Verpackungslos Einkaufen mit Bulk Shopping. Vorteile, Schwierigkeiten und Zukunftschancen der neuen Trendbewegung


Fachbuch, 2018
88 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Hinführung zur Thematik
1.1 Aktuelle Situation
1.2 Zielsetzung und Relevanz des Themas
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Verpackungen
2.1 Entstehung und Entwicklung
2.2 Aufgaben und Funktionen
2.3 Gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen

3 Lebensmittelmarkt in Deutschland
3.1 Aktuelle Situation und Wandel
3.2 Lifestyle und Trends
3.3 Einordnung Bulk Shopping

4 Bulk Shopping
4.1 Begriffsklärung und Funktionsweise
4.2 Entstehung und Entwicklung
4.3 Vorteile von Bulk Shopping
4.4 Schwierigkeiten und Nachteile

5 Zielgruppe LOHAS
5.1 Definition und Begriffsklärung
5.2 Ursprung und Entwicklung der Bewegung
5.3 Lebensstil und Werte
5.4 Einordnung in Sinus-Milieus

6 Hypothesenbildung
6.1 Die Studie der PricewaterhouseCoopers
6.2 Ableitung von Hypothesen
6.3 Aufstellung eigener Hypothesen

7 Empirische Untersuchung zum Thema Bulk Shopping
7.1 Konzept der Umfrage
7.2 Auswertung der Umfrageergebnisse
7.3 Bewertung und Zusammenfassung der Ergebnisse
7.4 Bewertung der Hypothesen

8 Expertenmeinungen zum Thema Bulk Shopping

9 Beantwortung der Forschungsfrage

10 Kritische Reflexion und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Produktverantwortung

Abbildung 2: Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2012

Abbildung 3: Mindesthaltbarkeit von Plastikgegenständen

Abbildung 4: Lebensmittelausgaben deutscher Haushalte nach Kategorie

Abbildung 5: Trend-Kategorien im Wellenmodell

Abbildung 6: Wie sich Food-Trends entwickeln

Abbildung 7: Food-Trends in der Übersicht

Abbildung 8: Convenience 2.0: Die Wiedergeburt von Tante Emma

Abbildung 9: Verpackungsfreie Supermärkte

Abbildung 10: Unverpackt einkaufen

Abbildung 11: Werteübersicht der LOHAS

Abbildung 12: Die Wertedimensionen und Mind Sets der 5 LOHAS Typen

Abbildung 13: Die Sinus-Milieus in Deutschland 2015

Abbildung 14: Die Milieustruktur der LOHAS

Abbildung 15: Altersübersicht der Befragten

Abbildung 16: Geschlechterübersicht der Befragten

Abbildung 17: Altersverteilung der Teilnehmer

Abbildung 18: Geschlechterverteilung der Teilnehmer

Abbildung 19: Höchster Bildungsabschluss der Teilnehmer

Abbildung 20: Beschäftigungsverhältnis der Teilnehmer

Abbildung 21: Nettoeinkommen der Teilnehmer

Abbildung 22: Beitrag zur Nachhaltigkeit

Abbildung 23: Bekanntheit Bulk Shopping

Abbildung 24: Bereitschaft zum unverpackten Einkauf von verschiedenen Lebensmitteln

Abbildung 25: Gründe für verpackungsfreies Einkaufen

Abbildung 26: Gründe gegen verpackungsfreies Einkaufen

Abbildung 27: Eigenschaften von Bulk Shopping Läden

Abbildung 28: Bereitschaft für höhere Preise

Abbildung 29: Bereitschaft für einen weiteren Weg

Abbildung 30: Häufigkeit des Einkaufes in Bulk Shopping Läden

1 Hinführung zur Thematik

1.1 Aktuelle Situation

37,6 Millionen Tonnen Abfälle entstanden im Jahr 2014 in deutschen Haushalten. Das entspricht einem Durchschnitt von 462 Kilogramm Müll pro Kopf.[1] Bei den kommunalen Abfällen, den sogenannten Siedlungsabfällen, zu denen neben dem Haushaltsmüll auch vergleichbarer Müll aus Gewerbe und Industrie sowie Verpackungsmüll zählt, lag Deutschland im Jahr 2013 mit 617 Kilogramm Müll pro Einwohner etwa 130 Kilogramm über dem Durchschnitt der Europäischen Union. Damit gehört Deutschland zu den größten Müllverursachern in der EU. Lediglich Dänemark, Luxemburg und Zypern produzieren noch mehr Müll.[2] Allerdings ist im Vergleich zu anderen EU-Ländern die Abfallentsorgung hierzulande auf einem sehr hohen Niveau. Durch die strenge Gesetzgebung und die modernen Techniken gelingt es in Deutschland, den Großteil des anfallenden Mülls zu verwerten.[3] Ein Hauptproblem ist jedoch der Müll, der durch Verkaufsverpackungen wie zum Beispiel Papier, Pappe, Kartonagen, aber auch Aluminium, Glas und Kunststoffe entsteht. Vor allem Plastik stellt eine enorme Herausforderung für die Sortieranlagen dar, denn „Plastik ist nicht gleich Plastik: Um die verschiedenen Sorten recyceln zu können, müssen sie sorgfältig sortiert werden, was immer schwieriger wird“[4]. Der Grund dafür ist, dass herkömmliche Plastikhüllen immer öfter durch leichtere Verbundmaterialen ersetzt werden, wodurch diese für die Sortieranlagen nicht mehr so leicht zu unterscheiden sind. Selbst modernste Anlagen schaffen höchstens eine Reinheit von 46%. Der Rest wird verbrannt oder als minderwertiger Mischkunststoff zusammengeschmolzen, der letztendlich als Parkbank oder Lärmschutzwand endet, aber nicht mehr als neue Verpackung wiederverwertet werden kann.[5] Dabei entsteht Verpackungsmüll nicht erst beim Endverbraucher. Bereits bei der Produktion und der Zulieferung fallen große Mengen an Transportverpackungen und Umverpackungen an.[6] Eine Regelung hierfür steht im Kreislaufwirtschaftsgesetz und besagt, dass Erzeugnisse möglichst so zu gestalten sind, „dass bei ihrer Herstellung und ihrem Gebrauch das Entstehen von Abfällen vermindert wird und sichergestellt ist, dass die nach ihrem Gebrauch entstandenen Abfälle umweltverträglich verwertet oder beseitigt werden.“[7] Eine Übersicht dazu bietet die Abbildung 1 des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz von Nordrhein-Westfahlen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Produktverantwortung[8]

