Ein gutes Leben zu führen - dies ist zu allen Zeiten Wunsch und Ziel des Menschen gewesen. Schon die Formulierung „führen“ gibt allerdings einen Hinweis darauf, dass sich ein gutes Leben nicht einfach, also sozusagen von selbst, als solches einstellt. Es bedarf offenbar einer Art steuerndem Einwirken.
Was ist ein gutes Leben? Und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein gutes Leben führen zu können, was oder wen brauche ich dafür? Wie soll ich mich, wie sollen wir uns verhalten, um ein gutes Leben zu leben?
Ebenso deutlich zeigt ein Blick auf die menschliche Entwicklung, dass zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen unserer Welt sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem guten Leben existier(t)en. Und auch darüber, wer einen Anspruch auf ein gutes Leben für sich geltend machen konnte bzw. kann.
Nicht jedem Menschen innerhalb unserer Gesellschaft – so scheint es – ist ein Zugang hierzu in gleichem Maße möglich. Unterschiede begründen sich z.B. durch Religionszugehörigkeit, Geschlechtszugehörigkeit, Staatsangehörigkeit, körperliche oder geistige Behinderungen, persönliche Ansichten oder auch der Zugehörigkeit zu einer Gruppe (wie z.B. Sinti und Roma).
In der folgenden Ausarbeitung soll die Frage aufgeworfen und wenn möglich beantwortet werden, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um ein gutes Leben zu führen und ob bzw. inwieweit ein solches Leben im Kontext von psychischen Erkrankungen – und hier konkret am Beispiel der Schizophrenie – möglich ist.
Dafür ist es zunächst erforderlich, die Begriffe und deren Bedeutung, mit der in der weiteren Ausarbeitung gearbeitet wird, zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsannäherung
2.1 Begriffsannäherung „gutes Leben“
2.2 Begriffsannäherung „Stigma“
2.3 Begriffsannäherung „Schizophrenie/ schizophrene Psychose“
3 Fallbeispiel
3.1 Anamnese Herr A.
3.2 Die Stigmatisierung am Fallbeispiel
3.3 Umgang mit der Erkrankung und dem Stigma am Fallbeispiel
4 Ist ein gutes Leben trotz Stigma im Kontext von psychischen Erkrankungen möglich?
5 Gesellschaftliche Dimension / Konsequenzen
6 Resümee / Fazit
6.1 Ergebnisse zusammenstellen
6.2 Schlussfolgerung ziehen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob ein „gutes Leben“ für Menschen mit Schizophrenie trotz gesellschaftlicher Stigmatisierung möglich ist, indem sie theoretische Ansätze menschlicher Grundfähigkeiten auf die Lebenswirklichkeit Betroffener anwendet.
- Theoretische Grundlagen des Konzepts „gutes Leben“ nach Martha Nussbaum
- Soziologische Analyse des Stigmabegriffs nach Erving Goffman
- Klinische Aspekte und Symptomatik der Schizophrenie
- Fallstudie zur Untersuchung von Ausgrenzung und Krankheitsverlauf
- Gesellschaftliche Verantwortung und Auswirkungen von Stigmatisierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Stigmatisierung am Fallbeispiel
Als Mensch mit einer schizophrenen Erkrankung fällt Herr A. unter den 2. Typ der Stigmatisierung nach Goffman. Um das Ausmaß seiner Stigmatisierung in seinem Fall festzustellen, ist eine Unterscheidung vorzunehmen, ob er in die Gruppe der Diskreditierbaren oder in die Gruppe der Diskreditierten gehört. Die Zuordnung ist in seinem Fall abhängig vom Ausprägungsgrad seiner Symptome. Wie bereits angedeutet, würde man Herrn A. während einer nicht-akuten Phase seiner Erkrankung nicht als „unnormal“ wahrnehmen. Im Gegenteil müsste die Tatsache, dass Herr A. eher wortkarg ist, angesichts der Eigenschaften, die man gemeinhin den Bewohnern Norddeutschlands nachsagt, ihn eher zu einem voll akzeptierten Mitbürger machen. In dieser Phase könnte sich Herr A. demnach in seiner Lebensumwelt wohl fühlen.
