Bernhard Wickis Film "Die Brücke" (1959). Möglichkeiten des Einsatzes im Geschichtsunterricht


Seminararbeit, 2006
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Filmhandlung

2. Die Brücke im Unterricht

3. Der didaktische Umgang mit dem Medium Film
3.1. Die Brücke als Filmbeispiel für Hitlers letztes Aufgebot
3.2. Die Brücke als Beispiel der grausamen Auswirkung der nationalsozialistischen Propagandapolitik

4. Fazit

5. Literatur

1. Filmhandlung

Der Film Die Brücke handelt von sieben Jugendlichen, die in einer deutschen Kleinstadt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges eine strategisch unwichtige Brücke gegen die herannahende US-Army verteidigen. Von diesen sieben Brückenverteidigern überlebt ein einziger.

Die Handlung spielt vor dem Panorama einer süddeutschen Kleinstadt Ende April 1945. Der Krieg hat das Städtchen bisher verschont, Einschränkungen im täglichen Leben der Bewohner sind aber dennoch zu beobachten. Die Versorgungslage ist angespannt und die Abwesenheit der wehrfähigen Männer macht sich im zivilen Leben bemerkbar.

Die Hauptdarsteller des Films sind sieben, gut miteinander befreundete Klassenkameraden im Alter von 16 Jahren. Jeder dieser Jungen weist ein differenziell ausgeprägtes gesellschaftliches und privates Umfeld auf. In den letzten Tagen des Krieges erreicht die Freunde ihre Einberufung, welche sie, idealistisch verbrämt, mit Begeisterung aufnehmen. Nach dem ersten Diensttag in der Kaserne wird die ganze Kompanie zur Verteidigung gegen die herannahende US-Army eingesetzt.

Ihr regimekritischer Englischlehrer kann bei der Bataillonführung erreichen, dass die Jungen, geleitet von einem erfahrenen Unteroffizier, den Auftrag erhalten, eine kleine steinerne Brücke in ihrer Heimatstadt zu verteidigen. Ihnen wird verschwiegen, dass die Brücke am nächsten Tag gesprengt werden soll.

Als der Unteroffizier beim Kaffee holen von übereifrigen Feldjägern für einen Deserteur gehalten und erschossen wird, sind die Jungen auf sich allein gestellt. Sie werden Zeugen der ersten Auflösungserscheinungen der sich im Rückzug befindenden deutschen Frontsoldaten. Weder dies noch die Aufforderung eines Anwohners kann die Jungen von der Verteidigung der Brücke abhalten

– sie harren aus.

Am nächsten Tag stirbt der Jüngste beim ersten Angriff auf die Brücke durch einen amerikanischen Tieffliegers. Die Jungen sind nun zum Angriff entschlossen und stürzen sich in den Kampf gegen einen Panzervortrupp der US-Army. Der Panzervorstoß kann abgewehrt werden, aber um den Preis, dass einer nach dem anderen bei diesem Gefecht den Tod findet.

Den Heimweg treten nur zwei Jungen der ehemals siebenköpfigen Gruppe an. Sie treffen auf der Brücke mit dem deutschen Sprengkommando zusammen. Voller Entsetzen wird den Jungen nun klar, wie bedeutungs- und sinnlos der Tod ihrer fünf Kameraden war. Sie wollen die Enttäuschung ihrer Ideale, die sie in der heroischen Verteidigung des Vaterlandes sahen, nicht wahrhaben und beginnen eine Auseinandersetzung mit dem Sprengkommando. Sie endet in einer Schießerei. Dabei stirbt einer der beiden Jungen.

Nur die steinerne, unwichtige Brücke bleibt verschont. Der einzig Überlebende tritt als Gebrochener den Heimweg an.

2. Die Brücke im Unterricht

Die Bundeszentrale für Politische Bildung ließ durch eine neunköpfige Expertenkommission einen Filmkanon für den Schuleinsatz zusammenstellen1. In diesen Filmkanon wurde auch Bernhard Wickis Die Brücke als Beispiel für den deutschen Antikriegsfilm aufgenommen. Diese Nominierung unterstreicht deutlich das Potential des Filmes für einen Einsatz im Unterricht.

Den Schülern nur nackte Zahlen zu präsentieren, kann ihnen nicht die nötige Plausibilität und Tragik des Krieges vermitteln. Ohne in tragische Einzelschicksale und damit auf die reine emotionale Ebene der Schüler abzudriften2, versteht es ein Film durch Visualisierung Eindrücke und Vergegenwärtigungen der damaligen Geschehnisse zu bieten.

Der Film Die Brücke stellt sich als sehr geeignet für den Schulunterricht dar. Ein Grund für die zu empfehlende Verwendung im Unterricht ist die Identifikation der Schüler mit den Protagonisten des Films. Von der Schulbank direkt in den Krieg: So lässt sich der rote Faden des Filmes zusammenfassen. Motive, Erklärungsmuster und Antriebskräfte der jugendlichen Kriegsbegeisterten liegen den Schülern in ihrer adoleszenten Phase und Gedankenwelt nicht allzu fern3.

Der Film verknüpft thematisch die beiden Themengebiete des Kriegirrsinns und dem zwölfjährigen Schrecken des Dritten Reiches. Der Kriegsschauplatz des Filmes ist in jeder deutschen Kleinstadt vorstellbar. Das Set des Filmes ist den Schülern vertraut und viel näher als eine Frontberichterstattung aus fernen Ländern, wie sie zum Beispiel in den Filmen Apocalypse now4 und Platoon5, die eher auf die amerikanischen Bedürfnisse ausgerichtet wird. Auch dadurch erhöht sich die Vertrautheit der Schüler mit der Szenerie und Handlung des Filmes.

Im Film wird die Zeit der Hitlerjugend, der verbrecherische Charakter des Angriffs- und Vernichtungskriegs und die Allgegenwärtigkeit des Führers Adolf Hitler zwar ausgespart, die Schüler erleben mit Beginn des Filmes eine völlig verblendete Jugend, die mit falschen Idealvorstellungen aufgeladen, sich aus irrationalen Gründen in die Verteidigung einer zur Sprengung bestimmten Brücke stürzt. Die von der Propaganda des NS-Regimes eingebleute Maxime von der Treue und Pflichterfüllung bei der Verteidigung des Vaterlandes ist bei den Jugendlichen auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Weltanschauung des Nationalsozialismus wird durch die Verteidigung der Brücke von den Jugendlichen unbewusst übernommen.

[...]


1 Nähere Informationen zu dem Filmkanon siehe: http://www.bpb.de/veranstaltungen/QUFU7Z,0,0,Filmkanon.html

2 Meyers, Peter: Film im Geschichtsunterricht, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 52, 2001, S. 246-259, hier S. 250.

3 Ein ähnliches Beispiel für diese Thematik der jugendlichen Kriegsteilnehmer liefert eine weitere Buchadaption: Die gleichnamige Verfilmung des Buchs von Erich Maria Remarque Im Westen nichts Neues.

4 Coppola, Francis Ford: Apocalypse Now, USA 1979.

5 Stone, Oliver: Platoon, USA 1985.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Bernhard Wickis Film "Die Brücke" (1959). Möglichkeiten des Einsatzes im Geschichtsunterricht
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V429005
ISBN (eBook)
9783668724952
ISBN (Buch)
9783668724969
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Brücke Antikriegsfilm Wicki Nachkriegszeit
Arbeit zitieren
Dirk Simon (Autor), 2006, Bernhard Wickis Film "Die Brücke" (1959). Möglichkeiten des Einsatzes im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429005

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