Die folgende Arbeit sucht nach einer Aufklärung des Spannungsverhältnisses des Allgemeinen verglichen mit dem Besonderen und soll erläutern, inwiefern Aristoteles dieses Verhältnis deutet und klarstellen, aus welchem Grund dieses mit dem Verständnis der Literaturtheorie bzw. dem Begriff der Literatur vereinbar ist.
In der Poetik setzt sich Aristoteles mit der Dichtkunst und ihren Gattungen auseinander. Die Tragödie, Epik, Dithyrambendichtung der Tanz und die Musik werden von ihm dargelegt. Vor allem im Bereich des Wirkungszwecks der Tragödie wird die Aufgabe des Dichters, welche für die Literaturtheorie von Bedeutung ist, dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
2. Die aristotelische Auffassung von Tragödie und Dichtkunst
2.1. Das Allgemeine versus das Besondere
2.2. Katharsis als Wirkungszweck
3. Charaktergestaltung und Identifikation
4. Die Bedeutung der literarischen Form
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen innerhalb der aristotelischen Poetik. Ziel ist es, zu erläutern, warum Aristoteles die Dichtung als philosophischer und ernsthafter als die Geschichtsschreibung einstuft und inwiefern diese Unterscheidung für das Verständnis von Literatur heute noch von Bedeutung ist.
- Aristotelische Poetik und ihre Gattungen
- Unterscheidung zwischen Dichtung und Geschichtsschreibung
- Die Funktion der Nachahmung (Mimesis) und Katharsis
- Die Rolle des Allgemeinen in der Charaktergestaltung
- Die Vermittlung von Literatur durch die Schriftform
Auszug aus dem Buch
Ausgewählte Charakteristika der aristotelischen Poetik: Das Allgemeine und das Besondere in der Tragödie
„Aus dem Gesagten ergibt sich auch, dass es nicht Aufgabe des Dichters ist mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen könnte, d.h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit Mögliche.“ Hier bietet es sich für den weiteren Verlauf der Analyse an, auf die Aufgabe der Tragödie einzugehen und das Ziel zu erläutern. An Hand dieser oben zitierten Aussage von Aristoteles, ist zu erkennen, dass die Aufgabe der Tragödie die Nachahmung von dem Möglichkeitsbereich der Wirklichkeit ist.
Denn das Ziel ist es, aus den wahrscheinlichen oder möglichen Handlungen eine Reinigung der eigenen Erregungszuständen vorzunehmen. Dies geschieht durch Jammer und Schaudern. Das oberste Ziel der Tragödie nach Aristoteles ist die Katharsis, nämlich die: „[...] Nachahmung von Handelnden und nicht durch Bericht, die Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“ Demnach „[...] ist Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung; denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.“
Es stellt sich die Frage, was genau ist das Allgemeine und wieso ist es ernsthafter als die Geschichtsschreibung? Was ist das Besondere an der Geschichtsschreibung? Aristoteles spricht dem Allgemeinen eine wichtige und ernste Rolle zu und wertet die Dichtkunst gegenüber der Geschichtsschreibung auf. Das Allgemeine hat für Aristoteles die Bedeutung, „dass ein Mensch von bestimmter Beschaffenheit nach der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit bestimmte Dinge sagt oder tut - eben hierauf zielt die Dichtung [...]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: In diesem einleitenden Abschnitt wird das Erkenntnisinteresse formuliert, das Verhältnis zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen innerhalb der aristotelischen Dichtungstheorie zu klären.
2. Die aristotelische Auffassung von Tragödie und Dichtkunst: Hier werden die wesentlichen theoretischen Grundlagen wie die Nachahmung (Mimesis) und der Wirkungszweck der Katharsis erarbeitet, um die Abgrenzung zur Geschichtsschreibung zu begründen.
3. Charaktergestaltung und Identifikation: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung der Charaktere, die durch ihre Handlungen und Reden das Allgemeine verkörpern und beim Publikum Identifikationsprozesse auslösen.
4. Die Bedeutung der literarischen Form: Abschließend wird untersucht, wie die Sprache und die schriftliche Fixierung dazu beitragen, Literatur als Medium für aktive geistige Prozesse zu definieren.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Poetik, Tragödie, Literaturtheorie, Mimesis, Nachahmung, Katharsis, Geschichtsschreibung, Das Allgemeine, Das Besondere, Charaktergestaltung, Identifikation, Wahrscheinlichkeit, Notwendigkeit, Dichtkunst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aristotelische Poetik und fokussiert dabei auf die Unterscheidung zwischen dem Allgemeinen in der Dichtung und dem Besonderen in der Geschichtsschreibung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Funktion der Tragödie, die Mimesis, der Begriff der Katharsis sowie die Rolle der Charaktergestaltung in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuklären, warum Aristoteles die Dichtung als „philosophischer“ als die Geschichtsschreibung betrachtet und wie dies mit dem modernen Literaturbegriff korrespondiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Methode, die auf der direkten Interpretation der aristotelischen Poetik basiert, um die theoretischen Konzepte für das Verständnis der Literatur anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Spannungsverhältnis zwischen dem Allgemeinen und Besonderen, der Zweck der Katharsis sowie die Anforderungen an die Charakterdarstellung detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Mimesis, Katharsis, Wahrscheinlichkeit und das Spannungsverhältnis von Allgemeinem und Besonderem geprägt.
Warum ist die Dichtung nach Aristoteles „ernsthafter“ als die Geschichte?
Die Dichtung ist ernsthafter, da sie das Allgemeine – also das Mögliche, Wahrscheinliche und Vernunftorientierte – darstellt, während die Geschichte nur passiv das bereits Geschehene, das Besondere, festhält.
Welche Rolle spielt die Katharsis für den Zuschauer?
Die Katharsis bewirkt eine Reinigung der eigenen Erregungszustände wie Jammer und Schaudern, wodurch der Zuschauer eine aktive Identifikation mit den Handlungen der Charaktere erfährt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Warum die Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als die Geschichtsschreibung ist. Ausgewählte Charakteristika der aristotelischen Poetik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428923