Eine kritische Untersuchung des Partherkriegs unter Traian. Darstellung und Wirklichkeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

21 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rom und das Partherreich – von Sulla zu Vespasian

3. Ziele und Vorbereitungen – der Weg in den Krieg?

4. Die Reise nach Osten – von Rom nach Antiochia

5. Der Partherkrieg
5.1. Schnelle Erfolge – das Kriegsjahr 114
5.2. Anno vuoto – Die Problematik des Jahres 115
5.3. Gegenoffensive und Aufstände 116/117 – das Imperium beginnt zu wanken

6. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

1. Einleitung

Vom Senat erhielt Traian das Privileg über beliebig viele Völker Triumphe feiern zu dürfen, außerdem „plante das Volk in Rom für ihn die Errichtung eines Triumphbogens auf seinem eigenen Forum und machte sich bereit, ihm bei seiner Heimkehr weiter als gewohnt entgegenzuziehen.“[1] Diese Ehrungen, sowie zahlreiche Münzprägungen mit Legenden wie PARTHIA CAPTA oder ARMENIA ET MESOPOTAMIA IN POTESTATEM P(opuli) R(omani) REDACTAE, zeichnen das Bild eines Triumphs, der seinesgleichen sucht. Doch die Realität im Jahr 117, als Traian starb, sah um einiges anders aus. Der Partherfeldzug kostete wohl weit über 20 000 römische Soldaten das Leben[2] und am Ende war, wie zu Beginn, der Euphrat die Grenze des direkten römischen Einflussgebiets. Eine Erfolgsgeschichte sieht anders aus.

Nach einer anfänglichen Betrachtung der gemeinsamen Vergangenheit zwischen Rom und dem Partherreich, setzt sich diese Arbeit das Ziel, die auch in neuster Literatur[3] noch hoch umstrittene Frage der Chronologie zu beleuchten. Außerdem soll die geographische Dimension, sowie Traians Kriegsgründe und Kriegsziele untersucht werden. Hierbei soll insbesondere die entscheidende Rolle Armeniens herausgehoben werden. Diese Problematiken müssen genaustens untersucht werden, damit klar wird, warum der Partherfeldzug in einem Fiasko endete.

Da Cassius Dio in seiner römischen Geschichte die einzige überlieferte Quelle ist, die zumindest in größeren Auszügen erhalten ist, ist dies die Hauptquelle dieser Arbeit. Vom antiken Hauptwerk für Traians Partherkrieg, der Parthica Arrians sind nur noch wenige Fragmente enthalten. Doch auch aus Münzprägungen, imperatorischen Akklamationen sowie der Annahme von Siegerbeinamen wie PARTHICVS oder OPTIMVS, lassen sich Rückschlüsse auf die Chronologie des Partherkrieges ziehen.

2. Rom und das Partherreich – von Sulla zu Vespasian

Die erste Begegnung mit einem Vertreter des Partherreiches hatte Sulla im Jahre 92 v. Chr, als er Proprätor der Provinz Kilikien war. Dies geben übereinstimmend die antiken Schriftsteller Velleius Paterculus, Rufus Festus und Plutarch an.[4] Er traf, wahrscheinlich in der Gegend von Melitene, auf Orobazos, einen Abgesandten des parthischen Großkönigs Mithridates´ II. Grund des Zusammentreffens war die Bitte um summaci,a kai. fili,a. Dieser griechische[5] terminus technikus entspricht dem lateinischen amicus et socius. Ob über dieses Freundschaftsbekunden hinaus Verträge zwischen Rom und dem Partherreich geschlossen wurden, ist auf Grund mangelnder Quellen unbekannt.

