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Literarische Prohibition im Hohen Mittelalter. Unter besonderer Berücksichtigung des Märes "Der Weinschwelg"

Titel: Literarische Prohibition im Hohen Mittelalter. Unter besonderer Berücksichtigung des Märes
"Der Weinschwelg"

Hausarbeit , 2018 , 31 Seiten

Autor:in: Cornelius Eder (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Mittelalterliche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

So wie der Alkoholkonsum bereits in der Antike und in der frühen Neuzeit Eingang in den literarischen Diskurs fand, weist auch die mittelalterliche Literatur vielerlei Bezüge zum Trinkverhalten ihrer Zeitgenossen auf. Neben einer Vielzahl von Predigten finden sich auch in der weltlichen Literatur diverse Gattungen, die einem übermäßigen Konsum alkoholischer Getränke vorzubeugen versuchen. Im Fokus der Literaten steht üblicherweise nicht der Verzehr von Alkohol als Genuss-, sondern der als Rauschmittel. Die Intention der Schreiber war es, vor derartigen Exzessen durch unterschiedlichste Strategien zu warnen. Mittelalterliche Alkoholika waren neben Bier und Met vor allem Wein. Der Fokus der vorliegenden Untersuchung richtet sich auf den Reben- und nicht auf den Hopfensaft.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A) Alkohol – eine anthropologische Grundkonstante des Mittelalters

B) Der Alkholdiskurs in der mittelhochdeutschen Literatur des 13. Jahrhunderts

I) Historisch-anthropologische Erkenntnisse

II) Symbol- und Zeichenwert des Weins

2.1 Höfischer Roman

2.2 Tischzuchten

2.3 Predigten

III) Aufruf zur mâze – Analyse dreier ausgewählter Sangsprüche

IV) Schwankhafte Mären - Der Weinschwelg und sein Prätext

4.1 Gattungs- und Überlieferungsgeschichtliche Spezifika

4.2 Prätext – Der unbelehrbare Zecher des Strickers

V) Der Weinschwelg – Zwischen Apologie und Subversion

5.1 Dô huob er ûf unde tranc- Struktur und Aufbau

5.2 Er sprach – Dissoziation von Sprache und Rausch

5.3 Daz ich sô gar ein meister bin an trinken – Unmâze als Ideal

5.4 Wîn mir ist dîn tugent kunt - Wein als Tugend- und Jugendquell

5.5 Beidiu ich unt der wîn / müezen immer ensamt sîn - Parodie der höfischen Literatur, der Heldenepik und des Minneideals

C) Der Weinschwelg – der literarische Archetypus des Trinkers

D) Primär- und Sekundärliteraturverzeichnis

Primärliteratur

Sekündärliteratur:

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Alkoholdiskurs im Hohen Mittelalter mit einem Fokus auf die Schwank- und Märenliteratur, wobei das Werk "Der Weinschwelg" als zentrales Analyseobjekt dient, um die ambivalente Darstellung von Trunkenheit zwischen apologetischer Darstellung und moralisch-prohibitionistischer Intention zu ergründen.

  • Anthropologische Bedeutung des Alkoholkonsums im Mittelalter.
  • Analyse rhetorischer und stilistischer Mittel in Sangsprüchen und Mären.
  • Die literarische Konstruktion des Trinkers als Archetypus und exemplum ex negativo.
  • Intertextuelle Bezüge zur höfischen Literatur, Heldenepik und Minnelyrik.
  • Parodie und Subversion als didaktische Strategien in der mittelalterlichen Literatur.

Auszug aus dem Buch

Er sprach – Dissoziation von Sprache und Rausch

Dem Text liegt ein sprachliches Paradoxon zugrunde. Trotz ungezügelten Weingenusses schwelgt der Zecher bis zum letzten Vers in kunstvoll gebauten vierhebigen Reimpaarversen. Die Vielzahl rhetorisch-stilistischer Mittel, intertextueller Verweise, die subtile Komik verlieren mit steigendem Alkoholpegel weder an Wortgewalt, noch werden sie unartikuliert oder missverständlich. Die Dissoziation von Sprache und Rausch ist ein bestimmendes Charakteristikum des Trunkenheits-Diskurses. Die Wirkung des Weins entfaltet sich nicht auf sprachlich-formaler, sondern ausschließlich auf semantischer Ebene. Während der Gehalt der Aussagen vom Wein durchtränkt ist, bleibt der sprachliche Ausdruck und die Form bis zum Ende nüchtern. Die sprachliche Leistung, so viel ist klar, ist schlussendlich das Werk des Dichters. Der prototypische Zecher wird zum Sprachrohr seiner Aussagen. Nicht zuletzt verweist darauf die Exposition, sowie die, jedem Monologabschnitt voran gestellte, Einleitung durch den personalen Erzähler.

Der steigende Alkoholpegel zeigt sich auf semantischer Ebene bereits zu Beginn des Textes. Petrus Cantor, ein Theologe des 12. Jahrhunderts, unterschied vier Stadien der Trunkenheit. Entsprechend dem Anfangsstadium, der exhilaratio (Heiterkeit), bekennt der Zecher du gîst uns hohgemüete. Die zweite Phase umschreibt Cantor als disertio (Redeschwall), was auf der Ebene des Textes durch die monologische Gesprächssituation repräsentiert wird. Eingeleitet durch die Ankündigung nû will ich künden, verfällt der Säufer in einen Redeschwall, welcher lediglich zu einem Zweck unterbrochen wird – um zu trinken.

Zusammenfassung der Kapitel

A) Alkohol – eine anthropologische Grundkonstante des Mittelalters: Einführung in die Alltags- und Kulturgeschichte des Alkoholkonsums als anthropologische Konstante im Mittelalter.

B) Der Alkholdiskurs in der mittelhochdeutschen Literatur des 13. Jahrhunderts: Untersuchung verschiedener Gattungen wie höfische Romane, Tischzuchten und Predigten hinsichtlich ihrer Reglementierung von Weinkonsum.

I) Historisch-anthropologische Erkenntnisse: Klärung der ökonomischen und sozialen Hintergründe des mittelalterlichen Weinkonsums.

II) Symbol- und Zeichenwert des Weins: Analyse der symbolischen Bedeutung von Wein in literarischen Gattungen und der Stigmatisierung durch Trunkenheit.

III) Aufruf zur mâze – Analyse dreier ausgewählter Sangsprüche: Untersuchung moraldidaktischer Sangsprüche, die vor den Gefahren exzessiven Trinkens warnen.

IV) Schwankhafte Mären - Der Weinschwelg und sein Prätext: Einführung in das Märe "Der Weinschwelg" und dessen Abgrenzung zum Prätext "Der unbelehrbare Zecher".

V) Der Weinschwelg – Zwischen Apologie und Subversion: Detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse von Struktur, Parodie und didaktischer Intention des Weinschwelgs.

C) Der Weinschwelg – der literarische Archetypus des Trinkers: Fazit zur Rolle des Weinschwelgs als vollendeter Archetypus der Trinkerzunft und als exemplum ex negativo.

D) Primär- und Sekundärliteraturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Alkoholdiskurs, Der Weinschwelg, Sangsprüche, Mären, Trunkenheit, Mâze, Literaturgeschichte, Didaxe, Parodie, Subversion, Anthropologie, Wein, Mittelalterliche Literatur, Exzess

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den literarischen Diskurs über Alkoholkonsum im deutschen Mittelalter, insbesondere die Spannung zwischen der christlich-höfischen Forderung nach Maßhaltung und der Darstellung exzessiven Trinkens.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Alltagsgeschichte des Alkohols, die Analyse didaktischer Literatur und die parodistische Behandlung ritueller und höfischer Ideale im Medium des Schwanks.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu belegen, dass Mären wie "Der Weinschwelg" trotz ihres oberflächlich apologetischen Charakters eigentlich als subtile, didaktische Prohibitionstexte zu lesen sind.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es erfolgt eine quellenkritische, philologische Analyse, ergänzt durch historisch-anthropologische Perspektiven sowie Ansätze der Intertextualitätsforschung.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert verschiedene Textgattungen von Tischzuchten über Predigten bis hin zu Sangsprüchen und fokussiert schließlich auf die Struktur und Parodie-Elemente des Werks "Der Weinschwelg".

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Mâze (Maß), Trunkenheit, Didaxe, Mären, Parodie und den historischen Alkoholdiskurs.

Warum wird "Der Weinschwelg" als "exemplum ex negativo" bezeichnet?

Weil das Werk zwar den Rausch scheinbar verherrlicht, dabei aber den Protagonisten in eine derart groteske und isolierte Lage bringt, dass die soziale Schädlichkeit des Exzesses für den Rezipienten als Warnung erkennbar wird.

Welche Rolle spielt die höfische Literatur in diesem Zusammenhang?

Die höfische Literatur dient als Referenzpunkt, dessen Werte und Ideale durch "Der Weinschwelg" mittels Kontrafaktur und Parodie ironisch unterlaufen werden.

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Details

Titel
Literarische Prohibition im Hohen Mittelalter. Unter besonderer Berücksichtigung des Märes "Der Weinschwelg"
Autor
Cornelius Eder (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
31
Katalognummer
V428942
ISBN (eBook)
9783668727809
ISBN (Buch)
9783668727816
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literarische prohibition hohen mittelalter unter berücksichtigung märes weinschwelg
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Cornelius Eder (Autor:in), 2018, Literarische Prohibition im Hohen Mittelalter. Unter besonderer Berücksichtigung des Märes "Der Weinschwelg", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428942
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  31  Seiten
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