Identitätsentwicklung als zentraler Bestandteil der Sozialisation im Jugendalter


Zwischenprüfungsarbeit, 2004
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Begriffsklärung
1.1 Die Identität
1.2 Das Jugendalter
1.3 Die Sozialisation

2. Eine Sozialisationstheorie der Jugendforschung – Der Symbolische Interaktionismus
2.1 George Herbert Mead
2.2 Das Signifikante Symbol
2.3 »Me«, »I« und der »verallgemeinerte Andere«
2.4 Was bedeutet der symbolische Interaktionismus für die Lebensphase Jugend?

3. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Nach Hurrelmann erhält das Individuum während der Jugendphase zum ersten Mal die Möglichkeit, eine eigene Ich-Identität zu entwickeln.[1] Die Jugendphase gilt dann als abgeschlossen, wenn eine Identität aufgebaut und die vollkommene Autonomie als Erwachsener erreicht wurde.

Somit könnte man behaupten: »Die Identitätsentwicklung stellt einen zentralen Bestandteil der Sozialisation im Jugendalter dar. «

Ob dies zutrifft, soll im Folgenden untersucht werden. Bevor jedoch die Identitätsentwicklung genauer betrachtet wird, ist es sinnvoll die Begriffe »Identität«, »Jugendalter« und »Sozialisation« zu definieren.

Anschließend soll die Sozialisation im Jugendalter betrachtet werden. Dies wird mit Hilfe der Theorie des »symbolischen Interaktionismus« nach Mead geschehen.

1. Begriffsklärung

Bevor die Identitätsentwicklung im Jugendalter genauer betrachtet wird, sollten zunächst die Begrifflichkeiten geklärt werden. Was sind Identität, Jugendalter und Sozialisation?

Im Folgenden wird versucht werden, Definitionen für diese Begriffe aufzuführen.

1.1 Die Identität

Der Begriff »Identität« ist ein vielschichtiger Begriff, der nicht klar zu umschreiben ist. Im allgemeinen Sinn bezieht er sich „auf die einzigartige Kombination von persönlichen, unverwechselbaren Daten des Individuums wie Name, Alter, Geschlecht und Beruf“[2]. Aufgrund seiner Identität ist das Individuum von anderen Menschen zu unterscheiden. In diesem allgemeinen Sinn bezieht sich der Begriff allerdings auch auf Gruppen oder Kategorien von Personen.[3]

»Identität« ist ein psychosozialer Terminus für das Phänomen, dass das Individuum sich über einen bestimmten Zeitraum als ein und dasselbe bewusst ist.[4] Der Begriff bezeichnet im engeren psychologischen Sinn die einzigartige Persönlichkeitsstruktur eines Individuums zusammen mit dem Bild, das andere von dieser Persönlichkeitsstruktur haben.[5]

Somit beschreibt der Begriff das „Streben des Menschen nach Einheitlichkeit und Unverwechselbarkeit der eigenen Person (Individualität), sein Streben nach Selbsterkenntnis und Selbstgestaltung“[6]. Demnach ist die Identität die Antwort auf die Frage: »Wer bin ich?«

Diese Meinung vertritt auch Erik H. Erikson, auf den der Identitätsbegriff zurückgeht.[7] Es ist die Fähigkeit, „sich trotz ständiger Veränderungen sowohl als in Übereinstimmung mit seinem früheren Selbst zu erleben […] als auch in Übereinstimmung mit dem Bild, das sich andere von einem machen“[8] Außerdem will sich das Individuum von den Anderen abgrenzen. Diesen Aspekt nennt Erikson »persönliche Identität«. Es gibt auch eine Gruppenidentität, die sich auf die Solidarität mit der Gruppe, also die Bemühungen den Anforderungen und Erwartungen der sozialen Umgebung gerecht zu werden, bezieht.[9]

Mit dem Begriff der Identität ist das Selbst verwandt bzw. größtenteils deckungsgleich. Mit »Selbst« wird zum einen der Kern des Persönlichkeitssystems einer Person bezeichnet. Zum anderen ist das Selbst der Träger einer Handlung.[10]

Der Begriff des Selbst geht auf James zurück, der es in I (Ich) und Me (Mich) unterscheidet. Das I ist der Erkennende und das Me der Erkannte[11] Diese Unterscheidung wird von Mead noch erweitert. I und Me sind nach Mead unterschiedliche Aspekte des Selbst und keine unabhängigen psychischen Instanzen. Ihr temporäres Zusammenspiel konstituiert individuelles Handeln und die Identität des Individuums.[12]

Das Me besteht aus den Haltungen der Gesellschaft, die das Individuum übernimmt. So bildet sich die Ich-Identität, derer sich das Individuum bewusst wird[13]. Das I ist es, das auf das Me reagiert.[14] Die Theorie Meads wird im Folgenden noch Beachtung finden, deshalb findet sie hier nur kurz wegen der Vollständigkeit Erwähnung.

Im Weiteren gibt es die Unterscheidung in soziale und personale Identität, wie sie bei Hurrelmann zu finden ist. Die personale Identität bezeichnet das Gefühl eine einzigartige Persönlichkeit, mit eigenen Wünschen und Interessen, zu besitzen. Die soziale Identität dagegen ist die anerkannte gesellschaftliche Mitgliedsrolle eines Individuums.[15]

Die erstmalige Chance zur Bildung einer Ich-Identität erhält das Individuum im Jugendalter, so Hurrelmann.[16]

1.2 Das Jugendalter

Für die Phase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter gibt es verschiedene Bezeichnungen. In der einen Wissenschaft heißt sie »Jugend«, in der anderen »Adoleszenz«.

Zum Teil werden die beiden Begriffe unterschiedlich verwendet. Allerdings kann sich ihre Bedeutung auch überschneiden. Oftmals werden die Begriffe sogar synonym verwendet. Meistens wird der Adoleszenz-Begriff gebraucht um die „‚verlängerte’ oder ‚moderne’ Jugend“ zu beschreiben bzw. zu benennen.[17]

In der Psychoanalyse hat sich der Begriff »Adoleszenz« fast durchgehend durchgesetzt. In der Erziehungs- und Sozialwissenschaft wird der Begriff »Post-Adoleszenz« verwendet, der gleichbedeutend mit Hurrelmanns »Nachjugendalter« oder »Nachjugendphase« ist. Er bezeichnet die zeitliche Ausdehnung der Jugendphase.[18]

Tillmann beschreibt Pubertät, Jugend und Adoleszenz wie folgt: „Vereinfacht lässt sich Pubertät vor allem als biologische, Jugend vor allem als soziologische und Adoleszenz vor allem als psychologische Kategorie begreifen.“[19]

Der sozialwissenschaftliche Jugend-Begriff ist für die vorliegende Arbeit entscheidend und soll deshalb genauer definiert werden.

[...]


[1] Vgl. Hurrelmann. 1997. S. 73

[2] Oerter/Montada. 2002. S. 290

[3] Vgl. Oerter/Montada. 2002. S. 291

[4] Vgl. Pädagogik-Lexikon. S. 268

[5] Vgl. Oerter/Montada. 2002. S. 291

[6] Pädagogik-Lexikon. S. 268

[7] Vgl. Pädagogik-Lexikon. S. 268

[8] Trautner. 1997. S. 80f.

[9] Vgl. Trautner. 1997. S. 81 und Neuenschwander. 1996. S. 46

[10] Vgl. Oerter/Montada. 2002. S. 291

[11] Vgl. Oerter/Montada. 2002. S. 291

[12] Baumgart. 1997. S. 123

[13] Mead in Baumgart. 1997 S. 135

[14] Oerter/Montada. 2002. 291

[15] Hurrelmann. 1997. S. 74

[16] Vgl. Hurrelmann. 1997. S. 73

[17] Vgl. Hurrelmann. 1997. S. 21

[18] Vgl. Hurrelmann. 1997. S. 22

[19] Tillmann. 1989. S. 186

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Identitätsentwicklung als zentraler Bestandteil der Sozialisation im Jugendalter
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V43045
ISBN (eBook)
9783638409322
ISBN (Buch)
9783638656979
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identitätsentwicklung, Bestandteil, Sozialisation, Jugendalter
Arbeit zitieren
Birgit von Eicken (Autor), 2004, Identitätsentwicklung als zentraler Bestandteil der Sozialisation im Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43045

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