Makroökonomik und Monetäre Ökonomik. Lösungen zu VWL-Examensaufgaben


Prüfungsvorbereitung, 2018
88 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

(1) Geldmengensteuerung als geldpolitische Strategie

(2) Geldpolitik und Taylor-Regel

(3) Wirkungskanäle, Staatsverschuldung und Inflation

(4) Geldschöpfung, Basel II, Kreditgeber letzter Instanz

(5) Ursachen der Finanzkrise

(6) Wechselkurse

(7) Bekämpfung von Inflation

(8) AS-AD-Modell

(9) Geldpolitischer Transmissionsmechanismus

(10) Inflationsbekämpfung und Geldpolitik

(11) IS-LM-Modell, Marktversagen und staatliche Eingriffe

(12) Ziele der Geldpolitik und Taylor-Regel

(13) Geldbasis, Geldmenge und Inflation

(14) Expanded Asset Purchase Program (EAPP), Inflationsziel der EZB

(15) Geld- und Fiskalpolitik in offener Volkswirtschaft

(16) Geldpolitik und gesamtwirtschaftliche Entwicklung

(17) Inflationsmessung, Verzerrungen, aktuelle EZB-Geldpolitik

(18) Adverse Selektion und Moral Hazard

(19) Random Shit

(1) Geldmengensteuerung als geldpolitische Strategie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Geldmengensteuerung als geldpolitische Strategie

Als Geldmengensteuerung (Monetary Targeting) wird eine geldpolitische Strategie bezeichnet, nach der eine Zentralbank ihr geldpolitisches Instrumentarium (insbesondere den Leitzins) dazu einsetzt, die Wachstumsrate der Geldmenge zu steuern, um ein zuvor festgelegtes Geldmengenziel, das mit der Stabilität des Preisniveaus vereinbar scheint, zu erreichen. Dabei orientiert sich die Geldpolitik an möglichst breit gefassten Geldmengenaggregaten (insbesondere der Geldmenge M3). Eine der prominentesten Verfechterinnen der Geldmengensteuerung war die Deutsche Bundesbank.

Eine Geldmengensteuerung, wie sie z.B. die Deutsche Bundesbank ab 1975 bis zur Übergabe der geldpolitischen Kompetenz an die EZB betrieb, basiert auf der Annahme des Monetarismus, dass die Geldnachfrage in einer Volkswirtschaft langfristig stabil ist. Unter dieser Annahme lässt sich aus der Quantitätsgleichung eine einfache Regel für ein Geldmengenwachstum ableiten, das einerseits genügenden Spielraum für das Wirtschaftswachstum bietet, andererseits keine Inflation aufkommen lässt: Wächst die Wirtschaft z.B. mit einer durchschnittlichen Rate von 3 % und hält die Notenbank eine Inflationsrate von 2 % für akzeptabel (oder unvermeidbar), muss die Geldmenge langfristig mit einer Rate von 5 % ausgeweitet werden. Das hindert einerseits die Wirtschaft nicht am Wachsen und lässt andererseits keine unakzeptabel hohe Inflation entstehen.

Eine zweite Möglichkeit besteht in einer direkten Inflationssteuerung (direct inflation targeting): Notenbanken legen im voraus ein Inflationsziel fest und beobachten die Preisentwicklung und Faktoren, die die künftige Preissteigerung bestimmen (z.B. das Wirtschaftswachstum). Deuten die Indikatoren eine Gefährdung des Inflationsziels an, so wird die Geldpolitik restriktiv (bei inflationärem Druck) bzw. expansiv (bei deflationärem Druck) ausgerichtet.

Die dritte Strategie ist die Wechselkurssteuerung. Diese wurde von mehreren europäischen Ländern im Vorfeld der Währungsunion im Rahmen des Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems verfolgt. Für kleine offene Volkswirtschaften, in denen die Produktion und der Konsum international gehandelter Güter einen Großteil der Volkswirtschaft ausmachen, können Wechselkursentwicklungen aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Importpreise einen erheblichen Einfluss auf das Preisniveau ausüben. Eine Strategie der Wechselkurssteuerung wurde für das Euro-Währungsgebiet als unangemessen erachtet, weil es sich dabei um eine große und relativ geschlossene Volkswirtschaft handelt, in der sich die Auswirkungen der Wechselkursentwicklung auf das Preisniveau eher in Grenzen halten.

Die Europäische Zentralbank verfolgt eine Mischstrategie (Zwei-Säulen-Strategie) aus Geldmengensteuerung und direkter Inflationssteuerung. Sie verfolgt einerseits ein Inflationsziel, achtet andererseits aber auch auf die Geldmenge, die ihr langfristige Inflationsgefahren anzeigt. Das Europäische System der Zentralbanken gibt in seiner Zwei-Säulen-Strategie für das Geldmengenaggregat M3 nur einen Referenzwert für die mittlere Frist vor. In der wirtschaftlichen Analyse werden kurz- bis mittelfristige, realwirtschaftliche Indikatoren (z.B. Produktionspotenzial, Lohnentwicklung), in der monetären Analyse längerfristige, monetäre Indikatoren (z.B. Wachstum der Geldmenge) betrachtet. Um zu verhindern, dass relevante Informationen übersehen werden, sieht die Zwei-Säulen-Strategie eine wechselseitige Überprüfung der aus den beiden Säulen stammenden Informationen vor, das sogenannte cross-checking. Starke Abweichungen der tatsächlichen Geldmengenentwicklung vom verkündeten Referenzwert (4,5%) werden lediglich als Warnsignal für mittelfristig steigende Inflations- oder Deflationsrisiken interpretiert, lösen aber keine zwangsläufige Korrektur der Geldpolitik aus.

Geldmenge M3 und Divisia-Index als Indikatoren für die Geldmengenentwicklung Im Geldmengenaggregat M3 sind Komponenten mit offensichtlich unterschiedlichen Liquiditätseigenschaften zu einem Summenaggregat zusammengefasst, was der impliziten Annahme entspricht, dass diese Komponenten perfekte Substitute darstellen. Dieses Summenaggregat unterscheidet jedoch nicht zwischen einem transaktionsrelevanten Liquiditätshaltungsmotiv und einem Sparmotiv. Ein alternatives Geldmengenkonzept ist der sogenannte Divisia Index, welcher die einzelnen Geldmengenkomponenten gemäß ihrem jeweiligen Liquiditätsgrad zu einer zinsabhängig gewichteten Indexzahl zusammenfasst.

Vor- und Nachteile der Geldmengensteuerung

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Warum implementieren viele Zentralbanken keine Geldmengensteuerung (mehr)?

In den späten 1980er- und 1990er-Jahren gingen eine ganze Reihe von Zentralbanken (u.a. in Neuseeland, Großbritannien, Kanada, Australien und den USA) von einer Geldmengensteuerung zu einer direkten Inflationssteuerung über. Von Kritikern wird dieser Strategie oftmals eine gewisse Beliebigkeit und fehlende Bindung vorgeworfen. In jüngster Zeit wird allerdings verstärkt infrage gestellt, ob bezüglich des konkreten Instrumenteneinsatzes tatsächlich ein wesentlicher Unterschied zwischen einer direkten Inflationssteuerung und einer an Zwischenzielen orientierten zweistufigem geldpolitischen Strategie besteht. Der Hauptgrund für das Scheitern der Geldmengenorientierung der amerikanischen Federal Reserve lag in der mangelnden Stabilität des empirischen Zusammenhangs zwischen Geldmengenaggregaten und Preisen in den USA. Dies war wohl vor allem auf die Deregulierung der Finanzmärkte und die dadurch geförderte Entstehung von Finanzinnovationen zurückzuführen, die oft sehr geldnahe Substitute darstellten. Rein portfoliobedingte Umschichtungen von monetären Teilaggregaten in diese Alternativen zur Geldhaltung konnten somit zu Veränderungen der Geldmenge führen, welche keinen spürbaren Einfluss auf die Güternachfrage oder die Güterpreise zeigten. Im Ergebnis wurde die Indikatorfunktion von Geldmengenaggregaten für die Preisentwicklung in den USA beeinträchtigt. Darüber hinaus beeinflussten teilweise gesetzliche Sonderfaktoren die Geldschöpfung im amerikanischen Bankensystem.

Zentralbanken mit Inflationssteuerung

Neuseeland (1990), Kanada (1991), UK (1992), Australien (1993), Schweden (1993), Israel (1997), Polen (1998), Brasilien (1999), Japan (2013), Russland (2014), Indien (2015) etc.

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Form und Bedeutung der monetären Analyse für die EZB

Aufgrund der unzureichenden Indikatoreigenschaften der Geldmenge ziehen Zentralbanken mehrere monetäre und realwirtschaftliche Indikatoren für die Beurteilung der künftigen Inflationsentwicklung heran. Die EZB verfolgt eine Mischstrategie aus Geldmengen- und direkter Inflationssteuerung anhand ihrer Zwei-Säulen-Strategie aus wirtschaftlicher und monetärer Analyse. Oberstes Ziel ist es, Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Die Gegenprüfung der beiden Säulen (cross-checking) verringert die Gefahr, dass die Geldpolitik relevante Informationen für die Bewertung künftiger Preisgefahren übersieht.

Wirtschaftliche Analyse: Konjunkturelle Entwicklung, binnenwirtschaftliche Kostensituation, außenwirtschaftliche Lage, kurz- bis mittelfristige Risiken für Preisstabilität

Monetäre Analyse: Geldmengenentwicklung (M3), Beurteilung der mittel- bis langfristigen Risiken für Preisstabilität

In der geldpolitischen Strategie der EZB kommt der monetären Analyse eine herausragende Rolle zu. Hierin spiegelt sich die robuste Beziehung zwischen Geldmengenwachstum und Inflation, welche auf mittlere bis lange Sicht besteht, wider. Dieser weithin anerkannte Zusammenhang stellt einen stabilen und verlässlichen nominalen Anker für die Durchführung der Geldpolitik dar. Die monetäre Analyse der EZB beinhaltet eine umfassende Analyse der Liquiditätslage, die weit über das statistisch ausgewiesene Geldmengenaggregat M3 hinausgeht und sich auf eine sorgfältige Untersuchung des Bilanzzusammenhangs des M3-Wachstums (d.h. der Gegenposten von M3 in der konsolidierten Bilanz des MFI-Sektors, insbesondere der Buchkredite an den privaten Sektor) und der Zusammensetzung des M3-Wachstums (d.h. der Komponenten und sektoralen Beiträge) erstreckt.

(2) Geldpolitik und Taylor-Regel

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Geldpolitik zur Stabilisierung von Konjunkturschwankungen

Unter Konjunkturpolitik versteht man die Maßnahmen die zur Dämpfung der konjunkturellen Schwankungen führen sollen. Damit soll ein gleichmäßiges Wirtschaftswachstum erreicht werden. Als Mittel der Stabilisierungspolitik kommen grundsätzlich alle Instrumente der Wirtschaftspolitik in Frage. Im Vordergrund stehen dabei die prozesspolitischen Instrumente der Finanzpolitik, Geldpolitik, Außenwirtschaftspolitik und Einkommenspolitik.

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Geldpolitik bezeichnet alle Maßnahmen des Staates oder der Zentralbank, die auf die Beeinflus­sung der Geldmenge sowie die Geld- und Kreditversorgung abzielen. Wenn von „der Geldmenge“ gesprochen wird, ist i.d.R. M3 gemeint. Die Zentralbank kann jedoch nur die Geldbasis verändern und ist auf den Transmissionsmechanismus angewiesen. Anhand des Geldschöpfungsmultiplikators (m) kann sie abschätzen, wie sehr sich die Änderung der Geldbasis auf die Geldmenge M3 auswirkt. Der Multiplikator hängt von der relativen Bargeldhaltung (k = C/D) und von der relativen Reservehaltung der Banken (r = R/D) ab.

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Die geldpolitischen Instrumente der EZB

Zur Erreichung seiner Ziele stehen dem ESZB eine Reihe geldpolitischer Instrumente zur Verfügung: Es führt Offenmarktgeschäfte durch, bietet ständige Fazilitäten an und verlangt, dass Kreditinstitute Mindestreserven auf Konten im ESZB halten.

(1) Offenmarktgeschäfte

Offenmarktgeschäfte spielen eine wichtige Rolle in der Geldpolitik der EZB. Sie sind geldpolitische Operationen direkt „am Markt“ bei denen die Zentralbank Wertpapiere oder Devisen kauft oder verkauft. Dadurch gibt oder entzieht sie dem Markt Liquidität. Hierdurch kann die EZB die Zinsen und Liquidität steuern und Signale bezüglich ihres geldpolitischen Kurses setzen. Bei den Offenmarktgeschäften dominieren die sogenannten befristeten Transaktionen, das sind solche Kreditgeschäfte bei denen die Zentralbank notenbankfähige Sicherheiten im Rahmen von kurzfristigen Rückkaufvereinbarungen unter variablen Zinssätzen kauft. Diese Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Haupttender) erfolgen in Form von Pensionsgeschäften oder Pfandkrediten. Bei Pensionsgeschäften werden die Sicherheiten (i.d.R. Wertpapiere) von den Geschäftsbanken an die Zentralbank entsprechend der Laufzeit bis zur Rückkaufvereinbarung übertragen (auch in „Pension“ gegeben). Die Geschäftsbank erhält im Gegenzug liquide Mittel in Form von Zentralbankgeld (Sekundärliquidität). Bei Pfandkrediten bleiben die Sicherheiten im Eigentum der Banken. Weitere Offenmarktgeschäfte sind längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (Basistender), Feinsteuerungsoperationen und sonstige strukturelle Operationen. Im Zuge der Finanzkrise stieg die EZB vom amerikanischen Zinstender-Verfahren auf das Mengentender-Verfahren mit vollständiger Zuteilung um. Bei Hauptrefinanzierungsgeschäften und längerfristigen Refinanzierungsgeschäften erhalten die Geschäftsbanken ihre Wunschsumme an liquiden Mitteln zu einem festgelegten Zinssatz.

(2) Ständige Fazilitäten

Die ständigen Fazilitäten dienen dazu, Übernachtliquidität bereitzustellen oder zu absorbieren. Sie setzen Signale bezüglich des allgemeinen Kurses der Geldpolitik und stecken Ober- und Untergrenze der Geldmarktsätze für Tagesgelder ab. Die Finanzinstitute können sich zu vorab genau bestimmten, einheitlichen Bedingungen fehlende Mittel über Nacht vom ESZB beschaffen (Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,25 %) bzw. überschüssige Mittel über Nacht innerhalb des ESZB anlegen (Einlagenfazilität: -0,4 %). Das ESZB wird dezentral über die nationalen Zentralbanken zu denselben Bedingungen ständige Fazilitäten zur Verfügung stellen, um Übernachtliquidität bereitzustellen oder abzuschöpfen.

(3) Mindestreserven

Das Mindestreservesystem des ESZB gilt für Kreditinstitute im Euro-Währungsraum. Es dient in erster Linie dazu, die Geldmarktzinsen zu stabilisieren und eine strukturelle Liquiditätsknappheit herbeizuführen (oder zu vergrößern). Die Reservepflicht (1%) des einzelnen Instituts wird anhand bestimmter Positionen seiner Bilanz festgelegt.

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Ist eine Stabilisierung von Konjunkturschwankungen überhaupt wünschenswert?

Geldpolitik kann mit ihren Instrumenten die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht unmittelbar beeinflussen. Dennoch kann die Geldpolitik über Zinssatz- und Geldmengenänderung indirekt auf die Ausgabendispositionen der privaten Haushalte und Unternehmen Einfluss nehmen. Hierbei ist die Stärke des Zusammenhangs zwischen monetärem und realem Bereich einer Wirtschaft ausschlaggebend für die Wirksamkeit einer konjunkturpolitisch orientierten Geldpolitik.

Der Fiskalismus geht auf den britischen Ökonom John Maynard Keynes zurück, weshalb der Fiskalismus auch Keynesianismus genannt wird. Im Fiskalismus steht der Staat als Nachfrager im Mittelpunkt, der inflationäre und deflationäre Lücken durch sein Eingreifen schließen soll (nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik). Im Gegenzug hält Keynes das Eingreifen der Zentralbanken (durch die Geldpolitik) für ungeeignet. Geldpolitik, also Veränderungen des Leitzinses oder der Mindestreserven, würde erst mit einer zu großen Verzögerungszeit wirken und könnte so im schlimmsten Fall prozyklisch, statt antizyklisch wirken. Dann nämlich, wenn die Veränderung erst dann zu wirken beginnt, wenn schon längst wieder der Aufschwung eingesetzt hat. Demnach liegt es laut Keynes alleine am Staat, die Konjunktur zum Positiven zu beeinflussen. Anhand von antizyklischer Fiskalpolitik soll der Staat bei Finanzierungsdefiziten konjunkturbelebend und bei Kassenüberschüssen konjunkturdämpfend wirken. Im wirtschaftlichen Abschwung sollte er die Staatsausgaben ausweiten, um die Konjunktur anzukurbeln (deficit spending). Die Staatsausgaben würden in diesem Fall lediglich für eine kurze Zeit die ausgesetzten Privatausgaben ersetzen. In Boomphasen sollte der Staat stattdessen die Ausgaben senken und die Steuern erhöhen, um Rücklagen zu schaffen (surplus saving) und einer Überhitzung der Konjunktur entgegenzuwirken. Problematisch sind hierbei zeitlicher Verzögerungen der staatliche Maßnahmen, sogenannte time lags (inside & outside lags).

Der Monetarismus stellt eine Gegenbewegung zum Fiskalismus dar. Der Hauptvertreter des Monetarismus ist der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Milton Friedman. Die Monetaristen werden übrigens auch Neoklassiker genannt. Der Monetarismus sucht einen ganz gegensätzlichen Ansatz wie der Fiskalismus. Durch eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik sollen in erster Linie die Bedingungen auf den Märkten verbessert werden um somit indirekt auch die Nachfrage positiv zu beeinflussen. Dieser indirekte Effekt wird auch als Trickle-Down-Theorie bezeichnet. Beim Monetarismus soll der Staat eben nicht direkt in die Wirtschaft eingreifen, wie das beim Fiskalismus der Fall ist. Die Anhänger des Monetarismus vertrauen darauf, dass der Marktmechanismus ohne Eingriffe von außen alleine zur Anpassung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dem gesamtwirtschaftlichen Angebot führt. Ein staatlicher Eingriff wäre laut den Monetaristen schädlich und kontraproduktiv. Ja, staatliche Eingriffe sollen auch erst zu den konjunkturellen Schwankungen führen, sind also Ursache dafür. Konjunkturpolitik ist den Monetaristen nach vor allem Geldmengenpolitik. So soll laut Friedman aber eine kontinuierliche, statt eine situative Geldpolitik vorherrschen, da solch eine Politik eine lange Wirkungsverzögerung mit sich bringt und damit prozyklisch wirken könnte, was auch nicht Sinn des Monetarismus ist.

Während die volkswirtschaftlichen Debatten in den 1970er Jahren noch von der Kontroverse zwischen Keynesianismus und Monetarismus geprägt war, hat sich der Schwerpunkt seit den 1980er Jahren auf die Debatte zwischen Neukeynesianismus und Neuer Klassischer Makroökonomik verengt. Der Neukeynesianismus betont die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen, vor allem in Form einer regelgebundenen Zinssteuerung entsprechend der Taylor-Regel. Neukeynesianische Modelle berücksichtigen, dass Unternehmen ihre Preise nicht sofort und vollständig an veränderte Marktsituationen anpassen (sticky prices) und auch Löhne nicht kurzfristig auf Veränderungen am Arbeitsmarkt reagieren (sticky wages). Die Neue Klassische Makroökonomik kommt zu dem Ergebnis, dass Geldmengenpolitik keine Auswirkung auf die Konjunktur habe, es sei denn die Geldpolitik war unvorhersehbar. Es besteht eine Dichotomie zwischen dem realen und monetären Sektor einer Volkswirtschaft. Geld liegt wie ein „Schleier“ über den Transaktionen, beeinflusst aber nicht die relativen Preise und den realen Sektor der Wirtschaft, jedenfalls nicht auf Dauer (Neutralität des Geldes).

Fazit

- Keynesianer: Antizyklische Fiskalpolitik (Geldpolitik wirkt prozyklisch)
- Neoklassiker: Kontinuierliche Geldpolitik (Markt ohne Staatseingriffe)
- Neukeynesianismus: Regelgebundene Zinssteuerung entsprechend der Taylor-Regel
- Neue Klassische Makroökonomie: Geldpolitik nutzlos (Neutralität des Geldes)

Diskretionäre oder regelgebundene Konjunkturpolitik?

Eine diskretionäre Konjunkturpolitik versucht, aktiv auf den Konjunkturverlauf Einfluss zu nehmen. Sie orientiert sich dabei am Einzelfall, geht also auf die aktuelle Wirtschaftssituation ein. Geld- und fiskalpolitische Maßnahmen sollen antizyklisch wirken, das heißt gesamtwirtschaftliche Schwankungen sollen durch gegengerichtete staatliche Maßnahmen ausgeglichen werden. Eine regelgebundene Wirtschaftspolitik ist den Marktteilnehmern bekannt – Staat und Notenbank spielen quasi mit offenen Karten. Die Auswirkungen der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen werden von den Akteuren antizipiert, in die Erwartungsbildung einkalkuliert und haben daher keine reale Wirkung.

Vor- und Nachteile der diskretionären/ regelgebundenen Geldpolitik à Aufgabe 16

Barro-Gordon-Modell

Die Zentralbank möchte die optimale Geldpolitik bestimmen, um gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsverluste zu minimieren (niedrigste Iso-Kosten-Kurve). Hierbei ergibt sich ein Spielszenario zwischen der Zentralbank und den Akteuren am Arbeits- und Kapitalmarkt. Durch die asymmetrische Entscheidungssituation von Notenbank und privatem Sektor entsteht das Problem der Zeitinkonsistenz. Zunächst bilden die Privaten ihre Inflationserwartungen. Es werden Tarifverträge mit ein- und mehrjährigen Laufzeiten geschlossen, in welche die Inflationserwartungen eingehen. Damit werden die Inflationserwartungen faktisch festgeschrieben, und die Privaten können nicht auf neue Informationen über die Geldpolitik reagieren. Dagegen ist die Notenbank zu jedem Zeitpunkt frei, diskretionär neu zu entscheiden.

Mit Hilfe der Phillips-Kurve kann der kurzfristige Zusammenhang (trade-off) zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation erklärt werden. Da Lohnverhandlungen i.d.R. ex ante geführt werden, hat die erwartete Inflation einen großen Einfluss. Hieraus ergeben sich drei Szenarien:

- πe < πt: Reallöhne und Arbeitslosigkeit sinken
- πe = πt: Reallöhne und Arbeitslosigkeit bleiben konstant
- πe > πt: Reallöhne und Arbeitslosigkeit steigen

3 Szenarien: Ü berraschungsinflation (A) , Rationale E rwartungen (B) oder R egelbindung (C)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung links: Iso-Kosten-Kurven (und SRPC für πe = 0, sowie LRPC „un“)

Abbildung rechts: Reaktionsfunktion der ZB auf Erwartungen

Die linke Abbildung zeigt die drei möglichen Ausgänge des Spielszenarios. Die beste Lösung ergibt sich, wenn die Wirtschaftsakteure keine Inflation erwarten (πe = 0) und die Zentralbank eine Überraschungsinflation (Punkt A) anstrebt (Prinzipal-Agent-Problematik). Auf diese Weise wird die am niedrigsten liegende Iso-Kosten-Kurve erreicht. Die zweitbeste Variante ist, wenn sich die Zentralbank anhand einer Regelbindung auf π0 festlegt und die Akteure dies auch erwarten (Punkt C). An dritter Stelle steht die Lösung der rationalen Erwartungen. Hier entspricht die erwartete Inflation der Akteure auch der tatsächlichen Inflation (Punkt B). Dieser Punkt entspricht der wirtschaftlichen Situation, die sich bei einer diskretionären Geldpolitik ergibt. Für diese Politik ist kennzeichnend, dass die Notenbank ihre Geldpolitik so festlegt, dass sie für gegebene Erwartungen der Privaten optimal ist. Das resultierende Gleichgewicht ist offensichtlich wenig attraktiv, da die gleiche Arbeitslosigkeit wie im Punkt C gilt, allerdings bei einer höheren Inflationsrate. Dennoch ist es das einzige stabile Gleichgewicht, wenn die Notenbank im Rahmen einer diskretionären Politik versucht die soziale Wohlfahrt zu steigern und die Privaten die Anreizstruktur der Notenbank erkennen. In diesem Punkt haben die Privaten keinen Grund mehr, ihre Inflationserwartungen zu korrigieren und die Notenbank kann die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt nicht durch eine Überraschungsinflation vergrößern. In der rechten Abbildung wird ersichtlich, dass die Zentralbank bis zu einem gewissen Punkt einen Anreiz hat, von der Inflationserwartung der Akteure abzuweichen, um kurzfristig anhand einer höheren Inflationsrate die Arbeitslosigkeit zu senken. Die Ø(πe)-Kurve zeigt die Reaktionskurve der Zentralbank in Abhängigkeit von der Inflationserwartung der Akteure.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A Überraschungsinflation (niedrigste soziale Kosten)

B Geldpolitik nach rationalen Erwartungen

C Nash-Gleichgewicht (Abweichen der ZB nicht sinnvoll, höchste soziale Kosten)

D (unerreichbarer) Optimalfall für Zentralbank

Regelbindung als Optimalfall

Die durchschnittliche Inflationsrate kann gesenkt werden, indem der Entscheidungsspielraum der Notenbank durch eine geldpolitische Regelbindung begrenzt wird. Verpflichtet sich die Notenbank glaubwürdig, eine stabilitätsorientierte Geldregel zu befolgen, dann müssen die Privaten nicht mehr mit einer Überraschungsinflation rechnen – es gilt die langfristige Phillips-Kurve (πe = π). Dadurch kann eine niedrigere Inflationsrate und damit ein höheres Wohlfahrtsniveau als bei diskretionärer Politik erreicht werden. Verpflichtet sich die Notenbank glaubwürdig auf das Ziel der Geldwertstabilität (π = 0), kann die Situation mit dem höchsten Wohlfahrtsniveau auf der LRPC bei un erreicht werden. Diskretionäre Geldpolitik kann zum Problem der Zeitinkonsistenz führen und eine Inflationsbias (Inflation wird „sicherheitshalber“ zu hoch eingeschätzt) erzeugen – dies könnte durch eine regelgebundene Geldpolitik verhindert werden. Der Verzicht auf eine diskretionäre Geldpolitik hat allerdings den Nachteil, dass die Geldpolitik an Flexibilität verliert. Sie kann eventuell nicht auf außergewöhnliche Schocks reagieren und verzichtet damit auf die Stabilisierung der Konjunktur.

Taylor-Regel als geldpolitische Orientierungsgröße

Die Taylor-Regel ist eine geldpolitische Regel zur Setzung des Leitzinses durch eine Zentralbank. Benannt wurde sie nach ihrem Erfinder, dem US-Ökonomen John B. Taylor. Dieser versuchte zu ergründen, nach welchen Gesetzmäßigkeiten die US-Zentralbank, das Federal Reserve System (Fed), den Zielwert für ihr wichtigstes geldpolitisches Instrument, den kurzfristigen Zinssatz (Federal Funds Rate) auf dem Geldmarkt, festlegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Variablen

r* Realer Gleichgewichtszinssatz

(∆p – ∆p*) Inflationslücke (Inflation – Zielinflation)

(∆y – ∆y*) Outputlücke (Beschäftigung – Vollbeschäftigung)

𝛽 und 𝛾 Gewichtungsfaktoren

Szenarien

- Im Gleichgewicht: Inflations- und Outputlücke von jeweils Null. Der Nominalzins ergibt sich als Summe des konstanten Realzinses (r) und der angestrebten Inflation (∆p).
- In der Rezession: Es besteht eine negative Inflations- und Outputlücke. Dies führt zu einem niedrigen Zins und somit zu einer hohen Liquiditätszuführung.
- In der Boomphase: Es besteht eine positive Inflations- und Outputlücke. Der Zinssatz steigt an die die Liquidität sinkt.

Unter stabilisierungspolitischen Aspekten impliziert die Taylor-Regel eine antizyklische Geldpolitik. Hohe Inflationsraten und starker konjunktureller Aufschwung führen zu steigenden Realzinsen.

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Exkurs: Poole-Modell (Wahl des optimalen geldpolitischen Instruments)

Die Zentralbank hat die Wahl zwischen Zins- oder Geldmengensteuerung. Hierbei muss sie über die Politik zu einem Zeitpunkt entscheiden, an dem sie nicht weiß, ob beispielsweise ein positiver Nachfrageschock oder ein negativer Angebotsschock vorliegt. Poole (1970) untersuchte, unter welchen Bedingungen welches Instrument besser geeignet ist, zur gesamtwirtschaftlichen Stabilität beizutragen (Ziel: Minimierung der Outputschwankungen).

