Die Fuge als Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis :

1. Einleitung

2. Die Fuge - Fakten, Funktion und Verbreitung
2.1 Fuge und Fugenelemente
2.2 Fugen in Substantivkomposita mit nominalem und verbalem Erstglied
2.3 Fugenelement oder Flexionsaffix?
2.4 Zur Distribution der Fugenelemente
2.5 Gebrauchsweisen von Fugenelementen - ein Regelkatalog
2.6 Funktionen von Fugenelementen

3. Die Fuge als Unterrichtsgegenstand
3.1 Didaktische Herangehensweise
3.2 Ausgewählte Übungen

4.Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Angesichts der Tatsache, dass rund. 70% der Komposita im Deutschen ohne Fuge bzw. mit Nullfuge Vorkommen (Eisenberg 200:228), verwundert es nicht, weshalb diesem Element nur wenig Beachtung geschenkt wird. Diese Arbeit soll nun Anlass dazu geben, die Fuge im Unterricht einer Klasse 8 zu thematisieren.

Für die Nahtstelle zwischen zwei unmittelbaren Konstituenten einer Komposition werden in der Literatur unterschiedliche Bezeichnungen verwendet. So sind die Termini Fugenzeichen, Bindeglied, Verbindungsmorphem oder auch Fugenlaut häufig als Synonyme für die Fuge zu finden[1]. Als Verbindungsstelle zwischen zwei Kompositionsgliedern gilt die Fuge, die durch unterschiedliche Fugenelemente besetzt werden kann, als “das einzige für die Komposition charakteristische und weitgehend auf sie beschränkte Formmittel”. (Eisenberg 2000: 227). Fugen und Fugenelemente (Fe.) sind nicht explizit im Lehrplan (bspw. Sachsen) verankert und es bleibt den Lehrerinnen Vorbehalten, inwieweit sie im Unterricht thematisiert werden. Auch in Deutschlehrwerken[2]die Fe. einführen[3], findet dieses besondere Phänomen, welches sprachhistorisch aus Flexionsendungen entstanden ist, diese Funktion aber weitestgehend verloren hat, nur wenig Beachtung. Sie kommen lediglich als Randnotiz oder in einer Merkbox zur Bildung von Komposita vor. Im Gegensatz zu anderen grammatischen Phänomenen, die mittels Regeln strikt definiert sind, lassen Lehrwerke zu den Gebrauchsweisen für das Auftreten der Fe. Gesetzmäßigkeiten vermissen.

Ihr Vorkommen erscheint daher ohne genauere Betrachtung arbiträr und regellos, was unter SuS zu Fehlschreibungen führen kann. Die richtige Verwendung bei der Bildung neuer Substantivkomposita setzt somit ein ausgeprägtes Sprachgefühl voraus.

Für Nicht-Muttersprachler, denen es an Sprachgefühl für das Deutsche mangelt, aber auch für Schüler der 8. Klasse, deren Wortschatz noch nicht umfangreich genug ist, kann Wissen über die Funktionen und Gebrauchsweisen von Fe. zu richtigen Schreibentscheidungen führen, wenn die korrekte Schreibung unklar ist.

Die vorliegende Arbeit widmet sich nun diesem speziellen Wortbildungselement, dessen sichere Verwendung zur Bildung eines umfangreichen und kreativen Wortschatzes von Schülern beitragen kann. Dafür wird zunächst die linguistische Theorie betrachtet, in der immer noch gilt, dass, basierend auf unterschiedlichen Funktionen und Distributionstendenzen, nicht alle Erscheinungsweisen von Fe. regelhaft erklärbar sind (Fleischer & Schröder 2012:189). Der zweite Teil der Arbeit stellt sich den aus Teil eins resultierenden Herausforderungen, die Fuge als Unterrichtsgegenstand in Klasse acht zu vermitteln. Abschließend bietet eine Übungssequenz praktische Anwendungsmöglichkeiten für den direkten Unterricht.

