Wie wird die Gesellschaftskritik von Edouard Manet anhand des Bildes "Im Wintergarten" deutlich?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
14 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inlialtsverzeiclmis

1. Einleitung

2. Historischer Überblick zum französischen Realismus und zum Impressionismus

3. Bildbeschreibung des Bildes ״Im Wintergarten“ von Edouard Manet
3.1 Auswertung

4. Wie wird die Gesellschaftskritik von Edouard Manet anhand des Bildes ״Im Wintergarten“ deutlich?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars ״Ping Pong“ im Fachbereich Kunstgeschichte wird mit dieser Hausarbeit ein Bild von Edouard Manet bearbeitet. Anhand einer Bildbeschreibung soll folgende Frage beantwortet werden: Wie wird die Gesellschaftskritik von Edouard Manet anhand des Bildes ״Im Wintergarten“ deutlich?

Zur Erarbeitung des Themas, wird im zweiten Kapitel überblickswissen zum französischen Realismus und zum Impressionismus vorgestellt. Im Kapitel 3 wird das Bild ״Im Wintergarten“ beschrieben. In Kapitel 3.1 folgt die Auswertung der Bildbeschreibung.

Danach wird die Leitfrage der Hausarbeit beantwortet.

Aus dem großen Spektrum der Kunstgeschichte kann einführend auf die bekannten Epochen des Malers Bezug genommen werden. Nicht vorgestellt werden die genannten Epochen in ihrer europaweiten Ausprägung.

Die in dieser Arbeit verwendeten Quellen beziehen sich im Wesentlichen auf das Buch ״Realismus in der Bildenden Kunst“ von B. Röhrl.

2. Historischer Überblick zum französischen Realismus

Der Realismus war in seinen Anfängen noch kein fest definierter Begriff.

Mit dem Aufkommen der realistischen Landschafts- und sozialen Genremalerei und Courbets Realismus, wurden charakteristische Merkmale des Realismus durch das konträre Meinungsbild der Kunstkritiker immer deutlicher. Der Realismus wird als Opposition zum Idealismus gesehen, weil sich die Maler dieser Zeit zunehmend von der Tradition des Akademismus abwandten. Man versuchte die Malerei von der Aufgabe zu entbinden, eine gesellschaftliche Funktion zu erfüllen. Im Hinblick auf diese Entwicklungen ging es um die Autonomi si erung der Kunst.

Es war einerseits das Bestreben der Landschaftsmaler zu Beginn der 1840er Jahre, eine sachliche Darstellungsweise darzubieten. Ihnen ging es um eine neutrale Abbildung der Natur und der zeitgenössischen Wirklichkeit.

Courbets Realismus kann als Dokument der Lebensweise verstanden werden. Es ging ihm jedoch nicht nur um eine, an der Mimesis orientierte Darstellung der Wirklichkeit, vielmehr kritisierte er die sozialen Missstände.[1]

Die impressionistische Malerei, in Frankreich, entwickelte sich im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Impressionisten lösten sich von den schweren Bildthemen des Akademismus und studierten die Natur direkt vor dem Motiv im Freien. Einstweilen behandelten sie Freizeitmotive oder schilderten das zeitgenössische Großstadtleben. Dabei wählten sie sehr subjektive, zufällige Bildausschnitte. In der Tat interessierte sie die sinnliche Wahrnehmung einer vergänglichen Situation, beispielsweise eines Sonnenuntergangs. Ihre Werke malten sie unter Berücksichtigung des Sonnenlichts und dessen Lichteffekte. Charakteristisch sind, eine skizzenhafte Malweise und ein deutlich erkennbarer Pinselduktus. Die Erkenntnis aus dieser Bewegung der Freilichtmalerei war, dass sich die Farbe eines Objekts aus seiner eigenen Farbe, den Farben seiner Umgebung und den atmosphärischen Effekten zusammensetzt. Dieses Wissen war zugunsten der nächsten Malergenerationen bestimmt.[2]

Nachdem im Kapitel 2 ein kurzer historischer Überblick zum französischen Realismus und Impressionismus beschrieben wurde, folgt jetzt die Bildbeschreibung des Bildes ״Im Wintergarten“ von Edouard Manet.