Wie beständig die römisch-parthische amicitia war, zeigte sich in den Jahren 74 v. Chr. und 69. v. Chr., als Lucius Lucullus, Konsul des Jahres 74 v. Chr., zunächst das Königreich Pontus besiegte und später sogar gegen das den Parthern benachbarte Armenien Krieg führte. Phraates III. wahrte beide Male die Neutralität zu den kriegsführenden Parteien und kam so den Forderungen des Lucullus nach. Man kann daher davon ausgehen, dass beide Parteien, sowohl die Römer als auch die Parther den Euphrat als die Grenze ihrer Interessengebiete begriffen.[6]

Im Jahre 66 v. Chr., nachdem Pompeius Lucullus abgelöst hatte und nun das Kommando im Osten führte, wurden die Beziehungen zu den Parthern weiter verbessert. Es wurde ein foedus aequum geschlossen, was bedeutete, dass sich Römer und Parther verpflichteten, einander militärischen Beistand zu leisten.[7] Nach einer erneuten Auseinandersetzung mit Armenien, die zur Folge hatte, dass sich König Tigranes den Römern unterwarf und daraufhin zum amicus et socius populi Romani ernannt wurde, begann sich das Verhältnis zum Partherreich deutlich zu verschlechtern. Ziegler sieht den römischen Imperialismus und die Sicht auf das Partherreich, als „eines der noch nicht unterworfenen Königreiche des Ostens“[8] als Grund für die Verschlechterung der Beziehungen, die schließlich im Angriffskrieg des Crassus im Jahre 54 v. Chr. ihren Höhepunkt fanden. Dass dieser Angriff für Crassus und Rom kein gutes Ende nahm dürfte bekannt sein. 53 v. Chr. schlug ein parthisches Heer die Römer bei Karrhai vernichtend und erbeutete die römischen Feldzeichen. Zudem fand Crassus bei einem auf die Schlacht folgenden Tumult den Tod.[9]

Bis sich Octavian 31 v. Chr. in der Schlacht bei Actium gegen Marcus Antonius durchzusetzen vermochte, gab es von Seiten der Parther mehrere Einfälle auf römisches Gebiet, vornehmlich in die Provinz Syria. Dauerhafte Gebietsgewinne konnten jedoch weder die parthischen Angriffe noch römische Gegenoffensiven verzeichnen.

Nachdem die Machtfrage in Rom nun eindeutig geklärt war, kam es, ohne einen formellen Friedensschluss, zu einem Ende jeglicher Kampfhandlungen zwischen römischen und parthischen Truppen.[10] 23 v. Chr. erhielt Augustus die Zusage Phraates´ IV., die verlorenen Feldzeichen zurückzubekommen.[11] Die Feldzeichen gingen jedoch erst drei Jahre später, als Augustus in Syrien war, wieder in römischen Besitz über, was von Augustus wie ein militärischer Sieg gefeiert wurde.[12] Die bereits unter Sulla geschlossenen amicitia wurde erneuert und bestand, trotz mehrerer Thronstreitigkeiten im Partherreich, bis zu Augustus Tod im Jahre 14 n. Chr.

Im Jahre 18 n. Chr. war es erneut Armenien, das den Frieden der beiden Großmächte bedrohte: Als Artabanos III. die Absetztung des armenischen Königs Vonones herbeiführte und stattdessen plante einen seiner Söhne zum König zu machen, reagierte Tiberius. Er schickte seinen Neffen Germanicus, der bereits als Nachfolger gehandelt wurde, in den Osten. Germanicus nahm daraufhin Armenien in Besitz und krönte Zenon, einen Sohn des Königs von Pontus, zum armenischen König.[13] Doch auch dieser Zwischenfall konnte das parthisch-römische Verhältnis nicht weiter belasten, und so wurde 19 n. Chr. der status quo des Jahres 20 v. Chr. wiederhergestellt.

Bis ins Jahr 37 n. Chr. fanden keine Zwischenfälle statt, die das Verhältnis über die Maßen belastet hätten. In den letzten Tagen der Regierungszeit des Tiberius kam es erneut zu einem persönlichen Treffen des Partherkönigs Artabanos III. mit einem römischen Abgesandten. Ob sich bei der sogenannten Euphratkonferenz Artabanos III. der römischen Oberhoheit tatsächlich unterwarf, wie von Dio geschildert[14], oder ob es tatsächlich nur zu einer Bestätigung der amicitia und des status quo kam, bleibt Spekulation.

Unter Caligulas Herrschaft (37 – 41 n. Chr.) verschlechterte sich die römische Machtposition im Osten durch die Absetzung des armenischen Königs Mithridates, doch Claudius setzte diesen unmittelbar nach seiner Machtübernahme erneut als König in Armenien ein. Da sich das Partherreich in einem erneuten Bürgerkrieg befand, konnte es kein Kapital aus dem vorübergehenden Machtvakuum schlagen.

