Fremdsprachenunterricht in der Romandie. Vorteile von Deutsch als 1. Fremdsprache


Hausarbeit, 2011
26 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Fremdsprachenunterricht in der Romandie
2.1 Die Verankerung des Fremdsprachenunterrichts im schweizerischen Schulsystem
2.2 Deutsch als erste Fremdsprache
2.2.1 Mehrsprachigkeit in der Schweiz
2.2.2 Das Verhältnis zwischen Deutschschweizern und Romands
2.2.3 Bemühungen zur engeren Verknüpfung von Deutsch- und Westschweiz
2.2.4 Der Einfluss Deutschlands
2.2.5 Der Nutzen von Deutsch
2.2.6 Der Ruf des Deutschen in der Romandie
2.2.7 Der Umgang mit regionalen Dialekten im Deutschen
2.2.8 Zwischenergebnis
2.3 Andere Sprachen als 1. Fremdsprache
2.3.1 Englisch als erste Fremdsprache
2.3.2 Italienisch als erste Fremdsprache in der Romandie

3 Schlussteil

4 Anhang
4.1 Verbreitung der vier Landessprachen der Schweiz (2000)
4.2 Das Bildungssystem Schweiz
4.3 Erste obligatorische Fremdsprache
4.4 Zweite obligatorische Fremdsprache
4.5 Sprachenunterricht gemäß HarmoS-Konkordat (Reihenfolge der Fremdsprachen gemäß regionalen Vereinbarungen)

5 Bibliographie
5.1 Fachliteratur
5.2 Internetseiten

1 Einleitung

Nicht nur in der Romandie[1] sprechen Journalisten von einem „Sprachkrieg“;[2] das gesamte schweizerische Schulsystem ist im Umbruch. Die Frage, ob als erste Fremdsprache eine der Amtssprachen oder die Weltsprache Englisch unterrichtet werden soll, ist Gegenstand hitziger Debatten.

Wie auch in Deutschland Bildung Ländersache ist, so sind die Schulsysteme in der Schweiz kantonal unterschiedlich.[3]

Die Fremdsprachendebatte ist seit der Schweizerischen Konferenz der Erziehungsdirektoren von 1975 aktuell.[4] Zunächst handelte es sich bei der bevorzugten ersten Fremdsprache um eine der schweizerischen Amtssprachen. Als 1997 in Zürich Französisch durch Englisch als erste Fremdsprache ersetzt wurde, wurde die Fremdsprachenfrage ein zentraler Aspekt der allgemeinen Diskussion in der Schweiz.[5] Die Züricher Neuerung rief eine „Schockwelle, die die ganze Schweiz erschütterte“ hervor.[6]

Diese Arbeit soll die Vorteile der Beibehaltung von Deutsch gegenüber Englisch in der Fremdsprachenfolge der französischen Schweiz verdeutlichen. Gleichwohl wird in verkürzter Form die Rolle des Italienischen im Fremdsprachenunterricht erörtert. Auf die Bedeutung der deutschschweizerischen Dialekte soll ebenfalls in kurzer Form eingegangen werden. Der Umgang mit den Dialekten in der Schweiz und die Vereinheitlichung der Kommunikation in der Deutschschweiz durch Reduktion auf das Hochdeutsche sind jedoch Teil einer eigenständigen, wenngleich nicht minder aktuellen Diskussion. Rätoromanisch dagegen wird nicht als erste Fremdsprache in Betracht gezogen. Obwohl es sich beim Rätoromanischen um eine Amtssprache handelt, verliert es in der Schweiz stetig an Bedeutung und eine vorrangige Stellung in der Fremdsprachenfolge erscheint demzufolge als unangemessen.

Gegenstand der Hausarbeit wird das reguläre Schulsystem sein, auf Fälle wie das Sonderschulwesen soll nicht eingegangen werden, da es sich hierbei um andere pädagogische Konzepte handelt und folglich auch an den Fremdsprachenunterricht auf andere Weise herangegangen werden muss.

Es soll auch nicht diskutiert werden, ob es realisierbar ist, zwei Fremdsprachen in der Primarschule zu unterrichten, sondern welche Sprache sinnvollerweise zuerst erlernt werden sollte.

