In dieser Seminararbeit liegt der Fokus vorwiegend auf der Beziehung zwischen Augustus und dem Senat, die zwischen den Jahren 33 und 18 v.Chr., mehrfache Veränderungen mit sich brachte.
Innerhalb der Epoche von Augustus‘ Herrschaft nimmt die analysierte Thematik eine wesentliche Rolle ein, da hier durch ersichtlich wird, auf welcher Grundlage der Princeps seine verfassungsmäßigen Rechte erweitern und gleichzeitig die wiederhergestellte Macht der Senatsaristokratie stetig verkleinern konnte. Es soll bei dieser Untersuchung zudem ein hauptsächliches Augenmerk auf die Frage gelegt werden, inwiefern Augustus die Ausdehnung seiner politischen Befugnisse innerhalb der republikanischen Verfassung vollzog.
Die für diese Arbeit verwendeten Quellen machen hauptsächlich Schriften von antiken Autoren aus, jedoch wurde auch der von Augustus selbst verfasste Tatenbericht verwendet. Der meist zitierte Autor ist Cassius Dio, welcher insgesamt 80 Bücher über die Geschichte Roms schrieb und dessen Beschreibung über das Verhältnis zwischen Princeps und Senat die wohl ausführlichste ist. Dio schreibt vom Standpunkt eines Senators aus und sein verfasstes Material gilt als weitestgehend zuverlässig. Aus seinen Schilderungen lässt sich zudem ableiten, dass er Zugriff auf Senatsakten hatte. In der Forschung wird Dio zugleich als kritischer Senator als auch Monarchist bewertet, die meist rezipierte Auffassung stammt jedoch von Jochen Bleicken, der Dio als einen Anhänger des augusteischen Staatsprinzips beschriebt, welches Augustus den Umständen seiner Zeit gemäß modifiziert habe.
„In consulatu sexto et septimo, postquam bella civilia exstinxeram, per consensum unsversorum potitus rerum omnium, rem publicam ex mea potestate in senatus populique Romani arbitrium transtuli.“ Mit diesen Worten beschreibt Augustus die Rückgabe der res publica im Jahre 27 v.Chr., die ihn entgegen möglicher Vermutungen nicht in seiner politischen Macht zurückwarf, sondern durch die er der römischen Aristokratie ihre langjährigen Herrschaftsansprüche abnehmen konnte. Aufgrund der Wirren der Bürgerkriege waren der Senat und das Volk nicht in der Lage, die politische Verantwortung für das römische Reich selbstständig zu übernehmen. Durch seine militärischen Verdienste gegen die als „aus dem Osten“ proklamierte Gefahr empfahl sich Augustus dafür, tragende Aufgaben als damaliger Consul für das Gemeinwesen zu übernehmen.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Der politische Sieg gegen Antonius (33 – 31 v.Chr.)
2.1) Der Kampf um die Gunst des Senats
2.2) Octavians rechtliche Stellung nach Ende des zweiten Triumvirats
3.) Der Ausbau der Machtbefugnisse gegenüber dem Senat (30 – 23 v.Chr.)
3.1) Das anfängliche Verhältnis zur Senatsaristokratie
3.2) Veränderungen durch den Beginn des Principats
4.) Die Etablierung der Alleinherrschaft (23 – 18 v.Chr.)
4.1) Die Aufgabe des Consulats
4.2) Die faktische Entmachtung der römischen Führungsschicht
5.) Ritterstand als Konkurrenz zum Senatsadel?
6.) Zur rechtlichen Bewertung des Principats
7.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Augustus seine staatsrechtliche Macht innerhalb der römischen Republik ausbaute und dabei schrittweise die traditionelle Senatsaristokratie politisch entmachtete. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, durch welche Mechanismen und unter welchem republikanischen Deckmantel Augustus seine Herrschaft etablierte und den Senat zunehmend kontrollierte.
- Beziehung zwischen Augustus und dem Senat (33–18 v.Chr.)
- Methoden der Machtausdehnung innerhalb der republikanischen Verfassung
- Rolle des consensus universorum und der Senatssäuberungen
- Wandel von der konsularischen Macht zur Alleinherrschaft
- Soziale und politische Instrumentalisierung von Ritterstand und Senat
Auszug aus dem Buch
3.1) Das anfängliche Verhältnis zur Senatsaristokratie
Für Octavian bestand nach dem Sieg Roms über die „Gefahr aus dem Osten“ eine eigentlich abstruse Situation: Zwar hatte er alle Armeen in seiner Hand und verfügte über sämtliche Geldmittel der Besiegten, was ihn in dieser Hinsicht gar zum reichsten Mann des Staates machte, er konnte jedoch nicht davon ausgehen, dass die römische Gesellschaft eine Kontinuation seiner Machtakkumulation bereitwillig tolerieren würde. Besonders Antonius‘ Propaganda aus dem Bürgerkrieg, nach der die Person Octavian als das eigentliche Hindernis für die Wiederherstellung der res publica anzusehen war, wurde von vielen Mitgliedern der römischen Führungsschicht geteilt. Octavian konnte sich also sicher sein, dass seitens der Senatsaristokratie der unbedingte Anspruch bestand, den früheren Einfluss wiederzugewinnen. Nachdem Octavian im August des Jahres 29 v.Chr. drei Triumphe feierte, aus der Kriegsbeute jeweils 400 HS an die Männer der römischen Plebs und 1000 HS an seine Veteranen zahlte, vergaßen die Römer nach Dios Erzählung alle unerfreulichen Erfahrungen mit Octavian und schauten mit Vergnügen seinen Triumphen zu. Die Motivation des Caesarerben für dieses Vorgehen ist wohl darin zu sehen, dass auch breitere Bevölkerungsschichten erhebliche Ressentiments gegenüber seiner Person besaßen. Ende des Jahres 30 v.Chr. bekam Octavian mit der lex Saenia Sonderrechte verliehen, die es ihm gestatteten, Patrizier zu ernennen und für die Priesterkollegien Mitglieder zu bestellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Diese Einleitung stellt das Forschungsthema vor, beschreibt die Quellenlage und skizziert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung des Machtaufbaus unter Augustus.
2.) Der politische Sieg gegen Antonius (33 – 31 v.Chr.): Das Kapitel analysiert den Machtkampf zwischen Octavian und Antonius sowie die Bedeutung der Gunst des Senats für Octavians Aufstieg.
3.) Der Ausbau der Machtbefugnisse gegenüber dem Senat (30 – 23 v.Chr.): Hier wird beleuchtet, wie Augustus das Senatssystem durch Reformen und Gesetze schrittweise unter seine Kontrolle brachte.
4.) Die Etablierung der Alleinherrschaft (23 – 18 v.Chr.): Dieser Abschnitt behandelt die Folgen der Aufgabe des Consulats durch Augustus und die gezielte Entmachtung der alten Führungselite.
5.) Ritterstand als Konkurrenz zum Senatsadel?: Das Kapitel untersucht, ob Augustus den Ritterstand systematisch als Gegengewicht zum Senat aufbaute.
6.) Zur rechtlichen Bewertung des Principats: Abschließend wird die wissenschaftliche Debatte um die staatsrechtliche Einordnung des Principats zwischen Republik und Monarchie dargelegt.
7.) Fazit: Das Fazit fasst die Strategien zusammen, mit denen Augustus die Republik in eine absolute Monarchie transformierte.
Schlüsselwörter
Augustus, Senatsaristokratie, Principat, Machtbefugnisse, res publica, Octavian, Antonius, Senatssäuberung, konsularische Macht, politische Transformation, Monarchie, Herrschaftslegitimation, römische Innenpolitik, staatsrechtliche Ordnung, Machtmonopol.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Prozess, durch den Augustus nach dem Ende des zweiten Triumvirats seine Macht im Römischen Reich festigte und dabei systematisch die politische Handlungsfähigkeit des Senats einschränkte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören der Machtkampf mit Antonius, die rechtliche Transformation des Consulats, die Umgestaltung der Senatorenschaft und die methodische Etablierung der augusteischen Alleinherrschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, auf welcher Grundlage Augustus seine verfassungsmäßigen Rechte ausbauen und gleichzeitig die Macht der Senatsaristokratie verkleinern konnte, ohne offiziell mit der republikanischen Tradition zu brechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung ist chronologisch gegliedert und stützt sich primär auf eine Analyse antiker Quellen – insbesondere Cassius Dio, Tacitus und den Tatenbericht des Augustus – sowie auf die moderne Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schritte von der Auseinandersetzung mit Antonius (33 v.Chr.) über die Senatsreformen bis hin zur Konsolidierung der Macht im Jahr 18 v.Chr.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Augustus, Senatsaristokratie, Principat, Machtbefugnisse, res publica und die Transformation der römischen Führungsschicht.
Inwiefern spielte der Ritterstand eine Rolle bei der Entmachtung des Senats?
Die Arbeit diskutiert, ob Augustus den Ritterstand als gezieltes Konkurrenzinstrument zum Senatsadel nutzte, kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Quellenlage für eine solche systematische Strategie nicht ausreicht.
Warum war das Jahr 23 v.Chr. ein Wendepunkt für Augustus?
In diesem Jahr legte Augustus sein Consulatsamt nieder, was ihn zunächst machtpolitisch schwächte, aber durch die Verleihung der tribunizischen Gewalt auf Lebenszeit zu einer neuen, weniger formalen, aber effektiven Machtbasis führte.
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- Marco Römpp (Author), 2017, Augustus und die Manifestierung seiner politischen Macht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429633