Der Einfluss sportlicher Aktivität auf die Symptomatik der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Grundlagen der PTBS
2.2 Potentielle Einflussmöglichkeiten sportlicher Übungen auf die Symptomatik bei PTBS Patienten

3 Beispielstudie (Rosenbaum, Sherrington, & Tiedemann, 2015)
3.1 Methoden
3.2 Ergebnisse
3.3 Diskussion und Limitationen

4 Diskussion und Ausblick

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Bei der Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) handelt es sich um eine trauma- und stressbedingte Störung, die sich durch Symptome wie Intrusionen, Hyperarousal, Vermeidung und Stimmungsänderung kennzeichnet. Das neurophysiologische Stresssystem ist massiv belastet und hirnphysiologisch kommt es zu Veränderungen.

Sportliche Aktivität scheint ein vielversprechender Interventionsansatz, um die PTBS- Symptomatik zu reduzieren. Wie die hier vorgestellte Beispielstudie zeigt, geht die Symptombelastung von PTBS-Patienten nach mehrwöchiger sportlicher Aktivität signifikant zurück. Auch Angsterleben und Depressionen, die bei einer PTBS häufig komorbid auftreten, zeigten in dieser Studie einen deutlichen Rückgang nach der mehrwöchigen Sportintervention.

Die Studienlage zum Nutzen sportlicher Aktivität bei PTBS-Patienten ist bisher jedoch nicht ausreichend. Es gibt verhältnismäßig wenige Studien und diese sind häufig methodisch schwach, beispielsweise aufgrund eines nicht-experimentellen Designs oder kleiner Stichproben. Da jedoch anzunehmen ist, dass sportliche Aktivität einen vielversprechenden Effekt auf PTBS-Patienten hat und eventuell sogar präventiv nach einem traumatischen Ereignis zur Vermeidung der Entstehung einer PTBS eigesetzt werden könnte, sollte sich künftige Forschung weiter damit befassen und auch neurophysiologische Veränderungen im Rahmen von Sportinterventionen mit untersuchen.

1 Einleitung

Gerade in jüngster Zeit geriet die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) durch die wachsende Zahl traumatisierter Flüchtlinge zunehmend auch in den öffentlichen Fokus. Die PTBS ist mit einer Lebenszeitprävalenz von etwa 8% (Kilpatrick, Resnick, Milanak, Miller, Keyes, & Friedman, 2013) eine häufige psychische Erkrankung, die einer adäquaten therapeutischen Behandlung bedarf.

Bradley, Greene, Russ, Dutra und Westen (2014) zeigten in ihrer Meta-Analyse, dass insbesondere kognitive Therapien und EMDR zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik bei PTBS-Patienten führen. Dennoch stellt sich die Frage, inwiefern kurzzeitige und kosteneffiziente Interventionsmethoden diese Verfahren ergänzen oder sogar ersetzen können (Newman & Motta, 2007).

Für Patienten mit Depressionen oder Angststörungen konnte bereits umfangreich gezeigt werden, dass sportliche Aktivität eine signifikante Verbesserungen der Symptomatik bewirken kann (Jayakody, Gunadasa, & Hosker, 2013; Rosenbaum , Sherrington, Tiedemann, 2015).

Insbesondere durch die hohe Komorbidität der PTBS mit Depressionen und Angststörungen (Newman & Motta, 2007) sowie den positiven Einfluss sportlicher Aktivität auf Stress (Fuchs & Schlicht, 2012), ist davon auszugehen, dass sportliche Interventionen auch bei PTBSPatienten gute Erfolge erzielen.

In der folgenden Arbeit werden zunächst mögliche Ansatzpunkte von Sport an der Symptomatik und den Mechanismen der PTBS erläutert. Anschließend wird die Studie von (Rosenbaum et al., 2015) als Beispielstudie vorgestellt sowie abschließend die Studienlage betrachtet und weitere mögliche Forschungsansätze diskutiert.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Grundlagen der PTBS

Bei der PTBS handelt es sich um eine trauma- und stressbedingte Störung, der ein traumatisches Ereignis vorausgegangen sein muss und die mindestens einen Monat andauert. Die charakteristischen Symptome sind Intrusionen, beispielsweise in Form von Flashbacks oder Alpträumen, Vermeidung traumaassoziierter Reize, wie bestimmte Orte, Gerüche oder Gedanken, Hyperarousal, das sich unteranderem durch Schlafstörungen und Hypervigilanz zeigen kann sowie eine Veränderung der Kognitionen und der Stimmung (American Psychiatric Association, 2013).

