Gary Becker und der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens


Seminararbeit, 2017
19 Seiten, Note: 2,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Der Ökonomische Ansatz

2. Beckers Nobelpreis und seine Arbeit
2.1 Der Weg zu seinem Nobelpreis
2.2 Dieökonomische Analyse der Diskriminierung
3.2.1 Das Modell
3.2.2 Diskriminierung und Kapitalisten
3.2.3 Diskriminierung der Afro-Amerikaner in Amerika
3.2.4 Diskriminierung der Einheimischen in Südafrika
Abbildung 1: Von Becker aufgestellte Ungleichung zur Verdeutlichung von notwendigen und hinreichenden Beziehungen für eine wirksame Diskriminierung. Für die Variablen wurden vom Autor der Seminararbeit nachträglich die Bedeutungen eingesetzt
3.3 Die Ökonomische Analyse in Teilbereichen der Familie
3.3.1 Die Ökonomische Analyse der Fruchtbarkeit
Abbildung 2: Tabelle, die von Becker genutzt wird, um denökonomischen Ansatz besser zu erklären und verständlicher zu machen
3.3.2 Derökonomische Ansatz zur Analyse der Ehe
Abbildung 3: Produktionsfunktion der in einem Haushalt produzierten Güter Z

3. Schlussteil

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Von Becker aufgestellte Ungleichung zur Verdeutlichung von notwendigen und hinreichenden Beziehungen für eine wirksame Diskriminierung. Für die Variablen wurden vom Autor der Seminararbeit nachträglich die Bedeutungen eingesetzt

Abbildung 2: Tabelle, die von Becker genutzt wird, um denökonomischen Ansatz besser zu erklären und verständlicher zu machen

Abbildung 3: Produktionsfunktion der in einem Haushalt produzierten Güter Z.

Gary Becker – ein Sozialwissenschaftler im Ökonom

„Die Wirtschaft, auch Ökonomie genannt, besteht aus Einrichtungen, Maschinen und Personen, die Angebot und Nachfrage generieren und regulieren.“ [Gabler Wirtschaftslexikon: Wirtschaft. URL: wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wirtschaft.html (01.11.2016)] Sobald man das Wort Ökonomie hört, denkt man sofort an komplizierte Rechnungen, Formeln oder Gleichungen. Doch Gary Samuel Becker, einer der am stärksten kritisierten Ökonomen, hat gezeigt, dass die Ökonomie kein staubtrockenes und eintöniges Fach sein muss. [Neue Zürcher Zeitung 2014: Ein Ökonom des Alltags. URL: www.nzz.ch/wirtschaft/ein-oekonom-des-alltags-1.18295945 (06.11.2016)] Er wurde am 2. Dezember 1930 in Pottsville, einer kleinen Stadt in Pennsylvania geboren und studierte zunächst Mathematik in Princeton. Er interessierte sich allerdings auch für gesellschaftliche Phänomene und so stießer dann auf die Ökonomie, wo er beides kombinieren konnte. Er begann schnellökonomische Ansätze für die Analyse alltäglichen menschlichen Verhaltens aufzustellen. Seine erste starke Kritik bekam er bereits 1955 für seine Dissertationüber Diskriminierung, in der er der marxistischen Sicht widersprach, welche behauptete, dass ein Arbeitgeber von Diskriminierung profitiere. Und auch mit seinen folgenden Arbeiten, in denen er Drogensucht, Kriminalität, Politik und die Familie mit Hilfe desökonomischen Ansatzes analysierte, sammelte er neue Gegner. Doch 1992 erhielt er für seine Arbeiten den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Später unterrichtete Becker an der Columbia University und der University of Chicago. Er verstarb am 3. Mai 2014 in Chicago. [Nobelprize.org 1992: Gary Becker. URL: www.nobelprize.org/nobel_prizes/economic-sciences/laureates/1992/becker-bio.html (06.11.2016)]

Ziel dieser Seminararbeit ist es, Gary Samuel Beckers Arbeit in einigen Bereichen aus Familie und Gesellschaft vorzustellen. Die Arbeit beschäftigt sich nur wenig mit der Mathematik, sondern konzentriert sich mehr auf Theorien, allgemeine Ansätze und Lösungen von Problemen. Der Leser soll einen Überblicküber Becker und denökonomischen Ansatz zur Analyse menschlichen Verhaltens in verschiedenen Teilbereichen bekommen und verstehen, was Gary Beckersökonomischen Ansatz zur Analyse menschlichen Verhaltens so besonders macht.

