Kinderrechte in Schule und Unterricht. Kinderrechte mehr als nur Unterrichtsinhalt?


Seminararbeit, 2018

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die UN-Kinderrechtskonvention

3. Zur Umsetzung der Kinderrechte in der Schule
3.1 Der Kinder- und Jugendreport
3.2 Der Nationale Aktionsplan „Für ein kindgerechtes Deutschland“
3.3 Eine kritische Betrachtung – Die Umsetzung der Kinderrechte in Schule

4. Abschließende Betrachtung

5. Literatur

1. Einleitung

Die UN-Kinderrechtskonvention (kurz: KRK) wurde am 20.11.1989 einstimmig auf der 44. Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Bisher haben 193 Staaten die Konvention ratifiziert. Der KRK ging eine lange Kinderrechtsbewegung voraus. Zu Beginn, vor tausend Jahren, waren Kinder rechtslos und hatten nicht einmal das Recht auf Leben (vgl. Maywald, 2010, S. 9). Die Idee des Kinderschutzes entstand im Zuge der Aufklärung im 18. Jahrhundert (vgl. Liebel, 2017, S.33). Am Anfang der Kinderrechtsbewegung stand das Recht auf Schutz und nicht die Freiheit der Kinder (ebd.). Es lassen sich in den 1920ern zwei Haupttendenzen unterscheiden: auf der einen Seite der Schutz der Kinder und später die Gewährleistung menschwürdiger Bedingungen, auf der anderen Seite das Bestreben Gleichberechtigung und aktive Mitwirkung in der Gesellschaft (ebd.). Beide Seiten entwickelten sich weitgehend getrennt voneinander. Eglantyne Jebb gründete den ersten internationalen Lobbyverband für die Interessen des Kindes. Sie initiierte damit die vom Völkerbund beschlossene Genfer Deklaration für die Rechte des Kindes (Maywald, 2010, S.9. und Liebel, 2017, S. 36). Der polnische Kinderarzt und Pädagoge Janusz Korcak forderte bereits umfassende Beteiligungsrechte für Kinder (vgl. Maywald, 2017, S. 9). Die Genfer Deklaration wurde über die Jahre bis zur KRK 1989 fortgeführt (Liebel, 2017, S. 37). Mit der Verabschiedung und Ratifizierung der Konvention wurden Kinder erstmals zu Subjekt und Träger von Rechten. Über die Jahre kam es immer wieder zu kontroversen Diskussionen über die Kinderrechte. Doch auch, wenn heute niemand mehr bestreitet, dass Kindern Rechte zustehen, sind die Diskussionen nicht weniger geworden. Ein Beispiel hierfür ist die strittige Diskussion darüber, die Kinderrechte in das Grundgesetz aufzunehmen.

Doch was bedeuten den Kindern ihre Rechte? Bei der Beantwortung dieser Frage ist zu beachten, dass Kindern das Denken in Kategorien von kodifizierten Rechten fremd ist, so Liebel 2013. „Sie stehen sogar allem, was mit Recht und Gesetzen zu tun hat, meist skeptisch gegenüber oder zeigen wenig Interesse daran.“ (Liebel, 2013, S.44). Aufgabe von Schule ist es daher, Kindern den Umgang mit Gesetzen und Rechten vertraut zu machen sowie die Kinderrechte bekannt zu machen.

In der Arbeit sollen die Kinderrechte und deren Umsetzung in der Schule betrachtet werden. Dazu werden die UN-Kinderrechtskonvention sowie die 10 wichtigsten Kinderrechte kurz vorgestellt. Anschließend werden der Kinder- und Jugendreport 2010 und der Nationale Aktionsplan „Für ein kindgerechtes Deutschland 2005 -2010“ (kurz: NAP) hinsichtlich des Themas Kinderrechte und Schule eingeführt. Mit Hilfe einer kritischen Betrachtung soll, dann geklärt werden, ob Kinderrechte mehr als nur Unterrichtsinhalt in Schule in Unterricht sind.

2. Die UN-Kinderrechtskonvention

Die UN-Kinderrechtkonvention ist ein völkerrechtlich verbindlicher Menschrechtsvertrag, welcher Gesetz und moralische Recht vereint. Die Vertragsstaaten sind verpflichtet ihre Gesetze und Verwaltungsvorschriften anzugleichen, um die Kinderrechte umzusetzen.

