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Agenda 2010 - Kann der Sozialstaat durch Umbau wieder funktionsfähig werden?

Title: Agenda 2010 - Kann der Sozialstaat durch Umbau wieder funktionsfähig werden?

Thesis (M.A.) , 2005 , 115 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Matthias Rischer (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Der bundesdeutsche Sozialstaat, einstmals weltweit Vorzeigemodell, ist in die Jahre gekommen und hat aufgehört, wie einst zu funktionieren. Und dies nicht erst seit gestern.
Das Sozialversicherungssystem steckt durch seine Erwerbsarbeitszentriertheit bei einer heutigen Zahl von mittlerweile etwa 5 Millionen offiziell gemeldeten Arbeitslosen seit einigen Jahren in einer schweren Krise. Somit steht auch der Sozialstaat per se seit einiger Zeit in der Kritik, der, so behaupten heute allen voran zahlreiche Ökonomen, durch die Expansion sozialer Leistungen kaum mehr zu finanzieren sei. Als „Produzent“ hoher Lohnnebenkosten machen sie ihn auch dafür verantwortlich, dass es auf dem Arbeitsmarkt nicht vorangeht. Der Sozialstaat, einst selbst Reformsystem, musste, nachdem er in eine Krisenlage geraten war, reformiert werden. Mit der „Agenda 2010“ hat die Bundesregierung vor zwei Jahren ein entsprechendes Instrument hierzu vorgestellt. Viele der darin enthaltenen Reformvorhaben sind bis heute teilweise oder bereits vollständig umgesetzt worden. In seiner Regierungserklärung vom 14.3.2003 stellte Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem seit 2000 andauernden Diskussionsprozess ein kompaktes, in sich geschlossenes Reformpaket vor, das inhaltlich darauf abzielte, Probleme, die sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte im wirtschafts- und sozialpolitischen System Deutschlands entwickelt hatten, aufzudecken, zu benennen und Lösungswege in einzelnen Reformschritten durch Änderungen der institutionellen Verhältnisse, wie sie in Verordnungen und Gesetzen festgelegt sind, aufzuzeigen. Dieses Reformpaket bezeichnete er selbst als Agenda 2010 und erklärte ihren Inhalt wie folgt:
Sie ist unser Programm zur umfassenden Modernisierung und Erneuerung unseres Landes. Sie bedeutet die größte Sozialreform in der Geschichte unseres Landes.

Der Begriff „Agenda“ heißt übersetzt: „was zu tun ist“. Was getan werden mußte, stand zu jenem Zeitpunkt für die Bundesregierung eindeutig fest: Es sollte zu einer mittelfristigen Verbesserung auf allen „Zukunftsfeldern“ kommen. Das bestehende Sozialsystem sollte von seiner eingeschränkten Funktionsfähigkeit durch Umbau im Sinne einer Anpassung an die wirtschaftlich- gesellschaftlichen Bedingungen, in ein neues funktionstüchtiges System transformiert werden. Die zeitliche Befristung für die vollständige Umsetzung des Reformprogramms konkretisiert sich in der Jahreszahl 2010.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Probleme des Sozialstaats

2.1 Zum Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft

2.2 Zum demografischen Wandel

2.3 Zur Globalisierung

2.4 Zur Individualisierung

3. Das Reformprogramm „Agenda 2010“

3.1 Zur Sozialstaatskonzeption des dritten Weges

3.2 Der Sozialstaat als Problemverursacher/ Zur neoliberalen Alternative

3.3 Zur Konzeption der klassischen Linken

3.4 Die einzelnen Reformschritte (Regierungsprogramm)

3.4.1 Reformen am Arbeitsmarkt/ Zu den Problemen

3.4.1.1 Schnellere Vermittlung durch das Einrichten von Personal- Service- Agenturen (Hartz I)

3.4.1.2 Neue Anlaufstellen und Job- Möglichkeiten (Hartz II)

3.4.1.3 Umbau der Bundesanstalt für Arbeit in einen modernen Dienstleister (Hartz III)

3.4.1.4 Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für Erwerbsfähige (Hartz IV)

3.4.1.5 Zur Verschärfung der Zumutbarkeitsbestimmungen

3.4.1.6 Flexibilisierung: Neue Strukturen am Arbeitsmarkt

3.4.1.7 Konzepte gegen Jugendarbeitslosigkeit/ Zur „Ausbildungsoffensive“

3.4.2 Zur Gesundheitsreform

3.4.2.1 Neue Regelung bei den Krankenkassen

3.4.2.2 Zur Praxisgebühr

3.4.2.3 Konzept der Zukunft: Die Bürgerversicherung

3.4.3 Zur Rentenreform

3.4.3.1 Zur Beitragsstabilität

3.4.3.2 Zum „Nachhaltigkeitsfaktor“

3.4.4 Zur Förderung von Bildung und Forschung

3.4.4.1 Reformen im Schulwesen

3.4.4.2 Chancengleichheit beim Bildungszugang

3.4.4.3 Konzepte gegen Jugendarbeitslosigkeit

3.4.4.4 Forschungsförderung

3.4.4.5 Zur Innovationsoffensive

3.4.5 Zu den Staatsfinanzen/ Zur Steuerreform

3.4.5.1 Umfassende Haushaltskonsolidierung/ Für eine Politik der Nachhaltigkeit

3.4.6 Zur Mentalitätsdebatte

3.5 Trends- Eine erste Reformbilanz

4. Reformpolitische Diskussion um die Agenda seit März 2003

4.1 Alternativen der Linken

4.1.1 Reform- Alternativen auf dem Arbeitsmarkt

4.1.2 Reform- Alternativen in der Wirtschaftspolitik

4.1.3 Reform- Alternativen zur Steuerreform

4.1.4 Reform- Alternativen zu den Sozialreformen

4.1.5 Reform- Alternativen auf dem Bildungssektor

4.1.6 Zwischenfazit

4.2 Alternativen der Liberalen

4.2.1 Reform- Alternativen auf dem Arbeitsmarkt

4.2.2 Reform- Alternativen zur Steuerreform

4.2.3 Reform- Alternativen zu den Sozialreformen

4.2.4 Reform- Alternativen auf dem Bildungssektor

4.2.5 Zwischenfazit

5. Ausbau der Zivilgesellschaft - Entlastung für den Sozialstaat ?

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Reformprogramm „Agenda 2010“ der Bundesregierung mit dem Ziel zu ermitteln, ob der deutsche Sozialstaat durch die geplanten Umbaumaßnahmen wieder funktionsfähig gemacht werden kann. Dabei wird analysiert, inwieweit die gesetzlichen Anpassungen auf die strukturellen Defizite in den Bereichen Arbeitsmarkt, Gesundheits- und Rentenwesen, Finanzpolitik sowie Bildung und Forschung reagieren und ob sie einen nachhaltigen Sanierungsweg darstellen.

  • Analyse der sozioökonomischen Rahmenbedingungen und Krisenursachen des deutschen Sozialstaats.
  • Untersuchung der theoretischen Leitbilder hinter der Agenda 2010 (Dritter Weg, Neoliberalismus, Linke Perspektiven).
  • Detaillierte Darstellung und kritische Würdigung der zentralen Reformschritte (Hartz I-IV, Gesundheits- und Rentenreform).
  • Diskussion der reformpolitischen Alternativen aus Sicht der politischen Linken und Liberalen.
  • Reflexion über die Rolle der Zivilgesellschaft und die Notwendigkeit eines Mentalitätswandels für den Erfolg der Reformen.

Auszug aus dem Buch

2.1 Zum Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft

Der Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft hat maßgeblich zu Finanzierungs- und Leistungsproblemen des Sozialstaats beigetragen. Durch immer weiter zunehmende Technisierung und damit verbundene Rationalisierungsschübe wurden über die 80er und 90er Jahre immer mehr Arbeitskräfte freigesetzt. Auch der sich immer stärker herausbildende dritte Sektor, der Dienstleistungssektor, war nicht in der Lage, die freigesetzten Kräfte (vor allem gering qualifizierte Arbeitskräfte) aufzunehmen. Die Folge war eine nahezu kontinuierlich ansteigende Zahl an Arbeitlosen, die von einstmaligen Beitragszahlern zu Leistungsempfängern wurden, für die die Sozialkassen zukünftig aufzukommen hatten.

Hinzu kam eine Veränderung der Arbeitsverhältnisse: Das so genannt „Normalarbeitsverhältnis“, in seiner herkömmlichen Konzeption stark patriarchalisch ausgerichtet, erodierte zusehends. Das bedeutet konkret, dass der Anteil unbefristeter, abhängiger Vollzeitbeschäftigungen mit geregelter Arbeitszeit zugunsten atypischer Beschäftigungsformen immer mehr abnahm. Das Normalarbeitsverhältnis bestimmte 1970 noch mit 84 Prozent aller Erwerbstätigen das Bild. 1995 war der Anteil schon auf 68 Prozent gesunken. Stark angestiegen ist in diesem Zeitraum die Teilzeitbeschäftigung von 6 auf 23 Prozent.

