Damnatio Memoriae am Beispiel Neros und seinem Domus Aurea


Hausarbeit, 2018
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Damnatio Memoriae
2.1 Definition
2.2 Vorgehensweise
2.3 Geschichtliche Beispiele
2.3.1 Publius Septimus Geta
2.3.2 Drittes Reich
2.3.3 Nikolai Iwanowitsch Jeschow
2.4 Thematische Parallelen
2.4.1 Berliner Mauer
2.4.2 Nine Eleven
2.4.3 Universitatskirche Leipzig
2.4.3 Heidelberger Schloss

3. Nero und sein Domus Aurea
3.1 Nero
3.1.1 Damnatio Memoriae an Nero
3.2 Domus Aurea
3.2.1 Beschreibung
3.2.2 Ruckbau
3.2.3 Ausgrabung
3.2.4 Vandalismus und Damnatio Memoriae

4. Fazit

I. Bildanhang

II. Literatur

III. Quellen

IV. Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1, 1984, George Orwell, deutsche Erstausgabe 1950, England

1. Einleitung

»Who controls the past, controls the future: who controls the present, controls the past.«[1]

Ein Film, der im Jahre 1984 spielt und der auf dem gleichna- migen Roman von George Orwell (Abb. 1) basiert, in welchem wir uns im fiktiven Uberwachungsstaat Ozeanien befinden: In einem alten Fabrik Gebaude, dem »Ministerium fur Wahrheit« befinden sich mehrere Arbeiter, welche den ganzen Tag uner- mudlich verschiedene Artikel der archivierten Zeitungen der vergangenen Zeit umarbeiten, abandern und die Orginale ver- schwinden lassen.

Doch aus welchem Grund kontrollieren diese Arbeiter die Ver- gangenheit?

Sie tun es um das Bild der Vergangenheit, an die im Moment vorherrschende Regierung anzupassen und die Vorzeit damit zu verandern und nachhaltig zu pragen. Dies wird also ganz be- wusst getan.[2]

Aber es ist ja nur ein Film und nicht die Realitat...

Doch diese beangstigte Art der Kontrolle gab es, oder besser gibt es immer wieder in der Historie der Menschheit.

Ob in der romischen Antike, dem Dritten Reich, oder der Sowje- tunion. Hauptsachlich geschah dies aus einem einzigen Grund: Bestimmte Personen, oder Vorkommnisse, sollten ausgeloscht und vergessen werden, vielmehr man will verschweigen dass es sie jemals gegeben hat.

In der folgenden Arbeit sollen die Grunde, Vorgehensweisen und Beispiele dieser versuchten Kontrolle der Vergangenheit, auch Damnatio Memoriae genannt, dargelegt und erlautert wer- den. Ein besonders wichtiger Punkt ist hierbei das Schicksal Kaiser Neros und seinem gigantischen Palastareal, dem golde- nen Haus und seiner »Zerstorung« .

Hierbei wurde sich vor allem mit der These beschaftigt, ob die­ses aufgrund der Damnatio Memoriae dem Vandalismus zum Opfer gefallen ist.

2. Damnatio Memoriae

2.1 Definition

Was versteht man unter dem Begriff Damnatio Memoriae und wie wurde bei einer solchen vorgegangen?

Damnatio Memoriae bedeutet im ubertragenen Sinne ei- gentlich nur vergessen.[3] Doch in der Regel vergessen wir Dinge die wir verdrangen wollen oder die fur uns als unwich- tig empfunden werden. Menschen tun dies also freiwillig. Anders bei Damntaio Memoriae, welches auch als strafen- des oder represives Vergessen betitelt wird.[4] Hierbei dient das Vergessen hauptsachlich dazu, dem Aus- geloschtem zu schaden, oder ihn in schlechter Erinnerung zu behalten. Auch wird bei der Damnatio Memoriae nicht freiwillig vergessen sondern dieses wird erzwungen und meist von den jeweiligen Staatsoberhaupten auferlegt und befohlen.

Zusammenfassend ist Damnatio Memoriae also die vor- satzliche Ausloschung einer Person aus der allgemeinen Erinnerung.

Dieses Phanomen kennen wir hauptsachlich aus der Anti- ke[5]. Es tritt im Laufe der Geschichte aber immer wieder auf und ist daher kein Einzelfall. In unserer Gesellschaft ist es beispielsweise auch oft der Fall, dass uber Dinge welche unangenehm sind einfach geschwiegen wird.

Hat etwa ein verheirateter Partner eine Affare ist es nicht selten der Fall, dass nach dem dies herausgefunden wird, das Paar dennoch verheiratet bleibt und es im Folgenden totgeschwiegen wird. Durch diesen Vorgang soll die Affare ungeschehen gemacht werden.

Wie bereits oben beschrieben, kennen wir Damnatio Me­moriae erstmals aus der romischen Antike. »Im antiken Rom fielen der „abolitio nominis“, der Vermeidung des Namens, eine ganze Kette von Kaisern zum Opfer«[6]

Damnatio Memoriae ist also kein Begriff aus dem damaligen Rom, sondern ein uber die Laufe der Jahre entstandener Begriff fur dieses Ereignis in der Geschichte.[7]

Hinzufugend ist wichtig zu sagen, dass die allgemein gelaufigen Falle auch immer auf einen politischen und nicht auf einen reli- giosen Grund zuruckzufuhren sind.[8]

2.2 Vorgehensweise

Zu Beginn ist wichtig zu klaren, dass der Begriff Damnatio Me­moriae ein sehr breitgefacherter und allgemeiner ist. Eine ge- naue Herangehensweise ist dadurch schwer zu erkennen. »Die Schwierigkeit bei der Behandlung der damnatio memoriae be- steht darin, etwas darzustellen, was es nicht gegeben hat.«[9]

Dennoch lassen sich gewisse Mechanismen erfassen, welche immer wieder angewandt wurden, um zu versuchen eine Person aus dem allgemeinen Gedachtnis zu verdammen.

Besonders in der romischen Antike sind diese Vorgange etwas expliziter zu erkennen.

»Wenige auf den Sachverhalt der damnatio memoriae bezogene Beispiele finden sich im spatantiken Codex Justinianus, einer Sammlung romischer Gesetzestexte, [...]«[10] wieder.

Im romischen Zeitalter ging es gleichermaBen nicht um die voll- kommene Ausloschung der Person, sondern darum, das An- denken dieser negativ zu farben. Denn laut Merten ware dies aufgrund der Fulle an Statuen, Andenken und Monumenten der romischen Kaiser rein technisch gar nicht zu vollbringen.[11] Und ware dies bei einem vergangenen Fall erfolgreich, so ware uns das Beispiel dementsprechend nicht bekannt.

Beliebte Praktiken der Damnatio Memoriae waren die »Entfrem- dung des Namens aus offentlichen Inschriften, die Zerstorung oder Umarbeitung von Portraits oder Munzen[...]«[12] sowie ein »Grab - und Trauerverbot, [...]«[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

GleichermaBen beliebt war die »Verfluchung des Geburtstages oder die festliche Feier des Todestages [...]« sowie eine »Bild oder Namensstrafe, abhangig von der sozialen oder politischen Stellung des Verbrechers«[14].

Besonders die Verfremdung, meist Umkodierung genannt, war besonders wirksam, da diese haufig weniger Aufsehen erreg- te und vom Volk als vorhanden wahrgenommen wurde. »Das Fehlende wird starker wahrgenommen, als wenn es vorhanden ware, weil die tradierte Sehgewohnheit gestort ist.«[15] Ist also eine Statue nur umgearbeitet worden, so wurde dies schneller akzeptiert und angenommen. Des weiteren war es oft einfacher und auch schneller zu handhaben. Beispielswei- se wurden bei Nero Schmucksteine, die ihn mit einem Eichen- kranz zeigten, zum Kaiser Galba umkodiert und weiterverwen- det (Abb. 2).

2.3 Geschichtliche Beispiele

In der Geschichte findet man immer wieder Beispiele die auf ein Damnatio Memoriae hinweisen, denn nicht nur in der romischen Antike gab es immer wieder Personen, meist des offentlichen Lebens, die vergessen werden sollten.

»Es scheint als ob durch diesen Akt ein Bedurfnis befriedigt wird, als ob jeder Wandel ohne einen Denkmalsturz als unvoll- kommen empfunden wurde und die Entfernung der Monumente der alten Herrscher als zwingend notwendig ist«[16].

