Immer mehr Europäer und besonders Deutsche kommen in Kontakt mit Kultur, Religion und der sozialen Struktur der Türkei. Viele Menschen leben Tür an Tür mit türkischen Mitbürgern, arbeiten mit ihnen zusammen oder haben Kinder, die mit türkischen Mitschülern gemeinsam die Schule besuchen und lernen. Andere entdecken die Türkei als Urlaubsland, mit schönen Stränden, viel Sonne und blauem Meer. Nach ihrer Rückkehr von der Reise schwärmen sie meist von der Gastfreundlichkeit der Menschen, dem guten Essen und der reichhaltigen, interessanten Geschichte des Landes. Aber die wenigsten gehen wirklich über diese oberflächlichen Berührungspunkte hinaus. Das Land zwischen Orient und Okzident bleibt ihnen, samt seinem Volk, trotz aller Eindrücke, fremd.
Es gibt aber auch solche, die sich näher über die Türkei informieren und die Türken intensiver kennen lernen möchten. Sei es weil sie sich vom mystischen Charakter des Orients faszinieren lassen, oder weil sie durch persönliche Beziehungen enger in Kontakt mit Individuen kommen, die ihre Wurzeln in der Türkei haben.
Gerade in Deutschland, wo der türkische Ausländeranteil besonders hoch ist, besteht ein reges Interesse an Informationen über die kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Eigenschaften der Menschen. Es sind bereits viele Texte zu diesem Thema erschienen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschrieben wurden. Die vorliegende Arbeit hat die Absicht, mit ihrer eigenen Perspektive einigen Gesichtspunkten nachzugehen und manche Fragen zu beantworten, die möglicherweise gestellt werden können. Z.B: Was sind die wichtigen Einzelheiten der Geschichte? Wie sehen Kultur und Gesellschaft bei genauerer Betrachtung aus? Wie verhält es sich mit der Wirtschaft und Politik des Landes? All diese Aspekte sollen auf den folgenden Seiten angesprochen und diskutiert werden. Der Kernpunkt dieser Arbeit konzentriert sich jedoch auf die soziale Struktur der türkischen Bevölkerung und die Probleme, die sich einstellen können, wenn türkische Einwanderer mit nachfolgenden Generationen in Deutschland leben. Ferner werden die brisanten Situationen erörtert, die sich ergeben können, wenn genau dieselben Einwanderer nach langen Jahren des Aufenthalts in Deutschland beschließen, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. In beiden Fällen stehen vor allem die Generationskonflikte im Mittelpunkt, die eingehender untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
EINFÜHRUNG
1.0. EIN ALLGEMEINES PORTRAIT DER TÜRKEI
1.1. Geschichte
1.2. Politik und Staatsaufbau
1.3. Die Wirtschaftsstruktur
1.4. Kultur und Gesellschaft
2.0. DIE SOZIALEN UNTERSCHIEDE DES TÜRKISCHEN VOLKES UND DIE DARAUS RESULTIERENDE LEBENSWEISE
2.1. Die ländliche Türkei und die Familie
2.2. Das urbane Leben in der Türkei
2.3. Leben in Deutschland – ein zweischneidiges Schwert
3.0. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziale Struktur der türkischen Bevölkerung und analysiert die daraus resultierenden Herausforderungen für türkische Einwanderer und ihre nachfolgenden Generationen in Deutschland sowie im Kontext von Rückkehrprozessen. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe zu entwickeln, um die auftretenden Generationskonflikte und Integrationsproblematiken besser einordnen zu können.
- Historische, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen der Türkei
- Soziale Unterschiede zwischen ländlicher und urbaner türkischer Lebensweise
- Stellenwert von Familie, Traditionen und Religion im Sozialgefüge
- Generationskonflikte und Identitätsfindung im Migrationskontext
- Bewältigungsstrategien junger Menschen im Spannungsfeld der Kulturen
Auszug aus dem Buch
2.1 Die ländliche Türkei und die Familie
In den Gebieten der Türkei, wo der Ackerbau und die Viehzucht dominierend ist, gibt es in der Familie einen hierarchischen Aufbau. Der Vater wird als Oberhaupt angesehen, der die Autorität inne hat und die Familie ernährt. Die Mutter ist Hüterin des Hauses, sowie der Kinder und hilft gleichzeitig bei der Feldarbeit mit. Wenn aber genug Geld vorhanden ist und man es sich leisten kann, kommt es auch durchaus vor, daß die Ehefrau nur zu Hause bei den Kindern bleibt und es nicht nötig hat, bei der Bebauung des Landes mitzuarbeiten.
Diese Konstellation der Rollenverteilung erzeugt besonders in Europa das falsche Bild, daß die türkische Frau in der Familie nichts zu sagen hat und sich dem Mann unterordnen muß. Eine solche einseitige Darstellung kann man nicht so stehen lassen. Vielmehr ist es richtiger zu betonen, daß die Frau als Mutter und Ehefrau ihre Autorität innerhalb der Familie ausübt, während der Mann eher eine stärkere Repräsentationsfigur in der Außenwelt darstellt. Was die Erziehung und Weitergabe der Werte und Normen an die Kinder betrifft, so hat die Frau unbedingt ihr eigenes “Territorium“, das sich deutlich zu dem des Mannes abgrenzt. Auch finanzielle Angelegenheiten werden unter den Ehepartnern gemeinsam geklärt. Es herrschen lediglich andere “Spielregeln“ im Umgang miteinander als man es in der europäischen Kultur gewöhnt ist und wenn man diese nicht erkennt, ist es natürlich mit einfachen Platitüden zu arbeiten und zu behaupten, die Frau spiele eine untergeordnete Rolle in der Türkei im Verhältnis zum Mann.
Zusammenfassung der Kapitel
EINFÜHRUNG: Die Einleitung beleuchtet das wachsende Interesse an der Türkei und der türkischen Kultur und steckt den Fokus auf die soziale Struktur und die Herausforderungen für Einwanderer in Deutschland.
1.0. EIN ALLGEMEINES PORTRAIT DER TÜRKEI: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die historische Entwicklung, den politischen Staatsaufbau, die Wirtschaftsstruktur sowie kulturelle Aspekte der Türkei.
2.0. DIE SOZIALEN UNTERSCHIEDE DES TÜRKISCHEN VOLKES UND DIE DARAUS RESULTIERENDE LEBENSWEISE: Der Abschnitt analysiert die regionalen Unterschiede in der Definition von Familie und deren Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben.
2.1. Die ländliche Türkei und die Familie: Hier wird der hierarchische Aufbau in ländlichen Familien, die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau sowie der Stellenwert von Traditionen und Kindererziehung dargelegt.
2.2. Das urbane Leben in der Türkei: Dieses Kapitel kontrastiert das urbane Leben mit dem ländlichen Raum und zeigt, wie sich soziale Lebensstile in den Städten unterscheiden, während fundamentale kulturelle Bausteine erhalten bleiben.
2.3. Leben in Deutschland – ein zweischneidiges Schwert: Die Ausführungen behandeln die spezifischen Belastungen und Generationsprobleme, mit denen türkische Einwanderer in Deutschland aufgrund kultureller Differenzen und Ghettoisierung konfrontiert sind.
3.0. SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit stellt fest, dass es keine Patentlösung gibt, betont jedoch die Bedeutung von Bildung, Vertrauen und Respekt für das interkulturelle Zusammenleben.
Schlüsselwörter
Türkei, Migration, soziale Struktur, Familie, Tradition, Generationskonflikt, Identität, Integration, ländliche Türkei, urbanes Leben, kulturelle Werte, Respekt, Erziehung, Deutschland, Sozialverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziale Struktur türkischer Familien und deren spezifische Herausforderungen im Kontext von Migration, insbesondere in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Kontraste zwischen ländlicher und urbaner Lebensweise in der Türkei, der Einfluss von Traditionen und Religion sowie die Spannungen der zweiten Generation im Ausland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein besseres Verständnis der türkischen Gesellschaftsstruktur, um die Hintergründe von Generationskonflikten und Integrationshürden in der Einwanderungsgesellschaft zu durchleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine referenzierende Analyse, die auf soziologischen und ethnologischen Grundlagen basiert, um die soziale Lebenswelt und Migrationsproblematiken darzustellen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil besonders hervorgehoben?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die unterschiedlichen Familienstrukturen, die Rolle der Religion, die Auswirkungen der Urbanisierung sowie die spezifischen Probleme bei der Identitätsfindung der Kinder in Migrationsländern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Migration, Tradition, Generationskonflikt, soziale Struktur, Familie, Identitätsfindung und interkulturelles Verständnis.
Wie unterscheidet sich die Frauenrolle auf dem Land im Vergleich zur Stadt?
Während auf dem Land traditionelle Rollenmuster und die "Hüterin des Hauses"-Rolle dominieren, zeigt sich in urbanen Gegenden eine tendenziell gleichberechtigtere Stellung, in der Frauen beispielsweise auch Zugang zu akademischen und beruflichen Feldern finden.
Warum ist das Thema "Heimkehr" für die zweite Generation so problematisch?
Viele in den Migrationsländern geborene Jugendliche fühlen sich in der Heimat ihrer Eltern fremd, da ihnen die direkte kulturelle Verwurzelung fehlt und sie oft nur eingeschränkte Sprachkenntnisse besitzen, was zu einer Entfremdung führt.
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- Didem Oktay (Author), 2002, Fremdsein in der Türkei als Fremde in der BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4293