1. Der Ökonomische Ansatz

Der Ökonomische Ansatz wird genutzt, um menschliches Verhalten unter verschiedenen Umständen und Situationsbedingungen besser zu verstehen.

Die Ökonomie wird definiert als die Wissenschaft:

- von der Allokation1 materieller Güter zur Befriedigung materieller Wünsche
- vom Markt-Bereich
- von der Allokation knapper Mittel zur Verfolgung konkurrierender Ziele.

Früher war es seltener, dass ein Ökonom einenökonomischen Ansatz auf immaterielle Güter anwendete, da man es als falsch empfand, das kühle Kalkül der Wissenschaft auf menschliches Verhalten anzuwenden. Doch mittlerweile beschäftigen sich Ökonomen mehr mit immateriellen als mit materiellen Gütern, da die Erträge immaterieller Güter momentan größer sind. Ein Ökonom kann heutzutage die Produktion und Nachfrage im Einzelhandel oder Erziehungswesen genauso gut untersuchen wie von Papier oder Lebensmitteln. Ökonomen nehmen an, dass sich Präferenzen von Reichen und Armen oder Menschen verschiedener Kulturen nicht sonderbar unterscheiden. Also denken Christen grundsätzlich wie Muslime oder Millionäre grundsätzlich wie Menschen mit niedrigem Einkommen. Der Kern desökonomischen Ansatzes ist Präferenzstabilität und nutzenmaximierendes Verhalten der Beteiligten. Die Annahme stabiler Präferenzen ist eine feste Grundlage, um Vorhersagenüber Reaktionen auf Veränderungen machen zu können. Auch ohne Existenz eines Marktes kann für jedes Gut ein nebensächlicher „Schatten“-Preis bestimmt werden. Beispielsweise die Zeit, die benötigt wird, um ein bestimmtes Gut zu produzieren oder die Zeit, um ein bestimmtes Gut, zum Beispiel ein Kind, zu pflegen und aufzuziehen.

Wenn eine günstige Gelegenheit in einem Haushalt oder Unternehmen nicht ausgenutzt wird, nimmt man imökonomischen Ansatz nicht an, dass dieses Verhalten irrational war, sondern, dass der Betroffene mit seinem erreichten Besitz zufrieden ist oder es andere monetäre oder psychische Kosten gibt, die zu einer Änderung der Präferenzen führen. Derökonomische Ansatz unterscheidet auch nicht zwischen emotionalen Entscheidungen oder Entscheidungen mit geringer emotionaler Beteiligung. Laut Becker ist derökonomische Ansatz auf alles menschliche Verhalten anwendbar und meist auch auf das Verhalten aller Menschen. Er bietet jedoch nicht für alle Arten menschlichen Verhaltens Erklärungen, wie zum Beispiel wenn es um die Bestimmungsgründe von Krieg geht.

Entsprechend desökonomischen Ansatzes sind die meisten Todesfälle bis zu einem gewissen Grad Selbstmorde, da man sie hätte hinausschieben können, wenn man mehr Ressourcen in die Lebensverlängerung investiert hätte. Becker erklärt dies mit einem kleinen Beispiel: Derökonomische Ansatz impliziert, dass es eine optimale erwartete Lebensdauer gibt, bei der der Nutzen eines zusätzlichen Lebensjahres geringer ist als der Nutzenentgang, der durch den Aufwand an Zeit und anderen Ressourcen zur Gewinnung dieses einen Lebensjahres entsteht. Wenn sich daher jemand permanent seiner Arbeit widmet, dass er darüber jede Bewegung vernachlässigt, so nicht notwendigerweise deshalb, weil er sichüber die Konsequenzen nicht im klaren ist, sondern möglicherweise deshalb, weil die zu gewinnende Lebensspanne für ihn die Kosten des Verzichts auf die weniger intensive Arbeit nicht aufwiegt. Dies wären unkluge Entscheidungen, wenn ein langes Leben präferiert wird. Obwohl derökonomische Ansatz einen nützlichen Rahmen für das Verständnis menschlichen Verhaltens bildet, möchte Becker auf keinen Fall die Arbeit von anderen Sozialwissenschaften herabmindern, noch behauptet er, dass die Arbeit von Ökonomen bedeutender ist. Auch andere Wissenschaften tragen wesentlich zum Verständnis des menschlichen Verhaltens bei. Viele wichtige Begriffe und Methoden stammen aus anderen Wissenschaften und werden auch weiterhin von diesen erbracht. (Gary Becker 1982: 1-16)

2. Beckers Nobelpreis und seine Arbeit

Becker arbeitete an vielen verschiedenen Themen und publizierte zu diesen auch einige Werke. In den folgenden Kapiteln wird Beckers Weg zu seinem Nobelpreis und ein Teil seiner Arbeit genauer erklärt.

2.1 Der Weg zu seinem Nobelpreis

Der unvorhergesehene Anstieg der Geburtenrate in der Nachkriegszeit zerstörte das Vertrauen in die Demographen und ihre Methode, Geburtenraten aufgrund von einer weltlich abnehmenden Funktion der Bevölkerungszusammensetzung vorherzusagen. Mit dem Wissen und Gebrauch von Verhütungsmitteln wurde das Thema, ob man Kinder bekommen möchte, mit der Zeit auch immer mehr eine Entscheidungsfrage, weshalb Forscher gezwungen waren, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Vor den Ökonomen haben es bereits Psychologen und Soziologen in ihrem Bezugsrahmen untersucht. Sie waren aber nicht gerade erfolgreich. Thomas Robert Malthus (1766 – 1834) war ebenfalls Ökonom und nahm an, dass der Kinderwunsch durch die zwei Variablen Heiratsalter und Koitushäufigkeit eingegrenzt war. Darauf baute Becker auf. (Gary Becker 1982: 188) Seine Anfänge wurden stark von Milton Friedman, einem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, der fundamentale Arbeiten in den Bereichen der Makroökonomie und der Mikroökonomie verfasste, geprägt, denn dieser weckte Beckers Interesse für die Volkswirtschaftslehre. [Wirtschafts Woche 2012: Derökonomische Imperialist. URL: www.wiwo.de/politik/konjunktur/gary-becker-der-oekonomische imperialist/6475968.html (06.11.2016)] Zunächst nutzte Becker den Ökonomischen Ansatz nur für Themen wie Diskriminierung, Recht und Politik. Nun versuchte er sich an emotionaleren Themen des Alltags, wie zum Beispiel der Ehe, dem Kinderwunsch oder anderen Beziehungen von Familienmitgliedern. 1992 bekam er für „having extended the domain of microeconomic analysis to a wide range of human behaviour and interaction, including nonmarket behaviour“2 [Nobelprize.org 1992: Gary Becker Facts. URL: www.nobelprize.org/nobel_prizes/economic-sciences/laureates/1992/becker-facts.html (01.11.16)] von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Doch seine Methoden sorgen auch heute noch für Aufruhr und stoßen auf Ablehnung. Den Meisten gefällt es nicht, dass Becker die Ehe in eine Kosten-Nutzen-Rechnung umwandelt oder die Qualität und Quantität ihrer Kinder mit einer komplizierten mathematischen Formel bestimmt. [Wirtschafts Woche 2012: Gary Becker derökonomische Imperialist. URL: www.wiwo.de/politik/konjunktur/gary-becker-der-oekonomische-imperialist/6475968.html (04.11.2016)]

2.2 Dieökonomische Analyse der Diskriminierung

Im folgenden Kapitel wird gezeigt, warum Minderheiten durch Diskriminierung mehr Schaden erleiden als Mehrheiten.

3.2.1 Das Modell

Probleme werden so formuliert, als gehe es um den Handel zwischen zwei Gesellschaften, von denen eine als Gruppe (A) und die andere als Gruppe (B) umfasst wird. Staat und Monopole werden zunächst einmal vernachlässigt. Das Hauptaugenmerk wird auf das Gesamteinkommen gerichtet. Die Diskussion wird auf die zwei Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital beschränkt. (A) und (B) handeln nicht mit Gütern, sondern mit Produktionsfaktoren zu deren Herstellung. Die Menge der Arbeit, die bei einer gegebenen Austauschrate von Kapital und Arbeit von (A) exportiert wird, ist die Differenz der Gesamtmenge an Arbeit und deren, die gruppenintern genutzt wird. Die Menge des Kapitals, die bei einer gegebenen Austauschrate von Kapital und Arbeit von (B) exportiert wird, ist die Differenz der Gesamtmenge an Kapital und deren, die gruppenintern genutzt wird. In einem totalen Gleichgewicht ohne Diskriminierung würden folgende Bedingungen herrschen:

- die Entlohnung jedes Faktors, egal von welcher Gruppe er eingesetzt wurde
- der Preis für jedes Produkt ist unabhängig davon, ob er von (A) oder (B) produziert wurde
- die Entlohnung je Einheit für jeden Faktor würde dem Wertgrenzprodukt entsprechen.

Wenn (B) Arbeit und Kapital von (A) diskriminiert, bedeutet dies, sie sind bereit, auf Geldeinkommen zu verzichten, um eine Zusammenarbeit mit (A) zu vermeiden. Diese Diskriminierung reduziert den Nettoertrag, den das Kapital von (B) mit der Arbeit von (A) erzielen kann. Dies führt zu einer Minderung der exportierten Kapitalmenge von (B) und umgekehrt wird auch das Einkommen von (A) gemindert. Man kann zeigen, dass diese Veränderung in der Allokation der Ressourcen das Gleichgewichtseinkommen sowohl von (A) als auch von (B) reduziert. Deshalb kann die Diskriminierung kein zusätzliches Mittel sein, mit dem W seine Nettoverfügungenüber wirtschaftliche Güter erhöht. (Gary Becker 1982: 17f)

3.2.2 Diskriminierung und Kapitalisten

Diskriminierung reduziert das Nettoeinkommen beider Parteien, aber nicht alle Faktoren sind gleich betroffen. So sinkt der Ertrag für das Kapital von (B) und der Arbeit von (A), aber der Ertrag für Arbeit von (B) und des Kapitals von (A) steigt. Es stimmt nicht, wie in anderer Literatur beschrieben, dass Kapitalisten einer dominierenden Gruppe, Hauptnutznießer von Diskriminierung sind. Als Beispiel: Wenn (B) eine dominierende Gruppe ist, so wird deutlich, dass Diskriminierung den Kapitalisten, die sich weigern mit einer anderen Gruppe zusammen zu arbeiten schadet und die Arbeiter von (B) begünstigt. Der schlimmste Fehlschluss solcher Analysen ist die Folgerung, dass, wenn Diskriminierungsneigungen Ursache für eine geringe Entlohnung der Arbeiter aus einer niederen Gruppe gegenüber Arbeitern aus einer hohen Gruppe ist, die Differenz zwischen den Lohnsätzen den Kapitalisten als Profit zufällt. Dies würde nur zutreffen, wenn die Lohndifferenz durch Preisdiskriminierung infolge von Monopsonmacht3 statt durch diskriminierende Einstellungen zustande käme. (Gary Becker 1982: 18f)

3.2.3 Diskriminierung der Afro-Amerikaner in Amerika

Afro-Amerikaner machen 10-13% der Gesamtbevölkerung in den USA aus. Folglich ist das Arbeitsangebot der Afro-Amerikaner kleiner als das Arbeitsangebot der Weißen. Sie sind Netto Exporteure von Arbeit, da sie mehr Arbeit als Kapital anzubieten haben. Diese Bedingungen führen zu einer Diskriminierung. Afro-Amerikaner haben einen niedrigen Umfang an Eigenkapital, während die Weißen eine gleichgewichtigere Verteilung ihrer Ressourcen aufweisen. Eine Verringerung des Kapitals der Weißen, dass den Afro-Amerikanern zugänglich gemacht wird, würde das absolute und relative Einkommen der Afro-Amerikaner senken, da sie nun keine Netto Exporteure von Arbeit mehr wären und ihr Angebot von Arbeit und Kapital fast im Gleichgewicht stehen sollte. Das Einkommen der Afro-Amerikaner würde bei einer Beendigung der Diskriminierung wieder steigen, aber das Einkommen der Weißen bei einer Diskriminierung nur geringfügig sinken. Deshalb richtet sich die Diskriminierung gegen die Afro-Amerikaner. Dies ist auch der Grund dafür, wieso ein Weg aus der Diskriminierung so schwer ist. (Gary Becker 1982: 22-25)

