Glaubhaftigkeit von kindlichen Zeugenaussagen. Aktueller Stand der "Kriterienbasierten Inhaltsanalyse"


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Glaubhaftigkeit von kindlichen Zeugenaussagen:

Der aktuelle Stand der „Kriterienbasierten Inhaltsanalyse“

1 Die Kriterienbasierte Inhaltsanalyse
1.1 Theoretischer Hintergrund
1.2 Inhaltliche Aspekte
1.3 Der aktuelle Forschungsstand

2 Diskussion
2.1 Kritische Aspekte der Anwendung der Kriterienbasierten Inhaltsanalyse bei Opfern sexuellen Missbrauchs

3 Ausblick

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Gerade bei kindlichen Zeugenaussagen stellt sich immer wieder die Frage der Glaubhaftigkeit. Die Kriterienbasierte Inhaltsanalyse, die davon ausgeht, dass tatsächlich erlebte Gedächtnisinhalte qualitativ anders als unwahre Inhalte berichtet werden, ist das derzeit meiste verwendete Instrument zur Einschätzung kindlicher Zeugenaussagen. Wie die aktuelle Forschung zeigt, weist sie jedoch eine relativ hohe Fehlerrate auf und weitere Variablen müssen bei der Aussagenbewertung berücksichtigt werden. Insbesondere bei traumatisierten Personen ist eine Unterscheidung traumatischer und alltäglicher Gedächtnisrepräsentationen wichtig. Die Kriterienbasierte Inhaltsanalyse ist eine gute Grundlage zur Einschätzung der Glaubhaftigkeit berichteter Ereignisse, jedoch sollte in künftiger Forschung die diskriminante Validität weiter verbessert werden.

Glaubhaftigkeit von kindlichen Zeugenaussagen: Der aktuelle Stand der „Kriterienbasierten Inhaltsanalyse“

Zeugenaussagen sind in unserem Rechtssystem kaum wegzudenken. Viele Rechtsurteile stützen sich auf die Aussagen von Opfern und Zeugen. Aus diesem Grund scheint es von großer Bedeutung die Richtigkeit einer Zeugenaussage korrekt einschätzen zu können. Eine besondere Herausforderung stellt die Zeugenbefragung von Kindern dar, da beispielsweise suggestive oder spezifische Fragen schnell zu einer Verfälschung der Aussage führen können (Roebers & Elischberger, 2002). Im forensischen Kontext ist insbesondere beim Tatvorwurf des sexuellen Missbrauchs schwierig zu beurteilen, ob die Anschuldigungen stimmen, da in den meisten Fällen das Kind der einzige Zeuge der Tat ist (Blandón-Gitlin, Pezdek, Lindsay, & Hagen, 2009; Pezdek et al., 2004; Santilla, Roppola, Runtti, & Niemi, 2000) und häufig physische Verletzungen fehlen (Vrij, 2005). Aufgrund dieser Problematik wurde das sogenannte „statement validity assesment“ (SVA) entwickelt, um gerade beim Tatvorwurf des sexuellen Missbrauchs vor Gericht möglichst sicher beurteilen zu können, ob die Aussage des Kindes auf einem wahren Ereignis beruht (Blandón- Gitlin et al., 2009). Das SVA wird derzeit sowohl bei einigen amerikanischen Gerichten als auch in Ländern wie Deutschland, Schweden und Niederlanden als gängiges Beweismittel vor Gericht angewandt (Vrij, 2005). Das Kernelement der SVA ist die sogenannte „Kriterienbasierte Inhaltsanalyse“ (Blandón-Gitlin et al., 2009).

In der folgenden Hausarbeit werde ich zunächst den theoretischen Hintergrund und die inhaltlichen Merkmale der Kriterienbasierten Inhaltsanalyse erläutern. Anschließend werde ich auf den aktuellen Forschungsstand eingehen und in einer nachfolgenden Diskussion die Besonderheiten und kritischen Aspekte bei der Anwendung der Kriterienbasierten Inhaltsanalyse bei sexuell missbrauchten Kindern darstellen. Abschließend sollen die daraus resultierenden praktischen Konsequenzen und ein Ausblick aufzeigen, welche Möglichkeiten sich aus der momentan verwendeten Kriterienbasierten Inhaltsanalyse ergeben.

1 Die Kriterienbasierte Inhaltsanalyse

Die Kriterienbasierte Inhaltsanalyse ist vermutlich weltweit das meist verwendete Instrument zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen. Insbesondere bei Zeugenaussagen potentiell sexuell missbrauchter Kinder findet sie häufige Verwendung (Blandón-Gitlin et al., 2009).