2.3.1 Publius Septimus Geta

Publius Sepitmus Geta wurde am 27. Mai des Jahres 189 n.Chr. geboren. Nach dem Tod des Vaters ubernimmt dieser gemein- sam mit seinem Bruder Caracalla die Herrschaft. Diese ist aber von Neid und Eifersucht gezeichnet, sodass Caracalla seinen Bruder 211 n.Chr. ermordete und eine Damnatio Memoriae uber ihn verhangt wurde.[17] Infolgedessen wurde sein Gesicht aus einem Familiengemalde eliminiert (Abb. 3) um ihn aus der Ge­schichte zu verbannen. Dieses Beispiel zeigt aber wie auffallig eine solche Tilgung ist, da sie immer im Fokus steht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.2 Drittes Reich

Ein Beispiel aus der jungeren deutschen Geschichte war das Dritte Reich und ihr rigoroses Verbot gegenuber allem was dem widerdeutschen Geist entspricht. Der Grund hierfur waren meist Propagandazwecke. Die Vernichtung der deutschen Kulturguter lasst sich in 3 Stufen gliedern, wobei nur die ersten beiden der Damnatio Memoriae angehoren. »Die erste Phase begann mit der Machtergreifung 1933 und richtet sich zunachst zum einen gegen Kriegsdenkmaler und Gedenkstatten [...] und zum ande- ren gegen Symbolfiguren der politischen Linken.«[18] Die zweite Phase beginnt etwa ab 1937 »Im Zusammenhang mit der politischen Radikalisierung des Systems und demzufol- ge auch der Kultur und Kunstpolitik richtet sich die Aufmerk- samkeit nun auf Werke der unliebsamen Kunstlern und deren Monumente, die als „entartete“ Kunst galten [...]«[19]. Die Bucher­verbrennung in 22 deutschen Universitatsstadten, bei welchen Werke von herausragenden deutschen Autoren wie Erich Kast- ner und damit auch Kulturguter verbrannt wurden, belegt dies eindrucksvoll (Abb. 4,5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.3 Nikolai Iwanowitsch Jeschow

Jeschow war Chef der sowjetischen Geheimpolizei und betei- ligt an dem von Stalin angeordnetem, groBen Terror ab 1936 mit tausenden Opfern. 1938 aber folgte sein politischer Absturz nachdem sich seine Vorgehensweisen verselbststandigten und unkontrollierbar wurden. Nach seiner Verhaftung wurden sogar Bilder, die ihn mit Stalin gemeinsam zeigen, aufwendigst retu- schiert, um nicht nur ihn sondern auch samtliche Vorkommnisse ungeschehen zu machen (Abb. 6,7).[20]

Diese Beispiele zeigen auf wie prasent Damnatio Memoriae in den verschieden Kapiteln und Abschnitten der weltlichen Ge­schichte ist. Gerade im aktuellen Zeitgeschehen und den ver­schieden politischen Ereignissen vor allem im Hinblick auf die USA, Russland und die Turkei ist dieses Thema so aktuell wie nie.

[...]


[1] Orwell, 1984.

[2] Ebd.

[3] Assmann, 2015, S. 20.

[4] Ebd.

[5] Pesch, 1995, S. 1.

[6] Heiner, 2016, S. 13.

[7] Scholz/Schwedler/Sprenger, 2014, S. 10.

[8] Ebd. S. 94.

[9] Pesch, 1995, S. 1.

[10] Merten, 2016, S. 329.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Vittinghoff, 1936, S. 13.

[14] Vittinghof, 1936, S. 13.

[15] Scholz/Schwedler/Sprenger, 2014, S. 103.

[16] GreBhake, 2010, S. 9.

[17] Krupe, 2011, S. 177- 208.

[18] GreBhake, 2010, S. 23.

[19] Ebd.

[20] Wikipedia, Nikolai Iwanowitsch Jeschow, 2018.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Damnatio Memoriae am Beispiel Neros und seinem Domus Aurea
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V429952
ISBN (eBook)
9783668738713
ISBN (Buch)
9783668738720
Dateigröße
1875 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
damnatio, memoriae, beispiel, neros, domus, aurea
Arbeit zitieren
Carla Weiland (Autor), 2018, Damnatio Memoriae am Beispiel Neros und seinem Domus Aurea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429952

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Damnatio Memoriae am Beispiel Neros und seinem Domus Aurea


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden