Die Selbstinszenierung des absolutistischen Herrschers Ludwig XIV. Höfische Mode als Mittel der Einflussnahme


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 12


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Mode zu Zeiten Ludwig XIV.
2.1. Kleiderordnungen
2.2. Herrenmode am Hof
2.2.1. Das männliche Charakteristikum - die Perücke
2.3. Damenmode am Hof
2.3.1. Das weibliche Charakteristikum - das Dekolleté

3. Die Eigenschaften und Aufgaben der Kleider im Barock

4. Die Analyse der Kleider König Ludwig XIV. anhand des Portraits von Hyacinthe Rigaud

5. Politische und wirtschaftliche Aspekte der kostspieligen Mode

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

„Daß es Moden unter den Menschen giebt, ist eine Folge ihrer geselligen Natur. Sie wollen einander gleichförmig seyn: weil sie miteinander verbunden seyn wol- len. Jede in die Augen fallende Unähnlichkeit in Kleidung, Wohnung und Le- bensart, ist ein Abstand, der die Zuneigung verhindert, und der vertraulichen Mit- teilung der Ideen im Wege steht.“[1]

Dem König und Adel nach, sollte man sich nur innerhalb seines Standes wohlfühlen und gesellig sein, gerade den aufstrebenden höheren Schichten sollte man begegnen, genau so wie die unteren Schichten für den Adel befremdlich schienen. So wurden Regularien und Kleiderordnungen festgeschrieben, um einen möglichst großen Unterschied zwischen den Ständen deutlich werden zu lassen.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der französischen Mode – hauptsächlich der höfischen Mode – im 17. Jahrhundert und zu Zeiten Ludwig XIV. Bezug wird dabei auf die Selbstinszenierung und Selbstdarstellung des absolutistischen Herrschers genommen. Ziel dieser Arbeit soll es nicht sein, eine detailgetreue Darstellung der Mode im Barock zu liefern, vielmehr soll ihre Aussage interpretiert werden. Das Äußere eines Menschen - und so auch seine Kleidung - ist immer auch ein Kommunikationsmittel und gibt Informationen über die religiösen Wurzeln, soziale Herkunft, finanzielle Beschaffenheit und den individuellen Geschmack. Folgend wird die Bedeutung der Mode in vielerlei Hinsichten und auf den Aspekt, dass Mode als Mittel zur politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme dient, analysiert.

Hierbei wird zunächst eine kurze Einleitung zur Mode des 17. Jahrhunderts gegeben und auf die Kleiderordnungen und deren Zweck eingegangen. Daraufhin wird die höfische Herren- und Damenmode analysiert und interpretiert und das Anliegen der Kleider im Barock erläutert. Im Anschluss werden die politischen und wirtschaftlichen Aspekte der französischen Mode dargelegt.

Besonders fiel mein Augenmerk beim Erstellen meiner Hausarbeit auf Erika Thiels „Geschichte des Kostüms“, und auf das Werk von Peter Burke über das Leben Ludwig XIV. Das Staatsportrait nimmt hier eine wichtige Rolle ein und wird im Hinblick auf die zuvor genannten Werke beleuchtet und Rückschlüsse auf das Leben und Wirken Ludwigs XIV. gezogen.

2. Mode zu Zeiten Ludwig XIV.

Während man sich im 16. Jahrhundert noch die gravitätische Mode Spaniens, welche die schwarze Farbe und einen strengen Schnitt als Merkmal aufweist, wurde die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts modisch von der absolutistischen Regierung Ludwig XIV. bestimmt.[2] Frankreich war derzeitig für gesamt Europa politisch, wirtschaftlich und auch kulturell strebenswert. Der Sonnenkönig ließ den Versailler Hof während seiner Regierungszeit zum Modezentrum werden und so verbreiteten sich die Modetrends von Frankreich nach ganz Europa.[3]

2.1. Kleiderordnungen

Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Auffassung, dass Gott für jeden Menschen einen bestimmten und verankerten Platz in der Gesellschaft hat, und dieser in seiner Kleidung jederzeit zu erkennen sein muss, führte dazu, dass bis ins 18. Jahrhundert das Tragen bestimmter Muster, Schnitte und Stoffe für bestimmte Stände vorgeschrieben wurde.[4] Die Angehörigen der unteren Schichten trugen Wollstoffe, da es ihnen untersagt war Stickereien aus Edelsteinen oder Gold zu tragen, und lediglich die Menschen am Hofe dazu berechtigt waren Brokatstoffe, Seide oder Samt in ihrer Kleidung verarbeiten zu lassen.[5] Die Kleiderordnung unterstrich jedoch lediglich das, was sowieso unmöglich war. Einerseits konnten sich die Nichtadligen diese aufwendigen Arbeiten nicht leisten, zudem war die Bewegungsfreiheit in den ausladenden Kleidern und Röcken enorm eingeschränkt, und somit für die arbeitende Bevölkerung nicht zweckmäßig gewesen. Neben der ständischen Kleiderordnung gab es ebenfalls strikte Regeln über die Kleidung in den verschiedenen Rängen. So war es Herzoginnen nicht gestattet eine Schleppe der Länge derer einer Königin zu tragen.[6]

2.2. Herrenmode am Hof

Die Rheingrafentracht, welche sich aus einem verkürzten Wams und der Rhingrave – ähnlich einem weiten Hosenrock – zusammensetzte, wurde in den 1680er Jahren durch eine neue Kleiderform abgelöst. Anstatt der Rheingrafentracht trug man nun den Justaucorps, einen knielangen, enganliegenden, taillierten Rock, der mit einer engen Kniehose und einer Weste kombiniert wurde. Dazu trug man Absatzschuhe mit Lasche und Schnalle und kombinierte einen borten- oder federbesetzten Dreispitz. Dieser wurde jedoch mit der Etablierung der Perücke, nahezu abgeschafft.[7]

2.2.1. Das männliche Charakteristikum - die Perücke

„Die wohl charakteristischste Erfindung der Herrenmode dieser Zeit war die Perücke, die dem Wesen des Zeitalters Ludwig XIV. so sehr entsprach, daß dieses mitunter das Jahrhundert der Perücke genannt wird“[8] und als wichtigstes Zeichen des Standes und der höfischen Mode in der Gesellschaft Europas galt. Die vorangegangene spanische Mode, die durch kurze Haarschnitte gekennzeichnet war, konnte noch vollkommen auf die Perücke verzichten. Da Ludwig in seinen jungen Jahren sehr schönes eigenes Haar hatte, lehnte dieser die Perücke zunächst auch ab, engagierte aber ab dem Jahr 1655 für seinen Hof knapp fünfzig Hofperückiers. Zum wichtigsten Standeszeichen wurde die Perücke jedoch erst dann, als selbst der König zu ihr greifen musste. Um 1650 nahmen die Perücken noch die Größe der durchschnittlichen Haarpracht an, wohingegen sie sich in nur wenigen Jahren zu einer aufgetürmten Lockenpracht entwickelten.[9] Auch die Perücke stellt ein Merkmal für den absolutistischen Machtanspruch dar. Wie die Mähne eines Löwen - der König der Tiere, welcher vor Kraft und Schönheit trotzt - soll die Perücke, welche nun, um dem Löwen noch ähnlicher zu sein, zunehmend in blond getragen wurde, auf die Gesellschaft wirken. Unter Ludwig XIV. wurde die Allongeperücke 1673 zur Staatsperücke ernannt. Da ihre Erscheinung jedoch so eng mit dem König in Verbindung gebracht wurde, verschwand sie knapp fünf Jahre nach seinem Tod wieder und die Haare wurden wieder flacher und kürzer getragen. Die Perücke stellte ebenfalls ein Charakteristikum der Standesunterschiede dar, denn neben ihrer hohen Kostbarkeit war sie sehr unbequem und somit für das gemeine Volk nicht tragbar. Sie ließen sich, um mit der Mode Schritthalten zu können, kostengünstige Perücken aus Ziegenhaar, Wollersatz oder Ähnlichem anfertigen, oder ihr Naturhaar möglichst dementsprechend wachsen.[10] Auch bei den Damen am Hofe war die Perücke ein beliebtes Accessoire. „Schon in den sechziger Jahren blieben von den lang herabfallenden Locken schließlich nur noch ein paar dünne, spiralförmige Locken übrig, während die Masse des Haares immer mehr nach oben und in die Breite toupiert wurde. […] türmten sie sich bei den Frauen seit etwa 1685 - die Anfänge dieser Entwicklung reichen bereits in die siebziger Jahre zurück - hoch über den Scheitel etagenförmig zu wahren Lockenbergen empor, die den Kopf der Schönen bis zu zwei Kopflängen überragt haben soll.“[11] Diese Damenfrisur - die Fontage - wurde nach einer der schönen Mätressen Ludwig XIV. - Madame de Fontage - benannt.[12]

[...]


[1] Garve, Christian: Über die Moden. Versuche über verschiedene Gegenstände aus der Moral, der Litteratur und dem gesellschaftlichen Leben. Breslau, 1792. Aus: studip, Veranstaltung: Kleider als Mittel der sozialen Differenz. Sitzung am: 04.07.2016.

[2] Vgl. Münch, Paul: Lebensformen in der frühen Neuzeit. Frankfurt, 1992. S. 345 f.

[3] Vgl. François, Etienne: Das Königtum und der Mythos der Revolution. Eine selektive Bewunderung für die Monarchie (21.01.2013). Aus: http://www.bpb.de/internationales/europa/frankreich/152526/koenigtum-und-revolutionsmythos (Stand: 07.09.2016).

[4] Vgl. Münch, Paul: Lebensformen in der frühen Neuzeit. S. 344-348.

[5] Vgl. Thiel, Erika: Geschichte des Kostüms. Die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, 8. Auflage, 2004. S. 238.

[6] Vgl. Thiel, Erika: Geschichte des Kostüms. S. 239

[7] Vgl. ebd. S. 345.

[8] Ebd. S. 236.

[9] Vgl. Thiel, Erika: Geschichte des Kostüms. S. 238.

[10] Vgl. Ebd. S. 236.

[11] Ebd. S. 242f.

[12] Vgl. Ebd. 242.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Selbstinszenierung des absolutistischen Herrschers Ludwig XIV. Höfische Mode als Mittel der Einflussnahme
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V429251
ISBN (eBook)
9783668741621
ISBN (Buch)
9783668741638
Dateigröße
2347 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Mode der Frühen Neuzeit zu Zeiten Ludwigs XIV, dessen Selbstdarstellung und Selbstinszenierung.
Schlagworte
selbstdarstellung, selbstinszenierung, herrschers, ludwig, bezug, bedeutung, mode
Arbeit zitieren
Laura Sophie Heinz (Autor), 2016, Die Selbstinszenierung des absolutistischen Herrschers Ludwig XIV. Höfische Mode als Mittel der Einflussnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429251

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