3.0 Bildbeschreibung des Bildes ״Im Wintergarten“ von Edouard Manet

Das Gemälde ״Im Wintergarten“ in einem Format von 115 X 150 cm, von Edouard Manet gemalt mit öl auf Leinwand, entstand im Jahr 1879. Es befindet sich in der Alten Nationalgalerie in Berlin, in einem Raum zusammen mit anderen Impressionisten, überwiegend aus Frankreich.

Der Titel verrät den Ort des Geschehens, ein Szene, die in einem Wintergarten stattfindet. Ein Doppelportrait, in zentraler Perspektive wiedergegeben, ist das Hauptmotiv des Bildes.

Der Hintergrund der oberen Bildhälfte ist besetzt von einer dichten Aufeinanderfolge diverser Pflanzen und Gewächse in verschiedenen Grüntönen. Man unterscheidet links beginnend Famgewächse, mittig Stehen rundblättrige Pflanzen und zum rechten Bildrand fächern sich Palmenblätter auf. Vier Keramiktöpfe verteilen sich im Bildhintergrund. Differenziert ist im Bildhintergrund ein Chromoxidgrün, ein Blassgrün, ein Olivgrün, ein Gelbgrün, ein Blaugrün, ein Apatitgrün und ein Kobaltgrün zu sehen.

Im Vordergrund des Bildes befindet sich eine dunkel-blaugrüne Sitzbank, welche parallel zur rechten und zur linken Bildkante steht, wobei die Bank kurz vor der linken Bildhälfte endet und sich ganz zur rechten Bildkante erstreckt.

Mittig der linken Bildhälfte sitzt eine junge Frau auf dieser Bank. Die rechte Körperhälfte hat sie leicht zur rechten Seite gedreht. Ihr Körper lehnt an der Rückenlehne, an der sie ebenfalls ihren rechten Arm ablegt. Den linken Ellenbogen hält sie an der linken Seitenlehne entspannt, wobei der linke Unterarm in ihren Schoß fällt. Nur die linke Hand ist von einem Handschuh bedenkt, in dem sie einen blass-zitronen-gelben Sonnenschirm hält. Dieser deutet mit seiner Spitze zur Person rechts neben ihr. Ein Hut schmückt ihr Haupt, der durch eine Schleife unter ihrem Kinn befestigt ist und zwar erscheint dieser in dem gleichen Gelbton des Handschuhs.

Sie trägt ein blassblau und graues bodenlanges Kleid mit einem Faltenwurf ab der Höhe der Knie, der sich auf der Bank zu ihrer rechten auffächert. Ein dunkelblaues Band ziert ihre Taille und eine ebenso dunkelblaue Schleife kleidet den Kragen des Kleides.

Direkt hinter der Bank, rechts neben ihr steht ein etwas älterer, bärtiger Herr. Mit seinen beiden Unterarmen ist er an der Lehne abgestützt und mit seinem Oberkörper nach vorn über die Bank gelehnt. Er trägt eine beigefarbene Hose, die in leichten gelb- und hellen Brauntönen schimmert, einen schwarzen Gehrock und darunter ein weißes Hemd, das nur am Ende der Ärmel hervortritt. In seiner rechten Hand hält er eine Zigarre. Sein Zeigefinger deutet auf die rechte Hand der Frau, welche sich in direkter Nähe befindet. Nichtsdestotrotz berühren sich Ihre Hände nicht. Sie tragen beide goldene Eheringe.

Der Mann neigt seinen Kopf in ihre Richtung zur linken Seite, jedoch zielt sein Blick zur unteren linken Ecke des Bildes. Auch ihr Kopf ist in seine Richtung gewandt, jedoch treffen sich die Blicke nicht. Sie schaut zur rechten Bildkante sogar aus dem Bild heraus. Auffällig bei beiden Personen ist ein in sich gekehrter Blick.

Eine im antiken Stil gefasste Blumenvase in hell- und dunkelblauen Farbtönen sowie mit weißen Akzenten, steht am linken Bildrand der unteren Bildhälfte.

Etwa auf Schulterhöhe der Frau steigt aus dieser Vase, diagonal nach rechts, eine Blütenzeile in Hellrosatönen auf. Der Kopf der Frau unterbricht diese Blütenreihe.

Wie schon zuvor erwähnt, ist dieses Bild in Ölfarbe allerdings matt gemalt. Der Farbauftrag ist überwiegend deckend. Die Pflanzen vernimmt man in ihrer prachtvollen Farbigkeit jedoch fehlen hier überwiegend die Konturen, sie sind größtenteils malerisch ausgearbeitet.