Im Jahre 52 n. Chr. nutze der Partherkönig Vologaises I. eine erneute Schwächephase der Römer aus und machte seinen Bruder Tiridates zum armenischen König. Als Nero im Jahre 54 n. Chr. dann die Herrschaft in Rom übernahm, war Armenien also erneut unter parthischem Einfluss.[15] Es folgte eine rapide Verschlechterung der Beziehungen. Der Streitpunkt war erneut Armenien. Nero war nicht bereit die verlorene Einflussnahme an der Ostgrenze des Imperiums hinzunehmen und beauftragte aus diesem Grund Cn. Domitius Corbulo, den römischen Interessen an Armenien gegenüber Vologaises I. Nachdruck zu verleihen.[16] Da Corbulo und Tiridates zu keiner Übereinkunft kamen und ein Treffen der beiden, wegen gegenseitigem Misstrauen, nicht zu Stande kam, waren kriegerische Auseinandersetzungen unausweichlich geworden.[17] Corbulo gelang es schließlich Armenien in seine Gewalt zu bringen und so wurde 60 n. Chr. Tigranes als römischer Vasallenkönig über Armenien eingesetzt.[18] Als dieser ein Jahr später in die Adiabene einfiel, kam es erneut zu Kampfhandlungen. Ein ausgedehnter Krieg zwischen dem römischen Imperium und dem Partherreich konnte jedoch, durch langwierige Verhandlungen zwischen Corbulo und dem parthischen König Vologaises I. verhindert werden. In der Armenienfrage wurde ein Kompromiss beschlossen, dessen Folgen bis in Traians Regierungszeit nachwirkte: Der parthische König sollte den König über Armenien bestimmen, in diesem Falle seinen Bruder Tiridates, doch sein Diadem, also das Zeichen seiner Herrschaft, sollte er aus der Hand des römischen Kaisers empfangen. Und so reiste Tiridates im Jahre 66 n. Chr. schließlich nach Rom und wurde dort von Nero zum König über Armenien gekrönt.[19]

Unter den flavischen Kaisern schließlich kühlte sich das Verhältnis zu den Parthern zwar deutlich ab, was an der Weigerung Vespasians lag den Parthern Waffenhilfe zu leisten. Zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam es indes nicht.[20]

3. Ziele und Vorbereitungen – der Weg in den Krieg?

Nachdem die Vergangenheit Roms mit dem Partherreich, mit besonderem Augenmerk auf die Rolle Armeniens, in ihren Grundzügen dargelegt wurde, soll im folgenden Abschnitt zunächst der Frage nach Traians Kriegszielen nachgegangen werden. Daran anschließend sollen die getroffenen Vorbereitungen genauer untersucht werden. Dabei soll deutlich werden, dass die Absetzung des Exedares in Armenien, durch den parthischen Großkönig Osroes, keinesfalls die Ursache für den Krieg war, sondern lediglich eine Reaktion auf die Kriegsvorbereitungen Traians.

Die Frage nach den Kriegszielen kann auf Grund mangelnder Quellen nicht endgültig beantwortet werden, was dazu führt, dass diese Fragestellung ein zentraler Gegenstand der modernen Beschäftigung mit Traians Partherkrieg ist.[21] Lepper unterscheidet in seinem Werk „Trajans´s Parthian War“[22], das bis heute als Standardwerk angesehen wird[23] zwischen drei möglichen Kriegszielen: Die Kontrolle der Handelsrouten in den Osten, demnach wirtschaftliche Interessen. Die von Cassius Dio beschriebene Ruhmsucht Traians und schließlich, wie es Lepper nennt, „the case for premeditation“[24], also die vorsätzliche Kriegsführung, die zum Ziel hatte, die Parther in ein Abhängigkeitsverhältnis zu drängen. Als weiteres Ziel könnte man noch eine Art Strafaktion gegen die Parther sehen, die durch das Absetzen des Exedares in Armenien die mit Nero geschlossenen Abmachungen aufkündigten.

