Die Geschichte des Vegetarismus von der griechischen Antike bis heute


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

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ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Graphik 1: Fleischkonsum in Deutschland
https://www.welt.de/politik/deutschland/article123700329/Deutsche-schlachten-pro-Jahr-750-
Millionen-Tiere.html#cs-DWO-Fleischatlas-2014-cw-1500x1000-jpg.jpg
Letzter Zugriff: 12.4.2017
Graphik 2: Treibhauseffekt der Herstellung von Nahrungsmitteln
https://www.foodwatch.org/uploads/media/foodwatch-Report_Klimaretter-
Bio_20080825_01.pdf
Letzter Zugriff: 11.4.2017
Graphik 3: Wasserverbrauch für die Produktion von 1 Kilo Lebensmittel
https://www.swissveg.ch/wasserverbrauch?language=en
Letzter Zugriff: 11.4.2017
Graphik 4: Landbedarf zur Produktion von einem Kilo Nahrungsmittel
https://prezi.com/ru839l2ikfqr/copy-of-fleischkonsum/
Letzter Zugriff: 12.4.2017

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1. Einleitung
,,Nichts wird die Gesundheit der Menschen und die Chancen auf ein Überleben auf der
Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung." (ProVegan)
Dies sagte bereits vor Jahrzehnten Albert Einstein. Ein erstaunlicher Ausspruch, wenn
man bedenkt, dass man zu dieser Zeit noch über wenig wissenschaftliche Erkennt-
nisse über die Zusammenhänge und Auswirkungen von Ernährung auf Umwelt, Klima,
Gesundheit und Tierrechte verfügte.
Der Vegetarismus ist nicht nur eine fleisch- und fischlose Ernährungsweise, sondern kann als
kompletter Lebensstil beziehungsweise als Weltanschauung gesehen werden, die sich in der
heutigen Gesellschaft etabliert hat und die mehr und mehr akzeptiert wird (Leitzmann / Keller
2010, S. 37).
Das zunehmende Umdenken in der Bevölkerung in Bezug auf den Fleischkonsum ist zum
einen eine Reaktion auf die BSE- Krise, die Vogelgrippe oder die zahlreichen Gammelfleischs-
kandale der vergangenen Jahre. Aber auch Gesundheitsaspekte und wachsende Kritik an un-
serem Umgang mit Tieren vor allem in der Massentierhaltung sowie die massiven umwelt-
schädlichen Folgen, die ein hoher Fleischkonsum verursacht, spielen eine wichtige Rolle für
das veränderte Bewusstsein.
Die Zahl der weltweiten Vegetarier wird auf circa 20 Prozent geschätzt, wobei zu berücksich-
tigen ist, dass der überwiegende Teil, nämlich 95 Prozent davon ,,Not-Vegetarier" aus Entwick-
lungsländern sind, die sich schlicht kein Fleisch leisten können. Demgegenüber stehen 5 Pro-
zent ,,Wahl-Vegetarierer", Menschen in Industrieländern also, die freiwillig meist aus ethisch-
moralischen, gesundheitlichen oder ökologischen Gründen auf Fleisch verzichten
(Leahy et
al. 2010).
Im Folgenden werde ich auf die Geschichte des Vegetarismus von der griechischen Antike bis
heute eingehen und anschließend die verschiedenen Aspekte beleuchten, die Einfluss auf die
Hinwendung zum Vegetarismus nehmen.
2. Definition Vegetarismus
,,Vegetarismus" stammt von dem englischen Begriff
vegetarian
ab (Merriam-Webster 2017).
Die enthaltene Sprachwurzel
veget-
wird wiederum aus dem Lateinischen
vegetare
(wachsen,
beleben),
vegetus
(lebendig) und
vegere
(beleben, beseelen) abgeleitet (Leitzmann / Keller
2010, S. 18).

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,,Vegetarismus" bedeutet soviel wie die ,,Lehre, die den Genuss ausschließlich oder überwie-
gend pflanzlicher Kost anstrebt" (Duden 2017). Je nach Form des Vegetarismus werden den-
noch Produkte von lebendigen Tieren wie zum Beispiel Milch und Eier konsumiert, wohinge-
gen Produkte von toten Tieren, also Fleisch, Fisch und Gelatine, in jedem Fall ausgeschlossen
sind (Leitzmann / Keller 2010, S. 19).
Es wird in der kompletten Arbeit davon ausgegangen, dass der Verzicht auf Fleisch eine frei-
willige und gewollte Entscheidung ist und nicht aufgrund von Lebensmittelknappheit durch Ar-
mut darauf verzichtet werden muss. Daraus lässt sich schließen, dass sich der Vegetarismus
als selbstbestimmte Lebensform nur in Wohlstandsgesellschaften, nicht aber in Dritte-Welt
Ländern etablieren lässt.
Es gibt verschiedene Ausprägungen der vegetarischen Ernährungsweise, die nach ihrer Le-
bensmittelauswahl eingeteilt werden. Gemeinsam haben alle Gruppen den Verzehr von
pflanzlicher Nahrung und den Verzicht auf Produkte von toten Tieren, also Tierfleisch, Wurst
und Fisch, sie unterscheiden sich aber durch den Anteil tierischer Lebensmittel wie Milch,
Milchprodukte und Eier.
· Lakto-Ovo-Vegetarier konsumieren Eier Milch und Milchprodukte, und stellen die
größte Gruppe der Vegetarierer dar.
· Lakto-Vegetarier verzehren Milchprodukte, verzichten aber auf Eier.
· Ovo-Vegetarier konsumieren Eier, aber verzichten auf jegliche Milchprodukte. Diese
Form wird oft auch aus gesundheitlichen Gründen wie zum Beispiel Laktoseunverträg-
lichkeit gewählt.
· Veganer verzichten als konsequente Weiterführung des Vegetarismus auf den Kon-
sum sämtlicher Nahrungsmittel, die von lebenden oder toten Tieren stammen, und
darüber hinaus auch auf Produkte jeglicher Art, die aus lebenden oder toten Tieren
gewonnen werden wie zum Beispiel Bekleidung, Leder und Wolle. Ihre Ernährung be-
steht ausschließlich aus Pflanzenkost.
(Leitzmann / Keller 2010, S. 20)
Sozialpsychologische Forschungen ergaben, dass sich Menschen zum Großteil nicht spontan,
sondern nach und nach dem Vegetarismus zuwenden. Meistens wird der Konsum von Fleisch
und Fisch zuerst eingeschränkt und später dann ganz aufgegeben. Auch Veganer ernähren
sich oft erst (Lakto-/Ovo)-Vegetarisch, bevor sie auf alle Nahrungsmittel und Produkte tieri-
scher Herkunft verzichten (Leitzmann / Keller 2010, S.25).

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3. Die Geschichte des Vegetarismus
Vegetarische Ernährung ist keinesfalls nur ein Hype der letzten Jahrzehnte. Der Grundstein
für eine vegetarische Ernährung wurde ungefähr 8.000 vor Christus durch den Beginn von
Ackerbau und somit den Anbau von Nutzpflanzen gelegt (Dierauer 2001, S. 11). Seine Wurzeln
hat der Vegetarismus im antiken Griechenland. Im Folgenden werde ich auf diese Zeit und auf
die moderne vegetarische Bewegung seit dem 19. Jahrhundert eingehen.
3.1 Die Entstehung des ethischen Vegetarismus
Seinen Ursprung hat der Vegetarismus in der griechischen Antike. Durch die Orphiker ­ eine
im sechsten Jahrhundert aufkommende, religiöse Strömung ­ kam es erstmals zu einer frei-
willigen und bewussten vegetarischen Ernährung (Linnemann / Schorcht 2010, S. 12).
Als Begründer des ethischen Vegetarismus' gilt der griechische Philosoph und Mathematiker
Pythagoras, der im 6. Jahrhundert v.Chr. gelebt hat (Leitzmann / Keller 2010, S. 24). Er führte
den Vegetarismus aus ethischen und philosophischen Gedanken, also als eine Art ,,Gewis-
sensfrage des Menschen" (Boje, C. 2010), ein. Pythagoras war der Überzeugung, wenn der
Mensch Tiere töte, er auch fähig sei, andere Menschen zu töten. ,,Alles was der Mensch den
Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück" (Aphorismen 2017). Im Laufe der Zeit kamen
auch gesundheitliche, soziale, ökonomische und ökologische Beweggründe für diese Form
des Vegetarismus hinzu (Leitzmann / Keller 2010, S. 38).
3.2. Die moderne vegetarische Bewegung seit dem 19. Jahrhundert
Während der religiöse Vegetarismus seit seiner Entstehung fest existiert (mehr dazu in Punkt
4.2 Religiöse Motive), wird der ethische Vegetarismus erst wieder seit dem 19. Jahrhundert
praktiziert.
Begründer des Vegetarismus' in Deutschland ist der Rechtsanwalt Gustav von Struve. Sein
im Jahr 1833 erschienener Roman ,,Mandaras Wanderungen" ist das erste deutschsprachige
Werk, das sich mit diesem Thema befasst (Krabbe 1974, S. 55). Ungefähr im Jahr 1890, zur
Zeit der Industrialisierung, entstand die Lebensreformbewegung, eine Reform zurück zum na-
türlichen, gesunden und ganzheitlichen Lebensstil (Leitzmann / Keller 2010, S. 57). Die Men-
schen waren einerseits durch harte Arbeitsverhältnisse, soziale Missstände, Luftverschmut-
zung und die Auflösung von Traditionen extrem verunsichert. Wissenschaftlicher und techni-
scher Fortschritt sowie eine günstige wirtschaftliche Entwicklung sorgten neben der unstritti-
gen Verbesserung der Lebensqualität eben auch für das Bedürfnis nach einer neuen Orientie-