Die KRK umfasst 54 Artikel, die sich wiederum in Förderrechte (Versorgungsrechte), Schutzrechte, Partizipationsrechte sowie Verfahrensregeln unterteilen lassen. Abbildung 1 stellt die KRK als Gebäude dar, in dem der Zusammenhang der einzelnen Artikel sowie der Aufbau visuell darstellen lassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gebäude der Kinderrechte Quelle: Maywald, 2010, S. 11

Das Fundament bilden die Artikel 1,4, 42 und 44. In ihnen sind die Verwirklichung und der Geltungsbereich sowie die Verpflichtung zur Bekanntmachung und der Berichtspflicht verankert. Alle anderen Artikel bauen darauf auf. Denn nur auf der Grundlage dieser Artikel können die anderen Artikel an Bedeutung gewinnen. Die Säulen bilden die bereits erwähnten Schutz-, Föderungs- und Beteiligungsrechte. Allem übergeordnet ist der Artikel 3 der KRK, denn alles was in den anderen Artikeln verankert ist, soll immer dem Wohle des Kindes dienen. Der UN- Ausschuss für die Rechte des Kindes hat die Artikel 2,3, 6 und 12 als Allgemeine Prinzipien definiert (vgl. Maywald, 2010, S. 11). Artikel 2 enthält ein allgemeines Diskriminierungsverbot, Artikel 3 das Kindeswohl, Artikel 6 enthält das Recht auf Leben und Artikel 12 enthält die Berücksichtigung des Kindeswillens.

Zur besseren Übersicht sollen im Folgenden noch die 10 wichtigsten Kinderrechte aufgezählt werden:

1. Auf der Welt haben alle Kinder dieselben Rechte
2. Kinder haben das Recht auf elterliche Fürsorge
3. Kinder haben das Recht auf eine Erziehung ohne Gewalt
4. Kinder haben das Recht zu lernen und in die Schule zu gehen
5. Kinder haben da Recht sich zu informieren, gehört zu werden und zu demonstrieren
6. Kinder haben das Recht gesund aufzuwachsen
7. Behinderte Kinder haben das Recht, betreut und gefördert zu werden
8. Kinder haben das Recht auf Spiel und Freizeit
9. Kinder haben das Recht auf Schutz vor Ausbeutung
10. Kinder haben das Recht auf Schutz vor Kriegen und auf der Flucht

Diese 10 Rechte fassen die 40 Rechte aus den 54 Artikeln der KRK gut zusammen und liefern einen guten Überblick über den Inhalt der Konvention.

3. Zur Umsetzung der Kinderrechte in der Schule

Im Folgenden sollen der Kinder- und Jugendreport sowie der NAP vorgestellt werden. Der Kinder- und Jugendreport wurde gewählt, um einen Einblick darüber zu gewinnen, wie die Kinder und Jugendlichen ihre Rechte und die Beachtung ihrer Rechte in der Schule wahrnehmen. Der NAP soll zeigen, wie die Bundesregierung die Kinderrechte im Bereich der Schule umsetzt. Am Ende des Kapitels steht eine kritische Betrachtung zur Umsetzung der Kinderrechte in der Schule.

3.1 Der Kinder- und Jugendreport 2010

Der Kinder- und Jugendreport 2010 dient der Berichterstattung über die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland vor dem UN – Ausschuss über die Rechte des Kindes. Der Report wurde bisher einmalig 2010 durchgeführt und veröffentlicht. Der Report setzt sich aus drei verschiedenen Bausteinen zusammen, um ein möglichst umfassendes Gesamtbild zu erzielen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Bausteine des Kinder- und Jugendreports 2010 (eigene Abbildung)

Der Kinder- und Jugendreport verfolgt 4 unterschiedliche Ziele, welche kurz zusammengefasst vorgestellt werden (vgl. S. 8):

- Ziel 1: Durch die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen als Experten und Expertinnen für ihre Lebenswelt, wird erst der Subjektstatus erfüllt.
- Ziel 2: Der Kinder- und Jugendreport dient als Instrument für Beteiligungsrechte und soll ein gesellschaftliches sowie jugendpolitisches Signal für politische Partizipation darstellen.
- Ziel 3: Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Ergebnissen unter der Berücksichtigung des Kindeswillens, soll die gesellschaftliche Diskussion befördern.
- Ziel 4: Die Kinderrechte sollen durch den Report eine Beförderung auf lokaler Ebene sowie auf Landes- und Bundesebene erreichen.

Die Projekte und die Erhebung der Fragebögen erfolgten über eine Dauer von acht Monaten. Dazu entwickelten insgesamt 27 junge Menschen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren in zwei Arbeitstreffen eigene Forschungsprojekte und diskutierten die Ergebnisse. Zur Erhebung der Daten wurden über 3500 Fragebögen ausgefüllt und ausgewertet. Ein Teil dieser Ergebnisse soll im Folgenden vorgestellt werden, wobei der Fokus auf die Ergebnisse im Bereich Schule gerichtet gelegt wird, die anderen Bereiche Wohnort, Familie und Freizeit sollen nicht näher betrachtet werden.