1.1 Theoretischer Hintergrund

Die Kriterienbasierte Inhaltsanalyse wurde vor über 50 Jahren mit dem Ziel entwickelt, kindliche Zeugenaussagen vor Gericht bei sexuellem Missbrauch besser beurteilen zu können (Blandón-Gitlin et al., 2009). Die Entwicklung beruht auf der Hypothese von Undeutsch aus dem Jahr 1989 (Undeutsch, zit. nach Blandón-Gitlin et al., 2009), die besagt, dass sich ein tatsächlich erlebtes Ereignis in den Erzählungen inhaltlich und qualitativ anders darstellt, als ein erfundenes oder imaginiertes Ereignis und beispielsweise wesentlich mehr Details enthält (Blandón- Gitlin et al., 2009; Raskin & Esplin, 1991).

Bereits 1981 gingen Johnson und Raye davon aus, dass erfundene und wahre Erinnerungen verschiedene Enkodierungsprozesse haben und wahre Erinnerungen im Gedächtnis in ein Netzwerk von bereits vorhandenem Wissen eingebettet werden und deshalb häufig detaillierter und lebhafter präsentiert werden, als imaginierte Erinnerungen.

Diese Annahme bildet die Grundlage der Kriterienbasierten Inhaltsanalyse zur Unterscheidung wahrer und erfundener Ereignisse (Blandón-Gitlin et al., 2009).

Pezdek, Finger und Hodge (1997) wiesen allerdings darauf hin, dass das Konstruieren einer falschen Erinnerung insbesondere dann, wenn sie durch Suggestion entsteht, damit einhergeht, dass das falsche Ereignis mit Schemata von ähnlichen Ereignissen im Gedächtnis verbunden wird. Dies kann dazu führen, dass ähnlich wie bei der Einbettung eines realen Ereignisses in ein Netzwerk bereits vorhandenen Wissens, eine falsche Erinnerung trotzdem sehr überzeugend und real wirken kann. Dies ist einer der wichtigen Aspekte, weshalb es einer genaueren Untersuchung zur Zuverlässigkeit der Kriterienbasierten Inhaltsanalyse bedarf (Blandón-Gitlin et al., 2009). Konnte eine ausreichend hohe Reliabilität bereits überzeugend dargestellt werden (Horowitz, Lamb, Esplin, Boychuk, Krispin, & Reiter- Lavery, 1997), so ist die Validität jedoch nicht eindeutig (Pezdek et al., 2004).

1.2 Inhaltliche Aspekte

Das SVA besteht aus drei Elementen. Zunächst wird mit dem Kind ein semistrukturiertes Interview durchgeführt. Hierbei ist das Entscheidende, dass das Kind das Ereignis aus seiner Perspektive erzählt, ohne dabei vom Interviewer beeinflusst zu werden. Diese Erzählung wird in der Regel aufgenommen und auf die Kriterien der Kriterienbasierten Inhaltsanalyse überprüft. Hierbei verstärkt jedes vorhandene Kriterium die Hypothese, dass das erzählte Ereignis der Wahrheit entspricht. Im letzten Schritt wird überprüft, ob eventuell andere Faktoren, wie beispielsweise Alter des Kindes oder das emotionale Verhalten des Interviewers, die auf einer sogenannten Validitätscheckliste zu finden sind, das Ergebnis der Kriterienbasierten Inhaltsanalyse beeinflusst haben könnten (Vrij, 2005).

Die Kriterienbasierte Inhaltsanalyse besteht aus insgesamt 18 Kategorien, die in Tabelle 1 dargestellt sind. Umso mehr Kriterien erfüllt sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass das erzählte Ereignis der Wahrheit entspricht (Blandón-Gitlin et al., 2009).

Tabelle 1: Kategorien der Kriterien basierten Inhaltsanalyse, unterteilt in die 3 Subkategorien „Generelle Charakteristiken“, „Spezifische Inhalte“ und Motivations-bezogene Inhalte“ Quelle: Pezdek et al., 2004

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Glaubhaftigkeit von kindlichen Zeugenaussagen. Aktueller Stand der "Kriterienbasierten Inhaltsanalyse"
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V429593
ISBN (eBook)
9783668734845
ISBN (Buch)
9783668734852
Dateigröße
858 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glaubhaftigkeit, zeugenaussagen, aktueller, stand, kriterienbasierten, inhaltsanalyse
Arbeit zitieren
Katrin Gehlhaar (Autor), 2013, Glaubhaftigkeit von kindlichen Zeugenaussagen. Aktueller Stand der "Kriterienbasierten Inhaltsanalyse", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429593

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