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Die Rolle des Ich in Walther von der Vogelweides "Kaiser Friedrichs-Ton"

Titel: Die Rolle des Ich in Walther von der Vogelweides "Kaiser Friedrichs-Ton"

Hausarbeit , 2017 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Kristin Buser (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Was steckt hinter den vielen unterschiedlichen Ich-Instanzen des Walther von der Vogelweide? Anhand des Kaiser Friedrichs- Tons werde ich unterschiedliche Ich-Instanzen anreißen und diskutieren.

Walther von der Vogelweide gehört zweifelsohne zu den größten Lyrikern des Mittelalters im deutschsprachigen Raum. Er war nicht nur Minnesänger, sondern auch Sangspruchdichter und dementsprechend vielschichtig gestaltete sich sein Schaffen. Mit der politischen Sangspruchdichtung hat sich Walther von der Vogelweide ein zweites Standbein erarbeitet. Er war der Erste, der den Spruch politisierte und damit seine Grenzen auslotete.

Wie auch bei den meisten von Walthers Kollegen lassen sich sowohl Herkunft, Geburtstag als auch weitere wichtige Daten aus seinem Leben nur erahnen. Es fehlen direkte biografische Zeugnisse. In Walthers Werken sticht eine starke Betonung des Ichs heraus. Auch wenn es, wie bei vielen anderen (Minne-) Dichtern erkennbar in der Natur der Gattung liegt, das Ich zu betonen, legt Walther eine „besondere Kraft des Ichsagens“ in Kombination mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein in seinen Werken noch deutlicher an den Tag. Diese starke Betonung des Ichs in Walthers Werken war im 19. Jahrhundert ein willkommener Tatbestand, um daraus eine möglichst lückenfreie Biografie von Walther zu rekonstruieren.

Im vergangenen Jahrhundert kamen aber Zweifel auf. Hinsichtlich des Ichs im Minnesang war man sich schnell einig: „Minnesang ist wesentlich Rollenlyrik“ , erklärt Schweikle und bestimmt damit das Genre. Aber auch in der Sangspruchdichtung wurde es als zu leichtfertig und einseitig eingestuft, die Ich-Aussagen umstandslos als biografische Daten herzunehmen. Die Forschung traut dem biografischen Ich immer weniger. „Alles deutet darauf hin, dass einer Annäherung an die historische Person Walthers enge Grenzen gesetzt sind.“ Stattdessen werden immer mehr Rollen erkennbar: Walther als Ratgeber, Fahrender, Kosmopolit, Verbindungsmann zu Gott, Parteisprecher oder Propagandist stellen nur eine kleine Auswahl an Rollen dar. Ehrismann nennt es eine „Rolle“ oder „Maske“ hinter der sich oftmals der Autor oder Performer versteckt. Heute muss man sich fragen, ob der wahre Walther vor lauter Rollen überhaupt noch erkennbar und das biografische Ich isolierbar ist?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Ich-Problematik

2. Textanalyse Kaiser Friedrichs-Ton

2.1 Historischer Hintergrund und Datierung

2.2 Textbeschreibung

2.3 Ich-Instanzen

3. Zur Bedeutung von Walthers Rollen-Ich in seiner Persuasionsstrategie

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion des lyrischen Ichs in Walthers politischer Sangspruchdichtung, insbesondere im sogenannten Kaiser Friedrichs-Ton. Dabei wird analysiert, wie Walther durch verschiedene Rollen-Inszenierungen seine Autorität legitimiert, um politische Propaganda für Kaiser Friedrich II. zu betreiben und Kritik an der damaligen Kirchenführung zu üben.

  • Literarische Analyse des Kaiser Friedrichs-Tons von Walther von der Vogelweide.
  • Untersuchung verschiedener Ich-Instanzen (u.a. Ratgeber, Klausner, armer Mann).
  • Die Rolle der Selbstinszenierung zur Steigerung des Ethos und der Überzeugungskraft.
  • Verhältnis zwischen politischer Propaganda und dem Spannungsfeld zwischen Kaiser und Papsttum.
  • Die Funktion literarischer Figuren als Sprachrohr für zeitkritische Positionen.

Auszug aus dem Buch

Ich-Instanzen

Mit seiner politischen Lyrik hat Walther ein heikles Terrain betreten. Nicht nur um seinen brisanten Themen mehr Überzeugungskraft zu verleihen, sondern um sich selbst auch aus diesem heiklen Terrain zurückziehen zu können, hat Walther immer wieder verschiedene Rollen genutzt. Marzo-Wilhelm bezeichnet diese Rollen als Walthers dichterische Qualität:

Die dichterische Qualität Walthers liegt gerade in seiner Dichtung politischen Inhalt in seinem Geschick, passend zu bestimmtem Themenbereichen aus einem Repertoire an allgemein akzeptierten 'Figuren' jene auszuwählen und als Sprecherrolle einzusetzen, die für den entsprechenden Kontext als besonders qualifiziert und autorisiert gelten.

Im Folgenden habe ich mich auf die Rollen im Kaiser Friedrichs-Ton konzentriert. Walther stellt sich in einer absteigenden Reihenfolge als Ratgeber gegenüber Gott (VIIb 2), dem Kaiser (VIIb 3), der Geistlichkeit bzw. den Pfaffen (VIIb 4) dar, bevor er in der letzten Strophe diese Rolle an einen anderen delegiert, den Klausner. Durch ihn erteilt er auf eine objektivere Art und Weise Ratschläge an die Staufertrauen. Zudem stilisiert sich Walther in VIIb 3 als ein armer Mann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung in die Ich-Problematik: Dieses Kapitel stellt die grundlegende Problematik des lyrischen Ichs in Walthers Werk vor und skizziert den Übergang von der Minnesang-Tradition zur politischen Sangspruchdichtung.

2. Textanalyse Kaiser Friedrichs-Ton: Hier erfolgt eine detaillierte Untersuchung des Kaiser Friedrichs-Tons hinsichtlich seiner historischen Einordnung, der inhaltlichen Beschreibung der einzelnen Strophen und der spezifischen Ich-Instanzen, die Walther einnimmt.

3. Zur Bedeutung von Walthers Rollen-Ich in seiner Persuasionsstrategie: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die verschiedenen Rollen des Autors als persuasive Mittel eingesetzt werden, um die Überzeugungskraft seiner politischen Argumentation zu steigern.

4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach Walthers Rollen-Inszenierungen keine biografischen Zeugnisse sind, sondern zielgerichtete künstlerische Mittel zur politischen Selbstdarstellung.

Schlüsselwörter

Walther von der Vogelweide, Kaiser Friedrichs-Ton, Sangspruchdichtung, politisches Ich, Rollenlyrik, Selbstinszenierung, Persuasion, Mittelalterliche Lyrik, Kirchenkritik, Kaiser Friedrich II., Papsttum, Ethos, Staufer, Literaturwissenschaft, Klausner.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion und Konstruktion der verschiedenen Rollen, die der Dichter Walther von der Vogelweide in seinen politischen Sangsprüchen, speziell im Kaiser Friedrichs-Ton, einnimmt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das Verhältnis zwischen politischer Macht und Kirche, die Instrumentalisierung des Kreuzzuggedankens sowie die strategische Nutzung literarischer Rollen zur Legitimation von Kritik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass Walther sein lyrisches Ich gezielt inszeniert, um politische Botschaften zu verstärken und sich gleichzeitig als politisch agierender Akteur abzusichern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt primär literaturwissenschaftliche Textanalyse, kombiniert mit historischen Kontextualisierungen und einer Untersuchung der persuasiven Rhetorik des Autors.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Kaiser Friedrichs-Tons, eine detaillierte Analyse der einzelnen Strophen hinsichtlich der Ich-Instanzen sowie eine Untersuchung der zugrunde liegenden Überzeugungsstrategien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Walther von der Vogelweide, Rollenlyrik, Persuasion, Kaiser Friedrichs-Ton, politische Propaganda und Mittelalterliche Literatur.

Welche Rolle spielt der Klausner in Walthers Argumentation?

Der Klausner fungiert als Sprachrohr Walthers, der durch seine übergeordnete religiöse Autorität Kritik am Papsttum üben kann, ohne dass der Dichter selbst als direkter Feind der Kirche wahrgenommen wird.

Warum nutzt Walther die Rolle eines armen Mannes?

Die Stilisierung als armer Mann dient Walther dazu, Demut auszudrücken, sich mit der breiten Bevölkerung zu identifizieren und durch diese Rolle seine Glaubwürdigkeit sowie seine Nähe zum Kaiserhaus zu unterstreichen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Rolle des Ich in Walther von der Vogelweides "Kaiser Friedrichs-Ton"
Hochschule
Universität Regensburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Walther von der Vogelweide
Note
1,7
Autor
Kristin Buser (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V429903
ISBN (eBook)
9783668735798
ISBN (Buch)
9783668735804
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walter von der Vogelweide Kaiser Friedrich-Ton Ich-Rolle politische Lyrik Rollenlyrik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kristin Buser (Autor:in), 2017, Die Rolle des Ich in Walther von der Vogelweides "Kaiser Friedrichs-Ton", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429903
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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