Die Befragung wurde breitflächig durchgeführt, um ein möglichst objektives Bild zu erlangen. 42% der befragten Kinder und Jugendlichen waren männlichen Geschlechts und 58% weiblich (vgl. S.10) somit sind beide Geschlechter hinreichend vertreten. Die Ergebnisse des Fragebogens repräsentieren verschiedene Altersgruppen, die kleinste Gruppe stellen die 19-Jährigen mit 1% dar, gefolgt von den 5 – 9 Jährigen, mit 9%. Die Gruppe der 10 – 13 Jährigen umfasst 46 % und die Gruppe der 14 – 18 jährigen umfasst 44%:

Von diesen Kindern und Jugendlichen sehen über die Hälfte“ ihr Recht auf Spiel, Erholung und Ruhe sowie ihr Recht auf Privatsphäre und Respekt durch Schule verletzt.“ (AGJ, 2010, S. 34). Ähnlich oft eingeschränkt fühlen sie sich in ihrem Recht auf Mitbestimmung, freie Meinungsäußerung und Chancengerechtigkeit (ebd.). Schule hat einen „hohen emotionalen Stellenwert“ (ebd.) im Leben der Schülerinnen und Schüler. Der empfundene Druck und die Belastung spiegeln sich in anderen Lebensbereichen wieder. Aus dem Report geht hervor, dass sich die Kinder und Jugendlichen sich mehr Zeit für Erholung nach und zwischen den Unterrichtseinheiten wünschen.

Ein weiteres Thema, welches den Kindern und Jugendlichen wichtig ist, ist die Mitbestimmung. 49% der Befragten sieht ihr Recht auf Mitbestimmung durch bzw. in der Schule verletzt. Sie wünschen sich mehr Mitbestimmung an:

- den Unterrichtsinhalten und den Unterrichtsmethoden,
- der Gestaltung des Schulhofs und der Klassenräume,
- der Ausstattung der Schule.

Im Bezug auf die Unterrichtsinhalte und Methoden wurde häufig genannt, dass die Kinder und Jugendlichen optimal auf die Zukunft vorbereitet werden wollen, dazu wünschen sie sich praxisnahen Unterricht und Projektunterricht (AGJ, 2010, S. 38). Auch möchten sie sich im Unterricht mit aktuellen Ereignissen und Geschehnissen auseinandersetzen, gerade wenn diese sie emotional beschäftigen, wie z.B. Amokläufe (ebd.).

Auf die Frage nach der Art der Verletzung der Kinderrechte antworteten 24% der Befragten, dass die Kinderrechtsverletzungen durch die Lehrkräfte geprägt seien. Dies äußert sich vor allem durch Ungleichbehandlung und mangelnde Wertschätzung. Erst danach folgen Kinderrechtsverletzungen, welche dem sozialen Gefüge untereinander zugeordnet werden können. Mit 21% liegt die Aggression und Ausgrenzung unter Schülern nah an den 24% der Lehrkräfte. Betrachtet man sich das gesamte Bild (AGJ, 2010, S. 37) liegen die Ursachen der meisten Kinderrechtsverletzungen in Schule selbst, z.B. Mitbestimmung (18%), Zeit- und Leistungsdruck (8%) sowie Unterrichtsinhalte und –aufbau (7%).

Abschließend lässt sich sagen, dass es bereits Positivbeispiele gibt. Es gibt bereits Schulen mit umfassender Mitbestimmung, selbstorganisierten Konfliktlösungen und kindgerechten Gebäuden, um nur einiges zu nennen. Jedoch wurde die Breite noch nicht erreicht, lediglich 10% der Fragebögen gaben dies wieder und 12% der Befragten gaben an, dass an ihrer Schule keine Kinderrechte verletzt werden.

Der Kinder- und Jugendreport legt offen, dass im Bereich Schule in Bezug auf die Kinderrechte noch Handlungsbedarf besteht. Vor allem im Bereich der Mitbestimmung und der Wertschätzung sind ungenutzte Potentiale, um die Kinderrechte besser in den Alltag von Schülerinnen und Schüler zu integrieren. Hierbei gilt zu untersuchen, welche Verbesserungen bereits schulintern bearbeitet werden könnten und welche Veränderungen von Seiten der Länder angestoßen werden müssen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kinderrechte in Schule und Unterricht. Kinderrechte mehr als nur Unterrichtsinhalt?
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Department Politische Bildung)
Veranstaltung
Examenskolloquium
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V430200
ISBN (eBook)
9783668745179
ISBN (Buch)
9783668745186
Dateigröße
1289 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderrechte, Kinder- und Jugendreport, Nationaler Aktionsplan, Unterricht, Schue, Kinderrechtsverletzung, Kritik
Arbeit zitieren
Sandra Koplin (Autor), 2018, Kinderrechte in Schule und Unterricht. Kinderrechte mehr als nur Unterrichtsinhalt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430200

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