Es ist nicht davon auszugehen, dass der alleinige Grund für den Partherkrieg die Sicherung und Erschließung von Handelsrouten in den Osten war. Denn gerade in der Zeit nach dem Friedensschluss des Augustus mit Phraates IV. nahm der Warenaustausch deutlich zu und das, obwohl der Wüstenstadt Palmyra, einer der wichtigsten Handelsstützpunkte westlich des Euphrat, weitgehende Autonomie eingeräumt wurde.[25] Und nach einem so groß angelegtem Feldzug, wie es der Partherkrieg war, hätte der Fernhandel sicherlich mehrere Jahre benötigt um sich zu erholen, selbst wenn dieser erfolgreich verlaufen wäre. Auch Lepper hält es für unwahrscheinlich, in der Erschließung neuer Handelsrouten den Hauptgrund für den Partherkrieg zu sehen.[26]

Der Vorwurf Dios, Traian hätte aus Ruhmsucht gehandelt, lässt sich nicht völlig entkräften. Denn Traian hatte sicherlich vor, durch einen Sieg über die Parther jeden römischen Feldherrn, ausdrücklich auch Caesar, zu übertreffen. Wie Strobel aus dem Panegyricus richtig ableitet, wollte Traian alle „hervorragenden Männer an Ruhm übertreffen, und zwar jeden auf seinem Gebiet (paneg. 88, 6)“[27]. Doch trotz seiner Erfolge in Dacien hatte er den Eroberer Galliens noch nicht dermaßen in den Schatten gestellt, wie er beispielsweise Augustus übertroffen hatte, als er das Traiansforum fertigstellen ließ.[28] Ob Traian zudem eine alexander imitatio anstrebte lässt sich heute nicht mehr klären, fest steht nur, dass er in der antiken Rezeption oft mit diesem verglichen wird.[29] Die Frage ob Traian den Krieg schon länger geplant hatte, oder ob es sich dabei um eine bloße Reaktion auf die veränderte Lage in Armenien gehalten hat, soll geklärt werden nachdem zunächst die Frage nach den ergriffenen Vorbereitungsmaßnahmen geklärt wurde.

Häufig wird die Unterstellung der Provinz pontus et bithynia unter direkte kaiserliche Aufsicht und die Entsendung des Plinius als Statthalter als erste Vorbereitungsmaßnahme gedeutet. Strobel widerspricht dieser Annahme jedoch unter Verweis darauf, Plinius hätte lediglich die finanziellen Angelegenheiten der Städte kontrollieren sollen.[30] Da beide Fälle sehr gut möglich sind, ist die Entsendung des Plinius ein eher schwaches Indiz für eine langfristige Planung Traians. Anders ist da das enorme Truppenaufgebot (11 Legionen, sowie Auxiliartruppen) zu beurteilen, das eine langfristige Planung, vor allem von infrastruktureller Seite – Straßen- und Brückenbauprogramme – notwendig machte.[31] Auch die Teilung der Provinz cappadocia-galatia im Jahre 112 ist als eindeutiges Zeichen für einen bevorstehenden Konflikt in Armenien zu deuten. Denn nach der Teilung standen mit den Legionen XVI Flavia und XII Fulminata in Satala und Melitene römische Truppen unmittelbar an der Grenze zu Armenien.[32]

Wenn man, wie Ziegler, die Absetzung des Exedares für das Jahr 112 annimmt[33], so kann man davon ausgehen, dass ein Krieg zu diesem Zeitpunkt von der parthischen Seite aus schon nicht mehr zu verhindern war. Deshalb scheint es m. E. völlig legitim zu behaupten, Traian habe schon vor der Absetzung des Exedares die Entscheidung für einen direkten Konflikt mit den Parthern getroffen. Der wahrscheinlichere Grund für die Absetzung des Exedares ist demnach das Misstrauen des parthischen Großkönigs Osroes gegenüber seinem Neffen Exedares, da dieser noch von Pakoros, dem Vorgänger des Osroes eingesetzt worden war. Die Entscheidung für Parthamasiris als neuen armenischen König, nahm Traian schließlich dankbar an, um einen Krieg gegen das Partherreich und seine Verbündeten zu entfesseln, den er zudem noch als bellum iustum[34] bezeichnen konnte, da die Absetzung des Exedares geltende Verträge gebrochen hatte.

