Zur Kritik an Max Webers "protestantischer Ethik"


Hausarbeit, 2018
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entstehung des modernen Kapitalismus im Okzident
2.1 Der „kapitalistische Geist“
2.2 Die „protestantische Ethik“

3 „Was Weber Wrong?“

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Kapitalismus bezeichnet gemäßBrockhaus eine spezifische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsumüber den Markt beruht. Als weitere konstitutive Merkmale werden genannt: die Akkumulation von Kapital, für manche das „Herzstück“, Hauptmerkmal und Leitprinzip des Kapitalismus, und das „Streben nach Gewinn im kontinuierlichen, rationalen kapitalistischen Betrieb“ (Brockhaus Bd. 14: 430).

Im Rahmen seiner religionssoziologischen Schriften hat Max Weber sich am Ende des 19. Jahrhunderts mit der Frage danach befasst, welche Voraussetzungen die Entwicklung kapitalistischer Systeme begünstigt oder sogar beschleunigt haben könnten. Explizit stellt er die Frage danach, weshalb die zu seinen Lebzeiten entwickelte Form des Kapitalismus, lediglich im Okzident, also im sogenannten „Westen“ zu beobachten ist. Dabei stellt er einen Kausalzusammenhang zwischen den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Gemeinschaften des Protestantismus und dem vorhandenen wirtschaftlichem Vorsprung in den von dieser Religion geprägten Gegenden. Anhand einer umfangreichen empirischen Untersuchung ersucht er diese These wissenschaftlich zu beweisen.

Die folgende Ausarbeiten soll zunächst Aufschluss gebenüber Max Webers Position und sie anschließend mit neueren Erkenntnissen der Bildungsökonomie verknüpfen und anhand derer einer neuerlichen Prüfung unterziehen.

2 Die Entstehung des modernen Kapitalismus im Okzident

Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts veröffentlichte Werk von Max Weber „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ befasst sich mit dem Zusammenhang zwischenökonomischen Entwicklungen und religiösen Gesinnungen der Neuzeit.

Weber stellt in seiner Schrift dabei zunächst in einer Vorbemerkung fest, dass bestimmte Errungenschaften, unter Anderen die empirischen Kenntnisse der Wissenschaften, die „philosophische und theologische Lebensweisheit tiefster Art“, die mathematische Fundierung der Astronomie und Geometrie, der Mechanik und Physik, die systematische Staatslehre sowie das sogenannte „Fachmenschentum“, darunter ins Besondere der „Fachbeamte“ und letztlich der Kapitalismus selbst in ihrer Ausprägung lediglich im Okzident, also im Abendland, im „Westen“, in Europa (Brockhaus Bd. 20: 294) vorzufinden sind (Weber 1984: 9-11).

Als Begründung hierfür führt er die Wirkmacht einer protestantischen Ethik an. Weber betrachtet dabei zunächst umfangreiche Statistiken zum Zusammenhang von Konfession, Kapitalbesitz und Erwerbstätigkeit und nimmt schließlich an, dass der Protestantismus als eine Art Katalysator auf den Kapitalismus gewirkt hat.

Seine Definition des kapitalistischen Geistes sowie der protestantischen Ethik, auf deren Wertekanon seine Argumentation aufbaut, soll im Folgenden näher erläutert werden. Weber selbst bezeichnet seinen Versuch eine Kausalität zwischen „ökonomischem Rationalismus“ und protestantischer Ethik zu begründen als die „am schwierigsten zu fassende Seite des Problems“ (vgl. ebd.: 21).

Es handelt sich bei seinem Aufsatz um die Ausführung eines empirischen Befundes (vgl. Bayer, Mordt 2008: 119). Dies erschient aus heutiger Sicht ohnehin beachtlich, schließlich waren die Möglichkeiten der Datenerhebung und -analyse schlicht begrenzt. Weber bewies hier aber besonders im Vergleich mit Zeitgenossen Beharrlichkeit, was Wissenschaftlichkeit und Wertfreiheit seiner Veröffentlichungen anging, denn, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung 1993 schreibt: „Zu Max Webers Zeit aber herrschte ein unglaublicher Methodenschlendrian“ (Barbier 1993: 14).

