Corporate Social Responsibility. Die Umsetzung der sozialen Verantwortung in der Shell Group


Bachelorarbeit, 2018
35 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodisches Vorgehen

2. Corporate Social Responsibility (CSR)
2.1 Definition und Begriffsbestimmung
2.2 Historische Entwicklung

3. Corporate Social Responsibility in der Shell Group
3.1 Das Unternehmen: Shell
3.1.1 Ursachen für CSR in der Shell Group
3.2 Theoretische Grundlage: Der soziologische Neoinstitutionalismus
3.2.1 NSI als Erklärungsansatz für die CSR in der Shell Group
3.2.2 CSR als institutionalisierter Mythos in der Shell Group?

4. Analyse der CSR Umsetzung in der Shell Group
4.1 Vier Kernthesen
4.2 CSR-Aktivitäten und -Instrumente
4.2.1 Verhaltensvorschriften
4.2.2 Internationale Initiativen
4.2.3 Nachhaltigkeitsberichterstattung
4.3 Ergebnisse und Diskussion

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Im Zuge der Globalisierung und ihrer rasanten Entwicklung auf dem Medien- und Kommunikationsmarkt stellen zunehmend gesellschaftliche Interessengruppen in vielfältiger Art Ansprüche an Unternehmen.1 In diesem Kontext wächst die Bedeutung der Corporate Social Responsibility (CSR). Sie gilt als Schlagwort für das freiwilligeökologische und soziale Engagement von Unternehmen und wird mit dem Umdenken innerhalb der Wirtschaft in Verbindung gebracht.2 So weist die CSR vor allem in den Branchen eine starke Entwicklung auf, die im Fokus von Non-Governmental Organizations (NGOs) und der Öffentlichkeit stehen.3

„ Wie riskant das Versäumnis nicht nur für das Image eines Unternehmens sein kann, sich Geschäftsentscheidungen auch durch die Anspruchsgruppen moralisch ,legitimieren` zu lassen, wurde vor einigen Jahren ( … ) [am sogenannten Fall] ,Brent Spar` deutlich. “ 4

Im Jahre 1995 befindet sich die Shell Group5 in einerökologischen Unterneh- menskrise.6 Ausgangslage ist die geplante Versenkung des ausgedienten Öllagertanks „Brent Spar“ im Atlantik durch Shell. Infolgedessen besetzen Aktivisten der Umwelt- organisation Greenpeace am 30. April 1995 die „Brent Spar“ und sprechen sich damit gegen ihre Versenkung im Atlantik aus.7 Resultierend aus ihren diversen Aktionen und den darauffolgendenöffentlichen und medialen Auseinandersetzungen bricht eine Welle des Protestsüber Shell herein,8 die Shell schließlich dazu veranlasst sich am 20. Juni 1995 gegen die geplante Versenkung zu entscheiden und die Brent Spar am Land zu demontieren.9 Durch die Ereignisse sieht Shell sich gezwungen, Nachhaltigkeit als Unternehmensziel stärker zu verfolgen. In diesem Sinne spricht der CEO von Shell UK nach dem Skandal davon, dass das Unternehmen „(…) had no option but to pursue the goal of sustainable development.“10 Infolgedessen reagiert Shell mit der Imple- mentierung von CSR und zählt inzwischen zu den führenden Unternehmen in seiner Branche.11 Der genannte Fall wird in der Wissenschaft auch als Meilenstein in der Debatte um gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen angesehen.12 Jedoch lag der Schwerpunkt vorheriger Untersuchungen bislang nicht auf den Auswirkungen der CSR Umsetzung von Shell. Kritiker gehen davon aus, dass multinationale Unter- nehmen (MNUs) wie Shell lediglich „ window dressing13 betreiben. Sie unterstellen den Unternehmen mit Verhaltenskodizes sogenannten „Codes of Conduct“ oder Sozi- alstandards reine Public Relations (PR) - Maßnahmen durchzuführen.14 Die Etablie- rung von CSR in Unternehmen wird nicht mit dem Erreichen von gesellschaftlicher Verantwortung erklärt, so die Kritiker, sondern durch profitorientiertes Handeln und Vorbeugungsmaßnahmen potenzieller Imageschäden von bspw.öffentlichen Kam- pagnen.15 Hinsichtlich dessen soll geklärt werden, ob und inwiefern die Shell Group das etablierte CSR Konzept als Weckruf zur gesellschaftlichen Verantwortung ver- steht, wie es auch Kurt Döhmel beschreibt,16 welche Maßnahmen sie für ihre Umset- zung wahrnehmen und ob sie diese tatsächlich auch glaubwürdig umsetzen. Daher soll sich die Arbeit mit folgender Forschungsfrage auseinandersetzten:

Wie ist die CSR Umsetzung der Shell Group im Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit zu bewerten?

Ziel dieser Arbeit ist es, anhand der verwendeten Literatur das CSR Konzept zu ver- deutlichen. Neben der zunehmenden Bedeutung von CSR in der Unternehmenspraxis, beschäftigt sich zudem die Wissenschaft vermehrt mit ihrer Thematik und Problema- tik. Dabei werden betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche, wirtschaftsethische sowie soziologische Perspektiven beleuchtet.17 Im Folgenden findet diese Arbeit aus Sicht des neuen soziologischen Institutionalismus (NSI) Anwendung. Dieser Erklä- rungsansatz bietet sich an, da hier „Interdependenzen zwischen Unternehmen und ihrer gesellschaftlichen Umwelt explizit in den Blick genommen“18 werden, die dabei hel- fen, das unternehmerische Handeln gegenüber der Gesellschaft zu erklären. Daher soll ein weiteres Ziel der Arbeit sein, den theoretischen Aspekt des NSI zu erläutern und diesen, als Erklärungsansatz für die CSR in der Shell Group anzuwenden. Darüber hinaus soll eine Analyse der wichtigsten CSR Instrument der Shell Group erfolgen, die die aufgeworfene Forschungsfrage schließlich beantworten soll.

1.2 Methodisches Vorgehen

In der folgenden Arbeit werden zunächst die Grundlagen der CSR dargestellt. Diese erfolgen anhand einer definitorischen Annäherung sowie ihrer Begriffserklärung und ihrer historischen Entwicklung. Anschließend wird die Shell Group vorgestellt sowie Ursachen und Motive für ihre CSR Umsetzung im Unternehmen erläutert. Daraufhin wird die Theorie der NSI mit ihren notwendigen Grundlagen beschrieben, die anschlie-ßend als Erklärungsansatz für die CSR in der Shell Group dienen soll. Im Hauptteil erfolgt eine Analyse der CSR Implementierung von Shell anhand von vier Kernthesen. Hier werden die CSR Instrumente von Shell zunächst dargestellt und daraufhin analy- siert. Dies soll ein Erklärungsmuster für die Umsetzung der CSR von Shell liefern. Schließlich sollen durch eine Diskussion die Befunde sowie die verwendete Theorie kritisch reflektiert werden. Abschließend wird die Arbeit im Fazit zusammengefasst und die Frage beantwortet, wie die CSR Umsetzung der Shell Group hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit zu bewerten ist.