Da Fe. bei Komposita mit unflektierbaren Erstglied (Sahel 2013: 95) sowie idR. auch bei Erstgliedern adjektivischer Natur entfallen, behandelt diese Arbeit ausschließlich Substantivkomposita mit verbalen und nominalem Erstglied. Dabei werden nur indigene Fugenelemente betrachtet und didaktischen Überlegungen für den Unterricht zugrunde gelegt. Fremdfugen werden in dieser Ausarbeitung nicht betrachtet, da Regelmäßigkeiten bzgl. ihres Auftretens stark von einheimischen Fugen abweichen. Im Fokus der Arbeit steht der synchrone Gebrauch von Fugenelementen und nicht ihre diachrone Entwicklung. Deswegen wird auf die Erklärung sprachgeschichtlicher Zusammenhänge verzichtet.

2. Die Fuge - Fakten, Funktion und Verbreitung

Wie bereits angedeutet, wird der Fuge im schulischen Deutschunterricht nur wenig Aufmerksamkeit beigemessen. Will man sie dennoch im Rahmen der Wortbildungslehre thematisieren, sind vorerst wichtige Grundlagen darüber zu kennen.

2.1 Fuge und Fugenelemente

Als Fuge wird jede “phonologische Veränderung ggü. einer bestimmten Stammform” (Eisenberg 2000: 228) des Erstglieds bezeichnet, wie bspw. in Mausefalle. Sie verbindet zwei unmittelbare Konstituenten, hat allerdings keinen Morphemstatus, folglich also keine grammatische Funktion (Sahel 2013: 21) und ist “im Gegensatz zu anderen Wortbildungseinheiten semantisch leer” (z.B. Donalis 2007: 30, Fleischer & Schröder 2012: 66). Allerdings bilden Fugen zusammen mit dem Erstglied, die Kompositionsstammform, wie bspw. [(Maus +e) +falle]( Fleischer & Schröder 2012: 186). In der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion werden Fugen in drei Typen unterschieden. Von Nullfugen spricht man, wenn die unmittelbaren Konstituenten nahtlos miteinander verknüpft sind. Additive Fugen werden wiederum im Kompositionsprozess als zusätzliches Element an das Erstglied geheftet. Von einer subtraktiven Fuge ist die Rede, wenn der vokalische Auslaut des Erstglieds, in der Regel /9/, getilgt wird (Sahel 2013: lil)[4]. Im Rahmen dieser Arbeit wird lediglich die additive Fuge betrachtet und als Basis der didaktischen Überlegungen im zweiten Teil genutzt.

Die additive Fuge kann im Deutschen durch unterschiedliche indigene[5]Fe. besetzt werden. Diese unterscheidet man entsprechend ihrer Fähigkeit eine Silbe bilden zu können in silbische und nicht silbische Fe.. Im Folgenden sind diese tabellarisch mit Beispielen aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Fugen in Substantivkomposita mit nominalem und verbalem Erstglied

Substantivkomposita mit substantivischen Erstglied sind die Komposita mit der höchsten Produktivität und den wenigsten Bildungsbeschränkungen (Eisenberg 2000: 218). Außerdem weisen sie die Fuge betreffend die höchste Allomorphie auf (Sahel 2013: 94)[7], da alle indigenen Fugenelemente als Verbindungsstelle zwischen die unmittelbaren Konstituenten treten können.

Fe. in Komposita mit verbalem Erstglied sind im Vergleich dazu durch eine signifikant geringere Allomorphie gekennzeichnet. Bei der Fugengestaltung mit verbalem Erstglied ist der Auslaut des Erstgliedstamms maßgeblich bestimmend. (Fleischer & Schröder 2012: 190). Die Verteilung der Fe. ist meistens lautlich motiviert. Häufig findet sich in verbalen Erstgliedern das Fugen -e. Dieses taucht phonologisch gesehen als /9/ nach stimmhaften Obstruenten, insbesondere Plosiven /b/,/d/,/g/ sowie nach /z/, /η/,/s/, und /t/ im Auslaut[8] auf[9]. Regelmäßigkeiten lassen sich besonders nach /d/ erkennen (Sahel 2013: 95) [10]. Das Auftreten von /9/ sichert die “phonologische Identität des Stammes” (Eisenberg 2000: 230). Das Fe. hat in Substantivkomposita mit verbalem Erstglied die Aufgabe die Verbalität des Erstglieds zu signalisieren und Auslautverhärtung zu vermeiden (Eisenberg 2000: 230). Bei vokalischem Auslaut in Erstgiedern sowie meist nach /p/, /pf/, /г/ und /т/ schließen Erstglieder ohne Fe. an Zweitgleider an (Fleischer & Schröder 2012: 190). Gleiches gilt für verbale Erstglieder die auf -el, -1er enden wie in Wackeldackel, Bastelbuch, Rangierbahnhof (ebd.). Bei verbalen Erstgliedern die jedoch auf /tz/, /x/ oder /sch/ enden, ist keine Regelhaftigkeit bezüglich des Aufkommens von Fugenelement ableitbar (Fleischer & Schröder 2012: 191).