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rung. Dazu zählte beispielsweise die Lebensreformbewegung, deren Ziel es war, wieder zu-
rück zu einem naturgemäßen, gesunden Lebensstil zu finden (Barlösius 1997, S. 165). Sie
beschränkte sich allerdings nicht nur auf den Vegetarismus, sondern machte sich viele weitere
einzelne Zielen der Tierschutzbewegung, der Antialkoholbewegung, der Naturheilbewegung,
der Naturschutzbewegung und der Reformpädagogik (Leitzmann / Keller 2010, S. 55) zu ei-
gen.
Der Ernährungswandel im 19. Jahrhundert war ausschlaggebend für den Erfolg der ernäh-
rungsorientierten Lebensreformbewegung. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts stieg der Fleisch-
und Alkoholkonsum sowie der von verarbeiteten Lebensmitteln aufgrund der Technisierung
des Nahrungsmittelsektors an (Leitzmann / Keller 2010, S. 58f). Durch diese Überversorgung
in Kombination mit zurückgehender körperlicher Aktivität stieg auch die Anfälligkeit für soge-
nannte Zivilisationskrankheiten (Teuteberg / Wiegelmann 2005, S. 91 und 118). Die negativen
Folgen des Ernährungswandels waren mit ursächlich für den Erfolg der ,,Lebensreformbewe-
gung".
3.3 Vegetarismus in Deutschland heute
Genaue Zahlen, wie viele Vegetarier zur Zeit in Deutschland leben, sind schwer zu ermitteln.
Eines aber haben die verschiedenen Studien gemeinsam: die steigende Anzahl von Vegetari-
ern und Veganern in der Bevölkerung beweisen, dass eine pflanzenbasierte Ernährung immer
beliebter wird. Waren es laut Statistik des Vegetarierbunds Deutschland (VEBU) 1983 nur 0,6
Prozent der deutschen Bevölkerung, die sich vegetarisch ernährten, ging der VEBU im Januar
des Vorjahres von 7,8 Millionen Vegetariern, also knapp zehn Prozent der Bevölkerung in
Deutschland, und 900 000 Veganern (entspricht etwa 1,1 Prozent) aus (VEBU I). Die Zahl der
vegetarisch lebenden Menschen hat sich in den letzten 33 Jahren in Deutschland also mehr
als verzehnfacht.
Doch wie setzt sich die wachsende Gruppe der Vegetarier in Deutschland zusammen? Eine
Studie des Robert Koch Instituts aus dem Jahr 2016 über den Anteil der Frauen und Männer,
die sich üblicherweise vegetarisch ernähren, zeigt deutliche geschlechtsspezifische Unter-
schiede. So ist der Anteil der sich fleischlos ernährenden Frauen in Deutschland um etwa das
2,5 fache höher als bei Männern. Frauen neigen also deutlich mehr dazu, sich vegetarisch zu
ernähren (Robert Koch Institut II 2016). Das Robert Koch Institut hat im Zuge einer anderen
Erhebung ebenfalls herausgefunden, dass der Anteil an sich fleischlos ernährenden Personen
mit zunehmendem Bildungsstand ansteigt (Robert Koch Institut I 2016).
Unter Beachtung aller Motive lässt sich sagen, dass der typische Vegetarier weiblich, jung und
gebildet ist und urban lebt (Leitzmann / Keller 2010, S. 24).
Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte des Vegetarismus von der griechischen Antike bis heute
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V430183
ISBN (eBook)
9783668742970
ISBN (Buch)
9783668742987
Dateigröße
905 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, vegetarismus, Antike, vegane Ernährung, vegetarische Ernährung, fleischlos, Tierschutz, Ethik
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Geschichte des Vegetarismus von der griechischen Antike bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430183

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