Autonomes Fahren. Werden die Straßen sicherer?


Facharbeit (Schule), 2017
16 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition autonomes Fahren

2. Vorteile des autonomen Fahrens
2.1 Verbesserung von Verkehrsfluss und Sicherheit
2.1.1 Besserer Verkehrsfluss
2.1.2 Vermeiden von Unfällen
2.1.3 Bei Unfällen automatischer Hilferuf
2.1.4 Schnelleres Fahren
2.2 Komfort & Luxus
2.2.1 Während der Fahrt
2.2.2 Autonome Parkplatzsuche

3. Probleme/Nachteile
3.1 Erkennung der Umwelt
3.2 In aussichtslosen Situationen
3.3 Daten der Fahrer
3.4 Hackerangriffe
3.5 Rechtliches
3.6 Der Mensch
3.7 Kosten

4. Erste Tests in Deutschland
4.1 Eigene Straßen

5. Politik
5.1 Deutschland
5.2 USA

6. Fazit

7. Quellen

Das autonome Fahren findet immer mehr Einzug in unseren Alltag. Jetzt gibt es schon Unterstützung beim Bremsen, Einparken und bei vielen anderen Dingen. Nach Vorstellung der Autoindustrie soll diese Entwicklung weitergehen bis zu vollständig autonom fahrenden Autos. Audi zum Beispiel möchte bis 2030 in Somerville, eine Vorstadt Bostons, ein Projekt für die Vernetzung von Fahrzeugen und Verkehrsinfastruktur starten. Audi und Somerville wollen in dem gemeinsamen Projekt die Ampeln mit den Autos verknüpfen, damit diese miteinander kommunizieren können, und Parkhäuser für autonome Fahrzeuge bauen, bei denen die Autos autonom einparken.[1] Doch werden die Straßen dadurch sicherer und alles besser? In meiner Seminararbeit arbeite ich die Chancen und Risiken des autonomen Fahrens heraus.

1. Definition autonomes Fahren

Unter autonomen Fahren versteht man das Fahren eines Fahrzeuges ohne Einwirkung einer Person. Das Fahrzeug wird hierbei hauptsächlich von einem Computer gefahren, welcher mit vielen Sensoren im Auto unterstützt wird und der Straße und anderen Verkehrsteilnehmern Informationen austauscht.

2. Vorteile des autonomen Fahrens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Diagramm zur Befragung von Autofahrern zu den Vorteilen der autonomen Fahrzeuge, durchgeführt von der Ernst & Young GmbH

Das Diagramm in Abbildung 1 zeigt, welche Vorteile die deutschen Autofahrer beim autonomen Fahren sehen. Mehr als die Hälfte der 1000 Befragten erhoffen sich einen besseren Verkehrsfluss, also weniger Stau. Auch wünschen sich 48% mehr Sicherheit durch die autonomen Autos. Neben diesen Vorteilen bezüglich der Verkehrssituationen erwarten sie auch einen persönlichen Vorteil hinsichtlich Komfort und Luxus. Diese Vorteile möchte ich herausarbeiten.

2.1 Verbesserung von Verkehrsfluss und Sicherheit

Eine Voraussetzung des autonomen Fahrens ist die Vernetzung der Fahrzeuge. Dadurch können die Fahrzeuge miteinander, aber auch beispielsweise mit der Straße und den Ampeln kommunizieren (Abb. 2). Dabei werden Informationen über die Wetterverhältnisse oder der Verkehrssituation dem Auto übermittelt, was zu mehr Sicherheit und besseren Verkehrsfluss führt.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Diese Abbildung zeigt schematisch, wie Audi die Vernetzung in Somerville plant.

2.1.1 Besserer Verkehrsfluss

In Somerville sollen die Fahrzeuge mit den Ampeln kommunizieren können. Dadurch soll es zu weniger Rückstau kommen und auch zu kürzeren Wartezeiten. So kann beispielsweise verhindert werden, dass nachts Autos vor der Ampel stehen, obwohl kein anderer Verkehrsteilnehmer an der Kreuzung ist und man somit unnötig wartet. Ferner können laut Konrad Rothfuchs, der Vorsitzende des Koordinierungsausschusses der Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure (BSVI), autonome Fahrzeuge weniger Abstand halten, sodass die gleiche Anzahl von Autos mit weniger Grünzeit an den Ampeln abgewickelt werden kann. [3] Dadurch würden die Fußgänger und Radfahrer profitieren, da die gesparte Grünzeit mehr Grünzeit für diese bedeutet. Auch würde durch den geringeren Abstand der Fahrzeuge so viel Platz gespart werden, dass man sogar mehrspurige Straßen zurückbauen kann, wodurch mehr Radwege und Fußwege gebaut werden können.

2.1.2 Vermeiden von Unfällen

Das Vermeiden von Unfällen ist auch ein großes Thema bei den Herstellern der autonomen Fahrzeuge. So soll an 90% der Unfälle menschliches Fehlverhalten schuld sein, die autonome Fahrzeuge verhindern können[4]. Mit Hilfe von Radar, Sensoren und Funk können die Fahrzeuge miteinander kommunizieren und somit einen Unfall abwenden[5]. Beispielsweise helfen sie beim Herausfahren aus einer Parklücke, bei der man kaum Sicht auf den Verkehr hat, da parkende Autos die Sicht nehmen und man somit fast blind aus der Parklücke fährt. Ohne die Vernetzung würde man in diesem Fall vielleicht mit einem vorbeifahrenden Auto kollidieren, doch autonome Fahrzeuge würden hier miteinander kommunizieren und es so verhindern. Dies wird auch unterstützt vom Kartendienst „Here“ mit einer HD-Live-Map, also einer Echtzeitkarte. Mit dieser kann man andere Autos sehen, die wie in dem Beispiel eine Gefahr darstellen und so diese Gefahr abwenden. Die HD-Live-Map ist eine cloudbasierte Karte, die sehr viele Informationen bereitstellt, wie zum Beispiel auch den Untergrund der Straße, die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Baustellen. Sie aktualisiert sich von allein, das heißt, wenn eine neue Baustelle eröffnet ist, führt das ganze System automatisch ein Update aus.[6]. Im Unterschied zum menschlichen Gehirn wird der Bordcomputer nicht durch äußere Einflüssen abgelenkt, die ganze Konzentration liegt gewissermaßen auf dem Straßenverkehr. Dadurch soll es auch zu weniger Unfällen kommen, was auch weniger Stau bedeutet. Ein Beispiel wäre der Heimweg nach der Arbeit. Die Straße ist voll, da alle heim wollen, um sich dort ausruhen von der stressigen Arbeit auszuruhen. Doch durch diesen Stress sind viele Autofahrer unkonzentriert und es kann schnell zu einem Auffahrunfall kommen.

2.1.3 Bei Unfällen automatischer Hilferuf

Zur Sicherheit der Fahrer und Beifahrer hat die EU ein gemeinsames Projekt geplant, das ab 2018 verpflichtend in jedes Fahrzeug eingebaut werden soll. Hierbei handelt es sich um das Notrufsystem „Ecall“. Dieses sendet automatisch, aber auch manuell, einen Hilferuf bei einem Unfall. Zum Beispiel kann man den Fall betrachten, dass eine Familie nachts auf einer Straße fährt und einen Unfall hat. Jeder der Insassen ist bewusstlos und niemand hat den Unfall gesehen und kann Hilfe anfordern. „Ecall“ ruft nach dem Unfall dann automatisch die europäische Notrufnummer „112“ an und gibt ihnen Informationen wie den Ort, den Zeitpunkt des Unfalls und die Anzahl der Insassen. Dadurch sollen in Europa jährlich 25000 Tote vermieden werden.[7]

2.1.4 Schnelleres Fahren

Durch die Kommunikation der Fahrzeuge untereinander kann der Verkehr insgesamt schneller werden. So können die Autos mit höheren Geschwindigkeiten fahren, da sie wissen, wie die anderen Autos fahren. Durch diese Vernetzung der Bordcomputer untereinander und mit der Straße verschmelzen sie gewissermaßen zu einem Gesamtsystem, welches den Verkehr lenkt. Jetzt hingegen werden die Autos noch von Menschen gefahren, die nicht wissen, wie der andere Fahrer fährt. Das schnellere Fahren wird aber auch durch das Verringern von Staus und Unfällen möglich, wie es in den vorherigen Unterkapiteln schon erläutert wurde.[8]

2.2 Komfort & Luxus

Aus der Abbildung 1 geht hervor, dass 32% der Fahrer sich durch das autonome Fahren mehr Komfort und 31% sich mehr Zeit für andere Dinge erhoffen. In diesem Kapitel möchte ich dies genauer ausführen.

2.2.1 Während der Fahrt

Im Stau will ich telefonieren, aufs Smartphone gucken oder arbeiten. Es ist doch nervig, im Schritttempo dem anderen Auto zu folgen. Und im Zweifel entscheide ich mich stets für die falsche Spur - wie an der Einkaufskasse im Supermarkt.[9]

Dieses Zitat von Konrad Rothfuchs zeigt, was auch viele andere Autofahrer meinen. Wer fährt schon gerne im Stau, bei dem man die ganze Zeit anfahren und wieder bremsen muss. Stattdessen kann man sich doch mit anderen Dingen beschäftigen wie zum Beispiel auf das Smartphone schauen oder Dinge für die Arbeit machen. Man könnte seine E-Mails abrufen oder Präsentationen vorbereiten. Auch kann man nach Rothfuchs Dokumente lesen, die sonst in der Arbeit gemacht werden müssen.[10] Hierbei ist das Sprichwort „Zeit ist Geld“ ein wichtiger Aspekt. Auf Urlaubsreisen kann man die gewonnene Zeit zum Spielen mit der Familie nutzen oder gemeinsam einen Film anschauen. Auf Geschäftsreisen könnte man statt Auto fahren sich auch von der Reise erholen und Schlaf nachholen oder sich gemütlich hinsetzen und ein Buch lesen oder Filme anschauen. Insofern würde das autonome Fahre den Menschen den Luxus von mehr Zeit ermöglichen.

2.2.2 Autonome Parkplatzsuche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Das Prinzip der autonomen Parkplatzsuche

Parkhäuser bieten viele Gefahren: Es ist oft eng und unübersichtlich und die Parkplatzsuche gestaltet sich oft als sehr schwierig (zum Beispiel das Parkhaus beim Bollwerksturm). Dunkle Parkhäuser sind besonders für Frauen gefährlich, da Verbrecher hier oft ungesehen agieren können, weshalb es Frauenparkplätze gibt. Eine Lösung dieser Gefahren bietet das automatisierte Parken, wie es von Audi vorgeschlagen wird. Bereits geplant ist dieses Projekt in Somerville. Abbildung 3 zeigt, wie das Auto autonom zu seinem Parkplatz fährt und der Fahrer zu seiner Arbeit geht. In ① verlässt der Fahrer seinen Wagen und betritt das Gebäude. Das Auto fährt dann in ② autonom zu seinem Parkplatz, wodurch der Fahrer am Arbeitsplatz ③ mehr Zeit hat. In ④ lädt das Elektrofahrzeug sich wieder an einer induktiven Ladestation auf. Wenn der Fahrer in ⑤ fertig mit seiner Arbeit ist, ruft er das Auto mittels des Smartphones wieder zu sich. Bei Punkt ⑥ steigt er in das Auto ein und fährt dann wieder nach Hause.[11] Ein großer Vorteil durch diese autonome Parkplatzsuche ist, dass man dadurch viel kompaktere Parkhäuser / Tiefgaragen bauen kann, da die autonomen Fahrzeuge weniger Platz benötigen.

3. Probleme/Nachteile

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Dieses Diagramm aus der Umfrage zeigt die Probleme bei autonomen Fahrzeugen, wie sie Autofahrer bei einer Umfrage angegeben haben.

Beim autonomen Fahren sehen die Fahrer nicht nur Vorteile, sondern auch Problemewie eine Umfrage zeigt (Abb. 4). Das größte Problem stellt nach den Befragten der Verlust vom Spaß am Fahren dar. Doch beschäftigt die Fahrer auch die Frage nach der Haftung und die Unsicherheit, ob die Technik überhaupt funktioniert. Dieses Problem möchte ich in Kapitel 3 näher erläutern.

3.1 Erkennung der Umwelt

Zur Erkennung der Umwelt haben die Fahrzeuge Laserscanner auf dem Dach, die eine dreidimensionale detaillierte Karte der Umgebung anfertigen. Auch ist das Auto mit speziellen Radarmessgeräten ausgestattet, um beispielsweise den Abstand zum Vorderauto zu messen. Die Kameras erkennen die Schilder und Lichtsignale, also Ampeln. Was ist aber, wenn ein Schild so dreckig ist, dass der Mensch es noch erkennen könnte, es die Kamera aber nicht schafft? Das autonome Fahrzeug arbeitet aber auch mit GPS und einem Trägheitsnavigationssystem. Das Trägheitsnavigationssystem ermittelt anhand der Beschleunigung und der Drehraten die räumliche Bewegung des Wagens. Dies ist alles sehr viel hochkomplexe Technik, die in sehr schwierigen Situationen auch mal nicht funktionieren kann.[12]

3.2 In aussichtslosen Situationen

Beim Autofahren können aussichtslose Situationen eintreten. Beispielsweise kann ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit auf einen die Straße überquerenden kleinen Jungen zurasen. Es hat nun drei Möglichkeiten: Die erste Möglichkeit wäre nach rechts auszuweichen, wo jedoch eine Menschengruppe steht. Die andere Variante wäre nach links auszuweichen, wo jedoch eine ältere Frau steht. Und die letzte Möglichkeit wäre geradeaus zu fahren, wobei jedoch der Junge dann umkommen würde. Der Juraprofessor Eric Hilgendorf sagt: „ Ein Leben ist laut deutscher Rechtsprechung genauso viel wert wie mehrere Leben.[13] Doch wie handelt das Auto jetzt? Wie soll man den Computer programmieren? „Man wird Präferenzen setzen müssen“, sagt Hilgendorf. „Würde man das Auto so programmieren, dass es immer in die Menschengruppe hineinfährt und den Einzelnen verschont, wäre das zumindest grob kontraintuitiv.“ Somit schlägt Hilgendorf vor erstmal nach der Maxima von Kant „Man darf nicht töten“ zu handeln. Und in diesem Fall müsste man dann den Utilitarismus anwenden.[14] Doch wie viel ist jeder Mensch wert? Ist die alte Frau genauso viel wert wie der kleine Junge? Ist ein Behinderter weniger wert als ein normaler Mensch im gleichen Alter? Oder ist der Wert auch vom Beruf oder vom Vermögen abhängig? Diese ethischen Fragen muss die Gesellschaft beantworten können, um den Bordcomputer auf solche Situationen zu programmieren.

[...]


[1] Vgl. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Audi-erprobt-die-smarte-Stadt-in-Somerville-bei-Boston-2923479.html

[2] Vgl. Maurer, Markus / Gerdes, J. Christian / Lenz, Barbara / Winner, Hermann: Autonomes Fahren. Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte. Berlin 2015.

[3] http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autonomes-fahren-chance-fuer-die-stadt-a-997393.html

[4] Vgl. http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/iaa/iaa-2015-risiko-autonomes-fahren-13801018.html

[5] Vgl. http://www.welt.de/sonderthemen/vernetzte-welten/article134509705/So-erweitert-man-den-Horizont-von-Autofahrern.html

[6] Vgl. http://www.automobilwoche.de/article/20160113/NACHRICHTEN/160119951/neue-here-karte-autos-konnen-um-die-ecke-schauen

[7] Vgl. http://www.welt.de/videos/article140238714/Wenn-das-Ungluecksauto-selbst-den-Krankenwagen-ruft.html

[8] Vgl. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autonomes-fahren-chance-fuer-die-stadt-a-997393.html

[9] http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autonomes-fahren-chance-fuer-die-stadt-a-997393.html

[10] http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autonomes-fahren-chance-fuer-die-stadt-a-997393.html

[11] Vgl. http://3.f.ix.de/imgs/18/1/6/4/8/6/2/8/Bildschirmfoto_2015-11-17_um_15-88da9dfecd163197.jpeg

[12] Vgl. https://www.bussgeldkatalog.org/autonomes-fahren/

[13] http://www.welt.de/wirtschaft/article146407129/Wen-soll-das-autonome-Auto-lieber-ueberfahren.html

[14] Vgl. http://www.welt.de/wirtschaft/article146407129/Wen-soll-das-autonome-Auto-lieber-ueberfahren.html

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Autonomes Fahren. Werden die Straßen sicherer?
Note
1,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V430753
ISBN (eBook)
9783668735927
ISBN (Buch)
9783668735934
Dateigröße
887 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
autonom fahren
Arbeit zitieren
Benjamin Bitterlich (Autor), 2017, Autonomes Fahren. Werden die Straßen sicherer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430753

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