2.3 Fugenelement oder Flexionsaffix?

Stammmorpheme bilden zusammen mit den Fe. den Kompositionsstamm (Fleischer & Schröder 2012: 186) Alle Fe. kommen in deutschen Substantivkomposita auch homophon zu Flexionsmarkern vor (Eisenberg 2000: 227). So Stehen sich die Fe. also homonyme Formen den nominalen Flexionsaffixen wie dem Genitiv Singular gegenüber, bspw. in Manneskraft oder Heldenmut. Auch Pluralformen wie Blumenstrauß und Früchtekorb, ließen sich aus einigen Stämmen und Fugenelement im Erstglied schließen (Donalis 2007: 32). Durch Paraphrasierungen, bspw. Jahresende - das Ende des Jahres, ließe sich so schlussfolgern, dass Erstglieder zusammen mit Fe. eine Flexionsform bilden und Fe. als Flexionsaffixe fungieren (Fleischer & Schröder 2012: 186)[11]. Doch, da Fe. semantisch leer sind und zu viele Gegenbeispiele existieren, die eine entsprechende Paraphrasierung nicht zulassen wie bspw. Schwanenhals[12], haben sie für Fleischer keine Flexionsfunktion und können auch nicht als Flexionsaffixe angesehen werden (Fleischer & Schröder 2012: 187). Wenn auch teilweise ursprünglich aus den nominalen Flexionssuffixen entstanden, so haben Fe. heute jedoch eindeutig eine wortbildende und keine wortbeugende Funktion mehr. Die Ursachen für die Homophonie von Fe. und Flexionsmarkern, die im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung von Fugen in Verbindung Stehen (ebd.), werden allerdings im Rahmen dieser Arbeit nicht vertieft.

2.4 Zur Distribution der Fugenelemente

Die Erscheinungsweisen der Fe. folgen augenscheinlich dem Sprachgefühl und scheinen eher beliebig als regelhaft. Wie sich aber in den vorangegangenen Abschnitten erkennen lässt, ist das Auftreten der Fe. nicht willkürlich sondern unterliegt Regelmäßigkeiten und Gebrauchstendenzen, die angesichts der hohen Vielfalt der Kompositionsmöglichkeiten mit Fe. aber nur schwer fassbar sind (Fleischer & Schröder 2012: 66). Die wichtigsten Grundlagen für die Distribution von Fe. sollen nun kurz zusammengefasst und anschließend in einem Regelkatalog aufgestellt werden.

Welches Fugenelement an ein Erstglied schließt, hängt von dessen Faut-und Silbenstruktur, Flexionseigenschaften und Wortbildungsstruktur ab (Fleischer & Schröder 2012: 67). Demnach wird von der ersten Konstituente bestimmt, welches Fugenelement in der Nahtstelle auftritt (Sahel 2013: 22). Kann ein Wortstamm aber unterschiedliche Kompositionsstammformen mit Fe. bilden wie Z.B. Kindbett, Kinderbett, Kindskopf oder Kindesalter, so ist die Wahl zwischen ihnen abhängig vom zweiten Bestandteil (Eisenberg 2000: 229).

Die Wahl des Fe. erfolgt vornehmlich nach prosodischen Kriterien, was in Kapitel 1.7 näher erläutert wird. Unterschiede in der Fugengestaltung sind zudem regional und national[13] bedingt (Fleischer & Schröder 2012: 192), können aber auch fachsprachlicher oder stilistischer Natur sein. Stilistische Unterschiede in der Fugengestaltung sind insbesondere in älterer Fiteratur wiederzufinden wie Z.B. Mainacht, Waldrand und Mondschein ggü. Maiennacht, Waldesrand und Mondenschein (ebd.).