3.2.4 Diskriminierung der Einheimischen in Südafrika

Die Einheimischen in Südafrika machen einen Großteil, ca. 80%, der Gesamtbevölkerung aus. Der Arbeitsanteil von (A) also der Einheimischen ist hier ungefähr viermal größer als der Anteil von (B). Da die Einheimischen eine numerische Mehrheit darstellen, gibt es ihnen gegenüber nicht notwendigerweise eine Diskriminierung, denn eine notwendige Bedingung für eine wirksame Diskriminierung ist, dass (A) eineökonomische Minderheit ist. Eine numerische Minderheit ist nur eine hinreichende Bedingung. Wie man in der Ungleichung von Becker sieht (Abbildung 1), kommt es dennoch zu einer Diskriminierung, da die ihm verfügbaren Daten gezeigt haben, dass das Gesamteinkommen der Weißen das Gesamteinkommen der Einheimischen um mehr als ein vierfachesübersteigt. (Gary Becker 1982: 25f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Von Becker aufgestellte Ungleichung zur Verdeutlichung von notwendigen und hinreichenden Beziehungen für eine wirksame Diskriminierung. Für die Variablen wurden vom Autor der Seminararbeit nachträglich die Bedeutungen eingesetzt. (Quelle: Becker 1982: 21)

3.3 Die Ökonomische Analyse in Teilbereichen der Familie

In den folgenden Kapiteln geht es um Beckers Arbeit in den Bereichen der Fruchtbarkeit und der Ehe, die, wie oben schon genannt, auf starke Ablehnung und Empörung stößt. Die traditionelle Theorie des Haushaltes ist im Wesentlichen für einen Ein-Personen-Haushalt. Beckers Theorie bezieht sich auf eine Familie mit mehreren Personen mit einer voneinander abhängenden Nutzenfunktion.

Sie konzentriert sich auf die Koordination und Interaktion zwischen den Mitgliedern des Haushaltes im Hinblick auf Entscheidungenüber Kinder und Heirat. (Gary Becker 1982: 187)

3.3.1 Die Ökonomische Analyse der Fruchtbarkeit

a) Allgemeine Betrachtungen

In den Gesellschaften, wo Verhütung unbekannt oder zu teuer ist, wird die Geburtenrate durch Abtreibung oder Abstinenz bestimmt. Jedes Mitglied dieser Gesellschaften kann diese Variablen in der Regel kontrollieren und hat somit einen kleinen Entscheidungsspielraum. Mit zunehmendem Nutzen von Verhütungsmitteln jeglicher Art hat sich der Entscheidungsspielraum vergrößert. Für die meisten Eltern sind Kinder eine Quelle psychischen Einkommens und werden von Ökonomen als Konsumgüter betrachtet. In armen Ländern können sie auch als Produktionsgut angesehen werden, da sie für die Familie monetäre Mittel dazu verdienen können. Kinder können auch als langlebige Konsum- oder Produktionsgüter angesehen werden, vergleichbar mit Autos oder Häusern. (Gary Becker 1982: 189f)

b) Vorlieben und Qualität bei Kindern

Sieht man Kinder als langlebige Konsumgüter erbringen sie für die Eltern einen Nutzen. Dieser kann ein psychischer, im Sinne von Liebe, oder ein physischer, zum Beispiel bei einer Arbeiterfamilie, sein. Der Nutzen von Kindern wird mit Hilfe einer Nutzenfunktion verglichen. Das Ergebnis dieser Funktion hängt von den Vorlieben für Kinder ab. Diese Vorlieben sind zum Beispiel von der Religionszugehörigkeit der Familie oder dem Alter der Eltern abhängig.