4. Die Reise nach Osten – von Rom nach Antiochia

Auch der Aufbruch Traians aus Rom im Jahr 113 stellt die moderne Forschung vor Schwierigkeiten, da das genaue Datum der Abreise unbekannt ist. Eine Notiz in Arrians Parthiká[35], wird häufig fälschlicherweise so gedeutet, dass Traian am 27. Oktober 113, dem Jahrestag seiner Adoption durch Nerva, Rom verließ und sich in Richtung Antiochia aufmachte. Doch schon Lepper stellte fest, dass es sich bei dieser Bemerkung auch um ein Ereignis in den folgenden Jahren gehandelt haben kann, auf das Arrian anspielt.[36] Auch die Erwähnung des Historikers Malalas, Traian sei im Oktober aufgebrochen hat wenig Beweiskraft, da Malalas gleichzeitig behauptet, dies sei im zwölften Jahr seiner Herrschaft, also dem Jahr 109 geschehen, was offensichtlich falsch ist.[37] Eine Berufung auf Arrian und Malalas, welcher die Ankunft Traians in Antiochia für den 9. Januar belegt, unternimmt trotz offensichtlichen Unstimmigkeiten Oliver Linz.[38]

Strobel widerspricht dem entschieden und geht selbst davon aus, Traian sei bereits vor Ende Oktober in Antiochia eingetroffen und demnach schon im August aufgebrochen. Seine Begründung ist meteorologischer Natur, denn Strobel hält Schiffsreisen in den Wintermonaten für zu gefährlich.[39]

Das tatsächliche Aufbruchsdatum wird ohne neues Quellenmaterial sicherlich nicht mehr rekonstruierbar sein. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass es sich mit dem 27. Oktober 113 wohl um ein konstruiertes Datum hält. Da Strobel mit seiner meteorologischen Begründung die schlüssigste These liefert, soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit von einem Verlassen Roms im August ausgegangen werden.

Der Verlauf der Reise nach Armenien kann zu den besser überlieferten Episoden des Partherkrieges gezählt werden. Mit dem Schiff reiste Traian in Begleitung der kaiserlichen Familie, zu der auch Hadrian zählte, nach Athen, wo ihn eine Gesandtschaft des parthischen Großkönigs Osroes erwartete, um Frieden zu erbeten.[40] Die Gesandtschaft stellte jedoch auch die Forderung, Traian solle den Parthamasiris als armenischen Herrscher akzeptieren und dies durch die Übersendung des Diadems deutlich machen. Diese Forderung wird der Grund gewesen sein, warum Traian die mitgebrachten Geschenke ablehnte, nicht bereit war dem Osroes eine schriftliche Antwort zukommen zu lassen und bekannt gab, er werde weiter nach Syrien reisen und von dort aus geeignete Maßnahmen treffen.[41] Eine friedliche Lösung war spätestens jetzt unmöglich geworden. Die Zurückweisung einer offiziellen Gesandtschaft, in Verbindung mit massiven Truppenverschiebungen[42] konnte der parthische König nur als inoffizielle Kriegserklärung verstehen. Von Athen aus setzte Traian nach Kleinasien über und fuhr an der Küste entlang bis nach Antiochia, wo er im Oktober 113 eintraf.[43]

Ein Indiz dafür, dass Traians kriegerische Absichten bereits zu Beginn über Armenien hinaus gingen liefert Antiochia selbst. Denn Kappadokien und nicht Antiochia war der typische Ausgangspunkt für militärische Expeditionen in Armenien.[44] Antiochia, als drittgrößte Stadt des Imperiums, die nun auch die kaiserlichen Kanzleien beherbergte und somit zu einer Art Regierungssitz aufstieg, eignete sich schon eher als Ausgangspunkt für eine großangelegte und mehrere Jahre andauernde Offensive gegen das Partherreich selbst.[45] Nie zuvor war ein Kaiser soweit gegangen, wenn es darum ging politische Macht von Rom auf eine andere Stadt zu übertragen.

5. Der Partherkrieg

Auf dem folgenden Kapitel liegt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit. Es soll dargelegt werden, wie es von den anfänglichen Erfolgen zur totalen Niederlage und dem Verlust von nahezu allen hinzugewonnen Gebieten und Einflüssen kommen konnte. Ein besondere Bedeutung soll auch dem Jahr 115 zukommen, das in der Forschung auch als anno vuoto bzw. leeres Jahr bezeichnet wird.

