Wijster - Eine Siedlung in den heutigen Niederlanden von 150 n.Chr. bis 430 n.Chr.


Seminararbeit, 2005
33 Seiten, Note: Gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die folgende Hausarbeit soll einen Gesamtüberblick über die Siedlung Wijster, die in den heutigen Niederlanden liegt, von ihrem Auftauchen 150 n.Chr. bis zu ihrem Niedergang 430 n.Chr., geben. Dabei soll anhand der Befunde ihre Wirtschaftliche Struktur herausgearbeitet werden. Außerdem soll die besondere Stellung in Bezug auf die schnelle Weiterentwicklung und die vielfältigen Varianten an Gebäudetypen gezeigt werden. Als erstes wird die Position der Siedlung gezeigt, als nächstes ein kurzer Geschichtlicher Abriss über die Grabung und dann werden ein paar allgemeine Besonderheiten angesprochen. Das erste große Kapitel widmet sich den Hauptgebäuden. Dazu gehören Lang- und Kurzhäuser. Das zweite große Kapitel beschäftigt sich mit den Nebengebäuden, zu ihnen gehören Grubenhäuser, Speicher und Schuppen. Dann wird auf die gefundenen Brunnen und Gruben Bezug genommen. Nach dieser Einführung in die gefundenen Befunde, werden diese in den Kontext der einzelnen Siedlungsperioden eingeführt. Abschließend wird auf diesem Hintergrund versucht, eine ungefähre Darstellung der Wirtschaft zu geben.

1. Lage der Ausgrabung

Die Siedlung Wijster liegt in den heutigen Niederlanden, in der Provinz Drenthe ( Plan 1 ). Die Provinz Drenthe ist eine von vier größeren Geestlandschaften, die voneinander isoliert sind, in den Niederlanden.1 Das Ausgrabungsgelände liegt südlich von Beilen und nördlich des heutigen Dorfes Wijster. Zwischen dem Westufer der Leek und dem Ostufer der Aue, an einem verlandeten Tümpel ( Plan 2 ).2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Plan 1 – Die Lage Wijsters in den Niederlanden

2. Geschichte der Ausgrabung

Nach ersten Funden im Jahr 1925, folgte eine erste Ausgrabung von Prof. Dr. A.E. Giffen, dabei wurde ein Friedhof ausgegraben. Am Anfang wurde für das Fundareal der Name Looveen verwendet bis man sich auf Wijster einigte. 1958 kam bei Pflugarbeiten ein Hölzerner Brunnen hervor, es folgten daraufhin Grabungen von 1958-1961.3

3. Allgemeines

Auf dem gesamten Gelände finden sich Spuren von Lattenzäunen. Es gibt große Tiefenunterschiede, selbst bei einem durchgehenden Zaun finden sich Grubentiefen von wenigen Zentimetern bis zu 40 cm.4 Die Auswertung der Häuser stellt sich als schwierig dar, da es oft Störung und Überlappungen gibt. Auffällig sind die rechteckigen, anstatt sonst runden, Pfostenlöcher. Diese sind hauptsächlich von den Römern bekannt.

4. Hauptgebäude:

Die in Wijster gefundenen Hauptgebäude zeigen eine große Vielfalt und eine daraus resultierende schnelle Entwicklung der einzelnen Häusertypen durch die Besiedlungsphasen. Bestimmte Charakteristika finden sich in den meisten Gebäuden wieder. So finden sich die Dachpfosten und Eingänge Paarweise.

Die Eingangspfosten sind leicht versetzt und weisen deutliche sichtbare Größen- und Tiefenunterschiede auf. Es gibt zwei Grundtypen von Hauptgebäuden, die dann noch einmal untergliedert sind. Die Langhäuser stellen den ersten Grundtyp, sie sind mindestens zwei Mal so lang wie breit. Der zweite Grundtyp sind die

Kurzhäuser, sie fallen unter die Mindestlänge der Langhäuser.5 Die Funktion der meisten Räume ist nicht exakt zu bestimmen, Ausnahme ist der Stallteil.6

4.1 Langhäuser - Typ A

Die Langhäuser kommen häufiger vor als die Kurzhäuser und gehören zu den dreischiffigen Hallenhäusern. In einigen finden sich nur die zwei durchgehenden Reihen an Dachpfosten über die gesamte Länge des Hauses, in anderen finden sich in einem Teil des Hauses doppelte Wandpfosten, in denen dann weniger Dachpfosten stehen.7

4.1.1 Typ AI

Im Typ AI sind Langhäuser, in denen sich nur Dachpfosten finden, zusammengefasst. Es wurden nur 7 komplett erhaltene Häuser gefunden. Der Typ AI ist unterteilt in die Typen AIa und AIb.8

4.1.2 Typ AIa ( Gebäude XIV, Abb.1 )

Es gibt nur ein komplett erhaltenes Gebäude dieses Typs, dass durch seine gleichmäßige Anlage der Dachpfosten auffällt, die ein breites Mittelschiff von 4 m und zwei engere Seitenschiffe bilden. Es ist in zwei Räume geteilt, im Osten liegt der Stallbereich und im Westen der Wohnraum. Beide Räume haben etwa die gleiche Größe. Im Stallteil stehen die Pfosten eng zusammen, die Abstände vergrößern sich ab den Eingängen, im Wohnraum liegen sie doppelt so weit auseinander als im Stallteil. Insgesamt sind die Dachpfosten tiefer versenkt als die Wandpfosten. Es findet sich kein Eingang auf der kurzen Seite des Stallteils.