2.1 Der „kapitalistische Geist“

Weber bezeichnet den Kapitalismus bereits in der Vorbemerkung seines Aufsatzes als die „schicksalsvollste Macht unseres modernen Lebens“ (Weber 1984: 12) und legt statt einer Definition zunächst fest, was der Kapitalismus nicht ist: Das Streben nach möglichst hohem Geldgewinn. Dieses Phänomen habe es in allen Berufen zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt gegeben und die schrankenlose Erwerbsgier sei nicht mit Kapitalismus, insbesondere nicht mit dem kapitalistischen Geist gleichzusetzen (vgl. ebd.: 12).

Darauf folgt eine Definition des „kapitalistischen Wirtschaftsaktes“, nämlich als „ein solcher, der auf Erwartung von Gewinn durch Ausnützung von Tausch-Chancen beruht: auf formell friedlichen Erwerbschancen also.“ (ebd.: 13). Dabei setzt er die Prämisse, dass, wo kapitalistischer Erwerb rational erstrebt wird, „die planmäßige Verwendung von sachlichen oder persönlichen Nutzleistungen als Erwerbsmittel, den bilanzmäßig errechnete Schlußertrag der Einzelunternehmung an geldwertem Güterbesitz beim Rechnungsabschluß, (...)übersteigen soll“(ebd.: 13).

Weiterhin nennt Weber drei zentrale Elemente des Kapitalismus, die von großer Bedeutung für dessen Fortentwicklung gewesen seien: die rationale Betriebsorganisation, die Trennung von Haushalt und Betrieb sowie die rationale Buchführung (vgl. ebd.: 13 f.). Weber betont, dassähnliche Prinzipien oder Praktiken zwar auch außerhalb des Okzidents in Ansätzen vorzufinden sind, jedoch keinen anderen Orts einen vergleichbaren Entwicklungsstand erreichen konnten (vgl. ebd.: 17). Eine trennscharfe Definition des Begriffs Kapitalismus findet keinen Eingang in Webers Aufsatz, wichtig scheint ihm jedoch die Trennung zwischen einem historischen Kulturphänomen, das als Kapitalismus bezeichnet werden kann (vgl. Guttandin 1998: 21) und dem modernen, industriellen Kapitalismus, dessen Entwicklung seinen Untersuchungsgegenstand darstellt (Weber 2016: 29 ff.).

Zur Annäherung daran, was mit dem kapitalistischen Geist gemeint sein soll, zitiert Weber einige Aussagen des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Benjamin Franklin aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dieser beschreibt Grundpfeiler kapitalistischer Prinzipien, den Begriff der Geldanlage und der Reinvestition, den Kredit sowie die Akteuere des Schuldners und Gläubigers (vgl. ebd.: 30 f.).

Laut Weber spricht dabei zweifelsohne der Geist des Kapitalismus aus Franklin, gleichwohl bleibt eine diesbezügliche Definition aus, dies so Weber, läge im Wesen der historischen Begriffsbildung.

Es geht ihm und das kann nicht oft genug betont werden eben nicht um die akkurate Begriffsbestimmung, sondern um die Veranschaulichung eines gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses (vgl. ebd. 39).

Der Kapitalismus kommt dabei einer „Verpflichtung des einzelnen gegenüber dem als Selbstzweck vorausgesetzten Interesse an der Vergrößerung seines Vermögens“ (vgl. ebd.: 41) gleich. Es handle sich dabei so Weber um eine „ethisch gefärbte Maxime der Lebensführung“ des kapitalistischen Unternehmers. Dessen Idealtyp scheue die Ostentation, den unnötigen Aufwand, den Genuss seiner Macht sowie Zeichen der gesellschaftlichen Achtung, um ein Leben mit eher asketischen Zügen zu führen (vgl. ebd.: 59). Optimale Voraussetzungen hierfür böte das Selbstverständnis der Protestanten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zur Kritik an Max Webers "protestantischer Ethik"
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V429894
ISBN (eBook)
9783668733152
ISBN (Buch)
9783668733169
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kritik, webers, ethik
Arbeit zitieren
Frieda von Meding (Autor), 2018, Zur Kritik an Max Webers "protestantischer Ethik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429894

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