2. Corporate Social Responsibility (CSR)

Unter dem Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR) wird allgemein die un- ternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und ihrer natürlichen Um- welt, welche auf sozialen Werten und Normen basiert, verstanden.19 Seit den 1990er Jahren lässt sich eine Zunahme von freiwilligen, nicht staatlich erzwungenen Engage- ments multinationaler Unternehmen (MNU) im Bereich von CSR beobachten.20 In- zwischen stellt sie in der Unternehmenspraxis von MNUs einen festen Bestandteil dar. Ihre Entwicklung ist geprägt von diversen europäischen und internationalen Initiati- ven. Ins Leben gerufen wurden sie von Organisationen, wie die Organisation for Eco- nomic Cooperation and Development (OECD), die Europäische Union (EU) und die Vereinten Nationen (UN). Mit zunehmenden wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema CSR erweist sich eine eindeutige Begriffsbestimmung als schwierig und erklärt damit die problematische Abgrenzung zu Begriffen wie „Corporate Citizenship“ und „Corporate Sustainability“. Zudem ist die differenzielle Betrachtung auf ihre heterogene Entstehungsgeschichte zurückzuführen. Trotz unterschiedlicher Aussagekraft soll im Folgenden ein Grundverständnis für das CSR Konzept hergestellt werden. Daher erfolgen zunächst eine definitorische Annährung und eine Begriffsbestimmung, um das Konzept weiter einzugrenzen. Anschließend wird die historische Entwicklung insbesondere im europäischen Raum beschrieben.

2.1 Definition und Begriffsbestimmung

Aufgrund von verschiedenen Akteuren, die dieses weite Themenfeld beeinflussen, prägen und gestalten, werden mit dem CSR Begriff unterschiedliche Vorstellungen assoziiert.21 Es erfolgt die Bezugnahme der europäischen Sichtweise für eine definito- rische Annährung der CSR, die weiter durch die Literatur konkretisiert wird. Vor allem wird sie durch die Institutionen und Organe der EU geprägt.22 So definiert die Euro- päische Kommission (EK):

die soziale Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility = CSR) (..) als ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit Stakeholder zu integrieren. Sozial verantwortlich handeln heißt nicht nur, die gesetzlichen Bestimmungen einhalten, sondernüber die bloße Gesetzeskonformität hinaus ( … ) in Humankapital, in die Umwelt und in die Beziehungen zu anderen Stakeholdern [zu investieren].23

Mit der neuen EU-Strategie 2011 wird CSR definiert als „ die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. “ 24

Im deutschen Sprachgebrauch wird die CSR auch als Synonym für soziale oder gesell- schaftliche Verantwortung von Unternehmen verwendet.25 Verantwortung meint in diesem Sinne zudem, „dass Unternehmen nicht unabhängig von Ihrem Umfeld agieren können, sondern in Wechselwirkung mit der Umwelt und der Gesellschaft stehen und folglich in diese eingebettet sind.“26 Hierbei tragen sie gegenüber verschiedenen ge- sellschaftlichen Gruppen Verantwortung. Mit dem Begriff Stakeholder (Anspruchsgruppen) sind in der unternehmensinternen Dimension die Mitarbeiter und das Management gemeint.27 Die unternehmensexterne Gruppe umfasst „unter anderem Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO), Behörden, Anwohner, Shareholder (..) oder im allgemeinen alle Gruppen, die einen Anspruch an ein Unternehmen geltend machen.“28 Neben denökonomischen Ansprüchen werden von den genannten Gruppen auchökologische und soziale Ansprüche an Unternehmen gestellt.29 Zusammenfassend kennzeichnet sich die CSR durch die freiwillige Berücksichtigung und Einführung sozialer undökologischer Aspekte sowie die Integration in alle Geschäftstätigkeiten. Zudem durch eine klare Stakeholder Orientierung und eine Berücksichtigung dieser Aspekteüber das gesetzlich vorgeschriebene Maßhinaus zur Schaffung eines gesellschaftlichen und unternehmerischen Mehrwerts.30