Die einzelnen Ställe sind 1,50m – 2,00 m breit (in anderen Gebäuden nur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 – Typ AIa

Die anderen vom Typ AI ( Gebäude XVII, Abb. 2 ) sind ähnlich aufgebaut, sie weisen Unterschiede in der Regelmäßigkeit der Pfosten auf. Einige haben an der Schmalseite des Stallteils einen dritten Eingang. Vor den Eingängen finden sich rechteckige Gruben wovon einige mit Brettern ausgelegt waren.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 – Typ AI

4.1.3 Typ AIb

Die Gebäude dieses Typs haben Dachpfostenpaare die in kurzen Abständen zueinander und dicht an den Wänden stehen. Diese sind kaum tiefer eingelassen als die Wandpfosten.11

4.1.4 Typ AII

In ihnen finden sich Dachpfosten und doppelte Wandpfosten. Dieser Typ macht die Größte Zahl an den gefundenen Langhäusern aus. Die Doppelpfosten finden

sich nur in den Langseiten. In den meisten Fällen sind sie auf den vorderen Teil des Wohnraums beschränkt, nur manchmal finden sich welche in der Nähe der Eingänge. Sie sind in gegenüberliegenden Paaren geordnet. In ihrer Tiefe sind sie so wie die anderen Pfosten. Sie übernahmen wohl die Aufgabe der Dachpfosten. Dieser Typ ist noch mal in zwei Untertypen gegliedert.12

4.1.5 Typ AIIa ( Kurze Version: Gebäude XLIX, Abb. 3; Lange Version: Gebäude XXXIX, Abb. 4 )

Typ AIIa sind zweigeteilte Langhäuser mit Dachpfosten und einem klar abgegrenzten Teil Doppelwandpfosten. Davon fand man 14 Gebäude. Ihre Länge variiert zwischen 16,80 m – 38,80 m und sie sind im Durchschnitt alle etwa 6 m breit, wobei der Stallteil oft schmaler ist als der Wohnteil.

Es finden sich bei allen drei Eingänge, zwei sich gegenüberliegende in der Mitte der Längsseite und einen an der Schmalseite des Stallteils. In einigen langen Gebäuden dieses Typs gibt es auch Spuren eines zweiten Eingangspaares die in den abgegrenzten Raum im Wohnbereich führen. Sie sind zwischen

0,9 m – 1,20 m breit. Die Eingangspfosten fallen deutlich durch ihre Größe auf und sind in der Regel tiefer als die umliegenden Wandpfosten. Auch hier finden sich vor den Eingängen Spuren von Hölzernen Brettern.

Der Stallteil macht die Hälfte des Gebäudes aus. Er läuft oft zum Ende spitz zu.

Die Wandpfosten zeigen Kurvenlinien und die Abstände der Dachpfosten können

in einem Gebäude stark variieren. Er ist in zwei Stallreihen gegliedert die sich in den Seiten befinden, in der Mitte bleibt ein Gang frei. In den kleinen Gebäuden finden sich zwei bis drei Ställe in einer Reihe. In den langen Gebäuden können es mehr als doppelt so viele in einer Reihe sein. In einigen Fällen füllen sie den gesamten Stallteil aus, in anderen gibt es noch einen freien Raum am Ende des Gebäudes. Zwischen den Eingangspaaren und den Ställen gibt es einen freien Raum, der in manchmal zu den Eingängen hin Spuren einer Flechtwand zeigt die einen schmalen Eingang zum Stallteil lässt. In jedem Haus steht eine Reihe Dachpfosten in einer Linie zu einem Paar der Eingangspfosten. Der Intervall zwischen diesen Pfosten und den nächsten Dachpfosten im Stallteil ist mit bis zu 5 m oft sehr groß.

Der Wohnbereich ist regelmäßiger gestaltet als der Stallteil. Er ist in zwei Räume unterteilt. Einen kleinen am Ende und einen großen in der Mitte des Gebäudes. Sie sind durch eine Trennwand abgegrenzt. Der kleine Raum ist entsprechend zur Gesamtgröße des Gebäudes kleiner oder größer angelegt. Er variiert zwischen 2 m bis 6 m. Nur in der langen Seite des Wohnraumes finden sich die doppelten Wandpfosten. Sie haben immer ein entsprechendes Paar in der gegenüberliegenden Wand. Sie treten in zwei bis vier Paaren dicht nebeneinander auf. In den kleineren Gebäuden finden sie sich vor und hinter der Trennwand. In den großen Gebäuden sind sie oft nur im kleinen Raum zu finden.

[...]


1 vgl. Waterbolk, Siedlungskontinuität im Küstengebiet der Nordsee zwischen Rhein und Elbe, S. 2

2 vgl. van Es, Wijster, S. 29ff

3 vgl. Ebd. S. 40ff

4 vgl. van Es, Wijster, S. 44ff

5 vgl. Ebd., S. 49

6 vgl. van Es, A.W.: Genetische Siedlungsforschung in den Niederlanden mit besonderer Berücksichtigung der ländlichen Siedlungsarchäologie im ersten Jahrtausend n.Chr., S. 347

7 vgl. van Es, Wijster, S. 50

8 vgl. Ebd., S. 51

9 vgl. Ebd., S. 51ff

10 vgl. van Es, Wijster, S. 51

11 vgl. Ebd., S. 54

12 vgl. van Es, Wijster, S. 55

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Wijster - Eine Siedlung in den heutigen Niederlanden von 150 n.Chr. bis 430 n.Chr.
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
Gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
33
Katalognummer
V42951
ISBN (eBook)
9783638408622
ISBN (Buch)
9783640864522
Dateigröße
1260 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Doppelter Zeilenabstand
Schlagworte
Wijster, Eine, Siedlung, Niederlanden
Arbeit zitieren
Lars Steffes (Autor), 2005, Wijster - Eine Siedlung in den heutigen Niederlanden von 150 n.Chr. bis 430 n.Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42951

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