Man findet Stellen im Bild, die zum Teil sehr pastos gearbeitet sind, die Farbe steht regelrecht auf dem Malgrund. Dies ist bei einigen Pflanzen und Blüten der Fall. Andere Stellen, beispielsweise die Hose des Mannes, aber auch das Jackett sind partiell lasierend gearbeitet. Man hat das Gefühl, dass der Maler hier die frische Farbe mit einem Lappen vom Malgrund entfernt hat. Stellenweise erahnt man die Leinwand unmittelbar darunter. Anders, als bei der Ausarbeitung der Pflanzen oder des Kleides der Frau ist hier deutlich der Pinselduktus zu sehen. Die malerische Wiedergabe der Kleidung des Paares verrät nicht ihre Stofflichkeit.

Die Farbdifferenzierungen in der Gestaltung von Licht und Schatten und Hell-Dunkel Modulationen ist in diesem Bild eher grob gearbeitet. Manet spielt mit dem Kontrast der etwas feineren aber nicht vollkommenen Ausarbeitung von Details, die zur Wiedergabe von Köperhaftigkeit beitragen einerseits, und einer sehr groben Handhabung von größeren Flächen, die eher angedeutet als ausgearbeitet wird. So als würde der Maler nur einen schnellen Eindruck mitteilen wollen, aber das Wesentliche ist etwas anders. Das Bild ist teils realistisch, teils impressionistisch gemalt mit expressiven Akzentuierungen. Diverse Farbbeziehungen finden sich innerhalb des Bildes wieder. Einerseits zwischen der ״antiken“ Blumenvase und der Kleidung der Frau. Der dunkelste Blauton der Vase findet sich an der Schleife des Kragens und am Taillenband wieder. Sowie das Weiß der Vase in Beziehung zum hervorschauen Hemdkragen der Frau steht. Auch der zarte Blassrosaton des Gesichts und der Pfirsichton der Lippen der jungen Frau spiegeln sich in der Blütenreihe wieder, die neben ihrem Kopf aufsteigt.

Man erkennt auch einen klaren Formenbezug zwischen der Vase, ganz links im Bild und den weiblichen Formen ihres Körpers. Auch zwischen dem Regenschirm, den sie noch in der Hand haltend auf ihrem Schoß ablegt und der Zigarre, die der Mann in seiner Hand festhält.

Farbkontraste sind im Erscheinungsbild der Kleidung zu vernehmen. Wandert man mit dem Blick vom Kopf der Frau hinunter zu Ihrem Schoß, so wechselt erst ein heller Gelbton des Hutes, gefolgt von einem dunklen Blauton, dann zu dem Farbton des Kleides, wieder zum Dunkelblau und schließlich zum Gelb. Die Komplementärfarben Gelb und Blau ergeben nach ihrer Mischung ein Grün. Das ist auch die Farbe, welche dominant den kompletten Hintergrund bespielt.

Zwar blickt man in zentraler Perspektive auf das Bild, dennoch erschließt sich keine eindeutige Tiefenperspektive. Alles erscheint relativ flach, so, als würde alles auf einer Ebene stattfmden. Deutlich wird das anhand der Vasen in der linken unteren Bildhälfte. Sie bilden zusammen eine einheitliche Fläche und kontrastieren lediglich in ihrer Farbgebung. Es gibt noch weitere solche Momente. Manet löst und verfremdet die Zentralperspektive. Man kann sagen, dass er ein antiperspektivisches Malkonzept anwendet.

[...]


[1] B. Röhrl, Realismus in der bildenden Kunst, 2013, s. 1-23

[2] A. Dippel, Schenllkurs Impressionismus, 2002, S. 8 ff

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wie wird die Gesellschaftskritik von Edouard Manet anhand des Bildes "Im Wintergarten" deutlich?
Hochschule
Kunsthochschule Berlin-Weissensee Hochschule für Gestaltung
Note
2.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V429390
ISBN (eBook)
9783668736528
ISBN (Buch)
9783668736535
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesellschaftskritik, edouard, manet, bildes, wintergarten
Arbeit zitieren
Kinga Gerech (Autor), 2018, Wie wird die Gesellschaftskritik von Edouard Manet anhand des Bildes "Im Wintergarten" deutlich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429390

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