5.1. Schnelle Erfolge – das Kriegsjahr 114

Um göttlichen Beistand im nahenden Krieg zu erhalten brachte Traian, in Begleitung Hadrians, Zeus ein Opfer auf dem Berg Kasios dar, um anschließend das Orakel des Zeus zu befragen.[46] Dass Hadrian den Kaiser bei einer so wichtigen Zeremonie begleiten durfte unterstreicht deutlich dessen Stellung. Die Anwesenheit des Kaisers in Antiochien, hatte sich mittlerweile bei den Herrschern der umliegenden Reiche herumgesprochen. Cassius Dio berichtet, dass Abgar, der König von Osrhoene, ihm Geschenke überbringen lies, ohne jedoch selbst zu erscheinen. Er wollte sich, kurz vor Ausbruch des Krieges, offensichtlich noch nicht auf die Seite der Römer stellen und so seine neutrale Stellung zwischen Traian und den Parthern wahren.[47]

Anhand der Witterungsbedingungen in den armenischen Bergen, muss davon ausgegangen werden, dass Traian Antiochia erst im April verließ, um nach Nordosten zu ziehen.[48] Als Traian Melitene erreichte, befanden sich acht Legionen, unter anderem die aus dem 2. Dakerkrieg erprobte Legio VI Ferrata, sowie zahlreiche Vexillationskorps unter seinem Kommando.[49] Ein solches Heer zu mobilisieren, nur um Thronansprüche in Armenien geltend zu machen, leuchtet in keinster Weise ein. Daraus folgt der Schluss, dass bereits zu diesem Zeitpunkt Pläne für eine großangelegte Auseinandersetzung mit dem Partherreich existierten. Diese Ansicht unterstützt auch die Tatsache, dass schon Mitte des Jahres 114 weitere Truppenkontingente zusammengezogen wurden. Aus Britannien, Ober- und Untermoesien, ja sogar aus Spanien[50] wurden Truppen in den Osten verlegt. Ausschließlich die Donaufront und Dakien waren nicht von den Truppenverlegungen betroffen.[51]

Nachdem Traian nahe Melitene den Euphrat überquert hatte, um Arsamosata zu besetzen, erreichten ihn viele Geschenke, die Gesandte der umliegenden Könige und Fürsten überbrachten.[52] Auch Osroes schickte eine Gesandtschaft, die Traian jedoch, wie schon in Athen, zurückwies. Auch der sichtlich unter Druck geratene Parthamasiris versuchte mit Traian in Kontakt zu treten. Doch da er sich in einem Schreiben als König über Armenien bezeichnete und deshalb von Traian keine Antwort erhielt, wandte er sich in einem zweiten Schreiben erneut an Traian, verzichtete diesmal jedoch auf die Titulatur.[53] Parthamasiris erbat Traian um ein Treffen mit Marcus Iunius, dem kappadokischen Statthalter. Anstatt jedoch Marcus Iunius selbst, schickte Traian dessen Sohn um sich mit Parthamasiris zu treffen, was eine erneute Demütigung für den Neffen des parthischen Großkönigs bedeutete.[54] Traian achtete also weder im Umgang mit Gesandten des Großkönigs, noch im Umgang mit Parthamasiris auf eine Entschärfung des Konflikts, sondern zeigte durch seine Handlungen, dass er nicht gewillt war der parthischen Seite Zugeständnisse zu machen.

Von Arsamosata zog Traian dann weiter in Richtung Schwarzes Meer und besetzte die Stadt Satala. Auch hier kam es noch immer nicht zu kämpferischen Auseinandersetzungen. Stattdessen tauschte Traian Geschenke mit Anchialus, dem Herrscher der Henochier und Machelonen aus, was bedeutet, dass er sich der römischen Oberhoheit unterordnete.[55] Bennett geht davon aus, dass Traians Heer mit dem er in Satala eintraf, das größte römische Heer bildete, das es je gab.[56]

[...]


[1] Cassius Dio: LXVIII 29,3.

[2] Strobel, Karl: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte, Regensburg, 2010, S. 380.

[3] Die Werke von Oliver Linz (2009) und Karl Strobel (2010) sind in den zentralsten Fragen zur Chronologie völlig uneins.

