Diese Hausarbeit untersucht verschiedene Aspekte, Motive und Strukturen traditioneller Detektiv- und Schauergeschichten und ordnet Umberto Ecos Schlüsselroman "Der Name der Rose" darin ein. Analysiert werden unter anderem das Mordmotiv, das Setting in der unwirtlichen Natur, die dramaturgische Ausrichtung der Erzählung, motivische Wetterereignisse und der Einsatz von Licht und Dunkelheit, jeweils im Kontext gängiger Konventionen klassischer Detektiv- und Gruselgeschichten.
Die Einordnung ein Genre ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint, denn "[e]s handelt sich um einen Detektivroman, aber auch um einen historischen Roman, er hat allerdings auch Merkmale eines Bildungsromans und Schauerromans." In dieser Ausarbeitung liegt der Fokus auf den Bereichen Schauerroman und Kriminalroman (mit Fokus auf Detektivgeschichten); dass die Erzählung um den Franziskanermönch William von Baskerville und dessen Adlaten Adson von Melk sowohl Motive und Strukturen des einen wie auch des anderen Genres enthält, ist offensichtlich, jedoch drängt sich die Frage auf, wo genau in jenem ohnehin oszillierenden Grenzbereich zwischen Krimi und Grusel, Verbrechen und Schrecken, der Roman anzusiedeln ist. Für eine genauere Einordnung wird deshalb untersucht, wie viele und welche jeweils typischen Motive sich in der Erzählung finden lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kriminalliteratur: Motive und Subgenres
2.1 Detektivgeschichten
2.2 Thriller
2.3 Typische Motive der Kriminalliteratur
3. Der klassische Schauerroman
3.1 Einführung
3.2 Weitere typische Motive des Schauerromans
4. Der Name der Rose im Spannungsfeld zwischen Kriminal- und Schauerliteratur
4.1 Elemente aus der Kriminalliteratur
4.2 Elemente aus der Schauerliteratur
4.3 Der Name der Rose als Schnittstelle zwischen beiden Genres
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" hinsichtlich seiner gattungsspezifischen Einordnung. Ziel ist es, zu analysieren, wie der Autor Motive und Strukturen des Kriminalromans sowie des Schauerromans miteinander verwebt, um das literarische Spannungsfeld zwischen beiden Genres zu ergründen.
- Analyse der zentralen Motive der Kriminalliteratur (Detektivgeschichte vs. Thriller)
- Untersuchung der Strukturmerkmale klassischer Schauerliteratur
- Vergleich der Genre-Elemente in Ecos Roman
- Reflexion über die Vermischung von Kausalitätsdenken und mystischer Atmosphäre
- Beurteilung der Zuordnung des Romans als Schnittstelle zwischen den literarischen Gattungen
Auszug aus dem Buch
4.2 Elemente aus der Schauerliteratur
Die typischen Schauer-Motive wie düstere Landschaften, abgelegene Orte und mystisch-bedrückende Atmosphäre finden sich in Der Name der Rose sehr deutlich wieder.
Was sich im Roman nicht wiederfindet, ist „die sprachliche Durchdringung und Erschließung extremer Gefühle“, die Seeber als „die eigentliche Leistung des Schauerromans“ bezeichnet. Trotz der latenten ‚Unheimlichkeit’ der Abtei mit ihrem Friedhof, der Krypta und diversen Geheimgängen, werden die Figuren, vor allem William, nicht mit extremen Gefühlslagen konfrontiert. Dies wäre auch ein Widerspruch zum rational-analytischen Wesen Williams. Er zeichnet sich schließlich gerade dadurch aus, dass er sich von äußeren Umständen nicht verwirren oder gar ängstigen lässt, sondern ungewöhnliche Situationen sofort (wissenschaftlich) zu erklären versucht. Zwar werden die Ereignisse im klassischen Schauerroman durchaus im Nachhinein häufig rational erklärt, aber Kern des Konflikts sind die Seelenqualen der Figuren, die dem Unbekannten scheinbar schutzlos ausgesetzt sind. Eben jene Seelenqualen fehlen in Der Name der Rose. „Das Sentimentale ist eindeutig dem Historischen und auch dem Kriminalistischen untergeordnet.“ hier wird nichts verklärt, niemand lässt sich übermannen von Panik, wobei eingeräumt werden muss, dass (Neben-)Figuren, die so zwanghaft gottergeben sind, wie jene im Roman, latent zu einer gewissen Lethargie neigen, da schließlich alles Gottes Wille zu sein scheint, Strafe, Vorsehung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Genre-Einordnung von Ecos Roman und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2. Kriminalliteratur: Motive und Subgenres: Darstellung der Definitionsmerkmale von Detektivgeschichten und Thrillern sowie deren Abgrenzung.
3. Der klassische Schauerroman: Definition der Merkmale und zentralen Motive der Schauerliteratur als Grundlage für die spätere Analyse.
4. Der Name der Rose im Spannungsfeld zwischen Kriminal- und Schauerliteratur: Detaillierte Untersuchung und Gegenüberstellung der Elemente beider Genres in Ecos Roman.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass der Roman primär eine Detektivgeschichte mit starken Elementen des Schauerromans darstellt.
Schlüsselwörter
Der Name der Rose, Umberto Eco, Kriminalliteratur, Schauerroman, Detektivgeschichte, Thriller, Gattungsgrenzen, Literaturwissenschaft, Motivanalyse, William von Baskerville, Gothic Novel, literarische Struktur, Mittelalter, Intertextualität, Narratologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die literarische Einordnung von Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" und analysiert, welche Elemente des Krimi- und Schauergenres darin enthalten sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Definition von Detektivgeschichten, die Merkmale des klassischen Schauerromans und deren synergetische Verbindung im analysierten Roman.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob "Der Name der Rose" primär als Kriminalgeschichte oder als Schauerroman zu lesen ist und wie diese Gattungen ineinandergreifen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine motivgeschichtliche und strukturelle Analyse angewandt, die das Werk auf genretypische Merkmale hin untersucht und mit der Fachliteratur abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Gattungen und eine dezidierte Anwendung dieser Kriterien auf die Handlung und Figurenkonstellation von Ecos Werk.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben den Genres "Kriminalliteratur" und "Schauerroman" sind "Intertextualität", "Strukturanalyse" und "Genre-Hybridität" maßgebliche Begriffe.
Inwieweit spielt die Figur William von Baskerville eine Rolle für die Genre-Einordnung?
Williams rationales und analytisches Wesen ordnet den Roman stärker in die Tradition des Detektivromans ein, da er als aktiver Ermittler den Schauer-Elementen mit Verstand entgegenwirkt.
Welche Rolle spielt die Bibliothek für die Genre-Zugehörigkeit?
Die Bibliothek fungiert als zentraler Ort des Schauers, der durch seine labyrinthische und geheimnisvolle Anlage die phantastischen Komponenten des Romans unterstützt.
Warum wird der Roman nicht eindeutig als "Thriller" klassifiziert?
Die Arbeit stellt heraus, dass dem Werk wesentliche physische Elemente fehlen, die für Thriller typisch wären; stattdessen dominieren intellektuelle Ermittlungen.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Autor?
Der Autor schließt, dass "Der Name der Rose" primär eine klassische Detektivgeschichte ist, die jedoch durch zahlreiche Schauer-Elemente in ihrer Atmosphäre maßgeblich geprägt wird.
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- Steffen Kutzner (Author), 2017, Umberto Ecos "Der Name der Rose". Motive und Strukturen von Schauer- und Kriminalliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430239