In der folgenden Arbeit sollen die Gründe, Vorgehensweisen und Beispiele der versuchten Kontrolle der Vergangenheit, auch Damnatio Memoriae genannt, dargelegt und erläutert werden. Ein besonders wichtiger Punkt ist hierbei das Schicksal Kaiser Neros und seinem gigantischen Palastareal, dem goldenen Haus und seiner »Zerstörung« .
Hierbei wurde sich vor allem mit der These beschäftigt, ob dieses aufgrund der Damnatio Memoriae dem Vandalismus zum Opfer gefallen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Damnatio Memoriae
2.1 Definition
2.2 Vorgehensweise
2.3 Geschichtliche Beispiele
2.3.1 Publius Septimus Geta
2.3.2 Drittes Reich
2.3.3 Nikolai Iwanowitsch Jeschow
2.4 Thematische Parallelen
2.4.1 Berliner Mauer
2.4.2 Nine Eleven
2.4.3 Universitätskirche Leipzig
2.4.3 Heidelberger Schloss
3. Nero und sein Domus Aurea
3.1 Nero
3.1.1 Damnatio Memoriae an Nero
3.2 Domus Aurea
3.2.1 Beschreibung
3.2.2 Rückbau
3.2.3 Ausgrabung
3.2.4 Vandalismus und Damnatio Memoriae
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Damnatio Memoriae als Mittel der politischen Kontrolle und Geschichtsumdeutung. Anhand historischer Beispiele wird analysiert, wie versucht wurde, Personen und Vorkommnisse aus dem öffentlichen Gedächtnis zu löschen, wobei ein besonderer Fokus auf dem Schicksal des Kaisers Nero und seinem Palastkomplex, dem Domus Aurea, liegt.
- Historische Herleitung und Definition des Begriffs Damnatio Memoriae
- Mechanismen der Verunglimpfung und Auslöschung in verschiedenen Epochen
- Analyse der Baumaßnahmen der flavischen Kaiser als Instrument der Vergangenheitsbewältigung
- Unterscheidung zwischen Vandalismus und gezielter Tilgung politischer Spuren
- Fallstudie: Der Domus Aurea als Objekt politischer Umgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Rückbau
Um die Frage, ob die Vorgehensweise des Damnatio Memoriae an Neros Domus Aurea vollzogen wurde, beantworten zu können, muss zuerst geklärt werden, was mit dem gigantischen Palast-Komplex Neros geschah, als der Kaiser zum hostis wurde.
Die erste Maßnahme nach Neros Tod und der Machtübernahme der flavischen Kaiser war der Bau des flavischen Amphitheaters unter Kaiser Vespasian 70 n.Chr.. Er setzte damit ein Statement, dass sich Rom wieder ändern sollte. Mit der herkömmlichen Sitzordnung nach den verschieden Ständen, welche Nero abschaffen wollte, gab er vor allem der nobilitas ein Stück der alten Ordnung zurück, welche Nero ihnen einst weggenommen hatte. Weege schrieb hierzu: »Aus Gründen einer klugen, inneren Politik wetteiferten die flavischen Kaiser, die neronische Schöpfung in Vergessenheit zu bringen.«.
Mit einher ging die Umkodierung der gigantischen Nero-Statue zum Sonnengott Sol, ein Verfahren der Damnatio Memoriae. Hierfür wurden zuerst nur die Inschriften der Statue abgeändert, da die Bearbeitung des Gesichtes in 40 Meter Höhe einen zu großen Aufwand darstellte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert das Konzept der manipulativen Geschichtsschreibung und definiert die Forschungsfrage, die sich mit der absichtlichen Tilgung von Erinnerung am Beispiel Kaiser Neros befasst.
2. Damnatio Memoriae: Dieses Kapitel definiert den Begriff als staatlich gelenktes Vergessen und beleuchtet anhand historischer Fälle wie Septimius Geta oder dem Dritten Reich die Mechanismen der Verfremdung und Auslöschung.
3. Nero und sein Domus Aurea: Hier wird das Leben Neros, sein Palastbau und die nach seinem Tod eingeleiteten Maßnahmen zur baulichen und symbolischen Tilgung seiner Herrschaft detailliert analysiert.
4. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Rückbau des Domus Aurea als strategischer Akt zur Etablierung einer neuen Ordnung unter den flavischen Kaisern zu verstehen ist, wobei eine vollständige Auslöschung von Erinnerung in der Praxis kaum möglich war.
Schlüsselwörter
Damnatio Memoriae, Nero, Domus Aurea, Geschichtspolitik, Erinnerungskultur, Vandalismus, Kaiserzeit, flavische Dynastie, Monumente, kollektives Gedächtnis, Umkodierung, Macht, Propaganda, Rom, Archäologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verfahren der Damnatio Memoriae, also das bewusste Auslöschen oder Umgestalten von Spuren missliebiger Herrscher in der Geschichte.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition politisch motivierten Vergessens, den praktischen Vorgehensweisen in der Antike sowie der Anwendung auf bauliche Denkmäler.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Rückbau des Domus Aurea unter den flavischen Kaisern als gezielte Damnatio Memoriae oder als rein pragmatischer Vandalismus zu interpretieren ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, die durch den Vergleich archäologischer Funde und historischer Quellen sowie durch die Einbeziehung aktueller Denkmalpflege-Aspekte gestützt wird.
Was beinhaltet der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Übersicht historischer Fallbeispiele sowie eine tiefgehende Analyse des Schicksals des Neronischen Palastareals.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Erinnerungskultur, Geschichtspolitik, Damnatio Memoriae und bauliche Transformation sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Welche Rolle spielten die flavischen Kaiser bei der Umgestaltung Roms nach Nero?
Die flavischen Kaiser nutzten den Rückbau des Domus Aurea strategisch, um sich von der neronischen Ära abzugrenzen und durch Bauwerke wie das Amphitheater eine neue politische Ordnung gegenüber dem Volk und der nobilitas zu legitimieren.
Inwieweit lässt sich das Konzept der Damnatio Memoriae auf moderne Ereignisse übertragen?
Der Autor zeigt durch Parallelen zu modernen Ereignissen wie dem Fall der Berliner Mauer oder dem Anschlag auf das World Trade Center, dass das aktive Eingreifen in die Erinnerung ein zeitloses Instrument politischer Machtausübung bleibt.
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- Carla Weiland (Author), 2018, Damnatio Memoriae am Beispiel Neros und seinem Domus Aurea, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429952