Die deutsche Flottenrüstung 1897 - 1914: " Eine Flotte gegen England"


Hausarbeit, 2004

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Beginn des Flottenbaus 1897-1906
2.1 Der Tirpitz-Plan
2.2 Das Flottengesetz von 1898 und die Novelle von 1900

3. Der Dreadnought- Sprung und seine Folgen
3.1 Der Dreadnought- Sprung - Startschuss zum offenen Wettrüsten
3.2 Verfall des Tirpitz- Planes

4. Ziel des deutschen Flottenbaus und seine Auswirkung auf die deutsch englischen Beziehungen
4.1 Eine Flotte gegen England
4.2 Verständigung oder Konfrontation mit England unter Bülow
4.3 Die Haldane Mission und ihre Folgen

5. Zusammenfassung

6.Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Die Seeinteressen Deutschlands sind seit der Errichtung des Reiches in ganz ungeahnter Weise gestiegen. Ihre Erhaltung ist zu einer Lebensfrage Deutschlands geworden.“[1]

Diese im Jahr 1898 von Großadmiral Alfred von Tirpitz getätigte Aussage zeigt deutlich auf welche Ziele die deutsche Marinepolitik seit dessen Amtsbeginn verfolgte. Es wurde als eine Notwendigkeit angesehen eine starke Flotte zu bauen, die imstande war, den deutschen Handel und die deutsche Industrie zu schützen. Hierbei wurde besonderes Augenmerk auf die englische Flotte gelegt, die zu der Zeit die führende Seemacht weltweit war. Zudem sollte eine starke deutsche Flotte dazu dienen die halbhegemoniale Stellung Deutschlands auf dem Kontinent in eine hegemoniale zu wandeln. In dieser Arbeit soll die deutsche Flottenbaupolitik und die damit verbundenen Schwierigkeiten einer Verständigung mit England, unter der Fragestellung ob es sich bei der deutschen Flotte um eine Flotte gegen England gehandelt hat und ob der deutsch-englische Antagonismus nicht auch auf diplomatischer Basis hätte beigelegt werden können, analysiert werden.

Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der ersten Phase des Flottenbaus von 1897 bis 1906. Hier wird der für den Flottenbau maßgebliche Tirpitz-Plan und die erste Phase des Flottenbaus beschrieben. Im zweiten Abschnitt wird der Dreadnought- Sprung mit seinen weitreichenden Folgen für den Tirpitz-Plan, sowie dessen Einfluss auf die Verschärfung des deutsch-englischen Antagonismus. Im darauf folgenden Kapitel wird das deutsch-englische Verhältnis näher betrachtet, wie auch die wahren Ziele, die Tirpitz mit seinem Plan, nämlich eine Flotte gegen England zu bauen. Es werden die zudem die verschiedenen Versuche einer Verständigung mit England, endend mit der Haldane- Mission, beleuchtet. Das letzte Kapitel ist eine Zusammenfassung der Arbeit, mit anschließendem Fazit.

2.Beginn des Flottenbaus 1897-1906

2.1 Der Tirpitz-Plan

Nachdem Großadmiral Alfred von Tirpitz am 31. März 1897 zum Staatssekretär des Marineamtes berufen wurde, begann er mit der Durchführung eines langfristig angelegten Planes zum Ausbau der deutschen Flotte. Dieser Plan sollte die Richtschnur für den deutschen Flottenbau ab 1897 werden.

Ziel des Tirpitz-Planes war der Bau von 60 Schiffen in einem Zeitraum von 20 Jahren, bei einer kontinuierlichen Baurate von drei Schiffen pro Jahr, dem Dreier Tempo. Diese festgelegte Baurate und die Einführung einer Ersatzzeit für die Schiffe sollte eine Äternisierung der Flotte zur Folge haben, wodurch eine vom Parlament unabhängige, sich selbst erneuernde Flotte entstehen sollte. Die Auslandsflotte sollte durch eine Hochseeflotte ersetzt werden, welche zur Entscheidungsschlacht fähig sein sollte. Durch das Fehlen von Auslandsstützpunkten, als Versorgungs- und Rückzugspunkte für die Kreuzer sollte die Flotte demnach so eingerichtet sein, „daß sie ihre höchste Kriegsleistung zwischen Helgoland und der Themse entfalten kann“. Die Nordsee sollte hierbei als Hebel dienen, und die Konflikte, die in der Peripherie entstehen, mit Hilfe der Heimatflotte vor Ort gelöst werden sollten[2]. Die alleinige Quelle maritimer Machtausübung sollte das Schlachtschiff sein, wobei die Homogenität des Schiffmaterials und sorgfältige Abstimmung der Waffen im Vordergrund standen[3]. Um keinen Verdacht bei der Seemächtigsten Nation der Welt zu erwecken sollte der Ausbau Etappenweise geschehen, dies diente auch die Widerstände im Parlament aufgrund der enormen Kosten zu umgehen, und er begründete den Ausbau mit der Risikotheorie, die den defensiven Charakter des Ausbaus betont, und besagt, die Flotte müsse immer so stark sein, „daß ein Krieg auch für den Seemächtigsten Gegner mit derartigen Gefahren verbunden ist, dass seine Machtstellung in Frage gestellt wird“[4].

2.2 Die erste Phase des Schlachtflottenbaus 1897-1906

Mit dem Flottengesetz von 1898 wurde der Startschuß zur Verwirklichung des Tirpitz-Planes und zum Bau einer Flotte gegen England gegeben. Die Handelsschutzfunktion und Küstenverteidigung standen im Vordergrund, wodurch man die Kontinuität mit der Ära Stosch betonte und dem Gesetz so keine aggressiven Absichten unterstellt werden sollte. Die Baurate wurde gesetzlich festgelegt, auf das oben erwähnte Dreier Tempo, was als stabilisierendes Element angesehen wurde, weil man ökonomisch auf Jahre kalkulieren konnte. Durch die Festlegung der Ersatzzeit von 25 Jahren für die Schiffe wurde der erste Schritt auf dem Weg zur Äternisierung gemacht, da man diese nicht mehr abschaffen konnte. Um das Parlament in Hinblick auf die entstehenden Kosten nicht zu beunruhigen, wurde eine Geldgrenze eingeführt. Die Flotte sollte nach Durchführung des ersten Flottengesetzes aus 19 Linienschiffen, 8 Küstenpanzerschiffen, 12 großen und 30 kleinen Kreuzern bestehen. Dieses erste Flottengesetz war jedoch nur die erste Etappe des von Tirpitz gefassten weitreichenden Planes, wie aus einer von ihm, im November 1898, verfassten Denkschrift zu entnehmen ist:

„Nach jahrelangen Mühen und Kämpfen ist es endlich gelungen, für die Wehrmacht zur See ein sicheres Fundament zu schaffen, auf der sich der Ausbau vollziehen soll“.[5]

Mit Einbringung der Flottennovelle von 1900 wurde dieser, in der Denkschrift genannte Ausbau, vollzogen. Die Novelle war dicht am ersten Flottengesetz angelegt und wurde mit der Notwendigkeit begründet, dass sich die Weltlage so verändert hat, dass das Flottengesetz von 1898 nicht mehr ausreiche.[6] Mit der Novelle von 1900 beginnt auch die Verschleierung der wahren Ziele des Flottenbaus, da man sich bis zum vollständigen Ausbau der Flotte in einer „Gefahrenzone“ befand. Um gegenüber England keinen Verdacht zu erwecken, setzte man die Risikotheorie als Leitsatz ein. Somit wurde die offensive Spitze des Flottengesetzes in ein defensives Schild umgewandelt[7]. Mit der Verabschiedung der Novelle, hierdurch wurde sie auch ein Gesetz, beschloss man die Verdopplung der Flotte. Es wurden lediglich sechs Auslandskreuzer gestrichen, die aber 1906 genehmigt wurden und das Hauptziel, nämlich das Beibehalten des Dreier Tempos, war bis auf fünf Jahre gesichert.

[...]


[1] Chostov, Minc, Geschichte der Diplomatie, Band 1, S. 165.

[2] Roedel, C., Krieger, Denke Amateure.Alfred von Tirpitz und das Seekriegsbild vor dem Ersten Weltkrieg, Stuttgart 2003, S.94

[3] Krieger, Denker Amateure, S. 71 f.

[4] Zit. bei Tirpitz, A.v., Der Aufbau der deutschen Weltmacht, Stuttgart-Berlin 1924, S. 108

[5] Zit. aus Berghahn, V. R., Der Tirpitz-Plan.Genesis und Verfall einer innenpolitischen Krisenstrategie unter Wilhelm II., Düsseldorf 1971, S. 160

[6] Ebd., S. 215

[7] siehe Tirpitz, Erinnerungen, S. 106

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die deutsche Flottenrüstung 1897 - 1914: " Eine Flotte gegen England"
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V42935
ISBN (eBook)
9783638408462
ISBN (Buch)
9783638775250
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flottenrüstung, Eine, Flotte, England
Arbeit zitieren
Daniel Volker (Autor), 2004, Die deutsche Flottenrüstung 1897 - 1914: " Eine Flotte gegen England", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42935

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