[4] Sulla … cum ad eum, primum omnium Romanorum, legati Parthorum venissent. Zitiert nach: Ziegler, Karl-Heinz: Die Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich. Ein Beitrag zur Geschichte des Völkerrechts, Wiesbaden, 1964, S. 20.

[5] Die Verhandlungen zwischen den beiden Großmächten wurden aller Wahrscheinlichkeit nach auf Griechisch geführt.

[6] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 24f.

[7] Ebd. S. 29.

[8] Ebd. S. 37.

[9] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 33.

[10] Ebd. S. 45.

[11] Cassius Dio: The augustan settlement. Roman History 53 – 55.9, hrsg. und übersetzt von J. W. Rich, Warminster, 1990, LIII, 33,2.

[12] Cassius Dio: LIV, 8,2.

[13] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 58.

[14] Cassius Dio: LIX 27,3.

[15] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 66.

[16] Cornelius Tacitus: Annalen Band III. Buch XIII – XVI; hrsg. von Thomas Baier u. a., Darmstadt, 2011, XIII 9, 1-3.

[17] Tacitus XIII 38 und 39.

[18] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 68.

[19] Ebd. S. 73f.

[20] Ebd. S. 80.

[21] Strobel: Kaiser Traian, S. 349.

[22] Lepper, F. A.: Trajan´s Parthian War, Oxford, 1948.

[23] Linz, Oliver: Studien zur römischen Ostpolitik im Principat, Hamburg, 2009, S. 151.

[24] Lepper: Trajan´s Parthian War, S. 164.

[25] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 50f.

[26] „Indeed, it may be assumed that Trajan did not go to war in 113/114 without some calculations of possible profit and loss, […] but this is very far from proving that the prime motives for this war were economic.“ Lepper: Trajan´s Parthian War, S. 160.

[27] Strobel: Kaiser Traian, S. 353.

[28] Ebd.

[29] Dazu genauer: Ebd. S. 350.

[30] Ebd. S. 351.

[31] Linz: römische Ostpolitik, S. 152.

[32] Strobel: Kaiser Traian, S. 351.

[33] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 98.

[34] Ziegler: Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich, S. 100.

[35] „evniau,sioj h=n h`me,ra evn h=| Trai?ano.j evpi diadoch|/ th/j `Rwmai/wn avrch/j u`po. tou/ patro.j Nerou,a eivsepoih,qh.“ Zitiert nach: Lepper: Trajan´s Parthian War, S. 29.

[36] Ebd.

[37] Ebd.

[38] Linz: römische Ostpolitik, S. 153.

[39] Strobel: Kaiser Traian, S. 361.

[40] Cassius Dio: LXVIII 17,2.

[41] Ebd. 17,3.

[42] Die Truppen mit denen Traian in Melitene zusammentraf, hatten ihr Winterlager in Ankyra bezogen, was dem parthischen Großkönig sicherlich nicht entgangen war. (Strobel: Kaiser Traian, S. 365)

[43] Strobel: Kaiser Traian, S. 361.

[44] Linz: römische Ostpolitik, S. 153.

[45] Strobel: Kaiser Traian, S. 361f.

[46] Bennett, Julian: Trajan. Optimus Princeps. A Life and Times, London, 1997, S. 191.

[47] Cassius Dio: LXVIII 18,1.

[48] Bennett: Trajan, S. 191.

[49] Strobel: Kaiser Traian, S. 364.

[50] Hierbei handelte es sich um die Legio VII Gemina, die Traian einst in Spanien selbst befehligt hatte.

[51] Strobel: Kaiser Traian, S. 365.

[52] Cassius Dio: LXVIII 18,2.

[53] Ebd. 19,1.

[54] Ebd. 19,2.

[55] Ebd.

[56] „Satala that spring must have witnessed the greatest concentration of Roman legions ever known, [...]“ Bennett: Trajan, S. 192.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Eine kritische Untersuchung des Partherkriegs unter Traian. Darstellung und Wirklichkeit
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V428868
ISBN (eBook)
9783668753143
ISBN (Buch)
9783668753150
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, untersuchung, partherkriegs, traian, darstellung, wirklichkeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Eine kritische Untersuchung des Partherkriegs unter Traian. Darstellung und Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428868

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