2.2 Historische Entwicklung

Die historische Entwicklung des CSR Konzepts weist einen heterogenen Charakter auf. Obwohl es seinen Ursprung in den USA bereits seit der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts findet, ist es im europäischen Raum erst wesentlich später aufgenommen worden.31 Unter dieser Betrachtung unterteilt Bluhm die CSR Entwicklung in vier Pha- sen,32 die zur Veranschaulichung dienen sollen. Die erste Phase zeigt, dass der trans- nationale Raum bis in die 1970er Jahre lediglich für staatliche Normsetzung fungiert.33 Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen 1948 gilt als indirekte Normensetzung für MNUs.34 Die OECD- Richtlinien, die im Jahre 1976 für MNUs beschlossen wurden sowie die im Jahre 1977 ins Leben gerufene „Tripartite Declaration of Principles Concering Multinational Enterprises and Social Policy“ der International Labor Organisation (ILO) und andere Abkommen, adressieren sich bis- lang nur an Nationalstaaten.35 Viele Staaten ratifizieren solche Initiativen, jedoch hat es erheblich an der praktischen Durchsetzung und Überprüfung der Standards auf Un- ternehmensebene gemangelt.36 Zudem gilt die erste staatlich unterstützte private Initiative „Davoser Manifest“ im Jahre 1973 als wesentlich folgenlos.37 Sie stellt den ersten europäischen „Kodex des ethischen für Unternehmensführung“ dar und umfasst grundlegende Auffassungen des CSR Themas.38 Die Phase verdeutlicht, dass europä- ische und internationale Organisationen mit ihren Initiativen internationale Standards bereits etablieren, diese jedoch Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung aufwei- sen und bislang nur an Nationalstaaten adressiert wurden. Die zweite Phase lässt sich nach Bluhm am Ende der 1980er Jahre datieren.39 Diese ist kennzeichnend durch die sogenannte „civil regulation“ bzw. zivile Regulation im transnationalen Raum.40 In diesem Zusammenhang spielen insbesondere Verbraucher- und Umweltorganisatio- nen eine entscheidende Rolle. NGOs können seit den 1980er Jahren einen Aufschwung in ihrer Gesamt- und ihrer Mitgliederanzahl vermerken und etablieren sich als neue Akteure im transnationalen Feld. In diesem Kontext verdeutlichen NGOs, dass sie mit ihren Protestmethoden wieöffentlichen Kampagnen und Boykotts zahlreiche Skan- dale entfachen können.41 Hier kann auf den Brent Spar Skandal hingewiesen werden, die die Umweltorganisation Greenpeace ins Rollen gebracht hat. In Folge solcher Skandale reagieren die Unternehmen mit der Implementierung von privaten Verhal- tenskodizes, „Codes of Conduct“, um ihre gesellschaftliche Verantwortung zu prokla- mieren. Im Verlauf der 1990er Jahre lässt sich zudem beobachten, dass diese zivile Regulation mit der CSR verschmilzt und sich für Unternehmen zu einem Manage- mentkonzept entwickelt.42 Diese Phase verdeutlicht, dass weitere Akteure und zwar die Unternehmen im transnationalen Feld auftreten. Die dritte Phase umfasst nach Bluhm das Ende der 1990er Jahre bis circa 2005. Hier lassen sich zwei Prozesse be- schreiben.43 Zum einen verbreiten sich organisationale Innovationen wie Verhaltens- kodizes, Berichterstattung und die Etablierung neuer Managementfunktionen, wie bspw. CSR- oder Nachhaltigkeits- Abteilungen.44 Zum anderen wird der Standardisie- rungsprozess ansatzweise deutlich.45 Denn von den vereinzelten skandalisierten Fällen in der Vergangenheit entwickeln sich allgemeine Normen und Regeln. In diesem Zu- sammenhang lassen sich einige internationale Organisationen nennen, die für diesen Prozess mit verantwortlich sind. Zu den bedeutendsten Maßnahmen entwickeln sich die internationalen Arbeits- und Sozialstandards, die durch die ILO verabschiedet