Schulabsentismus. Hintergründe und Handlungsoptionen unter Einbezug des Projekts "Kneifzange" vom Handwerkerinnenhaus Köln e.V.


Bachelorarbeit, 2015
52 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schulabsentismus– Begriffsbestimmung und terminologische Abgrenzung
2.1 Schulschwänzen
2.2 Schulverweigerung
2.3 Zurückhalten von der Schule

3. Schulabsentismus im Kontext der Schulpflicht
3.1 Entwicklung der Schulpflicht und Schulgesetz in NRW
3.2 Konsequenzen bei Missachtung der Schulpflicht

4. Ausmaß von Schulabsentismus
4.1 Alter
4.2 Geschlecht

5. Motive für Schulabsentismus
5.1 Familiäre Faktoren
5.2 Peer-Group
5.3 Schulische Faktoren
5.3.1 Unterricht
5.3.2 Schulatmosphäre
5.3.3 Lehrkörper

6. Handlungsoptionen gegen Schulabsentismus
6.1 Prävention
6.2 Intervention
6.2.1. Intervention am Standort Schule
6.2.2. Intervention durch schulalternative Lernangebote
6.2.2.1 Das Projekt „Schulverweigerung- Die Zweite Chance“
6.2.2.2 Die Werkstattschule Bremerhaven
6.2.2.3 Das Interventionsprojekt ‘Kneifzange‘ des Handwerkerinnenhauses Köln e.V
6.2.2.4 Objektiv-hermeneutische Inhaltsanalyse des im Handwerkerinnenhaus Köln e.V. geführten Interviews
6.3 Reintegration ins Regelschulsystem- Besonderheiten und Hürden

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

[1] Die deutsche Bildungslandschaft ist durch die Schulbesuchspflicht gekennzeichnet, die besagt, dass Heranwachsende dazu verpflichtet sind, ab einem bestimmten Alter, in der Regel ab dem sechsten Lebensjahr, bis zu einem gewissen Alter, spätestens bis zu ihrer Volljährigkeit, sofern bis dahin noch kein Schulabschluss erworben worden ist, in die Schule zu gehen. Die Schule stellt somit die größte soziale Einrichtung innerhalb des deutschen Gesellschaftssystems dar, weshalb sie, neben dem Bildungsauftrag, einen erheblichen Beitrag zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen leistet. Die Existenz der gesetzlichen Schulpflicht garantiert jedoch nicht automatisch, dass jeder Heranwachsende entsprechenden Alters die Schule besucht. Abgesehen von denjenigen Kindern und Jugendlichen, die regelmäßig oder täglich zur Schule gehen, gibt es diejenigen, die der Schule über Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre fernbleiben. Diese Problematik hat laut Experten im Laufe der letzten Jahre enorm an Brisanz dazugewonnen. Dies hat zur Folge, dass Schulabsentismus, das Fernbleiben von der Schule in jeglicher Form, zunehmend in den Fokus der Politik gerückt ist. Alarmierend erscheint hierbei, dass es einen stetig ansteigenden Anteil Heranwachsender gibt, die augenblicklich nach Vollendung ihrer Schulpflicht die Schule verlassen, häufig ohne einen Hauptschulabschluss erlangt zu haben (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 17).

Die Konsequenzen konstanter Schulabwesenheit und der damit oft einhergehenden, fehlenden schulischen Qualifizierung sind für Betroffene von großer und unabsehbarer Tragweite. Fehlende Kontinuität innerhalb des „[…] schulbiographischen Ablauf[s] wirken sich negativ auf die künftige ökonomische und gesellschaftliche Stellung eines Individuums aus“ (ebd.). Ein unregelmäßiger Schulbesuch kann aufgrund dessen gravierende Folgen „[…] für den Bildungserwerb und damit langfristig auch für die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt haben […]“ (Dunkake, 2007, S. 13).

Schulabsentismus stellt keine exklusive Erscheinung der heutigen Gesellschaft dar, vielmehr existiert er, seitdem die Schulpflicht eingeführt wurde (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 17). Besonders in der heutigen Zeit, in der die Gesellschaft von einer hohen Arbeitslosenquote geprägt ist, sind die Auswirkungen von Schulabsentismus von außerordentlichem Ausmaß. Schulabsentismus mit all seinen Unterarten kann und sollte angesichts der Bedeutung für die soziale und berufliche Eingliederung und in Bezug auf die mögliche soziale Exklusion Heranwachsender als eine ernste gesellschaftliche Herausforderung gewertet werden (vgl. ebd., S. 18). „Schulverweigerung [gilt also] […] [als] Signal für institutionelle und soziale Desintegrationsprozesse“, die in der heutigen, modernen Gesellschaft zweifelsohne vermieden werden müssen (vgl. ebd., S. 21).