Beispiele

- Eine Veränderung der autonomen Ausgaben führt im IS-LM-Modell zu einer Verschiebung der IS-Kurve und somit zu einem veränderten Zins- (i) und Outputniveau (Y). Eine Geldpolitik der konstanten Geldmenge reagiert nicht auf diese Entwicklungen, während eine Geldpolitik des konstanten Zinssatzes die Geldmenge anpasst (restriktiv oder expansiv), um den Zins auf das Ausgangsniveau zu senken.
- Eine Veränderung der Geldnachfrage verschiebt die LM-Kurve. Zins und Output verändern sich. Eine Geldpolitik der konstanten (nominalen) Geldmenge reagiert nicht auf diese Entwicklung, während eine Strategie des konstanten Zinssatzes mit expansiver oder restriktiver Geldpolitik reagieren würde, um den Zins konstant zu halten.

Ergebnis

- Bei monetären Schocks (exogene Verschiebung oder Drehung der LM-Kurve) sollte eine Politik des konstanten Zinssatzes verfolgt werden. Mit dem Zins als Instrument, kann der Output bei y0 stabilisiert werden. Eine Politik der konstanten Geldmenge würde zu Schwankungen zwischen y1 und y2 führen.
- Bei realen Schocks (Verschiebung oder Drehung der IS-Kurve) führt eine Geldpolitik der konstanten Geldmenge zu niedrigeren Outputschwankungen. Bei gleichbleibender Geldmenge schwankt der Output lediglich zwischen y1 und y2. Eine Politik des konstanten Zinssatzes würde Schwankungen zwischen y3 und y4 forcieren.

Monetäre Schocks Reale Schocks

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Wirkungskanäle, Staatsverschuldung und Inflation

Wirkungskanäle expansiver Fiskal- und Geldpolitik und Steuerreduzierung

Wirkungskanal expansiver Fiskalpolitik

Fiskalpolitik ist die Veränderung von staatlichen Einnahmen und Ausgaben mit dem Ziel, die Konjunktur zu beeinflussen. Die Idee vom Staat als handelndem Akteur in der Konjunkturentwicklung geht zurück auf John Maynard Keynes. Er vertrat die These, dass in tiefen Rezessionen nur der Staat über expansive Fiskalpolitik die Volkswirtschaft wieder zur Vollbeschäftigung zurückführen könne. Die Thesen von Keynes sind bis heute umstritten. Einige Ökonomen lehnen sie entschieden ab, andere sind ebenso entschiedene Befürworter. Als Instrumente stehen der Fiskalpolitik vor allem zur Verfügung: Die Wirkung der automatischen Stabilisatoren (Steuern, Sozialabgaben und Sozialleistungen), die Veränderung der Staatseinnahmen, Sozialtransfers sowie der konsumtiven und investiven Staatsausgaben.

Der Staat kann direkte Steuern (Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge) oder indirekte Steuern (UST) senken. Wirkungen einer direkten Steuersenkung treten nur auf, wenn die Haushalte das zusätzliche Geld für Konsum verwenden. Erhöhen sie dagegen die Spartätigkeit, hat dies keinen direkten Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Außerdem sind diese Steuersenkungen grundsätzlich dauerhaft und können nach einer Rezession nur sehr schwer zurückgenommen werden. Durch eine Senkung der indirekten Steuern können die Preise im Handel reduziert und somit der private Konsum angekurbelt werden. In den makroökonomischen Modellen bewirken Steuersenkungen eine Verschiebung der IS- bzw. AD-Kurve nach außen. Die Transmission kann jedoch gestört sein, wenn der Handel die gesunkene Steuer nicht an die Verbraucher weitergibt oder wenn die Haushalte ihren Konsum trotz geringerer Preise nicht erhöhen.

Die Erhöhung konsumtiver und vor allem investiver Staatsausgaben ist die bekannteste Maßnahme expansiver Fiskalpolitik: Der Staat gibt zusätzliches Geld für Beschaffungen aus. In den makroökonomischen Modellen ist dies eine Parallelverschiebung der AD-Kurve bzw. IS-Kurve nach außen. Diese Maßnahmen wirken unmittelbar auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage – sie sind nicht auf Transmissionsmechanismen, wie das Verhalten der Haushalte angewiesen. Bei der Implementierung expansiver Fiskalpolitik kommt es zu Wirkungsverzögerungen. Maßnahmen müssen vorbereitet, geplant und koordiniert werden. Die Entscheidungs- und Umsetzungsverzögerungen (Inside Lags) fallen bei der Geldpolitik deutlich geringer aus als bei der Fiskalpolitik. Zusätzlich treten Verzögerungen auf, bis die durchgeführte Maßnahme ihre Wirkung auf die Wirtschaft entfaltet (Outside Lags). Die Wirkungsverzögerung ist von der getroffenen Maßnahme abhängig: Investitions- und Konsumausgaben des Staates wirken vergleichsweise schnell, Steuersenkungen oder Erhöhung von Sozialleistungen deutlich langsamer, weil hier eine Anpassung des Konsumverhaltens der Haushalte erfolgen muss.

Ein Problem expansiver Fiskalpolitik sind Verdrängungseffekte. Expansive Fiskalpolitik ist kreditfinanziert. Die dadurch ausgelöste höhere Nachfrage nach Krediten führt zu steigenden Zinsen, was zu einem Rückgang der privaten Investitionen führt und den Effekt expansiver Fiskalpolitik mindern kann. Allerdings ist in Rezessionen kaum mit steigenden Zinsen zu rechnen: Die privaten Investitionen sind rückläufig, die Haushalte sparen mehr. Ohne expansive Fiskalpolitik würde dies allerdings dazu führen, dass die Zinssätze zurückgehen. Dadurch würden die Investitionen wieder ansteigen und die Volkswirtschaft langfristig zum Gleichgewicht zurückkehren.

Expansive Fiskalpolitik erhöht die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Entsprechend werden sich bei ausgelasteten Kapazitäten die Preise (Löhne) erhöhen. Diese Lohn- und Preiserhöhungen sorgen mittelfristig für die Wirkungslosigkeit expansiver Fiskalpolitik (senkrechte LRAS). Das Problem gilt besonders dann, wenn die Rezession durch einen negativen Kostenschock ausgelöst wurde: Die SRAS verschiebt sich nach oben: Rückgang der Produktion bei gleichzeitig steigendem Preisniveau. Expansive Fiskalpolitik löst einen weiteren Preisanstieg aus, wodurch Lohn-Preis-Spiralen entstehen können und die Wirtschaft nicht zur Vollbeschäftigung zurückkehrt. Keynesianer argumentieren allerdings meist mit Nachfrageeinbrüchen und stark unausgelasteten Kapazitäten. In dieser Situation führt expansive Fiskalpolitik kaum zu Preis- und Lohnerhöhungen: Waagrechte SRAS.

Ein weiteres Hindernis im Transmissionsmechanismus expansiver Fiskalpolitik sind sog. Spill-over-Effekte. In offenen Volkswirtschaften reduziert sich die Wirksamkeit von Fiskalpolitik, weil ein Teil der Maßnahmen ins Ausland abfließt. Damit profitiert das Ausland von expansiver Fiskalpolitik.

Wirkungskanal expansiver Geldpolitik

Aus keynesianischer Sicht kann ein (kurzfristiger) Trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit entlang der kurzfristigen Phillipskurve erreicht werden. Mittel- bis langfristig hat expansive Geldpolitik jedoch nur Auswirkungen auf die Preise (Prämisse der Neutralität des Geldes der Neuen Klassischen Makroökonomie). Nachfolgende Grafik strukturiert die Wirkungskanäle der Geldpolitik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Auswirkungen auf die Finanzmärkte

(1) Geldmarktzins

Bei expansiver Geldpolitik kann der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte gesenkt werden. Hierdurch sinken die Zinssätze für Geldmarktanlagen mit längerer Laufzeit (Geldmarktzins). Banken geben die Kostensenkung weiter, sodass die kurzfristigen Zinsen (Überziehungskredite, kurzfristige Termineinlagen) sinken. Auch die langfristigen Zinsen (Hypotheken, Sparkonten) gehen zurück.

(2) Wertpapierpreise

Durch die Zinssenkung steigt der Barwert (P0) zukünftig zu erwartender Auszahlungen von Aktien (Kapitalwertmethode), sodass die Aktiennachfrage und damit der Aktienkurs steigen.

(3) Erwartungen und Sicherheit

Die Zentralbank beeinflusst (nur) den Nominalzins – die Veränderung des Realzinses ist abhängig von der Inflation bzw. von den Inflationserwartungen der Nachfrager (i = r + πe). Geldpolitische Impulse beeinflussen die Erwartungen über zukünftige wirtschaftliche Aktivität. Infolgedessen ändern sich auch die Inflationserwartungen. Je schneller sich die Erwartungen anpassen, desto geringer ist der realwirtschaftliche Effekte von geldpolitischen Maßnahmen.

(4) Wechselkurs

Abwertung der inländischen Währung (Erklärung vgl. Wechselkurskanal)

II. Einfluss der Finanzmärkte auf das Ausgabeverhalten (Transmissionskanäle)

(1) Zinskanal (direkte Zinswirkungen)

Die Zinssenkung reduziert die Kapital-/ Opportunitätskosten von Verbrauchern und Unternehmern, sodass zinselastische Nachfragekomponenten (Investitionen, langlebige Konsumgüter) stärker nachgefragt werden. Ausnahme bei Investitionsfalle!

(2) Vermögenstheoretischer Kanal (indirekte Zinswirkungen)

Expansive Geldpolitik (Zinssenkung) führt zu steigenden Kursen von Aktien und Anleihen.

- Vermögenseffekte: Die Kurssteigerungen von Finanzaktiva (festverzinsliche Wertpapiere und Aktien) sind Vermögensgewinne, die Investitionen und Konsum ankurbeln.
- Substitutionseffekte: Nicht-Banken schichten ihr Portfolio von längerfristigen Finanzanlagen hin zu Wertpapieren und langlebigen Konsumgütern um.
- Einkommenseffekte: Zinseinnahmen (Gläubiger) und Zinsausgaben (Schuldner) sinken. Bei Schuldnern kann von einer höheren Ausgabenneigung ausgegangen werden, sodass die Investitionen und Konsumausgaben ansteigen.

(3) Wechselkurskanal

Ein Rückgang des inländischen Zinssatzes bewirkt gemäß der Zinsparitätentheorie auch eine Abwertung der Währung. Der Zinsrückgang führt dazu, dass inländische Wertpapiere weniger attraktiv sind und (ausländische) Anleger somit ihre Investitionen aufgeben (Kapitalbilanz verschlechtert sich). Hierbei tauschen sie inländische Währung in ausländische Währung. Die Inlandswährung wertet ab. Deshalb steigen die Exporte, während die Importe zurückgehen.

Exkurs: Dornbusch-Modell

Das Dornbusch-Modell erklärt das Überschießen des nominellen Wechselkurses im Anschluss an monetäre Schocks (z.B. plötzliche Änderungen von MS oder MD). Grund hierfür sind unterschiedliche Anpassungsgeschwindigkeiten auf Kapital- und Gütermärkten. Dies kann so geartet sein, dass der Wechselkurs und der Zinssatz perfekt flexibel sind und ein sofortiges Portfoliogleichgewicht herstellen können, während die Anpassung auf dem Gütermarkt nur träge erfolgen kann (sticky prices).

Die Zinsparitätentheorie (Keynes) beschreibt den kurzfristigen Effekt. Sie liefert einen Erklärungsansatz für Anlegerverhalten: Anleger investieren dort, wo die höchste Rendite erwirtschaftet werden kann. Ein Zinsanstieg im Inland führt somit zu einer Aufwertung der inländischen Währung.

Die Kaufkraftparitätentheorie beschreibt den langfristigen Effekt. Kaufkraftparität liegt vor, wenn unterschiedliche Währungen durch die Wechselkurse dieselbe Kaufkraft haben und man somit denselben Warenkorb kaufen kann. Wenn Kaufkraftparität zwischen zwei Ländern herrscht, so entspricht der nominale dem realen Wechselkurs.

(4) Kreditkanal

- Bankenkanal I (Kreditvergabe): Durch den sinkenden Leitzins gehen auch die Kreditzinsen der Banken zurück. Der Anteil solider (aber wenig profitabler) Investitionsprojekte steigt. Der Anteil risikobehafteter Kredite am gesamten Kreditvolumen geht zurück (Moral Hazard und adverse Selektion). Geringere Risiken und Kreditausfallkosten der Banken. Ausweitung des Kreditangebots v.a. kleinerer Banken mit wenig Liquidität.
- Bankenkanal II (Bankkapital): Steigende Wertpapierkurse können zu Gewinnen in den Kreditportfolios der Geschäftsbanken führen. Zudem steigt die Kreditqualität, da Schuldner aufgrund geringerer Kreditzinsen ihre Darlehen leichter zurückzahlen können. Diese Effekte können zu einem EK-Anstieg von Geschäftsbanken führen.
- Bilanzkanal: Durch den Zinsrückgang steigen die Kurse von Rentenpapieren und Aktien, welche als Sicherheiten der Banken fungieren. Der Cashflow verbessert sich. Die Banken können die Kreditvergabe ausweiten, sodass die Investitionen steigen.
Auswirkung expansiver Geldpolitik auf die einzelnen Nachfragesektoren

Private Haushalte

- Zinswirkungen bei Ersparnissen und Schulden (Sparen wird weniger attraktiv)
- Zinssenkung führt zu steigenden Wertpapier- und Häuserpreisen
- Abwertung der eigenen Währung verteuert Auslandsprodukte

Unternehmen

- Verschuldete Unternehmen profitieren von niedrigeren Zinsen
- Niedrige Zinsen führen zu steigenden Aktienkursen (Bonität steigt)
- Abwertung der inländischen Währung steigert die int. Wettbewerbsfähigkeit

→ Insgesamt: Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage

III. Einfluss von Ausgabeverhalten auf BIP & Inflation

BIP und Preisniveau reagieren mit beträchtlichen Zeitverzögerungen auf Geldpolitik. Der Gesamteffekt geldpolitischer Maßnahmen auf die Produktion und Preise ist erst nach etwa zwei Jahren ersichtlich. Expansive Geldpolitik soll v.a. in Zeiten einer negativen Produktionslücke (BIP < Produktionspotenzial) die Konjunktur ankurbeln und die Arbeitslosigkeit senken. Dies kann jedoch auch zu einem Anstieg des Preisniveaus führen. Liegt der Output unterhalb des Produktionspotenzials, ist die Gefahr einer Überhitzung der Konjunktur und steigender Inflation jedoch geringer als bei einer positiven Outputlücke. Die Zinssenkung führt zu einer Abwertung der inländischen Währung und zu einer Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die Nachfrage nach heimischen Produkten nimmt im In- und Ausland zu, was sich positiv auf die Produktion und das BIP auswirkt.

Auswirkungen expansiver Wirtschaftspolitik auf Staatsverschuldung und Inflation

Warum können Staatsverschuldung und Inflation problematisch sein?

Staatsverschuldung kann auf vielfältige Weise problematisch sein. Kritiker einer Verschuldungspolitik argumentieren, dass durch die Staatsverschuldung die jetzige Generation auf Kosten zukünftiger Generationen lebe (Generationenbilanz). Danach seien Staatsschulden auf die Zukunft verschobene Steuererhöhungen, die von den nachfolgenden Generationen zu tragen sind. Zudem kann staatliche Kreditnachfrage das Kapitalangebot verknappen und somit Unternehmen und deren geplante Investitionen verdrängen, weshalb die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum leiden können (crowding out). Problematisch ist auch, dass steigende Zins- und Tilgungsverpflichtungen den finanz- und haushaltspolitischen Spielraum des Staates einengen. Besteht neben dem Haushaltsdefizit auch ein Leistungsbilanzdefizit, dann spricht man von einem sog. Zwillingsdefizit – die Staatsverschuldung wird also teilweise über Auslandskredite finanziert. Verlieren die Gläubiger das Vertrauen in die Stabilität des Wechselkurses, so ist es notwendig, entweder die Zinsen zu erhöhen oder den Inlandskonsum einzuschränken, was wiederum Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum hat. Im Extremfall trägt die Staatsverschuldung damit zum Entstehen von Finanzkrisen bei.

„Stabiles Geld ist ein wichtiges öffentliches Gut: Es schützt Sparer und Einkommensbezieher vor Vermögenseinbußen und fördert Wachstum und Beschäftigung. Zentrales Ziel der Geldpolitik im Euro-Raum ist es daher, die Preisstabilität zu sichern“ (Bundesbank). Inflation spielt eine zentrale Rolle in makroökonomischen Entscheidungen: Konsum, Investitionen, Zinssätze, Löhne und Staatseinnahmen etc. sind von der Inflationsrate abhängig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Makroökonomik und Monetäre Ökonomik. Lösungen zu VWL-Examensaufgaben
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
88
Katalognummer
V429732
ISBN (eBook)
9783668738409
Dateigröße
7129 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lösungsvorschläge von Staatsexamensaufgaben und Zusammenfassung examensrelevanter Themen für das VWL-Staatsexamen im Bereich Makroökonomie und Monetäre Ökonomik.
Schlagworte
Makroökonomie, Monetäre Ökonomie, Examenslösungen, Staatsexamen Wirtschaftswissenschaften
Arbeit zitieren
Sven Reich (Autor), 2018, Makroökonomik und Monetäre Ökonomik. Lösungen zu VWL-Examensaufgaben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429732

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