Becker nimmt an, dass Kinder, für die man mehr aufwendet, Kinder höherer Qualität sind, vergleichbar mit Autos, bei denen teurere Modelle auch von höherer Qualität sind. Er möchte aber nicht sagen, dass höhere Qualität auch moralisch besser heißt. Wenn die Eltern mehr Geld in ihre Kinder investieren, dann meist, weil sie daraus einen zusätzlichen Nutzen, wie Prestige, ziehen. Diese Nutzen werden von ihm höhere Qualität genannt. (Gary Becker 1982: 190f)

c) Einkommen, Kosten und Angebot von Kindern

Eine Erhöhung des Einkommens erhöht meist automatisch auch die Ausgaben für Durchschnittsgüter. Ausnahmen sind minderwertige Güter. Dazu gehören Kinder allerdings nicht. Mit steigendem Einkommen erhöhen Familien für fast alle langlebigen Konsumgüter die quantitative und qualitative Nachfrage. Folglich wird das Kind dieser Familie im Regelfall auch ein Kind höherer Qualität. Eine Erhöhung des Einkommens erhöht auch die Quantität, wobei die quantitätsbezogene Elastizität (die Nachfrage nach mehr Kindern) klein sein dürfte.

Nettokosten für Kinder kann man sehr leicht berechnen. „Sie entsprechen dem Gegenwartswert der erwarteten Ausgaben, zuzüglich dem geschätzten Wert der Dienstleistungen der Eltern, minus dem Gegenwartswert der erwarteten monetären Erträge, zuzüglich dem geschätzten Wert der Dienstleistungen der Kinder.“ (Gary Becker 1982: 192) Ist dieser Wert dann positiv, werden Kinder als ein langlebiges Konsumgut angesehen und stiften für die Eltern ein psychisches Einkommen. Sind die Nettokosten negativ, so wären die Kinder ein langlebiges Produktionsgut und würden ein monetäres Einkommen erbringen.

Da man Kinder nicht auf einem Markt erwerben kann, müssen Eltern sie selbst „produzieren“. Eltern können weder Geschlecht, Intelligenz oder andere Eigenschaften ihres Kindes vorhersagen. Deshalb muss man zwischen einem tatsächlichen und einem erwarteten Nutzen unterscheiden. Eine zweite wichtige Konsequenz der Verknüpfung von Produktion und Konsum ist, dass die Zahl der möglichen Kinder einer Familie nicht nur durch das Einkommen und die Preise bestimmt ist, sondern auch durch ihre Fähigkeit zur Produktion von Kindern. Die eine Familie wünscht sich 2 Kinder, ist aber nur in der Lage eines zu produzieren und die andere möchte nur ein Kind, aber bekommt Zwillinge. Familien, mit mehr Kindern als erwartet, werden mit großer Wahrscheinlichkeit weniger Güter konsumieren, die enge Substitute für Kinder-Quantität sind. Die Verhütungsmittel hatten ihren großen Durchbruch im letzten Jahrhundert. In der Zeit davor standen finanzielle Mittel, die Religion oder mangelndes Wissen im Weg. Da Qualität eng mit Quantität in Verbindung steht, hätten Familien, deren Einkommen nicht für so viele Kinder reicht wie sie letztlich bekommen haben, durch die Verhütung „qualitativ hochwertigere“, aber dafür weniger Kinder. (Gary Becker 1982: 191-197)

[...]


1 Unter einer Allokation versteht man in der Volkswirtschaft grundsätzlich die Verteilung der verfügbaren Produktionsfaktoren auf die unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten. (Rechnungswesen-verstehen.de 2016: Allokation. URL: www.rechnungswesen-verstehen.de/bwl-vwl/vwl/allokation.php (05.11.2016))

2 Übersetzt: „seine Ausdehnung der mikroökonomischen Theorie auf eine breite Palette menschlichen Verhaltens und Interaktionen“

3 „Das Monopson ist eine Marktform. Hier gibt es viele Anbieter, aber nur einen Nachfrager. Ein typisches Beispiel kann der Arbeitsmarkt sein. Hier bieten Viele Menschen ihre Arbeitskraft an, aber es gibt nur ein Unternehmen (in der Region, Branche usw.), welches diese Arbeitskraft nachfragt.“ (Preissetzung.de 2016: Monopson. URL: www.preissetzung.de/monopson/ (05.11.2016))

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Gary Becker und der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens
Note
2,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V429847
ISBN (eBook)
9783668732070
ISBN (Buch)
9783668732087
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gary Becker, Menschen, Verhalten, Psychologie, Ökonomie, Gesellschaft, Familie
Arbeit zitieren
Toni Enke (Autor), 2017, Gary Becker und der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429847

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