Vor dem Hintergrund dieser umfangreichen Folgeerscheinungen des Fernbleibens von der Schule muss von sämtlichen Beteiligten an einem Strang gezogen und sich diesem konfliktträchtigen Sachverhalt gewidmet werden. Lehrer, Eltern und die Jugendhilfe seien dazu angehalten, diesem Phänomen entgegenzuwirken, um negative Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben einzudämmen.

Nun stellt sich die Frage, was Experten präzise unter dem Begriff ‚Schulabsentismus‘ verstehen. Was gibt es für Arten von Schulabwesenheit? Welchen Umfang kann das Fernbleiben von der Schule aufweisen? Was kann gegen Schulpflichtverletzungen unternommen werden? Wer steht in der Verantwortung? Im Folgenden gilt es diese und weitere Fragestellungen zu beantworten, die mit dem Phänomen Schulabsentismus und entsprechenden Handlungsoptionen in Zusammenhang stehen.

Der zweite Teil meiner Arbeit beschäftigt sich zunächst mit der Begriffsbestimmung von Schulabsentismus, die eine terminologische Abgrenzung zwischen den möglichen Unterarten von Schulabsentismus einschließt. Im darauf folgenden Kapitel wird Schulabsentismus im politischen Kontext beleuchtet, wobei auf die allgemeine Schulpflicht Nordrhein-Westfalens sowie Konsequenzen bei Missachtung dieser eingegangen wird. Das vierte Kapitel befasst sich mit den unterschiedlichen Beweggründen für Schulabsentismus. Hierbei werden außer- sowie innerschulische Faktoren in Augenschein genommen. Darauf folgend wird das Ausmaß von Schulabsentismus bezüglich Alter und Geschlecht dargestellt und Handlungsoptionen gegen Schulabsentismus in den Blick genommen. Im Anschluss wird, neben dem Aspekt der Prävention, Intervention am Standort Schule sowie intervenierenden schulalternativen Lernangeboten, Stellung zum Interventionsprojekt ‘Kneifzange‘ des Handwerkerinnenhauses Köln e.V. genommen, zu dem ein Interview mit zwei Fachkräften der Einrichtung (einer Sonder- und einer Sozialpädagogin) geführt und anschließend anhand der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation nach Oevermann analysiert wurde. Ferner wird der Fokus auf den Aspekt der Reintegration ins Regelschulsystem und ihrer Hindernisse gelegt.

Zum Abschluss werden die wichtigsten Erkenntnisse in einem Resümee zusammengefasst, wobei nicht zuletzt die Erfolgsbilanz schulalternativer Lernangebote eingeschätzt und ein Ausblick hinsichtlich der Thematik Schulabsentismus gegeben wird.

2 Schulabsentismus– Begriffsbestimmung und terminologische Abgrenzung

Im Folgenden wird eine Begriffsbestimmung zum Phänomen Schulabsentismus vorgenommen, wobei eine terminologische Abgrenzung zwischen den Unterarten von Schulabsentismus durchgeführt wird. In wissenschaftlicher Literatur werden diverse Termini, wie beispielsweise Schulverweigerung, Schulschwänzen, Schulmüdigkeit, Schulverdrossenheit, Schulversäumnis, Zurückhalten, Schulangst oder auch Schulaversion für das Fernbleiben von Schule herangezogen (vgl. Ricking, 2003, S. 61). Aufgrund der Vielzahl an Begrifflichkeiten und einer Mannigfaltigkeit an divergenten Definitionen, deren nähere Beleuchtung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird sich auf die Definitionen von Schulschwänzen, Schulverweigerung und Zurückhalten von der Schule nach H. Ricking gestützt.

Der Terminus ‚Absentismus‘ stammt aus dem Lateinischen (‚absens‘ = abwesend, ‚absentia‘= Abwesenheit), steht in soziologischer Tradition für das gewohnheitsmäßige Fernbleiben vom Arbeitsplatz und bezieht sich mit dem Begriff ‚Schulabsentismus‘ auf die Schule.[2] Ricking stellt Schulabsentismus als Hyperonym des unerlaubten Fernbleibens von Schule dar. Dieser der englischsprachigen Wissenschaft entspringende Begriff (englisch: schoolabsenteism) hat sich innerhalb der letzten Jahre zunehmend in der deutschen Erziehungswissenschaft durchgesetzt und steht für „[…] das dauerhafte und wiederkehrende Versäumnis des Unterrichts von Schülern ohne ausreichende Begründung“ (Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 14, Ricking, 1999, S. 2). Schulabsentismus liegt nach Thimm und Ricking vor, wenn Schüler aus einer gesetzlich nicht intendierten Ursache der Schule fernbleiben, „[…] unabhängig davon, ob […] sie dies mit Wissen oder Einverständnis [ihrer] Eltern tu[n] [oder] dieses Fernbleiben durch eine ‚Entschuldigung‘ legitimiert wird“ (Thimm & Ricking, 2004, S. 46). Es handle sich demzufolge um Kinder und Jugendliche, die sich zur Unterrichtszeit weder in ihrer Klasse, noch in der Schule befinden, sondern zur selben Zeit andere, womöglich attraktivere Orte und Aktivitäten vorziehen. „[Schulabwesenheit] ist [demnach] charakterisiert durch die physische Abwesenheit aus dem Wirkbereich Schule“ (Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 14). Das Fernbleiben von der Schule kann vom Fehlen weniger Stunden und Tage bis hin zur Abwesenheit über längere Zeiträume und der absoluten Isolation von der Institution Schule reichen. Thimm und Ricking führen in diesem Kontext unterschiedliche Phasen der Abwesenheit von Unterricht an, die da wären: gelegentlich (Stunden, einzelne Tage), mittlere Häufigkeit (regelmäßig wiederkehrend) und massiv/ intensiv (sehr häufig, gewohnheitsmäßig) (vgl. Thimm & Ricking, 2004, S. 46f.). Ricking zufolge stehe Schulabsentismus in Zusammenhang mit unterschiedlichen Problemkontexten zwischen sozialem Umfeld und dem „inneren Systems“ des Schülers, weshalb er das Fernbleiben von der Schule in drei Kategorien einteilt: das von Schulunlust und –aversion geprägte Schulschwänzen, die angstinduzierte Schulverweigerung sowie das Zurückhalten von der Schule durch Erwachsene (Eltern, Lehrer, Ausbilder etc.) (vgl. Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 14, Ricking, 1999, S. 2f.).

2.1. Schulschwänzen

Unter „Schulschwänzen“ versteht Ricking jene Unterart von Schulabsentismus, hinter der die Entschlusskraft des Schülers selbst steht. Somit stehe Schwänzen für „[…] diejenigen illegitimen Schulversäumnisse, die auf Initiative des Schülers zurückgehen […]“ und über die Eltern bzw. Erziehungsberechtigte in der Regel nicht Bescheid wissen (Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 15). Der Schüler entscheidet sich bewusst dafür, die Schule zu meiden, um anderen, für ihn ansprechenderen Aktivitäten nachzugehen, in Kauf nehmend, dass sich seine schulischen Leistungen zum Negativen hin verändern. Die Spanne des Schulschwänzens erstreckt sich in der Regel nicht über längere Zeiträume, sondern beschreibt kürzere Abwesenheiten von Stunden oder gelegentlich ganzen Tagen, worunter auch das mutwillige Versäumen von unbequemen Aufgaben, wie beispielsweise Klassenarbeiten fällt (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 37). Schwänzen kann damit als Form von Abwesenheit gedeutet werden, die in Zusammenhang mit der Vermeidung schulischer Verpflichtungen und Herausforderungen steht und in den meisten Fällen ohne Wissen der Eltern bzw. Erziehungsberechtigen von statten geht. Ferner ist Schulschwänzen meist durch unentschuldigtes Fehlen, eine niedrige Lern- und Leistungsmotivation, einen Defizit an Fürsorge und Unterstützung innerhalb des familiären Systems und in vielen Fällen durch aggressive Verhaltensmuster gekennzeichnet, die Absicht verfolgend, durch aktives Stören vom Unterrichtsgeschehen ausgeschlossen zu werden (vgl. Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 16).

2.2 Schulverweigerung

Im Unterschied dazu stellt „Schulverweigerung“ laut Ricking eine affektive Beeinträchtigung dar, der vornehmlich enorme schulische Ängste zugrunde liegen. Dem Schüler bietet sich in dem Zusammenhang keine andere Möglichkeit, als der Schule auszuweichen (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 36). Als Merkmale der angstbedingten Schulverweigerung können beispielsweise das Verbleiben in der elterlichen Wohnung und starke emotionale Ausbrüche bei aufgezwungenem Schulgang angesehen werden. Diese Form der Schulversäumnis ist auf verschiedenste Formen von Angst zurückzuführen, die sich dahingehend äußern können, dass der Jugendliche aufgrund von Trennungsangst von seinen Eltern oder dem gewohnten, familiären Umfeld im Allgemeinen die Schule meidet. Es kann Furch vor Bedrohungsmomenten innerhalb der Schule bestehen, deren Ursprünge bei Mitschülern wie auch Lehrkräften liegen können oder durch soziale und leistungsthematische Situationen bedingt werden. Oft gehen Heranwachsende der Schule aus dem Weg, weil sie gemobbt, verprügelt oder sogar erpresst werden. Im Kontrast zu Schulschwänzern haben Schulverweigerer meist die Absicht, in der Sicherheit des Heimes zu verweilen, weil sie die Schule als akute Gefahrenquelle ansehen. Betroffene zeichnen sich durch Rückzugsverhalten aus, meiden soziale Situationen und klagen häufig über gesundheitliche Beschwerden, die in den meisten Fällen fingiert sind (vgl. Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 17).

