondern immer die Handlung Gottes, die, wie von Paulus in 1. Kor 15 beschrieben, aus dem alten, irdischen Menschen, den neuen, geistlichen Menschen macht.

Im Folgenden soll ein äußerst knapper Überblick des hinduistischen Reinkarnationsglaubens folgen, im Hinblick darauf, dass die Schüler diesen mit der christlichen Auferstehungshoffnung vergleichen können. Grundzüge des hinduistischen Glaubens sollten allen Schülern bekannt sein, da in Klasse 10 innerhalb der Dimension Religionen und Weltanschauungen der Hinduismus ausführlich zu behandeln war. Ausdrücklich sollten die Schüler sogar dazu in der Lage sein „ das hinduistische Verst ä ndnis von Leben und Tod [zu] entfalten “ 43, der Vergleich mit den christlichen Vorstellungen ist somit Wiederholung und Vertiefung des Stoffes aus Klasse 10 zugleich.

Seit etwa 600 v. Chr. herrschte in Indien der Glaube an eine Wiedergeburt inne. Erst durch Auseinandersetzungen mit dem Christentum und dem Islam hat sich eine Apologetik entwickelt. Als zentrale Argumente des Wiedergeburtglaubens werden die shruti (heilige Schriften) angeführt, aber auch die Erklärung der scheinbar „ unverschuldeten Ungleichheit “ der Menschen. Die Ungleichheit der Menschen ist demnach durch ein früheres Leben gerechtfertigt.44 Das sogenannte „ karman “ ist demnach verantwortlich was die Art der Wiedergeburt angeht. Zum karman sei noch angemerkt, dass dieses sowohl individuell als auch kollektiv vorherrscht. Karman kann demnach vererbt werden und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Eine genaue „ontologische Ökologie“ dieses karmans übersteigt jedoch jedes Fassungsvermögen.45

Genauso, wie christliche Theologen nicht müde werden zu betonen, man könne nicht von „dem Christentum“ sprechen, ist es gefährlich von „der Jenseitsvorstellung im Islam“ zu sprechen. Ganz einfach deshalb, weil sich, wie auch das Christentum, der Islam über ein riesiges Gebiet ausgebreitet hat und sich so eine nicht zu überblickende Vielzahl von Richtungen, Strömungen und Ausformungen gebildet haben.46 Laut Karl Hoheisel, lassen sich diese „ vielf ä ltigen Nuancen in der Frage nach Paradies und H ö lle “ 47 vernachlässigen.

Wie die Verwandtschaft des Islam mit dem Christentum erwarten lässt, sind die Gemeinsamkeiten über die Vorstellungen vom Jenseits zwischen Islam und Christentum deutlich größer, als die zwischen Christentum und Hinduismus. So ist es Allah alleine, der - durch das Verstocken, beziehungsweise Weitmachen des Herzens für den Islam - die Weichen für Glück oder Verdammnis des Menschen im Jenseits entscheidet. Denn das Leben im Diesseits und das Halten der Gebote des Islams sind entscheidend für das Jenseits.48 Wie die Bibel, so kündigt auch der Koran einen Jüngsten Tag an. Für einen gläubigen Moslem bedeutet der Tod demnach die Spanne zwischen eigenem Sterben und einem Weltgericht, bei dem Allah die Taten jedes einzelnen beurteilt und vergilt.49

[...]


1 Beckmann, Joachim: Zum Verständnis des Todes Jesu. Stellungnahme des Theologischen Ausschusses und Beschluß der Synode der Evangelischen Kirche der Union. Gütersloh. 1968. S. 11.

2 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Art. 7 Abs.3; Verfassung des Landes Baden-Württemberg Art. 18.

3 Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg für das allgemein bildende Gymnasium. S. 24.

4 Ebd. S. 25.

5 Bildungsplan S. 25.

6 Die komplette Liste der Kompetenzen ist nachzulesen im Bildungsplan S. 25f.

7 Bildungsplan. S. 35.

8 Die genauen Fähigkeiten zu denen die Schüler, in der Bearbeitung der jeweiligen Dimension, befähigt werden sollen, sind ebenfalls dem Bildungsplan (S. 35) zu entnehmen.

9 Bildungsplan S. 25.

10 Bildungsplan S. 24.

11 Schnocks, Johannes: Rettung und Neuschöpfung. Studien zur alttestamentlichen Grundlegung einer gesamtbiblischen Theologie der Auferstehung. Bonn. 2009. S. 11.

12 Nötscher, Friedrich: Altorientalischer und alttestamentlicher Auferstehungsglauben. Darmstadt. 1970. S. 118.

13 Nötscher, Friedrich: Alttestamentlicher Auferstehungsglauben. S. 160.

14 Ebd.

15 Ebd. S. 161.

16 „[…] Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren; wir sind dahin.“

17 Kellermann, Ulrich: Das Gotteslob der Auferweckten. Motivgeschichtliche Beobachtungen in Texten des Alten Testaments, des frühen Judentums und des Urchristentums. Neukirchen - Vluyn. 2001. S. 31f.

18 Waschke, Ernst - Joachim: Auferstehung. Auferstehung der Toten. Altes Testament. RGG4. Bd. 1. Sp. 916.

19 Gertz; Jan Christian: Grundinformationen Altes Testament. Eine Einführung in Literatur, Religion und Geschichte des Alten Testaments. Göttingen. 2006. S. 429.