wur- den. So bilden acht Kernarbeitsnormen („core standards“) ihre Grundlage und gelten als allgemeingültige, weltweite Mindeststandards, die inzwischen ein Teil von vielen internationalen Abkommen darstellen und im Völkerrecht sowie in der Menschen- rechtserklärung der UN verankert sind.46 Die Ratifizierung der Staaten soll die Einhal- tung und Umsetzung der Normen garantieren. Im Jahre 2000 sind diese Kernarbeits- normen mit in die OECD - Leitsätze für MNUs integriert worden. Die Leitsätze bilden zehn Richtlinien, die „Empfehlungen der Regierung an multinationale Unter- nehmen“ darstellen.47 Hierbei zeigt sich, dass die OECD - Leitsätze neben den Ar- beits- und Sozialstandards der ILO, den Aspekt derökologischen Nachhaltigkeit mit aufnehmen.48 Zudem ist im Jahre 2000 das Global Compact von der UNO ins Leben gerufen worden. Auch diese bilden zehn Grundprinzipien, die sich von den ILO-Min- deststandards, der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der Erklärung zu Umwelt und Entwicklung ableiten lassen.49 Ihnen gehören mehr als 9000 Unterneh- men sowie Arbeits- und Menschenrechtsorganisationen aus mehr als 160 Ländern an.50 Für die europäische CSR Debatte kann unter anderem, die im März 2000 in Lis- sabon veröffentlichte EU-Strategie und dessen Ziel „größeren sozialen Zusammen- halt“51 zu erreichen, genannt werden. Zudem hat die daran anknüpfende Veröffentli- chung des EU-Grünbuchs der Europäischen Kommission das Ziel, die soziale Verant- wortung von Unternehmen zu fördern, um das im Lissabon vorgegebene Ziel zu rea- lisieren.52 Diese EU-Initiative kann als maßgeblicher Rahmen für die CSR Aktivitäten von europäischen Unternehmen betrachtet werden. Ziele sind neben Innovation, Un- ternehmertum etc. der Umweltschutz, der sich aus den OECD-Leitsätzen ableiten lässt. Darüber hinaus bildet sich eine EU-Multi-Stakeholder-Initiative heraus, die als Platt- form die Möglichkeit zur Kommunikation und einem Austausch zwischen den betei- ligten Akteuren bietet.53 In diesem Kontext bilden sich diverse Multi-Stakeholder-Ini- tiativen, wie die Global Reporting Initiative (GRI). In dieser Phase lässt sich zudem beobachten, dass die Bereitschaft von Unternehmen zunimmt, mit NGOs zu kooperie- ren, externe Kontrollen der Kodizes zuzulassen und Multi-Stakeholder-Foren für bran- chenweite „Codes of Conduct“ zu unterstützen.54 Nach Bluhm begründet sich die Ko- operationsbereitschaft darauf, dass Organisationen nicht vor einem erneuten Angriff in Form eines Skandals geschützt sind und damit nicht die „Definitionshoheit auf die legitimen Inhalte von CSR besitzen.“55 Daher erweist sich die Phase als Strategiewech- sel für Unternehmen. Die vierte und aktuelle Phase beschreibt den CSR Prozess als zunehmenden Wettbewerb zwischen Sozialstandards und Multi-Stakeholder-Initiati- ven.56 Hier bilden sich zudem kommerzielle Beratungs- und Auditierungsagenturen, die „Monitoring“ und Auditing“ für Unternehmen betreiben und inzwischen einen fes- ten Bestand der unternehmensinternen CSR-Strategie darstellen.57 Zudem bilden sich Ranking und Indizes heraus, die CSR Aktivitäten „in quantifizierter Form und als ,best practices‘ vergleichbar gemacht haben undöffentlich kommuniziert werden“58. Zu diesen gehören beispielsweise das „Good Company Ranking“, das „future-Ranking Nachhaltigkeitsbericht“ des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), der Dow Jones Sustainability Index (DJSI)59 oder der FTSE4 Good Index60. Schließ- lich zeigt die dargestellte Entwicklung, dass das CSR Konzept inzwischen eine enorme Relevanz für multinationale Unternehmen erlangt hat und sie als unternehmerische Geschäftsstrategie in naher Zukunft nicht wegzudenken ist.

3. Corporate Social Responsibility in der Shell Group

Im letzten Abschnitt wurde das Konzept der CSR in seinen Grundlagen und seiner historischen Entwicklung erläutert. Des Weiteren wird nun der Fokus auf die Shell Group gesetzt und zunächst die Frage beantwortet, welche Gründe und Motive die CSR Umsetzung für Shell beinhaltet. Daraufhin soll der soziologische Neoinstitutio- nalismus einen Erklärungsansatz bieten, weshalb Unternehmen gesellschaftliche Ver- antwortungübernehmen. Ihre Annahmen sollen anschließend auf die CSR Strategie von Shellübertragen werden und die Frage beantworten, welche Relevanz sie für das Unternehmen hat.

3.1 Das Unternehmen: Shell

Das multinationale Unternehmen Shell mit Sitz in Den Haag, ist mit seinem Umsatz von 233,6 Mrd. US Dollar61 eines der weltweit größten Mineralöl- und Erdgas-Unter- nehmen. Sein Unternehmensgewinn beläuft sich auf 4,8 Mrd. US Dollar.62 Die Mut- tergesellschaft der Shell Group ist die Royal Dutch Shell plc., die in England und Wa- les im Handelsregister eingetragen ist.63 Shell beschäftigt weltweit 92.000 Mitarbeiter in mehr als 70 Ländern.64 Im Jahre 2016 belaufen sich ihre Ausgaben für nachhaltige Entwicklung insgesamt auf 102 Mio. US Dollar, wobei $ 44 Mio. für lokale Pro- gramme und die restlichen $ 58 Mio. für globale Projekte ausgegeben wurden.65 Shells Aktivitäten lassen sich in vier Geschäftsbereiche unterteilen. Der erste Bereich „Up- stream“ umfasst die Suche und Förderung nach Erdgas und Erdöl. Ihr zweiter Aktivi- tätsbereich „Integriertes Gasgeschäft“ bezieht sich auf die Technologie und Nutzung von verflüssigtem Erdgas. Zudem sollen in dem Bereich „New Energies“ erneuerbare bzw. kohlenstoffarme Energien erschlossen werden. Der dritte Geschäftsbereich „Downstream“ stellt die weltweite Lieferung und das weltweite Handeln mit Rohöl dar, sowie die Vermarktung von Produkten wie Heizöl. Der vierte Aktivitätsbereich „Projekte und Technologie“ umfasst Großprojekte von Shell, welche die Bereiche des „Upstream“ und „Downstream“ unterstützen.66

3.1.1 Ursachen für CSR in der Shell Group

In der Einleitung wurde bereits erwähnt, dass multinationale Konzerne und insbeson- dere Branchen wie die Ölbranche im Fokus von NGOs und der Öffentlichkeit stehen. Wegen Verstößen gegen Umweltstandards und Umweltverschmutzungen erweist sich dieser Sektor im kritischen Blickfeld von Umweltorganisationen. In diesem Bezug er- weist sich insbesondere der Brent Spar Fall für die Implementierung von CSR für die Shell Group als ausschlaggebend. Shell steht 1995 im Fokus der Öffentlichkeit auf- grund ihrer Pläne, den ausgedienten Öllagertank „Brent Spar“ im Atlantik zu versen- ken. Die Umweltorganisation Greenpeace spricht sich mit unterschiedlichen Aktionen und einer Kampagne im Zeitraum April bis Juni 1995 gegen die Versenkung der Brent Spar von Shell aus. In Folge desöffentlichen Drucks entschließt sich Shell am 20. Juni 1995 gegen ihren Plan die Brent Spar im Meer zu versenken und demontiert sie schließlich am Land. Zusammenfassend kann Greenpeace mit dem Brent Spar Fall zeigen, dass sie als externe Anspruchsgruppe die Öffentlichkeit und andere Gruppen gegen Shell mobilisieren kann.67 Durch die Ereignisse sieht Shell sich gezwungen, Nachhaltigkeit als Unternehmensziel stärker zu verfolgen. Somit ist insbesondere der Brent Spar Fall entscheidend für die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Shell. In diesem Zusammenhang begründet die Theorie des NSI die Umsetzung von CSR mit der Anpassung an gesellschaftlichen Erwartungen und Normen, die von außen an Unternehmen herangetragen werden. In ihrem Verständnis stellt das CSR Konzept eine organisationale Überlebensstrategie für Unternehmen dar.68 Daher bietet sich der soziologische Neoinstitutionalismus als Erklärungsansatz für CSR an, um u.a. ihre Entwicklung vonökologischer Nachhaltigkeit als Unterneh- mensziel zu erklären.69 Im Weiteren ist die Betrachtung der notwendigen Grundlagen des NSI erforderlich.

3.2 Theoretische Grundlage: Der soziologische Neoinstitutionalismus

Der Neoinstitutionalismus (NI) bzw. NSI, der seinen Ursprung Anfang der 1970er Jahre in der US-amerikanischen Organisationsforschung hat70, bildet keinen einheit- lich theoretisch geschlossenen Ansatz.71 Dennoch lassen sich zentrale Begriffe der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie finden.72 Im Folgenden werden daher Begriffe der Institution, der Legitimität und der Mechanismen, die zu einer Strukturan- gleichung von Organisationen führen, erläutert.73 Zudem werden die zentralen Kon- zepte des NSI und zwar die des organisationalen Feldes sowie das Entkopplungskon- zept dargestellt.74 Der Institutionsbegriff ist eine entscheidende Komponente in der Theorie des NSI. Unter Institutionen werden weniger Systeme mit eindeutigen sozia- len Normen und Regeln verstanden, sondern vielmehr eine Menge von widersprüchli- chen Umwelterwartungen.75

[...]


1 Vgl. Tomcazk/Kernstock (2014), S. 27.

2 Vgl. Gerritsen (2016), S. 1.

3 Vgl. Zacek (2007), S. 41.

4 Hauth/Raupach (2001), S. 24.

5 Royal Dutch Shell plc und die Gesellschaften, in denen sie direkt oder indirekt Beteiligungen besitzt, sind separate und deutlich getrennte Unternehmensgefüge. Der Einfachheit halber wird in dieser Ver-öffentlichung der Oberbegriff „Shell“ und „Shell Gruppe“ benutzt, um sich generell auf diese Gesell- schaften zu beziehen. siehe Shell Group (o.J.), https://www.shell.com/promos/sgbp-german/_jcr_con- tent.stream/1446629745531/61ca9020e6ebed3d6179e8d549b2a49349d714842be0739770676cccc316 cbf9/sgbp-german-2014.pdf, Zugriff: 26.12.2017.

6 Vgl. Hecker (1997), S. 3.

7 Vgl. Scherler (1996), S. 253.

8 Storn, Vorholz (2005), http://www.zeit.de/2005/18/Shell-Interview_neu, 02.01.2018.

9 Vgl. Scherler (1996), S. 271.

10 Bendell und Murphy (2000), S. 15, zit. nach Curbach (2009), S. 79.

11 Vgl. Aguiela, R. et al. (2007), S. 838; Leitl, M. (2005), S. 104; Saunders, R. (2006), S. 32; zit. nach Leitz ( 2009), S. 44.

12 Gunkel (2010), zit. nach Bogdanski (2016), S. 11.

13 Curbach (2009), S. 62.

14 Umweltbundesam t (2001), https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/me- dien/publikation/long/2013.pdf, Zugriff: 27.12.2017.

15 ebd.

16 Storn, Vorholz (2005), http://www.zeit.de/2005/18/Shell-Interview_neu, 02.01.2018.

17 Vgl. Schmidpeter (2015), S. 2.

18 Hiß (2006), S. 106.

19 Vgl. Duong Dinh (2011), S. 13.

20 Hiß (2006), S. 16.

21 Vgl. Hiß (2006), S. 21.

22 Vgl. Hiß (2006), S. 27.

23 Europäische Kommission (2001a), http://www.europarl.europa.eu/meet- docs/2009_2014/documents/com/com_com%282011%290681_/com_com%282011%290681_de.pdf, Zugriff: 02.01.2018.

24 Vgl. Europäische Kommission (2011), S. 7.

25 ebd.

26 Dubielzig, Schaltegger (2005), S. 240.

27 Vgl. Dubielzig, Schaltegger (2005), S. 240.

28 Dubielzig, Schaltegger (2005), S. 240.

29 Vgl. Hiß (2006), S. 24.

30 Dubielzig, Schaltegger (2005), S. 241.

31 Loew et al (2004) http://www.upj.de/fileadmin/user_upload/MAIN-dateien/Themen/Einfueh- rung/ioew_csr_diskussion_2004.pdf, Zugriff: 10.01.2018.

32 Vgl. Bluhm (2008), S. 146.

33 ebd.

34 Vgl. Bluhm (2008), S. 146.

35 Vgl. Bogdanski (2016), S. 28.

36 Vgl. Bluhm (2008), S. 146.

37 Vgl. Bluhm (2008), S. 146.

38 ebd.

39 ebd.

40 Vgl. Bluhm (2008), S. 147.

41 ebd.

42 ebd.

43 ebd.

44 ebd.

45 ebd.

46 Vgl. Shawki (2016), S. 188.

47 OECD (2000), S. 5.

48 Vgl. Bogdanski (2016), S. 29.

49 Vgl. Theuerkorn (2013), S.44.

50 UN Global Compact (o .J.), https://www.unglobalcompact.org/what-is-gc/participants, Zugriff: 10.01.2018.

51 Europäischer Rat (2000), http://www.europarl.europa.eu/summits/lis1_de.htm, Zugriff: 02.01.2018.

52 Europäische Kommission (2001b), http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/commit- tees/deve/20020122/com(2001)366_de.pdf, Zugriff: 10.01.2018.

53 Vgl. Mullerat (2010), S. 237.

54 Vgl. Bluhm (2008), S. 147.

55 Vgl. Bluhm (2008), S. 147.

56 Vgl. Bluhm (2008), S. 148.

57 Vgl. Bluhm (2008), S. 149.

58 Bluhm (2008), S. 149.

59 RobecoSAM (o.J. ), http://www.sustainability-indices.com/, Zugriff: 26.12.2017.

60 FTSE4 Good Index (o.J.), http://www.ftse.com/products/indices/FTSE4Good, Zugriff: 26.12.2017. 8

61 Shell Global (2016), Annual Report 2016, http://reports.shell.com/annual-report/2016/strategic-re- port/summary-of-results/selected-financial-data.php, Zugriff: 17.01.2018.

62 ebd.

63 Shell Global (o. J.), https://www.shell.com/about-us/who-we-are.html, Zugriff: 10.01.2018.

64 ebd.

65 ebd.

66 ebd.

67 Vgl. Scherler (1996), S. 342.

68 Vgl . Hiß (2006), S. 17.

69 Vgl. Curbach (2009), S. 179.

70 Vgl. Lederle (2008), S. 58.

71 Vgl . Hiß (2006), S. 116.

72 Organisationstheorien helfen dabei, „den Zweck, das Entstehen, das Bestehen, den Wandel und die Funktionsweise von Organisationen zu verstehen oder zu erklären.“, Kieser, Walgenbach (2010), S. 29.

73 Vgl. Walgenbach/Meyer (2008), S. 55.

74 ebd.

75 Vgl. Lederle (2008), S. 63.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Corporate Social Responsibility. Die Umsetzung der sozialen Verantwortung in der Shell Group
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,3
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V429399
ISBN (eBook)
9783668731837
ISBN (Buch)
9783668731844
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
corporate, social, responsibility, umsetzung, verantwortung, shell, group
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Corporate Social Responsibility. Die Umsetzung der sozialen Verantwortung in der Shell Group, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429399

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