Eigenschaften von Schulverweigerern weisen auf eine bestehende Kontinuität der „Nichtbeschulbarkeit“ hin, die in aktiver und passiver Form vertreten sein kann. Schulverweigerung kann von einfacher Nichtteilnahme am Unterrichtsgeschehen trotz körperlicher Anwesenheit bis hin zu blanker Verweigerung im Sinne langfristigen Fernbleibens von der Schule reichen. Unter passiver Schulverweigerung verstehen Experten eine physische Präsenz im Unterricht, die allerdings durch eine geistige Abwesenheit gekennzeichnet ist. In diese Kategorie fallen beispielsweise sogenannte „Träumer“, die sich im Unterricht unauffällig verhalten und aus dem Geschehen absetzen. Aufgrund der Verhaltensunauffälligkeit jener Schüler wird diese Form der Abwesenheit von der Schule, wenn auch nur geistig, selten oder zu spät erkannt (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 39). Ferner gehören dieser Kategorie Schüler an, die zwar regelmäßig die Schule besuchen, jedoch chronisch zu spät zum Unterricht erscheinen. Dieses Verhaltensmuster richtet sich meist gegen ein bestimmtes Unterrichtsfach oder eine Lehrperson und geschieht vorsätzlich (vgl. ebd.).

Im Kontrast dazu machen aktive Schulverweigerer deutlich erkennbar, dass sie schulischen Ansprüchen oder Aufgaben nicht nachkommen wollen bzw. nicht in der Lage sind, diese zu erfüllen. In einschlägiger Fachliteratur wird unter zwei Varietäten von aktiver Schulverweigerung unterschieden. Die erste Art ist dadurch gekennzeichnet, dass Heranwachsende selbst für die Lösung ihrer Probleme das Fernbleiben von der Schule gewählt haben, mit der Absicht, auf diesem Wege Signale an ihr Umfeld zu senden. Das Ausmaß des mutwilligen Fernbleibens reicht hierbei von tageweiser bis zu permanenter Abwesenheit. Die zweite Art aktiver Schulverweigerer hat die Eigenschaft, dass Betroffene ihre Verweigerung im Unterricht durch aggressive oder zerstörerische Verhaltensmuster gegenüber Mitschülern oder dem Lehrpersonal deutlich machen. Diese Unterart gilt laut Thimm als „aktionsorientierte Schulverweigerung“ (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 39).

Die Grenzen zwischen aktiver und passiver Schulverweigerung gehen oft fließend ineinander über. Es lässt sich allerdings festhalten, dass der Übergang von passiver zu aktiver Schulverweigerung deutlich öfter stattfindet als umgekehrt. Diese Vielfalt an Schulverweigerung stellt für Lehrkräfte, wie auch Eltern bzw. Erziehungsberechtigte oftmals ein großes Problem im geeigneten Umgang mit dieser Art der Schulabwesenheit dar (vgl. ebd., S.40).

2.3 Zurückhalten von der Schule

Demgegenüber gibt es eine Vielzahl schulabsenter Jugendlicher, deren Fehlzeiten in der Schule nicht auf die eigene Entschlusskraft zurückzuführen sind, sondern aktiv durch andere Menschen, meist Eltern bzw. Erziehungsberechtigte oder auch Lehrer oder Ausbilder, vom Schulbesuch zurückgehalten werden. Hierbei handelt es sich um keine einheitliche Gruppe, sondern vielmehr um eine heterogene Kategorie, die als ein Ergebnis unterschiedlicher Sachverhalte zu betrachten sei. Ursachen für das Zurückhalten von Heranwachsenden durch Erwachsene können unter anderem in der Interessenlosigkeit gegenüber der Ausbildung des Kindes, kulturellen Unterschieden (beispielsweise wird die Schulpflicht, insbesondere für Mädchen, von Einwanderern bestimmter Kulturen für zu lang empfunden), Krankheit (Drogenabhängigkeit oder psychische Erkrankung), religiösen Differenzen, einer schulkritischen Haltung der Erziehungsberechtigten oder sogar Verwahrlosung des Kindes (Verletzungen sollen geheim gehalten werden) liegen. Zurückhalten kann demzufolge unterschiedliche Formen aufweisen und sowohl „ […] in Einvernehmen oder gegen den Willen des Kindes […]“ stattfinden (Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 18).

Anstatt sich während der Schulzeit in der Schule aufzuhalten, befinden sich die Jugendlichen in der Regel zu Hause oder sie gehen mit ihren Eltern bzw. Erziehungsberechtigten anderen Beschäftigungen nach (z.B. Einkäufe, häufig auch Urlaube). In allen Formen des Zurückhaltens sei von Seiten der Erwachsenen eine Ablehnung, Abneigung oder gar Desinteresse der Schule gegenüber festzustellen. Zwar werde diese Unterart des Absentismus in wissenschaftlicher Literatur heruntergespielt, sei allerdings im Alltag sehr weit verbreitet (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 36).

Diese Aspekte in Betracht ziehend stellt sich Schulabsentismus in jeglicher Form und Ausprägung als weit verbreitetes Phänomen dar, welches das Ergebnis unterschiedlicher Beweggründe und Motivationen ist. Gelegentliches Fehlen kann schnell zur Gewohnheit werden und zur totalen Abkopplung von der Schule führen. „Die Hintergründe unterrichtsabsenter Verhaltensweisen können [dementsprechend] aversiver oder nicht aversiver Art, z.B. angstinduziert, sein […]“ und zeigen sich etwa durch folgende, typische Verhaltensmuster: geplantes Zuspätkommen, Verlassen des Unterrichtsraumes während des Unterrichts (entweder unerlaubt oder mit fadenscheiniger Begründung), vorzeitiges Verlassen des Klassenraumes ohne Rückkehr oder intendierter Ausschluss vom Unterrichtsgeschehen durch Provokationen (Ricking, Schulze & Wittrock, 2009, S. 19). In Anbetracht der Tatsache, dass über die Hälfte aller Heranwachsender irgendwann ohne triftigen Grund der Schule fern bleiben, sei zu fragen, bis zu welchem Ausmaß von normalem, pubertätsbedingtem Verhalten Heranwachsender die Rede ist und ab welcher Intensität es sich um eine ernste Problematik handelt und dazwischengetreten werden muss. Eine Antwort auf diese Fragestellung ist nicht einfach zu finden, da die Übergänge zwischen Bagatelle und Problemfall ineinander übergehen. Grundsätzlich ist eine zeitige Intervention wichtig, um zu verhindern, dass sich aus dem Fernbleiben ein fester Habitus entwickelt und um abzuwägen, in welcher Dimension die Entwicklung des Jugendlichen durch Versäumnisse belastet ist (vgl. ebd., S. 22).

3 Schulabsentismus im Kontext der Schulpflicht

Folgendes Kapitel gibt Aufschluss über Schulabsentismus in Zusammenhang mit der gesetzlichen Schulbesuchspflicht, wobei ein Umriss um die Entstehung der Schulpflicht zu zeichnen, das Schulgesetz Nordrhein-Westfalens zu erläutern, sowie mögliche Sanktionen bei einer Verletzung dieser aufzuzeigen seien. Dies ist insofern von Bedeutung, da das Fernbleiben von der Schule, neben dem Gesichtspunkt der biographischen Folgen, gegen gesellschaftliche Normen und die Ordnung verstößt (vgl. Dunkake, 2007, S. 13). In diesem Rahmen wird die Absicht der allgemeinen Schulpflicht erfasst und dargelegt, weshalb Schulabsentismus als abweichendes, mit den gesellschaftlichen Normen in Konflikt stehendes Verhaltensmuster zu deuten sei.

3.1 Entwicklung der Schulpflicht und Schulgesetz in NRW

Die Schulpflicht ist in der Bundesrepublik Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Demgemäß sind Heranwachsende daran gebunden, ab ihrem sechsten Lebensjahr bis zu ihrer Volljährigkeit die Schule zu besuchen, wobei Eltern bzw. Erziehungsberechtigte in der Verpflichtung stehen, Sorge für die Einhaltung des Schulbesuchs zu tragen. Über die Länderhoheit hinaus ist die Schulpflicht unter §7 Abs. 2 des Grundgesetzes kodifiziert, was bedeutet, dass das Schulwesen der Aufsicht des Staates untersteht (vgl. Dunkake, 2007, S. 13). Die Bundesländer Deutschlands sind selbst für ihr Schulwesen zuständig und verfügen über eigene Gesetze, die sich jedoch kaum voneinander unterscheiden. Eingeführt wurde die allgemeine Schulpflicht in Deutschland durch das Reichsschulgesetz zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, welches zum Inhalt hat, dass eine „[…] allgemeine Schulpflicht [besteht]. Ihrer Erfüllung dient grundsätzlich die Volksschule mit mindestens acht Schuljahren und die anschließende Fortbildungsschule bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahr“ (§145 Abs. 1; Weimarer Reichsverfassung). Charakteristisch für diesen Artikel ist die Zurückweisung außerschulischer Bildungsoptionen, die zwar noch nicht ordnungswidrig waren, jedoch als illegitim angesehen wurden. Vor der Durchsetzung der Schulpflicht gab es bloß vereinzelt Unterrichtspflicht regelnde Schulpflichtgesetze (vgl. Dunkake, 2007, S. 16).

Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1919 setzten sich zunehmend schulinterne Sanktionsmaßnahmen durch, die säumige Schüler zum Schulbesuch forcierten. Das Reichsschulpflichtgesetz vom 6. Juli 1938 regelte die Schulpflicht erstmalig reichseinheitlich und führte strafrechtliche Konsequenzen bei Verstoß, wie beispielsweise Geldstrafen oder, im schlimmsten Falle, Haft ein. Im Jahre 1975 wurde Schulversäumnis durch die Länder der alten Bundesrepublik als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Demnach begingen Schüler, Eltern bzw. Erziehungsberechtigte sowie Lehrkräfte einen Ordnungsverstoß, sofern sie nicht dafür sorgten, dass Heranwachsende regulär zur Schule gingen. Als Konsequenz konnte solch ein ordnungswidriges Verhalten mit Geldstrafen oder sogar Haftstrafen von bis zu sechs Monaten geahndet werden (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 25f.). Die Vollzeitschulpflicht in Deutschland ordnet an, dass Heranwachsende mindestens neun bzw. zehn Jahre zur Schule gehen müssen. Dies unterscheidet sich innerhalb der Bundesländer. Während Jugendliche in beispielsweise Bayern, Sachsen und Thüringen neun Jahre an die Schulbesuchspflicht gebunden sind, sind es in Berlin, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen zehn Jahre (vgl. ebd., S. 26f.).

Die Schulpflicht Nordrhein-Westfalens ist in den Paragraphen 34-41 des Schulgesetzes verankert und besagt, dass alle Heranwachsenden zwischen sechs und achtzehn Jahren, deren Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt oder Ausbildungs- oder Arbeitsstätte sich in Nordrhein-Westfalen befindet, schulpflichtig sind. Die Schulpflicht wird durch den Besuch einer öffentlichen Schule oder einer Ersatzschule erfüllt und erfordert die regelmäßige Teilnahme am Unterricht, einschließlich schulischer Veranstaltungen. Die Dauer der Vollzeitschulpflicht innerhalb NRWs erstreckt sich über zehn Schuljahre (Primarstufe und Sekundarstufe I), am Gymnasium aufgrund der Verkürzung eines Jahres, die durch die Durchsetzung der achtstufigen Schulorganisation (G 8) stattfand, über neun Jahre. Erfüllt wird sie durch den Besuch der Grundschule und einer weiterführenden, allgemeinbildenden Schule. Die Schulpflicht endet nur dann vorher, wenn der Heranwachsende einen Abschluss in weniger als zehn Schuljahren erreicht hat. Jugendliche, die vor der Vollendung des einundzwanzigsten Lebensjahres ein Berufsausbildungsverhältnis beginnen, sind bis zu dessen Ende schulpflichtig. Jugendliche ohne Berufsausbildungsverhältnis sind bis zum Ende des Schuljahres, in dem sie volljährig werden, gesetzlich an die Schulpflicht gebunden.[3]

3.2 Konsequenzen bei Missachtung der Schulpflicht

Schulabwesenheit, insbesondere längerfristige Schulverweigerung, gilt deshalb als normabweichendes Verhalten, da sie gegen die gesellschaftliche und zugleich gesetzliche Norm der Schulpflicht verstößt. Sie steht somit für gesellschaftliche Unangepasstheit und wird, weil sie gegen „[…] geschriebene oder ungeschriebene herrschende Normen und Werte verstößt“, gesellschaftlich sanktioniert (Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 27). Schulschwänzen, Zurückhalten von der Schule und vor allem Schulverweigerung werden von der sozialen Umwelt als sozial abweichendes Verhalten gedeutet, demgemäß als Normverletzung angesehen und negativ sanktioniert, mit dem Ziel, eine positive Verhaltensänderung des Schulverweigerers zu bewirken. Man könnte insofern behaupten, „SchülerInnen, die Schwierigkeiten in der Schule machen […] sind nicht systematisch eingeplant und deshalb Ärgernisse. […] In der Alltagswelt der Schule sind Nicht-Können, Nicht-Mitkommen, Fehler ein Mangel, ein Minus“ (Thimm, 2000, S. 87).

In Bezug auf Sanktionierungen im Falle der Missachtung der Schulbesuchspflicht sei zu wissen, dass, bevor Schulpflichtverletzungen von Behörden geahndet werden, zunächst sichergestellt sein sollte, dass jedwede pädagogischen Optionen, seien es denn Gespräche mit betroffenen Schülern und Eltern oder Erziehungsmaßnahmen, die den Schüler zur Veränderung seines Verhaltens bewegen, eingesetzt worden sind und erfolglos waren. Erst dann kann die Schule als Institution mittels Anträgen an die Schulverwaltung Bußgeldverfahren gegen längerfristig Schulabsente oder ihre Erziehungsberechtigten veranlassen oder sie von der Polizei gegen ihren Willen zur Partizipation am Unterricht zwingen und zur Schule führen lassen. Fraglich bleibt jedoch, ob Schulabsentismus, besonders in der Form von Verweigerung, tatsächlich mittels disziplinarischer oder polizeilicher Verfahren vorgebeugt oder verhindert werden kann. Bußgelderlasse und Vorführungen der Heranwachsenden durch Polizeibeamte sind nur mit großer bürokratischer Anstrengung durchzusetzen und führen aufgrund des niedrigen Einkommens vieler Erziehungsberechtigter oder Unauffindbarkeit der Heranwachsenden oftmals ins Nichts (vgl. Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 28). Festzuhalten sei, dass bevor Maßnahmen staatlicher Nötigung ergriffen werden, versucht werden muss, Bewegungsmechanismen für den Nicht-Besuch der Schule herauszufiltern, da „[…] [p]ädagogische Maßnahmen […] grundsätzlich Vorrang vor Ordnungsmaßnahmen [haben]“ (Schreiber-Kittl & Schröpfer, 2002, S. 31).

Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang, dass die Schule grundlegend damit rechnet, dass sich ihre Klientel an die Schulbesuchspflicht hält. „Die Überformung des pädagogischen Problems der Schulverweigerung durch rechtliche bzw. sanktionierende Bearbeitungspotentiale kann mindestens partiell Defizite pädagogischer Initiative an der Basis […] erklären“ (Thimm, 2000, S. 76). Gesetzliche Vorschriften in Bezug auf die Institution Schule haben neben dem Effekt, Schüler- und Lehrerhandeln mit genügender Rechtssicherheit auszustatten den Nutzen, Absentismus betreffende Folgeerscheinungen und pädagogisch begründetes Handeln von Gebieten zu distanzieren, die juristisch-administrativ besetzt sind. Dies hat zur Folge, dass „[…] bis zu einer aus subjektiver Lehrersicht erträglichen Marke von Versäumnissen sich um den fehlenden Schüler viel Hilflosigkeit und Untätigkeit ausbreitet“ (Ricking, 1997, S. 235). Gesetzt der Fall, diese Marke wird überschritten, erfolgen seitens der Schulleitung rechtliche Schritte und Forcierung. Zunehmende Probleme mit häufig absenten Schülern führen nicht zu einem Anstieg pädagogischer Bemühungen, sondern legitimieren zweifellos Ordnungs- und Strafmaßnahmen (vgl. ebd.). Neben Vorteilen herrschen fraglos Nachteile bezüglich dieses Vorgehens, die sich dahingehend äußern, dass administrative Maßnahmen die Beziehungsbelastungen im Dreieck Eltern, Heranwachsender und Schule oftmals verschärfen. Thimm zufolge können Zwangs- oder Bußgeldeslasse und forcierte Zuführungen zur Schule aus sozialpädagogischer Sicht nur dann einen Sinn haben, wenn der Schulabsentismus auf aktiver Initiative der Eltern beruht, es sich somit um Zurückhalten handelt. Verweigert der Heranwachsende aus eigener Überzeugung den Schulbesuch auf Dauer, sind Strafmaßnahmen in der Regel nicht von Erfolg geprägt (vgl. Thimm, 2000, S. 76f.).

4 Ausmaß von Schulabsentismus

Im Folgenden wird erläutert, welchen Einfluss das Alter und das Geschlecht auf die Ausprägung von Schulabsentismus haben.

4.1 Alter

Wann beginnt der Schüler grundsätzlich mit gelegentlichem Schulschwänzen? Weit verbreitet ist die Mutmaßung, dass das Schwänzen in erster Linie eine Angelegenheit der Sekundarstufe sei. Wissenschaftliche Studien belegen jedoch, dass über die Hälfte der Schwänzer schon in der Grundschulzeit unzulässige Fehlzeiten aufwies. Etwa vierzig Prozent der Schüler weiterführender Schulen haben bereits in der Grundschule mit unerlaubtem Fernbleiben angefangen, wobei der Hauptanteil in der vierten Klasse liegt (vgl. Stamm, 2008, S. 52f.). Allgegenwärtig sind zudem die Annahmen, „[…] dass ältere Schüler die Schule ausgeprägter schwänzen als jüngere und als Schülerinnen“ und dass das Schwänzen mit dem Alter ansteigt (Stamm, 2013, S. 19, S. 22). Studien belegen diesbezüglich, dass in der Mittel- und Oberstufe mehr geschwänzt wird als in der Grundschule. Der Höhepunkt des Schwänzens liegt in der neunten Klasse der Sekundarstufe I (vgl. Stamm, 2008, S. 51f., S. 87).

Der Wechsel von der Grundschule in die Sekundarstufe I weist durchschnittlich einen Anstieg von nahezu zehn Prozent bei den Jungen und beachtlichen siebzehn Prozent auf der Seite der Mädchen auf. „Damit weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass die Übergänge von der Grundschule in die Sekundarstufe I als besonderes Problemfeld betrachtet werden müssen“ (Stamm, 2008, S. 53). Besonders in diesem Bereich können sich Schulprobleme durch abweichendes Verhalten verstärken, weil Kinder in dieser Zeit enorme Veränderungen zu bewerkstelligen haben. Sie müssen sich an einen neuen Klassenkontext, neue Mitschüler und eine neue, meist größere Schule gewöhnen. Schulmeidende Verhaltensweisen stellen demnach kein abruptes und unerwartetes Handeln dar, das sich auf die Sekundarstufe I begrenzt. Schulabsentismus ist keine Erscheinung, welche mit einem Schlag über Nacht ausbricht, vielmehr geht diesem Verhalten eine schleichende Vorgeschichte voraus. Aufgrund dessen haben sich nicht bloß Lehrkräfte der Sekundarstufe I und II mit dieser Erscheinung auseinanderzusetzen, sondern in gleichem Maße Grundschullehrkräfte. Dies zieht eine unverzichtbare Verstärkung präventiver Maßnahmen nach sich, die bereits in der Grundschule starten, da spätere Unterstützungsarbeit um vieles schwieriger umzusetzen ist.

Eine aktive Entgegenwirkung muss dementsprechend ab dem ersten Schultag stattfinden. „Bleiben entsprechende Maßnahmen aus, so ist zu erwarten, dass Schüler, die einmal mit Schwänzen begonnen haben und deren initialer Grund unentdeckt bleibt, ihre Absenzmuster während der Schullaufbahn weiter verfestigen werden“, was unter Umständen zu langfristiger Schulverweigerung führen kann (vgl. ebd., S. 53f.).

4.2 Geschlecht

„Im schulischen Alltag gibt es unbestritten mehr Probleme mit Jungen als mit Mädchen“ (Thimm, 2000, S. 209). Lässt sich diese Aussage jedoch speziell in Bezug auf Schulabsentismus untermauern? Laut Stamm ist Schulabsentismus, insbesondere Schulverweigerung und Schulabbruch, durchgehend als eine eher männliche Problematik anzusehen, auch wenn „[…] [d]ie Ursachen für diese Geschlechtsspezifik […] nicht in allen Facetten erforscht [sind]“ (Stamm, 2013, S. 27).

Schreiber-Kittl und Schröpfer führen in einem ihrer Werke bezüglich dieser Thematik Schulverweigerung am Beispiel von Köln an. Das Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln wertete im Zuge des Verfahrens eine Schülerbefragung aus dem Jahre 1999 aus, an der Schüler aller Schulformen teilnahmen. Die Auswertung fand mittels Teilstichproben von 1824 Schülern zwischen zwölf und siebzehn Jahren statt. Das Ergebnis in Bezug auf Schulverweigerung in Abhängigkeit vom Geschlecht ergab keinen Hinweis auf gravierende Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen beim Schulbesuchsverhalten. Zahlen werden keine genannt. Festgestellt wurde jedoch, dass das Schulschwänzen bei Jungen ein wenig häufiger als bei Mädchen auftrat (vgl. Schreiber-Kittl & Schöpfer, 2002, S. 52f.).

Zahlreiche Studien zu diesem Schwerpunkt liefern unterschiedliche Ergebnisse. Es gibt Studien, die die Annahme, dass Jungen die Schule häufiger schwänzen, unterstützen, aber auch jene, die sie widerlegen. Mädchen gelten allerdings generell häufiger als gelegentliche Schwänzer, Jungen dagegen als massive (vgl. ebd.).

Mit diesen Ergebnissen vor Augen kann kaum mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich bei Schulabsentismus um ein eindeutig geschlechtsspezifisches Phänomen handelt. „Den Schulschwänzer, den Schulausgeschlossenen und den Schulabbrecher gibt es nicht; dies gilt sowohl für Knaben wie Mädchen. Ebenso wenig darf man generalisierend und dramatisierend von einer Risikogruppe sprechen“ (Stamm, 2013, S. 40).

[...]


[1] Aus Gründen der Vereinfachung wird in dieser Arbeit ausschließlich die männliche Form für einzelne Personen und Personengruppen genutzt. Personen weiblichen wie männlichen Geschlechts sind darin gleichermaßen eingeschlossen.

[2] http://www.duden.de/rechtschreibung/Absentismus

[3] https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Recht/Schulrecht/Schulgesetz/Schulgesetz.pdf

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Details

Titel
Schulabsentismus. Hintergründe und Handlungsoptionen unter Einbezug des Projekts "Kneifzange" vom Handwerkerinnenhaus Köln e.V.
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
52
Katalognummer
V428980
ISBN (eBook)
9783668734678
ISBN (Buch)
9783668734685
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schulabsentismus, hintergründe, handlungsoptionen, einbezug, projekts, kneifzange, handwerkerinnenhaus, köln
Arbeit zitieren
Patrycia Gellert (Autor), 2015, Schulabsentismus. Hintergründe und Handlungsoptionen unter Einbezug des Projekts "Kneifzange" vom Handwerkerinnenhaus Köln e.V., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428980

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Titel: Schulabsentismus. Hintergründe und Handlungsoptionen unter Einbezug des Projekts "Kneifzange" vom Handwerkerinnenhaus Köln e.V.


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