2 Fremdsprachenunterricht in der Romandie

2.1 Die Verankerung des Fremdsprachenunterrichts im schweizerischen Schulsystem

Um mehr Einheitlichkeit im gesamtschweizerischen Schulwesen zu schaffen, wurde 2007 das Konkordat über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (HarmoS) von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) verabschiedet, das von den Kantonen bis zum Schuljahr 2015/16 umzusetzen ist.[7]

Ein wesentlicher Kritikpunkt an HarmoS, der vom Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) vorgebracht wurde, ist die mangelnde Regelung der Fremdsprachenabfolge.[8] So ist es kantonal freigestellt, mit welcher Fremdsprache im Unterricht begonnen wird.[9] Übereinstimmendes Ziel ist das Modell 3/5[10], welches den Beginn der ersten Fremdsprache in der dritten, den der zweiten in der fünften Klasse der Primarschule beinhaltet. Eine der beiden Sprachen muss Englisch sein. Am Ende der Schulzeit sollen von Niveau her gleiche Kenntnisse in den beiden Fremdsprachen erworben sein.[11] Fakultativ kann der Erwerb einer dritten Landessprache angeboten werden.[12]

Zu Beginn des Jahres 2003 wurde die „Déclaration relative à la politique des langues en Suisse romande“ verabschiedet. Diese Erklärung regelt die Sprachpolitik der französisch- oder teilweise französischsprachigen Kantone.[13] Sie besagt das Unterrichten von Deutsch ab dem dritten Schuljahr, Englisch ab dem fünften oder siebenten Schuljahr sowie kantonsübergreifende, einheitliche Lernziele.

In der Deutschschweiz wird jedoch mehrheitlich Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet. Sollte also in der Romandie weiterhin Deutsch erste Fremdsprache bleiben oder ist es an der Zeit, diesen Platz an das Englische abzugeben?

2.2 Deutsch als erste Fremdsprache

2.2.1 Mehrsprachigkeit in der Schweiz

Die Amtssprachen der Schweiz mit Anteil ihrer Muttersprachler an der Gesamtbevölkerung sind: Deutsch (63,7%), Französisch (20,4%), Italienisch (6,5%) und Rätoromanisch (0,5%).[14] Deutsch wird in der Schweiz demzufolge von mehr als dreimal so viel Menschen gesprochen wie Französisch.

Die Gebiete der Romandie grenzen zu einem Großteil an jene der deutschen. In den zweisprachigen Kantonen besitzt das Deutsche eine besonders wichtige Bedeutung.

Vom Potenzial der Mehrsprachigkeit, bedingt durch die starke Präsenz der deutschen Sprache in der Schweiz, kann besonders durch eine erhöhte Relevanz im Schulwesen profitiert werden, also durch Deutsch als erste Fremdsprache.

Auch laut der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) gehört in „einem mehrsprachigen Land […] eine zweite Landessprache zum Repertoire der früh zu lernenden Sprachen.“[15]

Nach dem Gesamtsprachenkonzept[16] des EDK sollen die SchülerInnen bessere Kenntnisse einer zweiten Landessprache als Englischkenntnisse vorweisen. Daraus lässt sich die logische Schlussfolgerung ziehen, dass es sinnvoller ist, im Welschland mit Deutsch als erster Fremdsprache zu beginnen.

Das Erlernen von Deutsch trägt auch zum kulturellen Verständnis bei. Die SchülerInnen lernen noch mehr über ihr eigenes Land und werden im Hinblick auf vorhandene sprachliche und kulturelle Diversität in der Schweiz sensibilisiert. Auf diese Art wird ein Grundstein in Bezug auf Akzeptanz und Toleranz gegenüber Anderssprachigen gelegt. Allerdings scheint der Deutschunterricht bislang im Hinblick auf diese Ziele nicht den zu erwartenden Erfolg mit sich zu bringen.[17]

2.2.2 Das Verhältnis zwischen Deutschschweizern und Romands

Generell ist festzuhalten, dass sich in der Schweiz jede Sprachregion als überaus autonom versteht. Man ist zwar Schweizer, aber in erste Linie Romand, Tessiner oder Deutschschweizer. Überdies orientieren sich Suisse romands stark an Frankreich. Insbesondere Romands aus Genf und Lausanne, also die von der Deutschschweiz am weitesten entfernte städtische Bevölkerungsgruppe, kehren der „deutschen Schweiz sprachlich-kulturell den Rücken zu“.[18]

Im Umgang der Schweizer miteinander kann eine besondere „Frankophilie der Deutschschweizer”[19] festgestellt werden. Die Deutschschweizer sprechen mit den Welschschweizern französisch, bei einem Umzug in die Suisse romande bemühen sie sich sehr um eine erfolgreiche Assimilierung, was sich auch im Ausbau ihrer Französischkenntnisse niederschlägt. Das Bild der Romands von der Deutschschweiz ist eher negativ geprägt, bei einem Umzug machen nicht dieselben Bemühungen und suchen sich eher ein französischsprachiges Umfeld. Cichon spricht davon, dass „ein ungebrochen hohes Selbstwertgefühl und ein eher negatives Heterostereotyp auf welscher Seite sowie ein unter Deutschschweizern zuletzt sogar noch verschlechtertes Autostereotyp und ein ungebrochen positives Vorurteil gegenüber Romands“[20] herrscht. Insgesamt führten diese unterschiedlichen Verhaltensweisen jedoch kaum zu Konflikten, da die Deutschschweizer das Verhalten der Romands durchaus akzeptierten.

Auch wenn sich das momentane Verhältnis zwischen den beiden Sprachgruppen nicht unmittelbar auf den Fremdsprachenunterricht in der Schule zurückzuführen lässt, ist es sinnvoll, bei Deutsch als erster Fremdsprache zu bleiben. Das Zurückdrängen von Deutsch auf den zweiten Platz könnte zu einer Verschlechterung der Situation beitragen. Ein gezieltes Fördern von Deutsch in der Schule und eine interessante Unterrichtsgestaltung hingegen könnten auf lange Sicht sogar maßgeblich zu einer Öffnung der Romands gegenüber den Deutschschweizern und einer Stärkung des Einheitsgefühls beitragen.

[...]


[1] Die Romandie ist der Teil der Schweiz, in dem französisch gesprochen wird. Äquivalente Bezeichnungen sind: französisch(sprachig)e Schweiz, Welschland, Welschschweiz oder Suisse romande. Eine Karte der Sprachgebiete der Schweiz ist Anhang unter 4.1 aufgeführt.

[2] http://publications.irdp.relation.ch/ftp/1168417005forster_educateur_spec05_lang.pdf (Zugriff 13.12.2010).

[3] Eine Orientierungshilfe zum Aufbau der schweizerischen Schulsysteme bietet das Schaubild unter 4.2 im Anhang.

[4] Vgl. Cristina Allemann-Ghionda: Schule, Pluralität, Bildung. Sechs Fallstudien im europäischen Vergleich. Bern 1999, S.269.

[5] Vgl. Daniel Elmiger/Simone Forster: La Suisse face à ses langues : histoire et politique du plurilinguisme, situation actuelle de l’enseignement des langues. Neuchâtel 2005, S.3.

[6] Elmiger/Forster (2005), S.18.

[7] http://www.edk.ch/dyn/12719.php, http://www.edk.ch/dyn/14901.php (Zugriff 13.12.2010).

[8] http://www.lch.ch/dms-static/f37d99a9-d5ef-4150-890d-20f7040de731/070615_Harmos_Konkordat.pdf (Zugriff 13.12.2010).

[9] Die Reihenfolge der unterrichteten Fremdsprachen ist im Anhang unter 4.3 bis 4.5 dargestellt.

[10] Vgl. Simone Forster: „Les politiques d’enseignement des langues à l’école primaire“, in: Babylonia 4/05, S.54.

[11] http://www.edk.ch/dyn/12926.php (Zugriff 13.12.2010).

[12] http://www.edk.ch/dyn/12926.php (Zugriff 13.12.2010).

[13] http://www.sprachenunterricht.ch/romandie.php, http://www.sprachenunterricht.ch/docs/declaration_ciip_300103.pdf (Zugriff 13.12.2010).

[14] http://www.swissworld.org/de/bevoelkerung/sprachen/sprachen_in_der_schweiz/ (Zugriff 13.12.2010).

[15] http://www.sprachenunterricht.ch/edk.php (Zugriff 13.12.2010).

[16] http://sprachenkonzept.franz.unibas.ch/Konzept_kurz.html (Zugriff 13.12.2010).

[17] http://www.lch.ch/dms-static/9afe50c3-adf5-4ef3-9024-fc1c5567c151/001030_fremsprachenunterricht.pdf (Zugriff 13.12.2010).

[18] Peter Cichon: Sprachbewußtsein und Sprachhandeln: Romands im Umgang mit Deutschschweizern. Wien 1998, S.357.

[19] Cichon (1998), S.113.

[20] Cichon (1998), S.115.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Fremdsprachenunterricht in der Romandie. Vorteile von Deutsch als 1. Fremdsprache
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V429916
ISBN (eBook)
9783668814905
ISBN (Buch)
9783668814912
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fremdsprachenunterricht, romandie, deutsch, fremdsprache, französisch, englisch, spracherwerb, 1. fremdsprache, erste fremdsprache, schweiz
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Fremdsprachenunterricht in der Romandie. Vorteile von Deutsch als 1. Fremdsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429916

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Fremdsprachenunterricht in der Romandie. Vorteile von Deutsch als 1. Fremdsprache


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden