Karl Friedrich Schinkels Entwurf zur Orianda auf der Krim

Eine Baubeschreibung ungebauter Bauten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

13 Seiten, Note: 1,3

Shirin Shi (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenlage

3. Allgemeine Informationen zum Thema

4. Biografische Informationen zu den beteiligten Personen
4.1 Karl Friedrich Schinkel

5. Beschreibung und Charakterisierung des Baus

6. Auswirkungen und Einflüsse des Entwurfs,ähnliche Bauten
6.1 Der Akropolispalast Schinkels
6.2 Die Villa Malaparte auf Capri

7. Fragen und Probleme

8. Einordnung in den Kontext des Seminars

9. Fazit

10. Anhang
10.1 Literaturverzeichnis
10.2 Verzeichnis Benutzer Internetseiten
10.3 Abbildungsverzeichnis

11. Abbildungen

1. Einleitung

Im Rahmen unseres Seminars: „Ungebaute Bauten" stelle ich Karl Friedrich Schinkels Entwurf zur Orianda auf der Krim vor, eine Sommerresidenz der russischen Zarin.

Die Quellen für diesen nie realisierten Entwurf bestehen aus Schinkels Skizzen, Zeichnungen und Beschreibungen, die er in seiner Schrift „Werke der höheren Baukunst"1 veröffentlicht hat.

Obwohl es einen konkreten Auftrag für dieses Bauwerk gab und alle Voraussetzungen, wie finanzielle Mittel und Baugrund, gegeben waren, wurde Schinkels Entwurf doch nie realisiert.

Nun stellt sich die Frage nach dem Grund für dessen Scheitern.

2. Quellenlage

Welche Informationen und Materialien liegen uns zu Schinkels Entwurf vor?

Die einzigen Unterlagen finden sich in Schinkels oben genanntem Werk.

Die Abbildungen zu dem Entwurf Orianda sind hauptsächlich Federzeichnungen/ Aquarelle von Schinkel persönlich.

Abgesehen von Schinkels originalen Dokumenten gibt es eine Vielzahl an Sekundärliteratur, die sich mit dem Entwurf auseinandersetzt2.

3. Allgemeine Informationen zum Thema

Für die Analyse des nie realisierten Entwurfs und dessen Auswertung ist es wichtig, die Hintergrundinformationen zu kennen:

Im Jahre 1815 wurde Schinkel zum Geheimen Oberbaurat Preußens ernannt und war zudem ein enger Freund des preußischen Kronprinzen. Zwei Jahre später verheiratete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen seine Tochter mit dem russischen Thronfolger und späteren Zaren Nikolaus I.,1837 bereiste die Zarin Alexandra Feodorowna, Tochter des preußischen Königs, die Halbinsel Krim und wünschte sich statt des vorhandenen Landhauses eine moderne Sommerresidenz.

Sie wendet sich an ihren Bruder, der im Jahre 1838 Schinkel beauftragt.

Krim ist eine Halbinsel am Schwarzen Meer3 und heute Teil der Ukraine, damals jedoch noch dem russischen Zarenreich angehörig. Für den Bau ihrer Residenz hatte die Zarin ein 500 Meterüber dem Meer gelegenes Plateau in einer felsigen Umgebung ausgewählt, welches nurüber den Landweg erreicht werden konnte. Schinkel war nicht vor Ort gewesen, er erhielt lediglich Landschaftszeichnungen des Gebietes.4

Nach den Wünschen der Zarin sollte das Schloss, das Schinkel für sie entwarf, in der Art des Schlosses Charlottenhof in Potsdam errichtet werden. Charlottenhof war von 1826-1829 von Schinkel umgebaut und eingerichtet worden. Hierbei ist zu erwähnen, dass durch die Auftraggeberin ausdrücklich ein kleines Landhaus von Schinkel gefordert wurde.

4. Biografische Informationen zu den beteiligten Personen

4.1 Karl Friedrich Schinkel

Karl Friedrich Schinkel wurde am 13. März 1781 in Neuruppin geboren. Er war Grafiker, Maler, Baumeister und Bühnenbildner, und vor allem Architekt und Stadtplaner.

Unter anderem wirkte er als Oberlandesbaudirektor und Architekt der preußischen Königs, weshalb viele seiner berühmtesten Bauten in Berlin stehen, wie das Alte Museum5 und das Schauspielhaus6.

Jedoch prägten nicht nur seine Bauwerke die nachfolgende Architektur, sondern auch seine theoretischen Werke, insbesondere auch der Entwurf für Orianda sowie der Entwurf für eine Neugestaltung der Akropolis in Athen7.

Insgesamt gestaltete Schinkel den Klassizismus bedeutend mit, da die antike Architektur für ihn als Ideal stand und durch ihn, indem er sie mit modernen Elementen kombinierte, zeitgemäßübersetzt wurde.

Am 9. Oktober 1841 verstarb Karl Friedrich Schinkel in Berlin.

5. Beschreibung und Charakterisierung des Baus

Für das Schloss Orianda an der Krim gab es von Schinkel zwei mehr oder weniger ausgearbeitete Entwürfe: den „moskowitischen" und den „antikischen".

Bei ersterem8 hat sich Schinkel an früherer russischer Architektur orientiert, was besonders an den vier spitzhelmigen Türmen an den Ecken erkennbar ist (deshalb auch: „Moskowitisch"). Dies trifft aber nur auf dieäußere Erscheinung des Entwurfs zu, das Innere wurde von Schinkel mit antiken Elementen gestaltet, die im zweiten Entwurf weiter ausgearbeitet wurden.