In der Verpackungsverordnung vom 12. Juni 1991 wurde mit der „Produkt- bzw. Produzentenverantwortung“ die Verantwortung für Verpackungsabfälle von den Kommunen auf die Hersteller der Verpackungen übertragen. Diese gaben wiederum die Verantwortung an Dritte weiter. Seitdem übernehmen privatwirtschaftliche Unternehmen die Entsorgung und Verwertung der Verpackungsabfälle. Trotz aller Regelungen und Auflagen nahm das Verpackungsabfallaufkommen in den letzten Jahren deutlich zu, weshalb das Kreislaufwirtschaftsgesetz stark in der Kritik steht.[9] Laut Greenpeace Magazin fließt nur „rund ein Viertel unseres [...] gesammelten Plastikmülls [...] in einen „Kreislauf““.[10] Ein ernstzunehmendes Problem ist auch, dass die Produktverantwortung der Unternehmen häufig beim Design endet und viele Unternehmen aus Gründen der Werbewirksamkeit nicht bereit sind, vollständig auf Verbundstoffe zu verzichten. Eine Verschärfung der Regeln hilft daher nicht.[11]

Eine neue Trendbewegung versucht seit kurzem, dieser Verpackungsabfallproblematik entgegenzuwirken. Dabei geht es darum, beim Einkauf die Waren möglichst unverpackt zu kaufen, um das Abfallaufkommen durch Verpackungsmüll zu reduzieren. Unterstützt wird diese Bewegung dadurch, dass in letzter Zeit in immer mehr Großstädten kleine Läden eröffnen, die Produkte ohne jegliche Art von Einwegverpackung anbieten.[12] Derzeit gibt es in Deutschland rund ein Dutzend solcher Geschäfte, in denen die Lebensmittel in großen Behältnissen gelagert werden.[13] Der Kunde kann sich dann je nach Bedarf die gewünschte Menge in Mehrwegbehälter abfüllen. Diese kann er entweder von zu Hause mitbringen oder vor Ort erwerben. Dadurch soll die Entstehung von Verpackungsmüll verringert werden.[14] Diese Art des Einkaufens ist unter dem Trendbegriff „Bulk Shopping“ bekannt.[15]

Im Verlauf dieser Arbeit werden zunächst die Funktionen von Verpackungen und deren ökologische Folgen für die Umwelt beschrieben. Anschließend wird der Lebensmittelmarkt in Deutschland analysiert und aktuelle Trends werden vorgestellt. Daraus resultierend wird dann der Begriff „Bulk Shopping“ näher erläutert und aufgezeigt, welche Vor- und Nachteile diese Trendbewegung mit sich bringt. Nachfolgend wird dann die Zielgruppe von Bulk Shopping beschrieben, die unter dem Begriff „LOHAS“ bekannt ist. Im praktischen Teil der Arbeit wird schließlich mithilfe einer empirischen Untersuchung erforscht, ob Verbraucher bereit sind, ihr Kaufverhalten zu ändern, um Verpackungsmüll zu reduzieren und somit die Umwelt zu schonen. Daraus ergibt sich folgendes Thema: Trendbewegung Bulk Shopping – Eine kritische Betrachtung des Trends sowie dessen Zukunftschancen

1.2 Zielsetzung und Relevanz des Themas

Wie bereits erwähnt, nahm das Verpackungsabfallaufkommen in den letzten Jahren stark zu.[16] Besonders der Anteil an Kunststoffen und Plastik ist deutlich gestiegen.[17] Dabei ist gerade diese Art der Verpackung nur schwer zu recyceln, wodurch Entsorgungs- und Recyclingunternehmen immer mehr an ihre Grenzen stoßen. Durch die schlechte Qualität der Rohstoffe und die günstigen Preise bei der Herstellung von neuen Kunststoffen lohnt sich das Recycling finanziell nicht mehr. Deshalb wird ein Großteil der Verpackungen am Ende verbrannt, um daraus Energie zu gewinnen.[18] Das Problem dabei ist allerdings, dass Erdöl, das für die Herstellung von Kunststoffen benötigt wird, ein begrenzter Rohstoff ist, der in absehbarer Zukunft zu Ende gehen wird.[19] In den letzten Jahren ist die Umweltbelastung aufgrund der Verschmutzung durch Plastikabfälle deutlich gestiegen. Besonders betroffen sind die Weltmeere, in denen jährlich rund 6,4 Millionen Tonnen Plastik landen.[20] Mit dieser Problematik befassen sich Bund und Länder schon seit längerem, aber eine angemessene Lösung wurde bisher noch nicht gefunden. Auch der zunächst vielversprechende Biokunststoff ist laut Umweltbundesamt nicht besser als herkömmlicher Kunststoff, da durch den Einsatz von Düngemitteln Böden versauern und Gewässer eutrophieren.[21]

Für die Lebensmittelindustrie haben sich durch die Veränderung der Essgewohnheiten der Verbraucher in den letzten Jahren neue Herausforderungen ergeben. „Lebensmittel müssen heute gleichzeitig preiswert, schmackhaft, qualitätsvoll, sicher, vielfältig, schnell verfügbar und nachhaltig sein.“[22] Zudem werden die Wünsche der Kunden immer individueller, woraus neue Marktsegmente wie „Functional Food, vegetarische, vegane, glutenfreie, laktosefreie Produkte, Light- und Convenience-Produkte, aber auch Produkte mit besonderen Herkunftsbezeichnungen wie regional, nachhaltig, Fair Trade und Bio“[23] entstanden sind. Für die Hersteller ist es enorm wichtig, Trendbewegungen frühzeitig zu erkennen und ihre Absatzstrategien den Wünschen der Kunden anzupassen, um am Markt bestehen zu bleiben.[24]

Aus diesen Gründen befasst sich diese Arbeit mit dem Thema „Bulk Shopping“, das ebenfalls eine neue Trendbewegung in der Lebensmittelindustrie darstellt und sich als Gegenmaßnahme zur Entstehung von Verpackungsmüll entwickelt hat. Dabei ist zu überprüfen, wie Bulk Shopping überhaupt funktioniert, welche Zielgruppe dadurch angesprochen wird und welche Vor- und Nachteile diese Art des Einkaufs mit sich bringt. Außerdem wird mithilfe einer empirischen Untersuchung analysiert, ob Verbraucher bereit sind, ihr Kaufverhalten zu ändern, um nachhaltiger zu handeln und daraus resultierend, ob sich diese Trendbewegung letztendlich durchsetzten kann.

1.3 Aufbau der Arbeit

Der erste Teil (Kapitel 1 bis 3) der Arbeit zeigt die gesellschaftlichen Hintergründe zum Thema auf. Dabei wird zu Beginn die aktuelle umweltpolitische Situation in Bezug auf die Abfallproblematik beschrieben, um die Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Anschließend wird allgemein über die Entstehung von Verpackungen berichtet und deren Funktionen und Aufgaben sowie die gesellschaftlichen und ökologischen Folgen, die aus dem Verpackungsmüll resultieren, werden erläutert. Zudem wird im dritten Kapitel ein kurzer Einblick in den deutschen Lebensmittelmarkt gegeben. Es wird auf den aktuellen Wandel der Gesellschaft und die daraus resultierenden Lifestyle- und Trendbewegungen eingegangen, um schließlich auf das Kernthema der Arbeit überzuleiten.

Im vierten Kapitel werden schließlich die theoretischen Rahmenbedingungen dargelegt. Zunächst wird der Begriff “Bulk Shopping“ erklärt und anschließend die Entstehung und Entwicklung des Trends aufgezeigt. Es wird beschrieben, wie Bulk Shopping funktioniert und was bei dieser Art des Einkaufens beachtet werden muss. Außerdem werden die Vor- und Nachteile von Bulk Shopping aufgeführt.

Im fünften Kapitel wird dann die Zielgruppe für Bulk Shopping definiert, die unter dem Trendbegriff „LOHAS“ bekannt ist. Dabei wird zunächst der Begriff eindeutig erklärt sowie dessen Entwicklung beschrieben. Anschließend werden die Eigenschaften und der Lebensstil dieser Personengruppe genauer erläutert und gezeigt, in welche Sinus-Milieus die LOHAS eingeordnet werden können.

Nachdem die theoretischen Hintergründe für ein besseres Verständnis aufgezeigt sind und die Zielgruppe definiert ist, folgt nun der praktische Teil der Arbeit. Dieser umfasst im sechsten Kapitel die Hypothesenbildung. Als empirischer Hintergrund für die Hypothesenbildung gelten die Ergebnisse aus der Studie „Verpackungsfreie Lebensmittel – Nische oder Trend?“, der PricewaterhouseCoopers und die Studie „Nachhaltigkeit beim Kauf von Obst und Gemüse“ des Forsa Institutes. Auf Basis dieser Studien und auf Grundlage eigener Erfahrungen werden dann Hypothesen und interessante Fragestellungen abgeleitet, die schließlich durch eine empirische Erhebung untersucht werden. Die Durchführung dieser Erhebung erfolgt dann in Kapitel sieben. Dabei wird folgende Forschungsfrage untersucht: Sind Verbraucher bereit, ihr Kaufverhalten zu ändern, um zu einer nachhaltigeren Konsumgesell-schaft beizutragen und kann sich Bulk Shopping in Deutschland wirklich durchsetzten?

Nachfolgend werden die Ergebnisse der Untersuchung ausgewertet und analysiert. Dabei werden die Ergebnisse zusammengefasst und in übersichtlichen Grafiken dargestellt. Außerdem werden die aufgestellten Hypothesen überprüft. Zum Abschluss der Arbeit folgt ein Fazit, in dem die Forschungsfrage beantwortet und ein Ausblick auf die Zukunft gegeben wird.

2 Verpackungen

2.1 Entstehung und Entwicklung

Verpackungen gibt es schon sehr lange. Bereits in der Steinzeit verwendeten die Menschen Naturmaterialien wie Blätter, Zweige und Nussschalen, um Gesammeltes zu verpacken. Daher gilt das Verpacken als älteste Technik, um Güter zu transportieren oder aufzubewahren. Im Laufe der Jahrtausende wurden durch die Entwicklung der Menschheit und die Entdeckung anderer Kulturen die Verpackungen immer anspruchsvoller. Durch die Industrielle Revolution und die daraus resultierende Massenproduktion ergab sich auch ein großer Wandel in der Verpackungsindustrie. Es wurden Behältnisse entwickelt, die zum Transport und zur Lagerung von Gütern geeignet waren. Zudem gewann immer mehr an Bedeutung, dass die Waren „zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der optimalen Qualität zur Verfügung stehen“[25]. Ebenso spielte die Weiterentwicklung der Packstoffe und Verpackungstechnologien eine bedeutende Rolle.

Neben der Industriellen Revolution nahm auch die gesellschaftliche Entwicklung Einfluss auf das Verpackungswesen. Heutzutage konzentriert sich der Lebensraum der Bevölkerung zunehmend auf die Industriezentren. Außerdem nimmt die Berufstätigkeit der Frauen stetig zu, wodurch sich die Familienstruktur deutlich verändert. Es gibt immer kleinere Haushalte und immer mehr Single- und Rentnerhaushalte.[26] Dadurch geht der Trend in Richtung kleinerer Füllgrößen, wodurch die Abfallmenge weiter steigt.[27]

Ein weiterer Einflussfaktor sind die immer länger werdenden Transportwege, die veränderten Lagerverhältnisse sowie die gesetzlichen Richtlinien der Lebensmittelkennzeichnung. Letztendlich führten größerer Wohlstand, der Wunsch nach längerer Haltbarkeit von Lebensmitteln, die Verfügbarkeit von ausländischen Waren sowie die Zeitersparnis durch Fertiggerichte zu zusätzlichen Anforderungen an die Verpackungen. Auch die wettbewerbswirtschaftliche Situation und der steigende Konkurrenzkampf unter den Lebensmittelanbietern sorgten für starke Veränderungen in der Verpackungsindustrie.[28]

Die Geschichte zeigt, dass zahlreiche Impulse und Erfindungen für die Entwicklung der Verpackungen verantwortlich waren und dadurch zu einem gesellschaftlichen Fortschritt beitrugen.

Folgende Abbildung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit veranschaulicht die Entwicklung des Verpackungsaufkommens von 1997 bis 2012.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2012[29]

Es ist deutlich zu erkennen, dass besonders der Anteil an Kunststoffverpackungen über die letzten Jahre hinweg stark zugenommen hat. Waren es 1991 noch rund 1600 Tausend Tonnen an Kunststoffverpackungen, so waren es im Jahr 2012 bereits rund 2800 Tausend Tonnen. Ebenso ist der Anteil an Verpackungen aus Papier deutlich gestiegen. Rückläufig war dagegen der Anteil an Verpackungen aus Glas. Im Vergleich zu allen anderen Packmaterialien nehmen in dieser Darstellung Papier und Glas den größten Anteil ein. Das liegt allerdings daran, dass hier nach Gewicht (kt) gemessen wurde und nicht nach Stückzahl. Papier und Glas sind grundsätzlich schwerer als Kunststoff, deshalb täuscht die Grafik den Betrachter, indem sie den Eindruck erweckt, dass die meisten Produkte in Papier und Glas verpackt werden. In der Praxis jedoch überwiegen die Kunststoffverpackungen. Diese sind natürlich viel leichter und nehmen dadurch im Gesamtvergleich einen geringeren Anteil ein.[30]

Heutzutage ist so gut wie alles was wir konsumieren in irgendeiner Form verpackt. „Ob Zahnpasta, Kaffee oder geräucherter Lachs: kaum vorzustellen, mit diesen Produkten unverpackt beim Einkauf, Transport oder Gebrauch klarzukommen.“[31] Selbst Gurken werden mittlerweile in Folie eingeschweißt, was bei vielen Verbrauchern auf Unverständnis stößt.[32] Trotz allem haben viele der Verpackungen wichtige Funktionen, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit deutlicher beschrieben werden.

2.2 Aufgaben und Funktionen

Durch die Produktion und Bereitstellung von Gütern stellt die Verpackungsindustrie einen starken Wirtschaftsfaktor dar. Hierbei dominiert die Lebensmittelindustrie mit etwa 50% am Gesamtverpackungsverbrauch. Verpackungen werden zum Transport, zur Lagerung und zum Verkauf benötigt.[33] Jede Verpackung erfüllt einen bestimmten Zweck, wobei nach Schutzfunktion, Rationalisierungs- bzw. Handlingsfunktion und Kommunikationsfunktion unterteilt werden kann.

Die Schutzfunktion beinhaltet die Qualitätssicherungs-, Haltbarkeits- und die Hygienefunktion. Dabei ist besonders wichtig, dass die Gut- und Packstoffeigenschaften beachtet werden sowie mögliche Wechselwirkungen, die zwischen dem Produkt und der Verpackung entstehen können. Zum Beispiel erhalten bestimmte Käsesorten erst durch den Einsatz von speziellen Käsereifungsfolien die gewünschte Qualität. Durch die Verpackung wird also sichergestellt, dass die Qualität des Produktes erhalten bleibt oder sogar verbessert wird. Außerdem kann durch die jeweilige Verpackung die Haltbarkeit von vielen Lebensmittel gewährleistet werden. Je nach Empfindlichkeit und äußeren Einflüssen, die zum Beispiel beim Transport auf das Produkt einwirken, muss die Verpackung darauf abgestimmt werden, um das Produkt vor möglichen Schäden zu schützen.[34] Im Gegensatz dazu gibt es auch Produkte, vor denen man die Umwelt schützen muss, wie zum Beispiel giftige Chemikalien. Hierbei muss die Verpackung gewährleisten, dass sie robust genug ist und die Schadstoffe nicht nach außen gelangen können. Die Schutzfunktion der Verpackung ist vor allem für die Lebensmittelindustrie sehr wichtig, aber auch in der Chemie-, Kosmetik- und Arzneimittelbranche spielt sie eine entscheidende Rolle.[35]

Eine gute Handhabung der Verpackungen ist besonders für Handel und Logistik von großer Bedeutung. Wenn beispielsweise Ladeeinheiten gebildet werden oder es darum geht, den Raum in dem jeweiligen Transportmittel optimal auszunutzen, ist es notwendig, dass die Verpackungen der Produkte einfach zu handhaben sind, um die Ware möglichst effektiv von A nach B zu transportieren.[36] Durch die zunehmende Globalisierung entsteht ein immer größerer Zeit- und Kostendruck, der auf die Transport-, Umschlags- und Lagerungsvorgänge einwirkt und somit ein optimales Handling der Verpackungen voraussetzt. Auch die Rationalisierungsmaßnahmen bei der Produktverpackung sind wichtig, um ein späteres Aus- und Umpacken im Handel zu vermeiden. Aber nicht nur für Logistik und Handel ist das Handling von Bedeutung, auch für den Endverbraucher spielt es eine entscheidende Rolle. Die Verpackungen sollen problemlos zu öffnen und gegebenenfalls wiederverschließbar sein. Außerdem sollen sie dem Verbraucher dabei helfen, das Produkt zu dosieren und Reste optimal zu entleeren.[37]

Neben der Schutz- und der Handling-Funktion von Verpackungen ist die Kommunikationsfunktion nicht außer Acht zu lassen. Eine Verpackung enthält wesentliche Informationen über das Produkt, die für den Verbraucher von Bedeutung sind, wie zum Beispiel Haltbarkeit, Mengenangaben, Inhaltsstoffe oder auch Aufbewahrungshinweise.[38] Auf vielen Verpackungen befinden sich unter anderem auch Informationen in Blindenschrift, um möglichst allen Verbrauchern gerecht zu werden. Besondere Bedeutung hat auch die Werbe- und Marketingfunktion von Verpackungen, wodurch die Aufmerksamkeit des Verbrauchers auf das Produkt gelenkt werden soll. Hierbei versuchen Produzenten durch immer ausgefallenere und ansprechendere Verpackungen aus der Masse hervorzustechen.[39]

Zusammengefasst kann also festgehalten werden, dass Verpackungen für den Verbraucher, den Hersteller und das Produkt selbst nützliche Funktionen haben, die unerlässlich sind und vieles einfacher machen. Dennoch sollen in dieser Arbeit auch die Nachteile von Verpackungen beschrieben werden. Deshalb werden im nächsten Abschnitt die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen von Verpackungen und besonders dem daraus entstehenden Müll beschrieben.

2.3 Gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen

Weltweit werden jährlich rund 250 bis 300 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte hergestellt. Das sind etwa einhundertmal mehr als noch vor 50 Jahren. Der Grund dafür ist naheliegend. „Kunststoff besitzt ideale Eigenschaften: er ist kostengünstig in der Produktion, hat ein geringes Gewicht, ist formbar, säure- und hitzebeständig, bruchfest und beinahe universell verwendbar.“[40] Deshalb wird Kunststoff sehr oft als Verpackungsmaterial in Form von Flaschen, Folien, Einkaufstüten usw. verwendet. 2,7 Millionen Tonnen dieser Plastikverpackungen werden jedes Jahr allein in Deutschland hergestellt. Der größte Teil davon sind Einwegverpackungen, die nach einmaliger Benutzung entsorgt werden. Einen starken Kontrast stellt dabei die kurze Nutzungsdauer der Verpackung zur Langlebigkeit des Kunststoffmaterials dar, denn der Abbau von Kunststoffen kann mehrere hundert Jahre dauern.[41]