Bei den auslösenden traumatischen Ereignissen unterscheidet man zwischen Typ 1 Traumata, bei denen das traumatische Ereignis überraschend und einmalig auftritt, beispielsweise durch einen Autounfall oder eine einmalige Vergewaltigung und den sogenannten Typ 2 Traumata, bei denen es sich um länger andauernde Traumatisierung handelt, beispielsweise durch mehrjährigen sexuellen Missbrauch oder den Aufenthalt in Kriegsgebieten und die dementsprechend häufig auch stärkere und meist chronischere Traumafolgereaktionen mit sich bringen, als dies bei Typ 1 Traumata der Fall ist (Landolt, 2009).

Insgesamt sind Frauen doppelt so häufig von einer PTBS betroffen wie Männer (Kilpatrick et al., 2013). Die Komorbidität zu anderen psychischen Erkrankungen ist deutlich erhöht. So erfüllen beispielsweise 48% aller PTBS-Patienten auch die Kriterien eine Major Depression und 30% weisen mindestens eine Art von Angststörung auf (Kessler, Sonnega, Bromet, Hughes, & Nelson, 1995).

Auf neurophysiologischer Ebene findet man bei PTBS-Patienten sowohl im Urin als auch im Plasma einen erniedrigten Cortisollevel (Ehlert, Wagner, Heinrichs, & Heim, 1999; Resnick, Yehuda, Pitman, & Foy, 1995; Yehuda, Kahana, Binder-Brynes, & Southwick, 1995), was sich durch den andauernden und starken Stress mit der darauf folgenden Erschöpfung der HPA-Achse erklären lässt (Drexler, 2012). Yehuda et al. (1995) konnten zeigen, dass es eine signifikante Beziehung zwischen der Schwere der PTBS und dem Ausmaß der Cortisolerniedrigung gibt. Außerdem hängt die Auswirkung auf den Cortisollevel von der Schwere und Dauer der Traumatisierung ab. Bei Typ 1 Traumata kommt es direkt nach dem traumatischen Ereignis zu einem deutlichen Anstieg des Cortisollevels. Dies gilt jedoch nur für Personen, die erstmalig einem Trauma ausgesetzt sind. Bei Personen, die bereits zuvor schon traumatischen Ereignissen ausgesetzt waren, erhöht sich der Cortisollevel nach dem Ereignis nicht signifikant, da bei dieser Personengruppe die Reaktivität der HPA-Achse herabgesetzt ist (Elzinga, Schmahl, Vermetten, van Dyck, & Bremner, 2003; Resnick et al., 1995). Elzinga et al. (2003) zeigten allerdings, dass es trotz eines erniedrigten Basis- Cortisolleveles bei direkter Konfrontation mit Erinnerungen an das traumatische Ereignis dennoch zu einem deutlichen Anstieg des Cortsiollevels kommt.

Als ein typisches neurobiologisches Korrelat zum PTBS-charakteristischen Hyperarousal zeigt sich eine vermehrte Freisetzung des Neurotransmitters Noradrenalin. Neuroanatomisch lässt sich bei PTBS-Patienten ein reduziertes Hippocampusvolumen feststellen. Außerdem zeigt sich bei Konfrontation mit traumaassoziierten Reizen eine erhöhte Aktivität im Gyrus cinguli und der Amygdala sowie eine verminderte Aktivität des BrocaAreals, das für die Spracherzeugung zuständig ist (Ehlert et al., 1999).

2.2 Potentielle Einflussmöglichkeiten sportlicher Übungen auf die

Symptomatik von PTBS Patienten

Als trauma- und stressbezogene Störung, die häufig mit komorbiden Erkrankungen, wie Depressionen und Angststörungen einhergeht (Kessler et al., 1995), scheint es naheliegend, dass sportliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Symptomatik von PTBS-Patienten nehmen kann. Sportliche Aktivität reduziert krankheitsunabhängig das Stresserleben sowie die körperliche Stressreaktion (Fuchs & Schlicht, 2012). Sothmann, Buckworth, Claytor, Cox, White-Welkley und Dishman (1996) gehen in ihrer Cross-Stressor-Adaptionshypothese davon aus, dass die beiden neurophysiologischen Stresssysteme, die eine Cortisol- oder Noradrenalinausschüttung bewirken, durch sportliche Aktivität aktiviert und somit trainiert werden, sodass es zu einer Adaption dieser beiden Systeme kommt. Diese Adaption bewirkt laut der Cross-Stressor-Adaptionshypothese auch bei einer Aktivierung der beiden Systeme durch andere stressbedingte Auslösefaktoren eine verminderte körperliche Stressreaktion. Betrachtet man die Neurobiologie von PTBS-Patienten, bei denen die Noradrenalinausschüttung deutlich erhöht ist, so scheint es ein vielversprechender Ansatz, diese durch Sport normalisieren zu können. Hinzu kommt, dass Noradrenalin möglicherweise auch als ein Mediator der Amygdalaaktivität gesehen werden kann (van Stegeren et al., 2005). Da die Amygdalaaktivität bei PTBS-Patienten gerade im Rahmen von Intrusionen deutlich erhöht ist, wäre eine Normalisierung der Aktivität durch eine Regulierung des Noradrenalinspiegels denkbar.

Bezüglich des Grundcortisolspiegels ist auffallend, dass dieser bei PTBS-Patienten häufig erniedrigt ist (Ehlert et al., 1999; Resnick et al., 1995; Yehuda et al., 1995), was sich durch eine Überlastung des HPA-Achsensystems erklären lässt (Drexler, 2012). Bei Konfrontation mit traumaassoziierten Reizen reagieren PTBS-Patienten jedoch trotz des erschöpften HPA- Achsensystems und einer hierdurch verminderten Reaktivität des System mit einer verstärkten Cortisolausschüttung, was durch den besonders hohen Stress traumassozierter Reize erklärbar ist (Elzinga et al., 2003). Interventionen durch sportliche Aktivität könnten auch hier von Nutzen sein, da sich möglicherweise einer Erschöpfung des Systems bei frühzeitigem Beginn der Interventionen entgegen wirken lässt und das Ausmaß der Cortsiolausschüttung bei Intrusionen und Konfrontation mit traumaassoziierten Reizen abgedämpft werden könnte.

Dies könnte als weiteren Effekt die cortisolbedingte Abnahme des Hippocampusvolumen (Ohl, Michaelis, Vollmann-Honsdorf, Kirschbaum, & Fuchs, 2000) vermeiden. Bei einer Normalisierung der beiden neurophysiologischen Stresssysteme im Körper ist anzunehmen, dass es zu einer Verbesserung des PTBS-charakteristischen Hyperarousals kommt. Durch eine solche Verbesserung ist davon auszugehen, dass auch körperliche Begleiterscheinungen, wie beispielsweise chronische Schmerzen nachlassen. Bei Untersuchungen von Soldaten mit PTBS zeigte sich, dass etwa 80% dieser unter chronische Schmerzen leiden (Beckham, Braxton, Kudler, Feldman, Lytle, & Palmer, 1997; Shipherd et al., 2007). Durch die Muskelspannung, die durch das ständige Hyperarousal sowie den Stress im Rahmen von Intrusionen erzeugt wird, entstehen vielfach chronische Schmerzen, wodurch das Vermeidungsverhalten der Patienten weiter begünstigt wird (Liedl, Müller, Morina, Karl, Denke, & Knaevelsrud, 2011). Insbesondere die Vermeidung von traumaassoziierten Reizen spielt bei der PTBS eine entscheidende Rolle (Assis et al., 2008; American Psychiatric Association, 2013) und ist häufig recht weitumfassend. So kann es beispielsweise sein, dass die Angst vor einer möglichen Verschlimmerung von Schmerzen durch sportliche Aktivität und ein damit verbundenes Gefühl von Kontrollverlust vermieden wird, da das Gefühl von Kontrollverlust an die traumatische Ausgangssituation erinnert (Liedl et al., 2011). Wie Liedl et al. (2011) zeigten, können sportliche Interventionen einem solchen Kreislauf aus Schmerzen, Angst und Vermeidung entgegen wirken.

Assis et al., (2008) untersuchten in ihrer Studie, wie sich das Verhalten von PTBS-Patienten bezüglich sportlicher Aktivität mit Einsetzen der Erkrankung verändert. Es wurde deutlich, dass die sportliche Aktivität nach dem Beginn der PTBS deutlich zurückging. 52% der Patienten der Stichprobe machten vor Einsetzen der PTBS regelmäßig Sport, wohingegen dies nach Beginn der PTBS nur noch 22% taten. Auffallend war außerdem die Änderung der Art der sportlichen Aktivität. Vor Einsetzen der PTBS machten 24% der Probanden Sport unter Anleitung und betrieben auch Gruppensportarten wie Fußball oder Tanzen. Nach Beginn der PTBS machten nur noch 4% Sport unter Anleitung und betrieben mehr individuelle Sportarten wie Walking. Der Rückgang der sportlichen Aktivität mit Einsetzen der PTBS schien in dieser Untersuchung insbesondere an Motivationsschwierigkeiten zu liegen. Dies ist in Anbetracht der Tatsache, dass die PTBS eine hohe Komorbidität mit Depressionen aufweist und ein diagnostisches Kriterium die Veränderung in Stimmung und Kognition ist (American Psychiatric Association, 2013), jedoch nicht überraschend.

Ein weiterer Aspekt, weshalb sportliche Aktivität bei PTBS-Patienten ein vielversprechender Ansatz zu sein scheint und eine Motivation der Patienten hierfür sinnvoll ist, ist die hohe

Komorbidität mit Depressionen und Angststörungen (Kessler et al., 1995). Sportliche Aktivität bei Depressionen ist gut erforscht und zeigte sich in verschiedenen Studien als stimmungsverbessernd (Daniel, Martin, & Carter, 1992; Martinsen, 1994). Außerdem hat sportliche Aktivität einen vielfach nachgewiesenen positiven Einfluss, um Angst entgegen zu wirken (Petruzzello, Landers, Hatfield, Kubitz, & Salazar, 1991).

3 Beispielstudie (Rosenbaum, Sherrington, & Tiedemann, 2015)

Die im Folgenden dargestellte Beispielstudie beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Sport bei PTBS-Patienten und unterstützt den angenommenen positiven Effekt.

3.1 Methoden

Über einen Zeitraum von 20 Monaten nahmen 68 Männer und 13 Frauen, die sich alle in einer privaten Klinik zur stationären Behandlung befanden, an der Studie teil. Das Alter der Probanden lag zwischen 23 bis 73 Jahren und alle erfüllten die DSM-IV Kriterien einer PTBS, wobei Patienten mit einer komplexen PTBS oder ausschließlich traumatischen Erfahrungen in der Kindheit von der Studie ausgeschlossen waren.

Die Patienten wurden randomisiert einer Interventionsgruppe und einer Gruppe mit Standardbehandlung zugeordnet. Beide Gruppen erhielten als Standardbehandlung eine Kombination aus Psychotherapie, medikamentöser Therapie und Gruppentherapie. Durchschnittlich blieben die Patienten etwa 3 Wochen lang in diesem stationären Programm, an welches häufig ein weniger intensives ambulantes Programm anknüpfte. Die Interventionsgruppe erhielt zusätzlich ein 12-wöchiges Sportprogramm, das aus einer wöchentlich 30-minütigen angeleiteten Übungseinheit, zwei eigenständigen Übungseinheiten Zuhause sowie einem selbständigen Walking Programm, das durch ein Pedometer und ein Übungstagebuch als Motivationshilfe unterstützt wurde, bestand.

Die Intensität des Sportprogramms wurde abhängig vom sportlichen Ausgangslevel individualisiert. Da außerdem davon ausgegangen wurde, dass Patienten mit schwereren PTBS-Symptomen weniger Bereitschaft mitbringen, längere Einheiten zu beenden, wurden Intensität und Umfang des Sportübungsprogramms bei diesen Patienten so reduziert, dass trotz der Schwere der Symptomatik eine möglichst hohe Einhaltung des Programms gegeben ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss sportlicher Aktivität auf die Symptomatik der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V429598
ISBN (eBook)
9783668752504
ISBN (Buch)
9783668752511
Dateigröße
684 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, aktivität, symptomatik, posttraumatischen, belastungsstörung, ptbs
Arbeit zitieren
Katrin Gehlhaar (Autor), 2015, Der Einfluss sportlicher Aktivität auf die Symptomatik der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429598

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