Fremdsein in der Türkei als Fremde in der BRD


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

20 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINFÜHRUNG

1.0. EIN ALLGEMEINES PORTRAIT DER TÜRKEI
1.1. Geschichte
1.2. Politik und Staatsaufbau
1.3. Die Wirtschaftsstruktur
1.4. Kultur und Gesellschaft

2.0. DIE SOZIALEN UNTERSCHIEDE DES TÜRKISCHEN
VOLKES UND DIE DARAUS RESULTIERENDE LEBENSWEISE
2.1. Die ländliche Türkei und die Familie
2.2. Das urbane Leben in der Türkei
2.3. Leben in Deutschland – ein zweischneidiges Schwert

3.0. SCHLUSSBETRACHTUNG

4.0. LITERATURVERZEICHNIS

EINFÜHRUNG

Immer mehr Europäer und besonders Deutsche kommen in Kontakt mit Kultur, Religion und der sozialen Struktur der Türkei. Viele Menschen leben Tür an Tür mit türkischen Mitbürgern, arbeiten mit ihnen zusammen oder haben Kinder, die mit türkischen Mitschülern gemeinsam die Schule besuchen und lernen. Andere entdecken die Türkei als Urlaubsland, mit schönen Stränden, viel Sonne und blauem Meer. Nach ihrer Rückkehr von der Reise schwärmen sie meist von der Gastfreundlichkeit der Menschen, dem guten Essen und der reichhaltigen, interessanten Geschichte des Landes. Aber die wenigsten gehen wirklich über diese oberflächlichen Berührungspunkte hinaus. Das Land zwischen Orient und Okzident bleibt ihnen, samt seinem Volk, trotz aller Eindrücke, fremd.

Es gibt aber auch solche, die sich näher über die Türkei informieren und die Türken intensiver kennen lernen möchten. Sei es weil sie sich vom mystischen Charakter des Orients faszinieren lassen, oder weil sie durch persönliche Beziehungen enger in Kontakt mit Individuen kommen, die ihre Wurzeln in der Türkei haben.

Gerade in Deutschland, wo der türkische Ausländeranteil besonders hoch ist, besteht ein reges Interesse an Informationen über die kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Eigenschaften der Menschen. Es sind bereits viele Texte zu diesem Thema erschienen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschrieben wurden. Die vorliegende Arbeit hat die Absicht, mit ihrer eigenen Perspektive einigen Gesichtspunkten nachzugehen und manche Fragen zu beantworten, die möglicherweise gestellt werden können. Z.B: Was sind die wichtigen Einzelheiten der Geschichte? Wie sehen Kultur und Gesellschaft bei genauerer Betrachtung aus? Wie verhält es sich mit der Wirtschaft und Politik des Landes? All diese Aspekte sollen auf den folgenden Seiten angesprochen und diskutiert werden. Der Kernpunkt dieser Arbeit konzentriert sich jedoch auf die soziale Struktur der türkischen Bevölkerung und die Probleme, die sich einstellen können, wenn türkische Einwanderer mit nachfolgenden Generationen in Deutschland leben. Ferner werden die brisanten Situationen erörtert, die sich ergeben können, wenn genau dieselben Einwanderer nach langen Jahren des Aufenthalts in Deutschland beschließen, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. In beiden Fällen stehen vor allem die Generationskonflikte im Mittelpunkt, die eingehender untersucht werden.

1.0. EIN ALLGEMEINES PORTRAIT DER TÜRKEI

1.1. Geschichte:

Als Einstieg in das Thema “Türkei“ eignen sich besonders einige wichtige Fakten der vielfältigen Geschichte des Landes, die sich über einen sehr langen Zeitraum ausdehnt:

Die Republik der Türkei, die im Jahre 1923 gegründet wurde, hat ihre Wurzeln in zwei historischen Ursprüngen: Zum einen die Geschichte der Türken, die sich über einen Zeitraum von mehr als 4.000 Jahren ausdehnt, zum anderen die Tatsache, daß sie seit dem 11. Jahrhundert in Anatolien ansässig sind. Die Hunnen (8.Jh. v. Chr.) sind der erste, in der Geschichte erwähnte, türkische Stamm und am Anfang des 8. Jh. n. Chr. begannen die ersten Kontakte zu den arabischen Moslems. Um diese Zeit fingen einige Türken an, den Islam zu bevorzugen. Jedoch beschränkte die pro-arabische Politik der Omayaden (661-750 n. Chr.) diese Beziehung ein wenig. Später nahmen viele moslemische Türken Ämter in der Regierung an und deswegen verbreitete sich großes Interesse an der islamischen Welt unter den Siedlern jenseits des Flusses Ceyhun. Auch spielten Handelskarawanen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Islam in den Steppen Zentralasiens. Im Laufe des Jahrhunderts wurden die Türken ganz islamisiert. Daraus folgte das Erlangen einer politischen Einheit und diesen Entwicklungen folgend wurde der erste moslemische, türkische Staat von den Karahanen gegründet.

Die Karahanen regierten zwischen 990-1212 in Turkistan und Maveraünnehir. Ihre Herrschaft ist vom Gesichtspunkt der türkischen Kultur und Kunstgeschichte besonders bedeutsam. In dieser Zeit wurden Moscheen, Schulen, Brücken und Karawansereien in den Städten errichtet. Buhara und Samarkand wurden zu Bildungszentren. Außerdem fand hier auch die türkische Sprache Möglichkeiten sich zu entwickeln.

Im Jahre 1071 kommandierte Alp Arslan (1063-1072) die Schlacht von Malazgirt. Nachdem er über die Streitkräfte des Byzantinischen Eroberers gesiegt hatte, öffneten sich die anatolischen Türen den moslemischen Türken. Ab diesem Zeitpunkt eroberten sie ganz Anatolien und gründeten den anatolischen Seldschukenstaat als Teil des großen Seldschukenreiches.

Das wichtigste Fürstentum vor der Gründung der Republik Türkei war jedoch das ottomanische Reich. Es wurde von einem turkomanischen Stamm, das an der türkisch-byzantinischen Grenze lebte, gegründet. Die geographische Lage des Fürstentums zusammen mit dem schwachen Staat der Byzantiner machten das ottomanische Reich zum stärksten Staat in der islamischen Welt im 14. Jahrhundert. Die Existenz dieses Reiches dauerte an bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts. 1914 traten die Ottomanen an der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg ein und gingen als Verlierer hervor. Am 30. Oktober 1918 wurden sie dazu gezwungen den Mudrow-Waffenstillstand zu unterzeichnen. Am 15. Mai 1919 besetzten die Griechen Izmir und es entstand daraufhin eine nationale Widerstandsbewegung. Diese Bewegung war, bis Mustafa Kemal bei Samsun landete, sporadisch und unorganisiert. Unter seiner Führung wurde der Widerstand geschlossen und zu einer organisierten Armee, die den Unabhängigkeitskrieg gegen die Besatzer gewann. Seither wird der Gründer der unabhängigen Republik Türkei und deren erster Präsident, Mustafa Kemal Atatürk, als “Vater der Türken“ Befreier und Volksheld verehrt, besonders auch weil er mit seiner Politik Reformen nach europäischem Vorbild einführte (z.B. Lateinschrift, Hut statt Fes, Gleichberechtigung der Frauen, Benutzung von Nachnamen etc.) Aus diesen Veränderungen resultiert auch der stolze Patriotismus des türkischen Volkes, der sich besonders in der Wertschätzung des Militärs manifestiert.[1]

1.2. Politik und Staatsaufbau:

Der Staatsapparat ist im Wesentlichen so erhalten worden, wie Atatürk es vorgesehen und strukturiert hatte: Innerhalb seines Territoriums und der Nation stellt der türkische Staat eine Einheit dar. Die offizielle Sprache ist Türkisch, die Hauptstadt Ankara. Die Staatsgewalt geht uneingeschränkt und bedingungslos vom Volk, durch die in der Verfassung festgelegten Organe aus. Das Recht zur Ausübung der Staatsgewalt kann nicht auf ein Individuum, eine Gruppe oder Klasse übertragen werden. Jeder Bürger besitzt unveräußerliche und unverletzliche Rechte. Im Gegensatz zu vielen anderen islamischen Ländern ist der Staat, auch wenn im Rahmen der politischen Freiheit die islamisch orientierte Partei im Parlament vertreten ist, streng von der Religion getrennt (laizistisch ausgerichtet). Dies, sowie die Religions- und Gewissensfreiheit sind in der Verfassung verankert, obgleich die Wiedereinführung des Religionsunterrichts als Pflichtfach in den Schulen dazu im Widerspruch steht. Die Türkei sieht sich in ihrer Politik in die westliche Welt fest eingebunden, auch wenn sie darin bestrebt ist, ihre orientalischen Wurzeln nicht außer Acht zu lassen.[2]

1.3. Die Wirtschaftsstruktur:

Schon seit Jahren ist die Türkei Partner vieler Länder im Import-Export-Geschäft. Sie wird aber auch gleichzeitig durch eine hohe Inflationsrate geplagt. Der wichtigste Bereich in der Wirtschaft ist der Dienstleistungssektor, 52,9% werden damit erwirtschaftet und die bedeutendste Branche ist dabei der Tourismus. Ferner sind aber auch das Transportwesen und der Kommunikationsbereich wichtig und 23,9% trägt der Industriesektor zum Bruttoinlandsprodukt bei. Eine hervorgehobene Stellung haben die Textil- und Bekleidungsindustrie, aber auch die Automobil-, Elektro- und die Metallindustrie gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Bauwirtschaft ist mit 7,5% am Bruttoinlandsprodukt beteiligt zuzüglich des Agrarwesens, das ebenso eine große Rolle in der Ökonomie spielt.[3]

[...]


[1] Informationen aus der Homepage der türkischen Botschaft in Berlin: “www.tcbonnbe.de“

[2] ibid “Politik und Staatsaufbau“

[3] ibid “Aktuelle Wirtschaftslage“

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Fremdsein in der Türkei als Fremde in der BRD
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar: Das Eigene und das Fremde
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V4293
ISBN (eBook)
9783638126595
ISBN (Buch)
9783638781244
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den kulturellen Problemen türkischer Immigranten in Deutschland und den Heimkehrern in die Türkei, mit besonderer Berücksichtigung der zweiten und folgenden Generation
Schlagworte
Fremdsein, Türkei, Fremde, Hauptseminar, Eigene, Fremde
Arbeit zitieren
Didem Oktay (Autor), 2002, Fremdsein in der Türkei als Fremde in der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4293

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