Die Thematik, mit der sich diese Proseminararbeit beschäftigt, ist die Provinz Noricum, genauer gesagt die Provinzwerdung Noricums. Das keltische Königreich Noricum, das aus einer Art Gemeinschaft von Stämme bestand, die sich ca. um 200 v. Chr. zusammengeschlossen hatten, erstreckte sich über große Teile des heutigen Bayerns, Sloweniens und Österreich. Das sogenannte regnum Noricum pflegte seit ca. 170 v. Chr. eine wirtschaftliche und freundschaftliche Beziehung zum Römischen Reich. Von dieser freundschaftlichen Beziehung, die bis zur Besetzung Noricums bestand, wird von Hainzmann und von anderen als hospitium publicum bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Okkupation und Annexion Noricums durch die Römer
3 Der Prozess der Provinzwerdung unter den verschiedenen Kaisern
3.1 Noricum unter Augustus und Tiberius
3.2 Noricum unter Claudius
4 Grenzen, Verwaltung und ländliche Besiedlung Noricums
4.1 Die Grenzen Noricums
4.2 Die Verwaltung Noricums
4.3 Die Ländliche Besiedlung Noricums
5 Zusammenfassung
6 Bibliographie
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Quellenverzeichnis
6.2.1 Epigraphische Quellen
6.2.2 Historiographische Quellen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Proseminararbeit untersucht den historischen Prozess der Provinzwerdung des keltischen Königreichs Noricum unter römischer Herrschaft. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie und wann Noricum den Status einer römischen Provinz erlangte, welche Rolle dabei die Okkupation durch Augustus und Tiberius spielte und wie die zivile Verwaltung unter Claudius etabliert wurde.
- Analyse der Okkupation und Annexion Noricums durch das Römische Reich.
- Untersuchung des Wandels von einer eigenständigen Herrschaftsform zu einer römischen Provinz.
- Bestimmung der geographischen Grenzen und verwaltungstechnischen Strukturen.
- Erforschung der ländlichen Besiedlungsformen und der sozialen Struktur in der Kaiserzeit.
Auszug aus dem Buch
3.2 Noricum unter Claudius
Im Jahr 41 n. Chr. machten die Praetorianer Claudius zum Kaiser. Die Umwandlung vom bislang okkupierten Noricum in eine prokuratorische Provinz, die eine kaierliche Provinz ist, die von einem procurator verwaltet wird, anstatt von einem legatus Augusti pro praetore. Der erste bezeugte Prokurator oder Statthalter der Provinz Noricum in der claudischen Ära war C. Baebius Atticus, der in einem Teil einer Bronze Inschrift wie folgt tituliert wurde „Procurator / Ti. Claudi(i) Ceasiris Aug(usti) /Germinici in Norico“ Atticus stammte vermutlich aus Julium Carnicum, andere Procurator kamen aus Brixia, vermutlich Gemona und Mutina.
Wie bereits erwähnt Claudius ersetzte die zuerst provisorische Administrations Noricums durch eine echte provenzalische Verwaltung. Für diese Annahme spricht nicht zuletzt auch, dass Virunum (heute Zollfed) unter der Herrschaft von Claudius als Hauptstadt der Provinz Noricum gegründet wurde sowie vier weitere municipias. Diese vier Siedlungen mit Munizipialrecht waren Aguntum (Dölsach bei Lienz), Celeia (Celje), Iuvavum (Salzburg) und Teurnia (St. Peter in Holz). Ein weiterer Beleg dafür ist, dass der älteste Meilenstein aus der claudischen Ära datiert wird , dahingegen stößt laut Kneissl eine Vorstellung einer ca. 60 Jahre andauernden Phase der Okkupation Noricums der Römer auf ernsthafte Bedenken. Das regnum Noricum wurde also unter Claudius zu einer ‚wirklichen‘ Provinz, also der Provincia Norica.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Provinzwerdung Noricums ein und definiert den zeitlichen sowie geographischen Rahmen der Untersuchung.
2 Die Okkupation und Annexion Noricums durch die Römer: Das Kapitel befasst sich mit den Alpenfeldzügen unter Drusus und Tiberius und analysiert die Hintergründe der friedlichen Annexion des Königreichs.
3 Der Prozess der Provinzwerdung unter den verschiedenen Kaisern: Hier wird der Wandel Noricums von der augustianisch-tiberischen Okkupationszeit bis hin zur claudischen Provinzialisierung mit Fokus auf die administrative Entwicklung beleuchtet.
4 Grenzen, Verwaltung und ländliche Besiedlung Noricums: Dieses Kapitel behandelt die geographischen Grenzverläufe, die römische Provinzverwaltung sowie die Siedlungsstruktur und Agrarwirtschaft auf dem Land.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die gewonnenen Erkenntnisse und konstatiert, dass der Provinzwerdungsprozess Noricums einen historischen Ausnahmefall unter den keltischen Gebieten darstellt.
6 Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendete Fachliteratur sowie das umfangreiche Quellenverzeichnis auf.
Schlüsselwörter
Noricum, Provinzwerdung, Römisches Reich, Augustus, Tiberius, Claudius, Annexion, Okkupation, Provinzverwaltung, Prokurator, Virunum, Ländliche Besiedlung, Alpenfeldzüge, Kelten, Antike Quellen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung des keltischen Königreichs Noricum zu einer römischen Provinz während der frühen Kaiserzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Okkupation durch das Römische Reich, die Verwaltungsstrukturen, Grenzziehungen sowie die ländliche Besiedlung Noricums.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel zu klären, wie und wann Noricum unter verschiedenen römischen Kaisern den Status einer Provinz erlangte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse von antiken epigraphischen und historiographischen Quellen sowie die Auswertung aktueller Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Okkupationsprozesses, die administrativen Änderungen unter verschiedenen Kaisern sowie eine detaillierte Analyse der territorialen und siedlungsgeschichtlichen Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Noricum, Provinzwerdung, Okkupation, römische Verwaltung und claudische Ära.
Warum wird die Annexion Noricums oft als "friedlich" beschrieben?
Es fehlen antike Berichte über massive Kampfhandlungen, was Forscher zu der Annahme führt, dass die Eingliederung primär auf vertraglicher oder diplomatischer Basis erfolgte.
Welche Rolle spielt die Stadt Virunum in der Arbeit?
Virunum wird als die unter Kaiser Claudius gegründete Hauptstadt der Provinz Noricum hervorgehoben, die ein zentraler Beleg für die etablierte zivile Verwaltung ist.
Wie bewertet der Autor die Quellenlage für die vorclaudische Zeit?
Die Quellenlage für die Zeit vor Claudius wird als äußerst spärlich eingestuft, was eine exakte Rekonstruktion der frühen Verwaltungsform erschwert.
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- Gregor Schweighofer (Author), 2015, Provincia Norica. Vom Werden einer Provinz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429942