In dieser Hausarbeit soll die Wirkungsweise des Fantastischen nach der Definition Todorovs am Beispiel der Erzählung ‚Isabelle‘ von Claude Seignolle herausgearbeitet werden. Dabei gehe ich zunächst der Frage nach, wie das Fantastische überhaupt zu definieren und von anderen Genres abzugrenzen ist. Um mehr über die angrenzenden Gattungen und die Abgrenzung von diesen herauszufinden, beschäftige ich mich mit dem Unheimlichen und dem Wunderbaren. Nachdem ich die Definitionen herausgearbeitet habe, werde ich letztendlich die Wirkungsweise des Fantastischen am oben bereits genannten Beispiel herausarbeiten, bevor ich die Hausarbeit mit einem kurzen Fazit und Schlusswort abschließe.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Fantastische nach Todorov
1) Definition des Fantastischen
2) Das Unheimliche und das Wunderbare
3) Die Wirkungsweise des Fantastischen in ‚Isabelle‘
III. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Genres der fantastischen Literatur nach der Definition von Tzvetan Todorov und wendet diese methodisch auf die Erzählung „Isabelle“ von Claude Seignolle an, um die Wirkungsweise des Fantastischen in diesem spezifischen Werk zu analysieren.
- Strukturalistische Definition der Fantastik nach Todorov
- Abgrenzung der Gattungen des Unheimlichen, Fantastischen und Wunderbaren
- Analyse der narrativen Mittel zur Erzeugung von Unschlüssigkeit
- Interpretation der Motivik und Symbolik in „Isabelle“
- Untersuchung der psychologischen Wirkung auf den Leser
Auszug aus dem Buch
Die Wirkungsweise des Fantastischen in ‚Isabelle‘
In der Erzählung ‚Isabelle‘ von Claude Seignolle wird mit einem homodiegetischen Erzähler mit interner Fokalisierung gearbeitet. Die Geschichte ist im Präteritum erzählt und bedient sich einer Analepse. Innerhalb der Erzählung wechselt die Perspektive und es wird aus der Sicht des Grafen homodiegetisch berichtet. Anschließend wechselt die Erzählperspektive wieder und nimmt erneut die der Ausgangssituation ein.
In fantastischen Geschichten nennt sich der Erzähler meistens ‚ich‘. Das macht es dem Leser leichter, sich mit den handelnden Personen zu identifizieren, da das Pronomen ‚ich‘ praktisch allen gehört. Diese Art und Weise macht es möglich, auf direktem Weg in die Welt des Fantastischen einzutauchen. Der Erzähler ist ein Natürlicher, während die vorfallenden Ereignisse dem Übernatürlichen angehören. Nach Todorov sind dies optimale Bedingungen für das Entstehen von Fantastik.
Schon der Beginn der Erzählung weißt auf das hyperbolisch Wunderbare hin. Der Erzähler befindet sich in Rouen auf einer Kunstauktion, ein realistischer Rahmen also. Allerdings beschreibt er die Veranstaltung mit den Worten der Erregung, Gier und Leidenschaften, die zutage traten. Die Beschreibung der ersten Begegnung mit dem Grafen und dessen Anwesen zeigt Verschiedenes. Es handelt sich um ein Schloss, welches zwischen Wäldern und Hecken, die zu beiden Seiten noch schwärzer sind als die Nacht, versteckt liegt. Die Besuchszeit des Erzählers beschränkt sich auf die Zeit zwischen elf Uhr abends und Mitternacht. Der Graf wird nie mit ganzem Namen genannt, sondern nur Graf de R., Herr auf C. Dies bewirkt eine Anonymität, die ein Gefühl von Unheimlichkeit bewirkt. Des Weiteren wirken auch der Wald, das Schloss und die Assoziation von Dunkelheit und Nacht unheimlich. Auch die Besuchszeit kommt dem Leser, sowie auch dem Erzähler, seltsam vor.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Definition fantastischer Literatur ein und stellt Tzvetan Todorovs strukturalistischen Ansatz als theoretische Basis für die Analyse der Erzählung „Isabelle“ vor.
II. Das Fantastische nach Todorov: Dieser Hauptteil erläutert zunächst die theoretischen Kernbegriffe Todorovs, grenzt das Unheimliche vom Wunderbaren ab und analysiert im dritten Unterpunkt detailliert die fantastischen Elemente in Seignolles Erzählung „Isabelle“.
III. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Wirkungsweise des Fantastischen zusammen und unterstreicht die Bedeutung der Unschlüssigkeit des Lesers als konstituierendes Merkmal des Genres.
Schlüsselwörter
Fantastik, Todorov, Isabelle, Seignolle, Unschlüssigkeit, Unheimliches, Wunderbares, strukturalistische Literaturwissenschaft, Erzählperspektive, Übernatürliches, literarische Gattung, Grenzziehung, Motivik, Rezeption, Wirklichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Wirkungsweise fantastischer Literatur auf der Basis der theoretischen Konzepte von Tzvetan Todorov.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Definition der Fantastik, die Abgrenzung von angrenzenden Gattungen sowie die funktionale Analyse des Fantastischen in einem konkreten literarischen Text.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Todorovs theoretische Bedingungen für das Fantastische an der Erzählung „Isabelle“ von Claude Seignolle zu verifizieren und die narrativen Mechanismen aufzuzeigen, die beim Leser Unschlüssigkeit erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt einen strukturalistischen literaturwissenschaftlichen Ansatz, wobei sie Todorovs Definitionen als Analyseraster für die Untersuchung von Textstellen in „Isabelle“ anwendet.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Konzepte des Unheimlichen und Wunderbaren definiert und im Anschluss die Anwendung dieser Kategorien auf die Erzählung „Isabelle“ analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Unschlüssigkeit, Todorov, Fantastik, Unheimliches, Wunderbares und narrative Analyse charakterisiert.
Wie spielt die Unschlüssigkeit in „Isabelle“ eine Rolle für den Leser?
Der Text erzeugt Unschlüssigkeit, indem er reale Erklärungsversuche mit übernatürlichen Ereignissen verknüpft, wodurch der Leser gezwungen wird, ständig zwischen rationaler und fantastischer Deutung zu schwanken.
Welche Bedeutung hat das Gemälde innerhalb der Erzählstruktur?
Das Gemälde fungiert als zentrales fantastisches Objekt, das die Grenze zwischen Subjekt und Objekt verwischt, sobald es Anzeichen von Lebendigkeit zeigt und somit den Kern der fantastischen Wirkung bildet.
- Arbeit zitieren
- Lena Gabel (Autor:in), 2016, Die Wirkungsweise des Fantastischen nach Todorov in "Isabelle", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429771