[...]


[1]In der Literaur wird für Fugen auch der Oberbregriff Interfix verwendet, allerdings ist der Begriff der Fuge weiter verbeitet udn wird deshalb in dieser Arbeit favorisiert. (Lohde 2006:21)

[2]Die Liste der Lehrwerke, die für diese Arbeit untersucht wurden befindet sich im Appendix ab Seite 19.

[3]Meist werden Fe. in Klasse 5 oder 6. eingeführt, manchmal aber auch noch in Klasse 7 in Lehrwerken erwähnt.

[4]Eisenberg spricht zusätzlich noch von Ersetzungsfugen (Eisenberg 2000: 234), die den Stammauslaut ersetzen. In Hilfsangebot wird der Stammauslaut /๙ getilgt und durch /s/ ersetzt.

[5]Des Weiteren gibt es die Fremdfugenelemente und -o (Fleischer & Schröder 2012:110). Diese werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit aber keine Rolle spielen.

[6]Fugen-ns sollte nicht als eigenständiges Fe. gezählt werden. Glaubensfrage ist mMn. ein Beispiel des Fe. -ens, da der Stamm des Erstglieds glaub und nicht glaube lautet und dieser zusammen mit -ens den Kompositionsstamm Glaubens bildet. In der für diese Arbeit genutzten Literatur findet sich zudem kein weiteres Beispiel zu diesem Fe.,. Daher wird es im weiteren Verlauf ausgespart.

[7]Die große Varianz der Fugen in Substantivkomposita ist auf ihre sprachhistorische Entstehung zurückzuführen (Sahel 2013: 94). Da die vorliegende Arbeit allerdings didaktische Ansprüche an das Thema hegt und keine allumfassende linguistische Darstellung des Themengebietes liefern kann, wird wird auf diese Aspekte nicht weiter eingegangen.

[8] Dennoch gibt es auch hier Gegenbeispiele, die ohne Fe. auskommen (Fleischer & Schröder 2012: 190, 191).

[9] Donalis vertritt die Ansicht, dass bei Verbstämmen auf -b, -d, -g und -t eine Stammvariante vorliegt und das -e in diesen Fällen nicht als Fugenelement angesehen werden sollte (Donalis 2007: 34). In dieser Arbeit wird diese Ansicht allerdings nicht geteilt.

[10] Das -e-Fe. tritt seltener bei Substantivkomposita mit nominalem Erstglied auf, wenn dann verstärkt bei Femina mit -e-Plural und Umlaut wie bspw. Händedruck oder Früchtetee.

[ll]Es gibt Positionen, welche diesen Tendenzen folgen. Für diese gelten die Fe., die zusammen mit dem Wortstamm eine flektierte Wortform bilden auch als Flexionsmarker. Sie sind also beides, (vgl. Donalis 2007: 32) Da das Fe. als Unterrichtsgegenstand analysiert und für SuS anwendbar gemacht werden soll, entscheide ich mich im Sinne einer didaktischen Reduktion dafür in dieser Arbeit Fe. nicht als Flexionsaffixe anzusehen. Aus diesem Gmnd wird im Rahmen dieser Arbeit auch auf die Unterscheidung zwischen paradigmatischen und unparadigmatischen Fugenelementen verzichtet.

[12] Weitere Beispiele bei denen die Paraphrasierung nicht zu grammatisch korrekten Genitiv Singular -bzw. Pluralformen führt: Hochzeitskleid, Arbeitsamt, Tatendrang, Sonnenbrille, Früchtebrot.

[13]In der Schweiz spricht man von Abfahrtzeit und Tagblatt anstatt Abfahrtszeit und Tagesblatt. In Österreich verwendete man Fabriksarbeiter und Schweinsbraten anstatt Fabrikarbeiter und Schweinebraten( Donalis 2007:33)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Fuge als Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V429122
ISBN (eBook)
9783668728929
ISBN (Buch)
9783668728936
Dateigröße
755 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fuge, Wortbildung, Komposita, Derivation, Germanistik, Linguistik, Sprachwissenschaft, Fugenelement
Arbeit zitieren
Magister Artium Sandra Prätor (Autor), 2017, Die Fuge als Unterrichtsgegenstand im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429122

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