Der argentinische Schriftsteller Alberto Manguel beschreibt in seinem lesenswerten Sachbuch Eine Geschichte des Lesens folgende Szene:
Als gegen Salman Rushdie wegen seines Romans Die satanischen Verse die Fatwa ausgesprochen wurde und jedermann wußte, daß ein Autor wegen eines Romans mit dem Tode bedroht war, stellte der amerikanische Fernsehjournalist John Innes monatelang ein Exemplar des Buches auf seinem Sprecherpult zur Schau. Er sprach zu allen möglichen Themen, erwähnte dabei weder das Buch noch Rushdie oder den Ayatollah, aber die Präsenz des Buches neben ihm kündete eindrucksvoll von der Solidarität eines Lesers mit dem Schicksal des Buches und seines Autors.
Dieses Zitat verdeutlicht vor allem eines: Salman Rushdies Werk The Satanic Verses scheint durch die politischen Turbulenzen, die dessen Veröffentlichung 1988 hervorrief, zu einem Symbol geworden zu sein. Allein das Herzeigen des Buches, ohne die geringste Erwähnung des Inhalts oder des Autors, übermittelt dem Betrachter eine Art Botschaft. Es liegt auf der Hand, dass es für einen Roman - und seinen Autor - wohl kaum etwas tragischeres gibt, als zu einem unumwerflichen politischen Zeichen zu erstarren: Ein Buch, welches nur hochgehalten werden muss, um seine Wirkung zu tun, muss im Grunde nicht mehr aufgeblättert werden. All die Welten, die der Autor darin kreiert hat, die Kraft, die ein Roman inne hat, für jeden Leser andere Symbole und Zeichen, ja ein Universum an Mitteilungen darzustellen, verblasst im Trubel der politischen Konflikte. So bezeichnet Paul Brian, Professor für englische Literatur in Boston, auf seiner sehr informativen Homepage über The Satanic Verses, Rushdies Roman treffend als „one of the most widely-unread bestsellers in the history of publishing“ . Dass der Roman so schwerwiegende Missverständnisse hervorrufen konnte, die seinen Autor sogar in ernste Lebensgefahr brachten, liegt nicht zuletzt an der sprachlichen Dichte und unendlich wirkenden Informationsfülle, die Rushdies Schreibstil ausmachen und so die Zugänglichkeit für eine breite Leserschaft erschwert. Er vermag es, so viel Erzähltes in einem Roman zu vereinen, dass andere Autoren leicht sechs oder zehn einzelne Werke daraus schaffen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1) Einführung. Ein symbolisches Buch
2) Zu Autor und Werk
2a) Über Salman Rushdie
2c) The Satanic Verses – Versuch einer Inhaltsangabe
3) Das Leben des Propheten
3a) Textgeschichte der Sira
4) Vergleichende Betrachtungen
4a) Die Legende der satanischen Verse
4b) Vergleich Rushdie – Sira – at-Tabari
4c) Bilder und Gegenbilder. Mohammed-Darstellungen im geschichtlichen Wandel
5) Rushdies Vorgehensweise
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Mohammed-Bild in Salman Rushdies Roman "The Satanic Verses" und setzt es in Bezug zu historischen islamischen Quellen sowie christlichen Polemiken. Das zentrale Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Rushdie als studierter Geschichtswissenschaftler historische Fakten mit Fiktion vermischt und welche literarischen Strategien er dabei anwendet.
- Analyse der historischen Entstehungsgeschichte der Sira (Prophetenbiographie)
- Untersuchung der Legende der "satanischen Verse" bei Rushdie im Vergleich zu at-Tabari
- Vergleichende Darstellung der Mohammed-Figur in Roman und historischen Quellen mittels Tabellen
- Historische Einordnung der negativen Mohammed-Darstellungen und ihrer literarischen Verarbeitung
- Analyse des postmodernen Umgangs mit Religion, Identität und Zweifel im Roman
Auszug aus dem Buch
1) Einführung. Ein symbolisches Buch
Dieses Zitat verdeutlicht vor allem eines: Salman Rushdies Werk The Satanic Verses scheint durch die politischen Turbulenzen, die dessen Veröffentlichung 1988 hervorrief, zu einem Symbol geworden zu sein. Allein das Herzeigen des Buches, ohne die geringste Erwähnung des Inhalts oder des Autors, übermittelt dem Betrachter eine Art Botschaft. Es liegt auf der Hand, dass es für einen Roman - und seinen Autor - wohl kaum etwas tragischeres gibt, als zu einem unumwerflichen politischen Zeichen zu erstarren: Ein Buch, welches nur hochgehalten werden muss, um seine Wirkung zu tun, muss im Grunde nicht mehr aufgeblättert werden. All die Welten, die der Autor darin kreiert hat, die Kraft, die ein Roman inne hat, für jeden Leser andere Symbole und Zeichen, ja ein Universum an Mitteilungen darzustellen, verblasst im Trubel der politischen Konflikte.
So bezeichnet Paul Brian, Professor für englische Literatur in Boston, auf seiner sehr informativen Homepage über The Satanic Verses, Rushdies Roman treffend als „one of the most widely-unread bestsellers in the history of publishing“. Dass der Roman so schwerwiegende Missverständnisse hervorrufen konnte, die seinen Autor sogar in ernste Lebensgefahr brachten, liegt nicht zuletzt an der sprachlichen Dichte und unendlich wirkenden Informationsfülle, die Rushdies Schreibstil ausmachen und so die Zugänglichkeit für eine breite Leserschaft erschwert. Er vermag es, so viel Erzähltes in einem Roman zu vereinen, dass andere Autoren leicht sechs oder zehn einzelne Werke daraus schaffen könnten. Seine Sätze stecken voller Anspielungen, voller Querverweise auf andere literarische Werke, Musik, Filme, Kunst, Geschichte und Kulturen.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einführung. Ein symbolisches Buch: Das Kapitel beleuchtet den Status des Romans als politisches Symbol und die Herausforderungen, die der komplexe, anspielungsreiche Schreibstil für die Leserschaft und das Verständnis des Werkes mit sich bringt.
2) Zu Autor und Werk: Hier erfolgt ein biographischer Abriss über Salman Rushdie sowie eine erste inhaltliche Annäherung an den vielschichtigen Roman und dessen Handlungsstruktur.
3) Das Leben des Propheten: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehung und Bedeutung der Sira von Ibn Ishaq als grundlegender Text für das Verständnis der frühen islamischen Geschichte.
4) Vergleichende Betrachtungen: Der Hauptteil der Arbeit untersucht die Darstellung von Mohammed, der Legende der satanischen Verse und der Stadt Jahilia durch einen direkten Vergleich zwischen Romanpassagen und historischen Quellen wie at-Tabari.
5) Rushdies Vorgehensweise: Das abschließende Kapitel reflektiert die narrative Technik Rushdies, der historische Stoffe für postmoderne Variationen nutzt, um universelle Themen wie Identitätssuche und den Zweifel an Autoritäten zu behandeln.
Schlüsselwörter
Salman Rushdie, The Satanic Verses, Mohammed-Bild, Prophetenbiographie, Sira, Ibn Ishaq, Mahound, satanische Verse, historische Quellen, postmoderne Literatur, Religionskritik, Identitätssuche, Islamgeschichte, Literaturanalyse, at-Tabari
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Salman Rushdie in seinem Roman "The Satanic Verses" die Figur des Propheten Mohammed literarisch verarbeitet und wie er dabei historische Quellen aus der islamischen Tradition einsetzt oder modifiziert.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die literarische Neudeutung historischer Überlieferungen, das Bild des Propheten im Wandel der Zeit, die Rolle des Zweifels in postmodernen Romanen sowie die Verknüpfung von Fiktion und Geschichte.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu zeigen, wie Rushdie als Geschichtswissenschaftler historische Stoffe nutzt, um durch den Einsatz von fiktionalen Elementen und Perspektivwechseln eine moderne Variation über religiöse Themen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Literaturanalyse, bei der Romanauszüge systematisch mit historischen Primär- und Sekundärquellen (wie der Sira oder at-Tabari) gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des Kapitels "Mahound" und der Legende der satanischen Verse, unterlegt durch detaillierte Tabellen, die Abweichungen und Konformitäten zwischen Roman und historischer Überlieferung dokumentieren.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Literaturwissenschaft, Islamforschung, Postmoderne, Intertextualität und historische Fiktion beschreiben.
Wie unterscheidet sich Rushdies Darstellung von Mohammed im Roman?
Rushdie nutzt das Synonym "Mahound" und versetzt die Figur in einen Traumkontext, wobei er den Propheten als einen Menschen mit Zweifeln und pragmatischen Entscheidungen porträtiert, was stark von der traditionellen, oft unantastbaren Darstellung abweicht.
Welche Rolle spielt der Erzengel Gibreel im Roman?
Gibreel fungiert als ein entscheidender literarischer Trick: Er beobachtet und durchlebt als Identifikationsfigur die Ereignisse in den Träumen, wodurch eine neue, subjektive Perspektive auf die historischen Vorfälle eingenommen wird.
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- Annika Silja Sesterhenn (Author), 2005, Mahound, der Geschäftsmann. Das Mohammed-Bild in Salman Rushdies The Satanic Verses im Vergleich mit der Prophetenbiographie, christlichen und islamischen Quellen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42942