Diesen Entwurf kann man als eine erste spontane Idee Schinkels ansehen.

Der zweite, „antikische" Entwurf wurde von Schinkel viel umfangreicher bearbeitet.

Der Grundriss9 ist achsensymmetrisch gehalten und gliedert sich in zwei Bereiche: Einen Eingangsbereich, bestehend aus drei quadratischen, eingeschossigen Baukörpern und den Hauptbereich, der sich rechteckig um ein großes Peristyl schließt.

In der Mitte des Peristyls befindet sich ein weiterer, längsrechteckiger Bau, welcher als Sockel für einen Pavillon in Form eines ionischen Tempels dient. An den beiden Längsseiten des Sockelbaus führen zwei lange Treppen nach oben10, ansonsten ist der Rest der vom Peristyl umschlossenen Fläche durch symmetrisch angelegte Gärten und Wasserbassins gefüllt.

Ein sechssäuliger dorischer Portikus am großen, mittleren „Quadrat" bildet den einzigen Eingang zur Gesamtanlage. Durch zwei Vestibüle führt nun der Weg in das große Atrium11 mit kassettierter Decke und umlaufendem, in Freskotechnik gemaltem Fries, welches stark verschattet und in dunklen Farben gehalten ist. Für das Material der Säulen sah Schinkel schwarzen, polierten Granit und Porphyr vor, krimische/kaukasische, also heimische, Gesteine.

Dazu im Kontrast stehen die achteckigen, maurisch-indischen Säulen des Peristyls mit ihren farbigen Mosaiken12 und Figurenfriesen13, diese sollen verdeutlichen, dass eine Einheit aller antiker Bauformen ein Ideal ergibt.

Links und rechts befinden sich zwei weitere, kleine Atrien, schmale Brücken verbinden zu den kaiserlichen Räumen, damit das Personal nicht den den Herrschern vorbehaltenen Hof innerhalb des Peristyl betreten muss.

Auffällig ist hier, dass Schinkel an mehreren Stellen des Grundrisses, nämlich jeweils einmal in jedem der drei Vorgebäude, sowie an jeder Ecke des Hauptgebäudes, Treppen eingezeichnet, jedoch kein darüber liegendes Geschoss näher ausgeführt hat.

Im Hauptgebäude finden sich in den beiden seitlichen Flügeln die königlichen Zimmer und meerseitig angeordnet die Empfangs- und Repräsentationsräume. Letztereöffnen sich alternierend zum Hof oder zum Meer hin, was bewirkt, dass es eine klare Ausrichtung eines jeden Raums und damit einen gezielten Ausblick gibt.

Im Gegensatz dazu sind die Räume der seitlichen Flügel fast komplett nach innen abgeschlossen.

Weitere Schmuckstücke Schinkels Entwurf sind die Karyatidenhalle mit Terrasse zum Meer14 hin, sowie die Verglasungen zwischen den Säulen der Kabinette und des Tempels inmitten der Anlage.

Ein weiteres Motiv Schinkels ist die Wegeführung. Er inszeniert bewusst eine „promenade architecturale"15, die den Besucher zwingt, dem vom Architekten gestalteten Weg zu folgen. Dieser führt durch die dunklen Vestibüle hinaus in die prächtigen, orientalisch gestalteten Gärten (ein weiteres Motiv), entlang der königlichen Gemächer um schließlich die lang gezogene, flache Treppe zu erreichen, die hoch zum Tempel führt. Dieser ist von Begrünung und Bepflanzung, selbst mit Bäumen, umgeben.

In dem Sockelbau inmitten des Vestibüls ist von Schinkel Raum für ein „Museum der kaukasischen Altertümer"16 vorgesehen. Hier sollen Skulpturen des russischen Reichs zwischen mächtigen, dunklen Pfeilern den kulturellen Reichtum des Zarenreiches repräsentieren.

[...]


1 „Werke höherer Baukunst", 1840-1842 und 1845-1846, heute im Besitz der staatlichen Museen zu Berlin

2 Siehe Anhang unter 10.1

3 Siehe Abbildung 1

4 vergleiche Abb. 93 auf S.204f. aus: Zadow, Mario, Karl Friedrich Schinkel, Rembrandt Verlag, Berlin 1980

5 am Berliner Lustgarten, erbaut 1824

6 am Gendarmenmarkt, erbaut 1821

7 dieser findet sich in Schinkels „Sammlung architektonischer Entwürfe" von 1820-1837 4 von 22

8 vergleiche Abb. 2 und 3

9 vergleiche Abb. 4

10 siehe Abb. 5 und 6

11 vergleiche Abb. 7

12 vergleiche Abb. 8

13 vergleiche Abb. 96 auf S. 209 aus: Zadow, Mario, Karl Friedrich Schinkel, Rembrandt Verlag, Berlin 1980

14 siehe Abb. 9

15 aus: Philipp, Klaus Jan: „Karl Friedrich Schinkel - Späte Projekte", Band I, Édition Alex Menges, Stuttgart/London 2000, S.86

16 siehe Abb. 10

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Karl Friedrich Schinkels Entwurf zur Orianda auf der Krim
Untertitel
Eine Baubeschreibung ungebauter Bauten
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V430044
ISBN (eBook)
9783668733411
ISBN (Buch)
9783668733428
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schinkel, Orianda, Krim
Arbeit zitieren
Shirin Shi (Autor:in), 2014, Karl Friedrich Schinkels Entwurf zur Orianda auf der Krim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430044

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Karl Friedrich Schinkels Entwurf zur Orianda auf der Krim



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden