Zu Eduard Mörikes Gedicht 'Auf eine Christblume'


Hausarbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Das Gedicht

2. Interpretation

3. Schluss

Literatur-Verzeichnis

Einleitung

Eines der wohl am meisten bekannten und interpretierten Gedichte von Eduard Mörike ist das Gedicht ‚Auf eine Christblume’. Dieses besteht aus zwei Teilgedichten, die zunächst getrennt veröffentlicht, später allerdings aneinandergereiht wurden und gemeinsam den genannten Titel tragen.

Viele Autoren haben das Gedicht in Bezug auf das Leben und den Tod Christi interpretiert. Das Gedicht besitzt viele Bilder aus der christlichen Religion. Welche Bedeutung diese für das Gedicht haben, soll im Folgenden Betrachtung finden. Weisen die Bilder auf den Lebensweg Christi oder beschreiben sie lediglich eine außergewöhnliche Blume?

Auch die Tatsache, dass dieses Gedicht aus zwei Teilen besteht, und die damit verbundene Bedeutung soll genauer betrachtet werden.

1. Das Gedicht

Das Gedicht ‚Auf eine Christblume’, das aus zwei Teilen besteht, ist 1841 entstanden. Am 26. November 1841 schickt Mörike den ersten Teil des Gedichts an seinen Freund Wilhelm Hartlaub, mit dem Kommentar: „Hälst Dus für gut so kann ich zwischen die letzte und vorletzte Strophe noch eine einschieben. Bis jetzt schien mirs aber so recht.“[1]

Hier könnte möglicherweise der Grund für das zweite Gedicht gelegen haben. Dieses schickt Mörike am 3./4. Dezember an Hartlaub[2]. Die beiden Gedichte wurden am 26. Januar 1842 im ‚Morgenblatt für gebildete Leser’ gedruckt. Das erste Stück trägt den Namen ‚Die Christblume’, das zweite den späteren gemeinsamen Titel ‚Auf eine Christblume’.[3]

Auf eine Christblume

I

Tochter des Walds, du Lilienverwandte,

So lang von mir gesuchte, unbekannte,

Im fremden Kirchhof, öd und winterlich,

Zum erstenmal, o schöne, find ich dich!

Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest,

Ich weiß es nicht, noch wessen Grab du hütest;

Ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil,

Ists eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.

Im nächtgen Hain, von Schneelicht überbreitet,

Wo fromm das Reh an dir vorüberweidet,

Bei der Kapelle, am kristallnen Teich,

Dort sucht ich deiner Heimat Zauberreich.

Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;

Dir wäre tödlich andrer Blumen Wonne,

Dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,

Himmlischer Kälte balsamsüße Luft.

In deines Busens goldner Fülle gründet

Ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet;

So duftete, berührt von Engelshand,

Der benedeiten Mutter Brautgewand.

Dich würden, mahnend an das heilge Leiden,

Fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden:

Doch kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit,

Lichtgrün mit einem Hauch dein weißes Kleid.

Der Elfe, der in mitternächtger Stunde

Zum Tanze geht im lichterhellen Grunde,

Vor deiner mystischen Glorie steht er scheu

Neugierig still von fern und huscht vorbei.

II

Im Winterboden schläft, ein Blumenkeim,

Der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel

In Frühlingsnächten wiegt den samtnen Flügel;

Nie soll er kosten deinen Honigseim.

Wer aber weiß, ob nicht sein zarter Geist,

Wenn jede Zier des Sommers hingesunken,

Dereinst, von deinem leisen Dufte trunken,

Mir unsichtbar, dich blühende umkreist?[4]

Nach Wild beruhen beide Teile des Gedichts auf einer Kirchenliedstrophe.[5] Im ersten Teil antwortet jeweils ein betontes Reimpaar auf ein unbetontes. Mörike verwendet fünffüßige Jamben. Diese „werden im Auftakt oft durch schwebende Betonungen, im antikisierenden Eingangsvers choriambisch überspielt“[6].

Der zweite Teil besteht ebenfalls auf fünffüßigen Jamben, die genau wie im ersten durch schwebende Betonungen überspielt werden. Allerdings benutzt Mörike hier einen umarmenden Reim mit betonten Kadenzen in den Versen 1 und 4 und unbetonten in den Versen 2 und 3[7].

[...]


[1] Eduard Mörike: Werke und Briefe. Band 13. S. 225

[2] Eduard Mörike: Werke und Briefe. Band 13. S. 225

[3] Wild: Mörike-Handbuch, S. 136

[4] Mörike: Sämtliche Werke. Band 1, S. 119f.

[5] Wild: Mörike-Handbuch, S. 136; um welche es sich genau handelt, war nicht herauszufinden.

[6] Wild: Mörike-Handbuch, S. 136

[7] Wild: Mörike-Handbuch, S. 136

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zu Eduard Mörikes Gedicht 'Auf eine Christblume'
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V43046
ISBN (eBook)
9783638409339
ISBN (Buch)
9783638799393
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eduard, Mörikes, Gedicht, Christblume
Arbeit zitieren
Birgit von Eicken (Autor), 2004, Zu Eduard Mörikes Gedicht 'Auf eine Christblume', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43046

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