Unbefristete sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigungen wurden immer mehr von befristeten oder geringfügigen Arbeitsverhältnissen abgelöst. Momentan arbeiten bereits etwa 7 Millionen Arbeitnehmer in einer geringfügigen Beschäftigung. Folge dieser Entwicklung ist, dass durch die neuen Beschäftigungsverhältnisse, bei denen der Arbeitnehmeranteil z.T. völlig wegfällt (Minijobs) oder im Verhältnis zur Vollzeitstelle geringer ausfällt (Midijob), nicht mehr genug Geld in die Sozialkassen eingezahlt wird und sich somit ein weiteres Finanzierungsdefizit des Sozialstaats ergibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Krise des bundesdeutschen Sozialstaats und führt in das Reformpaket „Agenda 2010“ ein, welches als Antwort auf die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen konzipiert wurde.

2. Probleme des Sozialstaats: In diesem Kapitel werden die zentralen Ursachen der Krise, insbesondere der Strukturwandel der Arbeitswelt, die demografische Entwicklung, Globalisierungseffekte und die zunehmende Individualisierung, detailliert analysiert.

3. Das Reformprogramm „Agenda 2010“: Dieser Hauptteil widmet sich dem ideologischen Überbau sowie der konkreten Analyse der Reformschritte in den Bereichen Arbeitsmarkt, Gesundheits- und Rentenwesen, Bildung und Staatsfinanzen.

4. Reformpolitische Diskussion um die Agenda seit März 2003: Hier werden die konträren Positionen der politischen Linken und Liberalen zur Agenda 2010 gegenübergestellt und deren jeweilige Reformalternativen diskutiert.

5. Ausbau der Zivilgesellschaft - Entlastung für den Sozialstaat ?: Dieses Kapitel reflektiert, ob und wie eine stärkere Einbindung der Zivilgesellschaft den Sozialstaat entlasten kann, und hinterfragt die damit verbundenen Risiken und Chancen.

6. Fazit: Das Fazit zieht eine Bilanz der bisherigen Reformmaßnahmen, bewertet deren Erfolgsaussichten und formuliert die Notwendigkeit einer Fortführung der Reformpolitik unter Berücksichtigung sozialer Gerechtigkeit.

Schlüsselwörter

Agenda 2010, Sozialstaat, Arbeitsmarkt, Hartz-Reformen, Strukturwandel, demografischer Wandel, Globalisierung, Rentenreform, Gesundheitsreform, Eigenverantwortung, soziale Gerechtigkeit, Beschäftigungspolitik, Reformbilanz, Zivilgesellschaft, Finanzierbarkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die „Agenda 2010“ der Bundesregierung und fragt, ob dieses Reformpaket ausreicht, um den in eine Krise geratenen deutschen Sozialstaat durch gezielten Umbau wieder dauerhaft funktionsfähig zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den strukturellen Problemen des Sozialstaats, der Arbeitsmarktpolitik (Hartz-Reformen), der Gesundheits- und Rentenreform, den Staatsfinanzen sowie der Bildungspolitik.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist eine wissenschaftliche Einordnung und Prognose, ob die gewählten Umbaumaßnahmen der Agenda 2010 geeignet sind, das soziale Sicherungssystem zu sanieren und auf die Herausforderungen der Moderne anzupassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse des sozialpolitischen Diskurses, der Auswertung von Fachliteratur, Statistiken und Gesetzesvorhaben, um die Wirkungsweisen und Alternativkonzepte (linke vs. liberale Ansätze) gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Agenda, die detaillierte Analyse der einzelnen Reformgesetze (vor allem Hartz I-IV) sowie die Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit reformpolitischen Gegenentwürfen.

Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Sozialstaat, Agenda 2010, Arbeitsmarkt, Eigenverantwortung, Demografie und soziale Gerechtigkeit charakterisiert.

Wie bewertet der Autor das Verhältnis zwischen Agenda 2010 und der Zivilgesellschaft?

Der Autor reflektiert den „Ausbau der Zivilgesellschaft“ als Teil der Reformstrategie und diskutiert, inwiefern dies zu einer Entlastung des Sozialstaats führen kann, warnt jedoch gleichzeitig vor möglichen Risiken für den sozialen Zusammenhalt.

Warum wird in der Arbeit so viel Wert auf den Mentalitätswandel gelegt?

Der Autor argumentiert, dass staatliche Reformen allein nicht ausreichen, wenn sie nicht mit einem gesellschaftlichen Mentalitätswandel hin zu mehr Eigenverantwortung und weniger „Vollkasko-Mentalität“ einhergehen.

Excerpt out of 115 pages  - scroll top

Details

Title
Agenda 2010 - Kann der Sozialstaat durch Umbau wieder funktionsfähig werden?
College
Technical University of Braunschweig  (Inst. für Sozialwissenschaften)
Grade
2,7
Author
Matthias Rischer (Author)
Publication Year
2005
Pages
115
Catalog Number
V42952
ISBN (eBook)
9783638408639
Language
German
Tags
Agenda Kann Sozialstaat Umbau
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Rischer (Author), 2005, Agenda 2010 - Kann der Sozialstaat durch Umbau wieder funktionsfähig werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42952
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