Tatsächlich aber weiß Herr A. natürlich um seine Erkrankung und darum, dass sein Umfeld (z.B. Nachbarn, sein rechtlicher Betreuer, Fachpersonal in den psychiatrischen Einrichtungen) dieses Wissen teilt oder erahnt. Er hat seinem Leben (angefangen bei seiner Herkunftsfamilie) bereits vielfach die Erfahrung machen müssen, dass er so, wie er ist, nicht angenommen und wertgeschätzt wird. Rückzug von anderen bedeutet für ihn Schutz vor frustrierenden und verletzenden Erlebnissen, es ist aber vor allem die einzige sichere Möglichkeit, seine Erkrankung vor anderen zu verbergen und damit deren Reaktion darauf nicht erleben zu müssen. Begibt er sich unter Menschen, lebt er in der dauernden Anspannung und Sorge, entdeckt und in der Folge ausgegrenzt zu werden (vgl. Finzen, 2013, S. 47).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema des guten Lebens und Fragestellung, inwiefern dieses bei Schizophrenie unter Stigmatisierung möglich bleibt.
2 Begriffsannäherung: Definition zentraler Termini, insbesondere der Grundfähigkeiten nach Nussbaum, der Stigmatisierung nach Goffman und des Krankheitsbildes Schizophrenie.
3 Fallbeispiel: Darstellung einer Anamnese und Anwendung der theoretischen Konzepte auf die konkrete Lebenssituation von Herrn A.
4 Ist ein gutes Leben trotz Stigma im Kontext von psychischen Erkrankungen möglich?: Kritische Auseinandersetzung mit der Entwickelbarkeit von Grundfähigkeiten bei psychisch erkrankten Menschen unter gesellschaftlichem Druck.
5 Gesellschaftliche Dimension / Konsequenzen: Reflexion über die Verantwortung der Gesellschaft im Hinblick auf Menschenrechte und Inklusion psychisch Kranker.
6 Resümee / Fazit: Zusammenfassung der Erkenntnisse und Schlussfolgerung über die Notwendigkeit von Empathie statt reiner Informationspolitik zur Stigmabekämpfung.
Schlüsselwörter
Schizophrenie, Stigma, Gutes Leben, Martha Nussbaum, Erving Goffman, Soziale Teilhabe, Psychische Erkrankung, Diskreditierung, Lebensqualität, Empathie, Gesellschaftliche Ausgrenzung, Grundfähigkeiten, Krankheitsverlauf, Psychiatrie, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, unter den Bedingungen gesellschaftlicher Stigmatisierung ein „gutes Leben“ führen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die Definition des guten Lebens, die soziologische Stigmatisierungstheorie, klinische Grundlagen der Schizophrenie sowie die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber psychisch Kranken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte beantworten, welche Kriterien für ein gutes Leben erfüllt sein müssen und inwieweit diese bei psychischen Erkrankungen im Kontext einer Stigmatisierung erreichbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Anwendung dieser Konzepte auf ein praktisches Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, die detaillierte Fallanalyse von Herrn A. und eine theoretische Erörterung zur Möglichkeit eines guten Lebens bei Schizophrenie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Schizophrenie, Stigmatisierung, Grundfähigkeiten, soziale Teilhabe und Lebensqualität.
Warum wird im Fallbeispiel zwischen „diskreditierbar“ und „diskreditiert“ unterschieden?
Diese Unterscheidung ist notwendig, um zu verstehen, wie das Ausmaß der sichtbaren Symptome das stigmatisierende Verhalten der Umwelt und den Rückzug des Betroffenen beeinflusst.
Welche Rolle spielt die Gesellschaft bei der Stigmatisierung?
Die Arbeit stellt fest, dass die Gesellschaft durch Vorurteile, mediale Verzerrungen und mangelnde Empathie die Heilungschancen verschlechtert und die soziale Ausgrenzung verschärft.
- Arbeit zitieren
- Andreas Haß (Autor:in), 2017, Ist ein gutes Leben trotz Stigma in Kontext von psychischen Erkrankungen möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430812