Abbildung 3 des Greenpeace Magazins zeigt beispielhaft, wie lange verschiedene Gegenstände brauchen, um in der freien Natur vollständig zu zerfallen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Mindesthaltbarkeit von Plastikgegenständen[42]

Die Chemikalien, die im Kunststoff enthalten sind, belasten außerdem unser Ökosystem und unsere Gesundheit. Da nur rund ein Drittel des Plastikmülls recycelbar ist, landet der Rest auf Mülldeponien oder in Müllverbrennungsanlagen.[43] Oft jedoch gelangt der Plastikmüll auch in unsere Umwelt, wo er großen Schaden anrichtet. Auf dem Land und auf den Meeresböden lagern sich die Plastikpartikel, die durch die Zersetzung des Materials freigesetzt werden, ab. Dadurch geraten kleine Teilchen sowie Schwermetalle, toxische Substanzen und Weichmacher in die Biosphäre und gelangen letztendlich in unsere Nahrungskette.[44] Laut dem Naturschutzbund Deutschland sterben jährlich 100.000 Meerestiere und eine Million Meeresvögel an den Folgen von Plastikmüll, denn oft halten die Tiere die kleinen Plastikteile für Nahrung und verschlucken diese. Das Plastik, das sich dann im Magen der Tiere befindet, kann nicht verdaut werden und verstopft deshalb den Verdauungsapparat. Die Tiere sterben schließlich mit vollem Magen.

Neben den physischen Gefahren lauern allerdings auch unsichtbare Gefahren, denn Plastik gibt bei seiner Zersetzung gefährliche Inhaltsstoffe wie Bisphenol A, Phthalate oder Flammschutzmittel frei. Diese gelangen in die Nahrungskette der Meeresbewohner und verändern dadurch nachhaltig das Erbgut und den Hormonhaushalt der Tiere. Durch den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten wie Muscheln und Krabben können diese Giftstoffe dann wiederum in unserer Nahrungskette landen.[45] Dies kann letztendlich auch gesundheitliche Schäden beim Menschen verursachen, wie zum Beispiel Allergien, Fettleibigkeit, Krebs, Unfruchtbarkeit und Herzerkrankungen.[46] Allerdings nimmt der Mensch die gefährlichen Giftstoffe nicht nur über die Nahrung zu sich. Auch in vielen Kosmetikprodukten wie Zahnpasta, Duschgel und Peeling-Cremes sind oft winzige Plastikkügelchen enthalten. Durch ihre Verwendung gelangen diese über das Abwasser in die Umwelt und letztendlich in das Grundwasser. Aus dem Grundwasser wird wiederum unser Trinkwasser gewonnen, in dem diese Plastikteilchen immer noch enthalten sind.[47]

Die Vielzahl der verschiedenen Produkte und deren Verpackungen haben nicht nur ökologische und gesundheitliche Folgen, auch gesellschaftlich wirken sie auf den Menschen. Laut Psychologe und Bestsellerautor Barry Schwartz ist der Angebotsüberfluss in unserer Gesellschaft mit einigen Nachteilen verbunden. In seinem Buch „Anleitung zur Unzufriedenheit – Warum weniger glücklicher macht“ beschreibt er die Problematik des Überangebotes wie folgt:

„Wenn Menschen keine Wahl haben, ist das Leben fast unerträglich. Nimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Optionen zu, wie es in unserer Konsumkultur der Fall ist, bedeutet das einen enormen und positiven Zuwachs an Autonomie, Kontrolle und Befreiung. Doch wenn die Zahl der Wahlmöglichkeiten weiter ansteigt, beginnen sich negative Aspekte zu zeigen. Wächst dann die Zahl der Optionen noch mehr an, nehmen die negativen Elemente so sehr zu, dass wir uns überfordert fühlen. Von da an ist die Wahl keine Befreiung mehr, sondern eine Beeinträchtigung.“[48]

Für den Menschen ist Selbstbestimmung und Vielfalt von enormer Bedeutung. Dabei ist er kaum bereit, eine dieser Optionen aufzugeben. Jedoch können die vielseitigen Wahlmöglichkeiten zu falschen Entscheidungen, Angst, Stress, Unzufriedenheit und sogar Depressionen führen.[49]

Auch der Psychologe Bas Kast ist der Ansicht, dass wahrer Genuss durch Knappheit entsteht. Dies belegt er beispielsweise mit einem Marmeladen-Experiment:

„Zwei Frauen laden im Supermarkt zum Probieren ein. Einmal bieten sie sechs Sorten an, einmal 24. Die Leute bleiben viel öfter am Tisch mit den 24 Marmeladen stehen, können sich aber anschließend nicht entscheiden und kaufen lieber nichts. Zudem sind sie unzufriedener.“[50]

Ein Blick in die Supermarktregale bestätigt das Überangebot an Waren. So muss sich der Kunde unter anderem zwischen mehr als hundert verschiedenen Kekssorten entscheiden. Dabei versuchen die einzelnen Lebensmittelhersteller durch möglichst auffällige und ansprechende Verpackungen die Aufmerksamkeit der Kunden auf ihre Produkte zu lenken. Nicht selten fühlen sich die Kunden dadurch überfordert.[51] Laut einer Konsumentenbefragung im Auftrag von Foodwatch sind 74% der Befragten auch der Meinung, dass es für Verbraucher sehr schwierig ist, die Qualität von Lebensmitteln anhand der Angaben auf der Verpackung richtig zu beurteilen. Außerdem klagen mehr als 50% über mangelnde Transparenz und unverständliche Informationen auf den Produktverpackungen. Viele Verbraucher verstehen die Informationsangaben schlichtweg nicht und machen sich Sorgen darüber, dass Angaben zu bestimmten Inhaltsstoffen vor ihnen versteckt werden.[52]

Zusammengefasst kann man also festhalten, dass das wachsende Aufkommen an Verpackungsmüll enorme Auswirkungen auf unsere Umwelt hat. Auch führt das Überangebot an Waren und die damit einhergehende Verpackungsflut dazu, dass Verbraucher sich überfordert und unzufrieden fühlen. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll nun näher auf den Lebensmittelmarkt in Deutschland und die dort entstehenden aktuellen Trends eingegangen werden.

3 Lebensmittelmarkt in Deutschland

3.1 Aktuelle Situation und Wandel

Die Lebensmittelindustrie gehört zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Industriezweigen in Deutschland. Allein im August 2015 wurden 13,5 Milliarden Euro erwirtschaftet.[53] Der Einzelhandel stellt dabei den größten Absatzkanal dar. Dort herrscht allerdings ein sehr hoher Wettbewerb. Rund 75% des gesamten Marktes werden von fünf Großunternehmen dominiert. Dadurch entsteht ein hoher Wettbewerbsdruck, besonders bei den kleinen und mittelständischen Lebensmittelproduzenten.[54] Zudem herrscht auf dem Markt ein harter Preiskampf, denn die Verbraucher sind besonders preissensibel. Discounter wie Aldi, Lidl und Co. senken regelmäßig ihre Preise, wodurch diese eine führende Stellung am Markt einnehmen. Im EU-weiten Vergleich zeigt sich, dass Deutschland die niedrigsten Verbraucherpreise für Nahrungsmittel hat.[55] Durch Produktdifferenzierungen versuchen Hersteller oftmals, dem Preiskampf zu entkommen. Sie entwickeln Produkte, die exakt auf die Bedürfnisse einer bestimmten Verbrauchergruppe zugeschnitten sind, um so höhere Preise verlangen zu können. Dadurch entstand in den letzten Jahren eine Vielzahl an verschiedenen Waren, die ein unterschiedliches Kundenklientel ansprechen. Besonders an Bedeutung gewonnen haben die Qualitätsunterschiede in den Produktionsprozessen, die oftmals zur Produktvermarktung eingesetzt werden, wie zum Beispiel „biologischer Landbau“ oder „Einhaltung von Sozialstandards“.[56] Allgemein gesehen ist das Konsumklima in Deutschland auf einem sehr hohen Niveau. Bedingt durch die stabile Arbeitsmarktlage, eine geringe Sparneigung der Konsumenten und stabile Preise ergibt sich eine hohe Kauflaune bei den Kunden. 10,5 % ihres Nettoeinkommens gaben Verbraucher im Jahr 2014 in Deutschland für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke aus. Damit lag Deutschland unter dem EU-Durchschnitt, wobei das vergleichsweise hohe Einkommensniveau bedacht werden muss.[57] Eine Übersicht über die durchschnittlichen Ausgaben der Haushalte pro Monat für die einzelnen Lebensmittelkategorien bietet Abbildung 4. Hier ist ersichtlich, dass die Menschen im Jahr 2008 am meisten Geld für Fleisch- und Wurstwaren ausgegeben haben, gefolgt von Getreideerzeugnissen und Molkereiprodukten.[58]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Lebensmittelausgaben deutscher Haushalte nach Kategorie[59]

Neben dem starken Wettbewerbsdruck und den strengen Auflagen führt der Wandel der Gesellschaft zu Veränderungen im Lebensmitteleinzelhandel, denn durch den Wandel wird auch das Konsumverhalten geprägt, was letztendlich dazu führt, dass sich die Lebensmittel dem Verbraucher anpassen müssen. „Unsere Gesellschaft ist mobil, flexibel, international und ständig vernetzt.“[60] Es gibt immer mehr ältere Menschen und kleinere Haushalte bzw. Single-Haushalte, wodurch die Nachfrage nach großen Verpackungseinheiten immer weiter sinkt. Außerdem haben sich die Verbraucheranforderungen in den letzten Jahren stark verändert. Es wird zunehmend auf bewusste Ernährung geachtet. Die Verbraucher sind sensibler gegenüber den Preisen und der Qualität von Produkten. Zudem wollen sie immer besser über die Produkte informiert werden und erwarten ein hochwertiges und breites Angebot.[61] Obendrein vollzog sich in den letzten Jahren ein Bedürfniswandel der Konsumenten vom Notwendigkeitsgeschmack zum Qualitätsgeschmack. Jahrelang war „Schneller, billiger, funktioneller, exotischer, immer und mehr“[62] der treibende Wunsch der Konsumenten, was vor allem durch den Boom der Fastfood- und Convenience-Produkte bedingt war. Heutzutage legen Verbraucher Wert auf ein nachhaltig geprägtes Essverhalten, bei dem besonders der Genuss im Vordergrund steht.[63] Zudem steigt „die Sehnsucht nach Einfachheit, Authentizität und Natürlichkeit.“[64] Ein weiterer Faktor, der die Lebensmittelindustrie beeinflusst, ist die zunehmende Mobilität unserer Gesellschaft. Die Menschen haben immer weniger Zeit, wodurch die Verpflegung außer Haus in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Mit 71,1 Milliarden Euro hat der Außer-Haus-Markt einen enormen Marktanteil in der Lebensmittelindustrie, wobei die Gastronomie einen wichtigen Absatzpartner darstellt.[65]

Die Lebensmittelindustrie hat sich also in den letzten Jahren deutlich verändert und unterliegt auch weiterhin einem stetigen Wandel. Einkaufen ist nicht mehr einfach nur zur Befriedigung von Grundbedürfnissen da. Vielmehr geht es um Wünsche und Sehnsüchte, die durch das Einkaufen erfüllt werden sollen. Dabei hat der Konsument die Macht übernommen und entscheidet, wie Handel und Einkauf funktionieren.[66] Für die Lebensmittelhersteller ist es daher besonders wichtig, sich den Wünsche der Kunden anzupassen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und aufkommenden Trends nachzukommen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im nächsten Abschnitt dieser Arbeit wird erklärt, was ein Trend genau ist, wie er entsteht und welche Trends momentan aktuell sind.

3.2 Lifestyle und Trends

Die Gesellschaft ist ständig im Wandel und daraus entwickeln sich auch immer wieder neue Ströme und Richtungen. Besonders in der Ernährungsindustrie werden beinahe täglich neue Trends geboren, die als sogenannte Food-Trends bezeichnet werden. Daraus ergeben sich zwei wesentliche Fragen, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden sollen. Zum einen: Was sind Food-Trends und wie entstehen sie? Und zum anderen: Welche Food-Trends gibt es?

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter dem Wort „Trend“ eine Veränderungsbewegung oder ein Wandlungsprozess verstanden. Dabei können sie in unterschiedlichen Bereichen des Lebens auftreten, wie zum Beispiel der Ökonomie, der Politik oder der Konsumwelt. Diese Trends können schließlich in verschiedene Kategorien unterteilt werden.[67] Abbildung 5 zeigt eine Übersicht über diese Trend-Kategorien und beschreibt deren unterschiedliche Geschwindigkeiten und Veränderungen anhand eines Wellenmodells.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Trend-Kategorien im Wellenmodell[68]

Wie in der Abbildung ersichtlich ist, gibt es acht verschiedene Trend-Kategorien, die in unterschiedlichen Bereichen auftreten können. Megatrends beispielsweise sind Trends, die eine epochale Veränderung darstellen, wodurch sie die gesellschaftliche Entwicklungsstufe auf eine neue Ebene transformieren. Sie stellen ein flächendeckendes, globales Phänomen dar, welches in nahezu allen Bereichen auftritt (Ökonomie, Konsum, Politik etc.). Zudem haben sie eine Mindesthalbwertszeit von 50 Jahren.[69] Im Gegensatz dazu beschreiben Mikrotrends Veränderungen im Bereich des Stils und des Designs von einzelnen Produkten. Sie sind besonders kurzlebig und einem ständigen Wandel unterzogen.[70] „Mit dem Begriff Food-Trends beschreiben und analysieren wir etwas anderes: nämlich die längerfristigen Veränderungsbewegungen und Wandlungsprozesse innerhalb bestimmter Esskulturen bzw. Gesellschaften.“[71] Dabei bestehen Food-Trends durchschnittlich zehn Jahre oder länger. Sie offenbaren das Lebensgefühl und die Sehnsüchte der Konsumenten und stellen Lösungsversuche für bestehende Probleme dar. Food-Trends werden durch globale und langfristige Veränderungen geprägt und durch die Menschen nach außen getragen.[72] In Abbildung 5 ist zu erkennen, dass Food-Trends ausschließlich im Bereich der Märkte und der Ökonomie zu finden sind und ihre Halbwertszeit im Vergleich zu den anderen Trend-Kategorien eher kurz- bis mittelfristig ist.

Die Gründe für die Entstehung solcher Trends können sozialer Natur sein, wie permanenter Zeitmangel und demografische gesellschaftliche Veränderungen. Aber auch ökonomische oder kulturelle Änderungen können Auslöser sein.[73] Außerdem werden sie durch Megatrends wie zum Beispiel die Individualisierung, Konnektivität und Mobilität geprägt.[74] Besonders die Individualisierung hat großen Einfluss darauf, was die Menschen essen. Hierbei dreht sich alles um die freie Wahl, die Selbstbestimmung und Entscheidung.[75] „Nahrung wird [dadurch] zunehmen zum Instrument auf der Suche nach dem Selbst, zum Tool der Selbstverwirklichung, der Selbsterfahrung und der Selbstdarstellung“.[76] „Die Epizentren von Food-Trends sind daher immer Personengruppen mit starken Motiven und Leidenschaften oder Personengruppen, die bestimmte Probleme als besonders bedrückend erleben. Sie lösen die Food-Trends aus, schieben Veränderungen an und dynamisieren sie.“[77] Für die Akteure der Lebensmittelbranche gelten diese Personen als Orientierung für neue Trendbewegungen und sind daher von großer Bedeutung, denn sie helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Ein entstehender Trend breitet sich dabei wellenartig in der Gesellschaft aus und wächst somit immer weiter an.[78] Abbildung 6 beschreibt die Entwicklung eines Food-Trends von dessen Entstehung, über die Ausbreitung, bis hin zu dessen Ende.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Wie sich Food-Trends entwickeln[79]

Wie die Abbildung zeigt, geht ein Food-Trend zunächst von einer kleineren, sogenannten „Peer Group“ aus. Dieser Trend wird dann von einer größeren Gruppe von Konsumenten erfasst und als Trend wahrgenommen. Nun gibt es drei Möglichkeiten, wie sich der Trend fortlaufend entwickelt. Entweder er fusioniert mit einem anderen Trend oder aber der Trend verebbt, ohne größere Aufmerksamkeit bei den Konsumenten auf sich zu ziehen. Die dritte Möglichkeit ist, dass der Trend von einer Mehrheit der Konsumenten angenommen wird, wodurch er sich letztendlich als Trend auflöst und als „mainstream“ angesehen wird.

Heutzutage gibt es eine große Zahl verschiedener Food-Trends, die mehr oder weniger bekannt sind. Die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler hat in ihrem Food Report 2016 eine Übersicht dieser Trends erstellt, die in Abbildung 7 gezeigt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Food-Trends in der Übersicht[80]

Food-Trends werden immer von globalen und langfristig wirksamen Veränderungen geprägt, welche auch als Megatrends bezeichnet werden. Wie der Abbildung zu entnehmen ist, gibt es eine Vielzahl dieser Megatrends, die zu einzelnen Trendclustern zusammengefasst werden können. Somit werden beispielsweise die Individualisierung und die Gesundheit in das Trendcluster „Gut & Gesund“ eingeordnet. Den einzelnen Trendclustern können dann die verschiedenen Food-Trends zugeordnet werden. Zum Beispiel zählen „Sensual Food“, „Soft Health“, „Fast Good“ und „Veggies“ zum Trendcluster „Gut & Gesund“. Food-Trends sind aber keine statischen Ereignisse. Sie entwickeln sich fortlaufend weiter und differenzieren sich immer wieder zu neuen Untertrends aus.[81]

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt 2015 (online): Pressemitteilung

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt o.D. (online): Pressemitteilung

[3] Vgl. Thomé-Kozmiensky 2014: Verfahrenstechniken für das Recycling, S.1

[4] Sywottek 2015: Vom Gelben Sack ins Schwarze Loch

[5] Vgl. Sywottek 2015: Vom Gelben Sack ins Schwarze Loch

[6] Vgl. Probst 2009: Preisverfall auf dem Sekundärrohstoffmarkt, S. 31

[7] Kreislaufwirtschaftsgesetz (online): §23 Produktverantwortung, Abs. 1 Satz 2

[8] Eigene Darstellung in Anlegung an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (online): Produktverantwortung

[9] Vgl. Thomé-Kozmiensky 2014: Verfahrenstechniken für das Recycling, S.7

[10] Sywottek 2015: Vom Gelben Sack ins Schwarze Loch

[11] Vgl. Hülter 2014: Kommunale Wertstoffentsorgung ohne DSD, S.137

[12] Vgl. Von Bremen 2015 (online): Hüllenloser Einkauf in Kiel

[13] Vgl. zerowastelifestyle.de (online): Verpackungsfreie Supermärkte

[14] Vgl. Von Bremen 2015 (online): Hüllenloser Einkauf in Kiel

[15] Vgl. unverpackt-einkaufen.de 2015 (online): Was ist Bulk Shopping?

[16] Vgl. Thomé-Kozmiensky 2014: Verfahrenstechniken für das Recycling, S.7

[17] Vgl. Umweltbundesamt 2015 (online): Verpackungsabfälle

[18] Vgl. Sywottek 2015: Vom Gelben Sack ins Schwarze Loch

[19] Vgl. Illinger 2010 (online): Luxusgut Benzin

[20] Vgl. Umweltbundesamt 2013 (online): Meere ohne Plastik

[21] Vgl. Umweltbundesamt 2012 (online): Biokunststoffe nicht besser

[22] Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2015 (online): Jahresbericht 2014_2015, S. 5

[23] ebd.

[24] Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2015 (online): Jahresbericht 2014_2015, S. 5

[25] Kaßmann 2014: Funktionen von Verpackungen, S.11

[26] Vgl. Kaßmann 2014: Funktionen von Verpackungen, S.11

[27] Vgl. Sywottek 2015: Vom Gelben Sack ins Schwarze Loch

[28] Vgl. Kaßmann 2014: Funktionen von Verpackungen, S.11 - 12

[29] Eigene Darstellung in Anlehnung an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (online): Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2012

[30] Vgl. Umweltbundesamt 2015 (online): Verpackungen überall

[31] Paßmann 2014 (online): Ein Alleskönner zieht die Blicke auf sich

[32] Vgl. Sywottek 2015: Vom Gelben Sack ins Schwarze Loch

[33] Vgl. Kaßmann 2014: Funktionen von Verpackungen, S. 12

[34] Vgl. Waldbauer 2009: Verpackungsabfälle im Hausmüll in der Europäischen Union und die Qualität ihrer Erfassung mit Getrenntsammelsystemen am Beispiel der Staaten Deutschland und Frankreich, S. 3

[35] Vgl. Kaßmann 2014: Funktionen von Verpackungen, S. 15 - 16

[36] Vgl. Umweltbundesamt 2015 (online): Verpackungen

[37] Vgl. Kaßmann 2014: Funktionen von Verpackungen, S. 16

[38] Vgl. Waldbauer 2009: Verpackungsabfälle im Hausmüll in der Europäischen Union und die Qualität ihrer Erfassung mit Getrenntsammelsystemen am Beispiel der Staaten Deutschland und Frankreich, S. 3

[39] Vgl. Kaßmann 2014: Funktionen von Verpackungen, S. 16 - 17

[40] Schulz 2013 (online): Verpackung und Müllvermeidung, S. 7

[41] Vgl. Schulz 2013 (online): Verpackung und Müllvermeidung, S. 7

[42] Eigene Darstellung in Anlehnung an das Greenpeace Magazin: Mindesthaltbarkeit von Plastikgegenständen, S. 25

[43] Vgl. Schulz 2013 (online): Verpackung und Müllvermeidung, S. 9

[44] Vgl. Umweltbundesamt 2013 (online): Meere ohne Plastik

[45] Vgl. NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V., o.D. (online): Plastikmüll und seine Folgen

[46] Vgl. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland o.D. (online): Achtung Plastik, S. 7

[47] Vgl. o.A. 2013 (online): Winzige Plastikteilchen verunreinigen Trinkwasser

[48] Schwartz 2006: Anleitung zur Unzufriedenheit, S. 10

[49] Vgl. Schwartz 2006: Anleitung zur Unzufriedenheit, S. 11

[50] Küveler 2012 (online): Überangebot macht den Menschen unglücklich

[51] Vgl. Schwartz 2006: Anleitung zur Unzufriedenheit, S. 17

[52] Vgl. Foodwatch 2014 (online): Was der Kunde nicht weiss..., S. 13

[53] Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2015 (online): BVE-Konjunkturreport Ernährungsindustrie 10-15

[54] Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2015 (online): Jahresbericht 2014_2015, S. 17

[55] Vgl. o.A. 2015 (online): Unilever kritisiert Aldi, Lidl und Co.

[56] Vgl. Spiller, Zühlsdorf 2012 (online): Trends in der Lebensmittelvermarktung, S. 11

[57] Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2015 (online): Jahresbericht 2014_2015, S. 5

[58] Vgl. Statistisches Bundesamt 2011 (online): Konsumausgaben

[59] Eigene Darstellung in Anlehnung an das Statistische Bundesamt (online): Konsumausgaben

[60] Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2015 (online): Jahresbericht 2014_2015, S. 5

[61] Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie 2015 (online): Jahresbericht 2014_2015, S. 17

[62] Huber, Kelber, Kirig, Rützler 2011: Business – Der Wandel der Genusskultur, S. 12

[63] Vgl. Huber, Kelber, Kirig, Rützler 2011: Business – Der Wandel der Genusskultur, S. 12 - 13

[64] Huber, Kelber, Kirig, Rützler 2011: Business – Der Wandel der Genusskultur, S. 18

[65] Vgl. Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie o.D (online).: Der deutsche Außer-Haus-Markt

[66] Vgl. Haderlein, Mijnals, Wenzel 2007: Shopping Szenarien, S. 4

[67] Vgl. Horx 2010 (online): Trend-Definition, S. 1

[68] Eigene Darstellung in Anlehnung an Rützler Hannis Food Report 2015: Trendkategorien im Wellenmodell, S.11

[69] Vgl. Armellini, Huber, Steinle, Steinle 2013: Die Zukunft des Konsums, S.16

[70] Vgl. Horx 2010 (online): Trend-Definition, S. 3 - 4

[71] Rützler 2014: Food Report 2015, S. 10

[72] Vgl. Rützler 2015 (online): Food Report 2016, S. 10

[73] Vgl. Rützler 2014: Food Report 2015, S. 11

[74] Vgl. Armellini, Huber, Steinle, Steinle 2013: Die Zukunft des Konsums, S.18

[75] Vgl. o.A. 2014 (online): Wie wir morgen essen werden

[76] o.A. 2014 (online): Wie wir morgen essen werden

[77] Rützler 2014: Food Report 2015, S. 11

[78] Vgl. Rützler 2014: Food Report 2015, S. 10 - 11

[79] Eigene Darstellung in Anlehnung an Rützler Hannis Food Report 2015: Wie sich Food-Trends entwickeln, S.12

[80] Eigene Darstellung in Anlehnung an Rützler Hannis Food Report 2016 (online): Food-Trends in der Übersicht, S. 16 - 17

[81] Vgl. Rützler 2015 (online): Food Report 2016, S. 11-12

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Verpackungslos Einkaufen mit Bulk Shopping. Vorteile, Schwierigkeiten und Zukunftschancen der neuen Trendbewegung
Autor
Jahr
2018
Seiten
88
Katalognummer
V429254
ISBN (eBook)
9783956875465
ISBN (Buch)
9783956875472
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bulk Shopping, Abfall, Verpackungsmüll, Recycling, Lebensmittelmarkt, Nachhaltigkeit
Arbeit zitieren
Carolin Gebauer (Autor), 2018, Verpackungslos Einkaufen mit Bulk Shopping. Vorteile, Schwierigkeiten und Zukunftschancen der neuen Trendbewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429254

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