20 Waschke, Ernst - Joachim: Auferstehung. Auferstehung der Toten. Altes Testament. RGG4. Bd. 1. Sp. 915.

21 Lediglich das apokryphe Petrusevangelium berichtet über den Vorgang der Auferstehung Jesu.

22 „Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Mt 28, 6.

23 Mk 16, 1 - 8; Mt 28, 1 - 8; Lk 24, 1 - 12; Joh 20, 1 - 10.

24 Lk 24, 13 - 52 (Emmausjünger).

25 Becker, Jürgen: Auferstehung. Auferstehung Jesu Christi. Neues Testament. RGG4. Bd. 1. Sp. 922.

26 Die Betrugshypothese war von Anfang an Teil der christlichen Auseinandersetzung. Sie unterstellt den Jüngern, Jesu Leichnam aus seinem Grab gestohlen zu haben, um so seine Auferstehung vorzutäuschen.

27 Schenke, Ludger: Auferstehungsverkündigung und leeres Grab. Eine traditionsgeschichtliche Untersuchung von Mk 16, 1 - 8. Stuttgart. 1968. S. 93.

28 Landmesser, Christof: Die Auferstehung der Toten als paulinisches Theologumenon. In: Endangst und Erlösung 1. Untergang, ewiges Leben und Vollendung der Geschichte in Philosophie und Theologie, hrsg. von Peter Koslowski und Friedrich Hermanni. München. 2009. S. 83.

29 Vgl. 1. Kor 15 12 - 15.

30 Schimanowski, Gottfried: Auferweckung im Neuen Testament und in der frühjüdischen Apokalyptik. „Auferstehung der Toten“ in den ältesten Glaubensbekenntnissen und der Widerspruch gegen sie. In: Auferstehung der Toten. Ein Hoffnungsentwurf im Blick heutiger Wissenschaften, hrsg. von Hans Kessler. Darmstadt. 2004. S. 52.

31 Schrage, Wolfgang: Der erste Brief an die Korinther. 4. Teilband 1 Kor 15,1-16,24. In: Evangelisch- Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, hrsg. von Norbert Brox u. a. Zürich/Düsseldorf. 2001. S. 111 - 113.

32 Ebd. S. 110.

33 Schärtl, Thomas: Was heißt „Auferstehung des Leibes“? In: Auferstehung des Leibes – Unsterblichkeit der Seele, hrsg. von Godehard Brüntrup, Matthias Rugel und Maria Schwartz. Stuttgart. 2010. S. 59.

34 In der christlichen Eschatologie wird ein Auferstehungsglaube vorausgesetzt, der eine Ewigkeit bei Gott meint und keine Rückkehr ins irdische Leben, wie beispielsweise die Totenerweckungen Elias und Elisas oder die durch Jesus selbst.

35 Die Frage ob Jesu Grab tatsächlich leer war, lässt sich aus archäologischer Sicht nicht mehr beantwor- ten.

36 Etzelmüller, Gregor: „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ Die Leiblichkeit des Auferstandenen und ihre Bedeutung für die Eschatologie. In: Die Wirklichkeit der Auferstehung, hrsg. von Hans-Joachim Eckstein und Michael Welker. Tübingen/Heidelberg. 2002. S. 222.

37 Zitiert nach: Etzelmüller, Gregor: „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ S. 225.

38 Schrage, Wolfgang: 1 Kor 15,1-16,24. In: EKK. S. 308.

39 Ebd. S. 309.

40 „ Dies aber sage ich, Br ü der, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben k ö nnen, auch die Verg ä nglichkeit nicht die Unverg ä nglichkeit erbt. “ 1. Kor 15, 50.

41 Um den Umfang der Unterrichtsstunde nicht zu sprengen, sollen lediglich der Reinkarnationsglaube und der Islam betrachtet werden. Da sowohl der Hinduismus als auch der Islam bereits in der Sekundarstufe II zu den Themen gehörten, lässt sich hier bestens auf bereits vorhandenes Wissen aufbauen.

42 Ausnahmen sind die Totenerweckungen Elias und Elisas, sowie die Auferweckung des Lazarus und der Tochter des Jairus, durch Jesus.

43 Bildungsplan S. 32.

44 Von Brück, Michael: Ewiges Leben oder Wiedergeburt? Sterben, Tod und Jenseitshoffnung in europäischen und asiatischen Kulturen. Freiburg. 2007. S. 272f.

45 Von Brück, Michael: Ewiges Leben oder Wiedergeburt? S. 273.

46 Hoheisel, Karl: Paradies und Hölle im Islam. In: Die Welt nach der Welt. Jenseitsmodelle in den Religionen, hrsg. von Bernd Michael Linke. Frankfurt. 1999. S. 91.

47 Ebd.

48 Ebd. S. 94.

49 Ebd. S. 100f.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsentwurf zum Thema "Auferstehung Jesu Christi" (Gymnasium)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
43
Katalognummer
V428857
ISBN (eBook)
9783668767898
ISBN (Buch)
9783668767904
Dateigröße
10309 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsentwurf, thema, auferstehung, jesu, christi, gymnasium
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Unterrichtsentwurf zum Thema "Auferstehung Jesu Christi" (Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428857

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