Ein Unterricht, der (ohne jegliche Störungen und Unterbrechungen) nach Plan verläuft, ist der Wunsch von jedem Lehrer. Doch die Realität sieht anders aus. Oftmals kommt es zu Unterrichtsstörungen, die erhebliche Konsequenzen mit sich tragen. Sie beeinträchtigen nicht nur die Wirksamkeit des Unterrichts, sondern auch wie erwiesenermaßen die Gesundheit der Lehrkräfte. Somit gehören sie zu den bedeutendsten Stressfaktoren.
Jeder hat in seinem Leben schon Unterrichtsstörungen miterlebt. Sei es als Student während den Hospitationsphasen in den Praktika oder selbst als Schüler in der eigenen Schulzeit.
Es gibt nicht viele die behaupten können, dass sie in ihrer Schulzeit während des Unterrichts nicht mit dem Sitznachbar geredet oder mit dem Stuhl gekippelt haben. Schülern ist es des Öfteren bewusst, dass sie dadurch den Unterricht stören. Anstatt zuzuhören, sprechen sie gerne ab und zu mit dem Sitznachbarn, aber keiner von den SuS würde gerne wollen, dass der Unterricht dadurch unterbrochen wird. LuL wiederum gehen unterschiedlich mit Unterrichtsstörungen um. Einige Lehrkräfte sind sehr gelassen, wobei andere hingegen sehr sensibel reagieren.
Eines der Gründe warum ich mein Projekt über Unterrichtsstörungen machen möchte ist, dass ich Lehramt auf HRGe studiere und mit Skepsis meines Familien- und Freundeskreises bezüglich meiner Schulwahl konfrontiert wurde. Während meiner Hospitationsphase bestätigte sich dieser Zweifel, da ich beobachten konnte, dass die Lehrkräfte teilweise überfordert waren und die SuS nicht bändigen konnten. Obwohl dieser Beruf sehr stressig und mühevoll ist, zahlen sich diese Anstrengungen doch aus, denn die Kinder sind unsere Zukunft. Wir als Lehrkräfte bilden diese Kinder nicht nur aus, sondern erziehen sie auch, das gehört zu unserer Aufgabe. Eines der Kompetenzziele für das Praxissemester ist auch: „Die Absolventinnen und Absolventen des Praxissemesters [...] verfügen über die Fähigkeit, den Erziehungsauftrag der Schule wahrzunehmen und sich an der Umsetzung zu beteiligen.“
Also ist es unsere Aufgabe für einen guten Unterricht zu sorgen und Unterrichtsstörungen zu beheben. Es ist daher interessant der Frage nachzugehen, wie es zu diesen unterschiedlichen Äußerungen und Meinungen der Lehrkräfte kommt und wie diese überhaupt reagieren, wenn Unterrichtsstörungen auftreten. Daher interessiert mich die Frage, wie die Reaktion der Lehrkraft auf Unterrichtsstörungen ist, die zugleich auch meine Forschungsfrage sein wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Der Begriff „Unterrichtsstörung“
2.2 Formen von Unterrichtsstörungen
2.3 Intervention bei Unterrichtsstörung
2.4 Studien zur Effektivität von Interventionsmaßnahmen
3. Mein Forschungsprojekt
3.1 Fragestellung
3.2 Ziele
3.3 Einordnung in die Planungsmatrix
3.4 Methodische Umsetzung
3.5 Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte individuell Unterrichtsstörungen wahrnehmen, welche Strategien sie zur Intervention anwenden und wie sie die Effektivität ihres eigenen Handelns in solchen Situationen einschätzen.
- Definition und Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen
- Analyse von Interventionsstrategien im Unterricht
- Empirische Erkenntnisse zur Effektivität von Klassenführung
- Entwicklung und Einsatz eines Fallbeispiel-Fragebogens zur Erfassung subjektiver Lehrkräfte-Perspektiven
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Begriff „Unterrichtsstörung“
Welche Konsequenzen Unterrichtsstörungen haben kann, wurde in den vorherigen Kapiteln bereits angedeutet und besprochen. Aber was unter dem Begriff verstanden wird, wurde noch nicht thematisiert, wobei zu erwähnen ist, dass eine eindeutige Definition auch schwer ist, da die Wahrnehmung von Unterrichtsstörung sehr subjektiv sein kann. Was für den einen Lehrer eine Unterrichtsstörung ist, ist es für den anderen wiederum keine Störung. Somit ist das Störungsempfinden von jedem LuL anders. Dies lässt sich auch in der Literatur wiederfinden, da „Unterrichtsstörung“ von jedem Autor anders verstanden und aufgegriffen wird. Claßen & Nießen definieren Unterrichtsstörungen wie folgt: „Unterrichtsstörungen im Sinne des Prozesses sind nachhaltige Unterbrechungen der Beziehung zwischen Klasse und Stoff [...] Unterrichtsstörung [liegt] dann vor, wenn der Fluss zwischen Unterrichtsstoff und Schüler nachhaltig beeinträchtigt oder unterbrochen wird“.
Rainer Winkel plädiert für die Beeinträchtigung des Unterrichts, „Eine Unterrichtsstörung liegt dann und nur dann vor, wenn der Lehr- und Lernprozess bedroht ist, abbricht oder in der Perversion endet“. Laut seiner Definition tritt dieser Fall dann ein, wenn eine Unterbrechung des Lehrens und Lernens vorhanden ist. Dabei gibt es lediglich keinerlei Informationen über den Verursacher dieser Störung. Er vertritt auch die Ansicht, dass Lehrer sehr unterschiedlich auf „Unterrichtsstörungen“ reagieren. Was die eine Lehrkraft als störend empfindet, kann eine Andere es wiederum als „normal“ wahrnehmen. Somit ist die Definition von Unterrichtsstörungen willkürlich.
Auch Nolting ist der Ansicht, dass der Unterricht durch Unterrichtsstörungen unterbrochen wird. Aber im Gegensatz zu Winkel, der keine Auskunft über den Verursacher gibt, sieht Nolting die Ursache im Schülerverhalten. Zudem äußert er, dass die SuS die diese Unterbrechung verursachen nicht ohne weiteres davonkommen bzw. dass es Folgen für sie haben kann. Ferner ist Nolting genauso wie Winkel der Meinung, dass die Wahrnehmung subjektiv ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik von Unterrichtsstörungen als Stressfaktor für Lehrkräfte und motiviert die Untersuchung durch die subjektive Wahrnehmung der Lehrkräfte.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert Unterrichtsstörungen, kategorisiert verschiedene Erscheinungsformen und diskutiert Interventionsmöglichkeiten sowie die Effektivität von Klassenführungsdimensionen nach Kounin.
3. Mein Forschungsprojekt: Hier wird das spezifische Forschungsdesign vorgestellt, welches mittels eines Fragebogens und eines Fallbeispiels die subjektive Reaktion von Lehrkräften auf Störungen empirisch erfasst und auswertet.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Lehrkraft, Disziplin, Klassenführung, Interventionsmaßnahmen, Schülverhalten, Lernklima, Fragebogen, Fallbeispiel, subjektive Wahrnehmung, Unterrichtsprozess, Effektivität, Pädagogik, Schüler-Lehrer-Beziehung, Praxissemester
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem professionellen Umgang von Lehrkräften mit Unterrichtsstörungen und der subjektiven Bewertung der eigenen Handlungsweisen in Störsituationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Definition von Störungen, verschiedenen Interventionsstrategien im Unterricht sowie der empirischen Untersuchung von Lehrreaktionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die unterschiedliche Wahrnehmung und Reaktion von Lehrkräften auf Unterrichtsstörungen zu ermitteln und deren subjektive Einschätzung der Effektivität dieser Reaktionen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative und qualitative Befragung mittels eines selbst konzipierten Fragebogens durchgeführt, der ein konkretes Fallbeispiel zur Einschätzung enthält.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur zu Unterrichtsstörungen und einen praktischen Teil, der die methodische Planung und Auswertung der Fragebogenstudie beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Unterrichtsstörungen, Klassenführung, Interventionsstrategien, subjektive Wahrnehmung und pädagogisches Handeln charakterisiert.
Warum wird im Forschungsprojekt ein Fallbeispiel verwendet?
Ein Fallbeispiel dient dazu, die hohe Subjektivität bei der Wahrnehmung von Unterrichtsstörungen zu kontrollieren und vergleichbare Antworten von verschiedenen Lehrkräften zu erhalten.
Wie erfolgt die Auswertung der Daten?
Die erhobenen Daten, bestehend aus geschlossenen und offenen Fragen, werden mit der Statistiksoftware SPSS ausgewertet, wobei offene Antworten für die quantitative Analyse zuvor codiert werden.
- Arbeit zitieren
- Locke M. (Autor:in), 2017, Die Realität im Unterricht. Wie reagieren Lehrkräfte bei Unterrichtsstörungen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428966