Willens- und Handlungsfreiheit in einer Welt sich selbstorganisierender Systeme

Die Freiheit des menschlichen Willens zu handeln


Bachelorarbeit, 2014

36 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Debatte um die Freiheit
2.1 Was ist menschliche Willens- und Handlungsfreiheit?
2.2 Perspektiven auf die Debatte
2.3 Grundlegende Kritik an der Freiheit
2.4 Freiheit aus Sicht der neurologischen Wissenschaften
2.5 Die Erklärung einer Entscheidung aus neurologischer Sicht

3 Systeme und Selbstorganisation
3.1 Systeme in der Systemtheorie
3.2 Selbstorganisierende Systeme
3.3 Das Gehirn und das Bewusstsein als Systeme
3.3.1 Das Gehirn als System
3.3.2 Das Bewusstsein als System
3.3.3 Das Zusammenwirken der Systeme Gehirn und Bewusstsein

4 Willens- und Handlungsfreiheit aus Sicht sozialer Systeme
4.1 Handlungen und Gründe
4.2 Die soziale Freiheit

5 Willens- und Handlungsfreiheit aus Sicht der Selbstorganisation von Gehirn und Bewusstsein
5.1 Synergetik
5.2 Der synergetische Entscheidungsprozess im Bewusstsein
5.3 Der synergetische Entscheidungsprozess im Gehirn
5.4 Willens- und Handlungsfreiheit aus Sicht der Selbstorganisation

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Nur die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können wir entscheiden.“[1]

Heinz von Förster meinte damit, dass Dinge, die nicht in einem Erklärungsrahmen festlegbar sind, den die Menschen geschaffen haben, weiterhin für Erklärungsversuche offenstehen. Sie können von uns selbst entschieden werden, ohne dass wir einer Bedingung im Entscheiden unterliegen. Die Willens- und Handlungsfreiheit kann diesen „unentscheidbaren“ Fragen zugeordnet werden. Man kann aber auch versuchen, sie im Rahmen einer bestimmten Betrachtungsweise zu ergründen und genau das soll in dieser Arbeit geschehen.

Es soll um die grundlegende Streitfrage nach der Freiheit des menschlichen Willens, Entscheidens und Handelns gehen. Zunächst werde ich dabei auf die Debatte eingehen, die schon lange in den Geistes- und Naturwissenschaften vonstatten geht, um zu klären, was Freiheit in diesem Sinne überhaupt bedeutet und warum sie denn in Frage gestellt werden kann. Dazu dient in erster Linie der naturwissenschaftliche ‚Erklärungsrahmen‘, den man auf die Frage nach der Freiheit anwendet – Die Neurobiologie und die Neurophysiologie. Anschließend soll die Freiheit dann im Rahmen von Systemen betrachtet werden, in die die Systemtheorie die Welt aufteilt. Ein kurzer Einblick in die Betrachtung der Freiheit im ‚Erklärungsrahmen‘ der Systemtheorie von Tim König auf der Grundlage von Niklas Luhmann zeigt uns dabei eine Entscheidung, die für die Willens- und Handlungsfreiheit aus sozialer Systemperspektive getroffen werden kann. Abschließend will ich einen dritten ‚Erklärungsrahmen‘ nutzen, um die Freiheit zu betrachten. Dieser dritte Ansatz geht von Systemen aus, die sich selbst organisieren. Vorteilhafterweise können zwei Systeme, die unmittelbar mit der Willens- und Handlungsfreiheit in Verbindung gebracht werden, als solche beschrieben werden. Somit werde ich das Gehirn und das Bewusstsein als selbstorganisierende Systeme auf ihre Entscheidung nach der Willens- und Handlungsfreiheit hin untersuchen.

Viele werden sich fragen, wo es denn ein Problem mit der Freiheit im Willen und Handeln geben soll. Man fühlt sich doch eigentlich frei in dem, wie man denkt und handelt. Diese Intuition der Freiheit ist auch ein häufig angeführtes Argument ihrer Befürworter, denn wie können so viele Menschen in ihrer Intuition irren? Genauso gut könnte man aber fragen, warum so viele Menschen irrten, als sie glaubten, die Erde wäre eine Scheibe oder der Mittelpunkt des Sonnensystems, als sie dachten der Äther wäre die Substanz in der Luft, die Wellen und Licht überträgt, oder als man dachte, alles Materielle wäre aus den vier Elementen zusammengestellt. Warum sollte man aber gerade die Willens- und Handlungsfreiheit in Frage stellen? Zum einen aus der Überzeugung, dass alles Wollen und die damit ausgelösten Handlungen einen kausalen Ursprung haben. Sie sind dabei Wirkung einer Ursache und selbst schon wieder Ursache für weitere Wirkungen. Dieser Ansicht nach, sind unserer Wille und unsere Handlungen notwendige Teile einer kausalen Kette des Weltverlaufs. Sie sind determiniert. Ein eher triviales Beispiel: Wir können uns keine komplett neuen Dinge einfallen lassen. Kinder, die Phantasietiere zeichnen, setzen diese aus bekannten Teilen anderer Tiere oder Dinge zusammen, Wissenschaftler und Denker stellen neue Thesen nur aus bereits bekanntem Wissen auf oder verknüpfen diese mit lebensweltbezüglichen Metaphern und Analogien. Selbst unser Traumbewusstsein kann die Trauminhalte nur aus bekannten Gegenständen und Sachverhalten zusammenfügen. Zum anderen gab es umstrittene neurophysiologische und psychologische Experimente von, zum Beispiel, Benjamin Libet oder Daniel Wegner, die Indizien für die Unfreiheit des persönlichen, bewussten Wollens fanden[2]. Ob dies aber den freien Willen schon entkräften kann, bleibt dahingestellt. Die neurophysiologischen und neurobiologischen Erkenntnisse haben zwar einen hohen empirischen Wert, doch machen sie qualitativ und quantitativ nur einen verschwindend geringen Bruchteil des Bedarfs aus, der nötig wäre, um die zugrunde liegenden Phänomene zu erklären, wobei zudem sehr fraglich ist, ob der Bedarf mit dieser Methode je gedeckt werden kann.

Mit der Einführung und Entwicklung der Selbstorganisation von Systemen kam ein neuer Ansatz hinzu, die Möglichkeit der Willens- und Handlungsfreiheit zu deuten. Ich werde speziell aus der Sichtweise der Synergetik und der Chaostheorie versuchen, eine solche Deutung anzustellen. Im Prozess der Erstellung dieser Arbeit hatte ich oft selbst das Gefühl, mich in einem Vorgang der Selbstorganisation zu befinden. Sofern man nicht mit einer unerschütterlichen Einstellung an dieses Streitthema tritt, indem man sein Ziel unabänderlich verfolgt, wird man sich bald von den polarisierenden Argumenten für und wider die Willens- und Handlungsfreiheit hin- und hergerissen fühlen. Sie wirken wie anziehende Punkte, auf die man sich in seiner persönlichen Meinung mal zubewegt und mal von ihnen wegbewegt. Für die Richtungsänderung schienen oft kleine Veränderungen meiner inneren und äußeren Bedingungen ausschlaggebend. Dabei taucht natürlich auch häufig die deterministische Frage auf, ob ich mich denn aus freien Stücken jemals zu dieser oder jener Meinung, etwa durch ausgiebiges Nachdenken ohne weiteren Literatureinfluss, überzeugt hätte. Oder hängt der vorerst finale und exakte Stand meiner Einstellung zu diesem Thema lediglich von der Art, Masse, Reihenfolge, usw. der jeweils betreffenden Vorbildung und weiterführenden Literatur, die auf mich wirkten, ab? Und darin sind nur die offensichtlichsten Bedingungen enthalten. Eventuell müsste ich für diese Frage meine gesamte Vorgeschichte und alle Bedingungen für diese, usw. betrachten. Selbstverständlich muss ich von dieser Unmöglichkeit absehen, aber ich hoffe, dass diese Analogie des Inhalts der Arbeit zu ihrem Entstehungsprozess einen Eindruck der Vielfältigkeit gibt, in der uns dieses Thema im Leben begegnen kann. Doch bevor wir uns dieser umfangreichen Betrachtung widmen, soll erst einmal geklärt werden, was denn die Willens- und Handlungsfreiheit nun darstellt.

2 Die Debatte um die Freiheit

2.1 Was ist menschliche Willens- und Handlungsfreiheit?

Zunächst einmal will ich den Begriff der Entscheidungsfreiheit (EF) einführen, der für mich als umfassendere Bezeichnung dafür dient, auf was sich die Freiheit in der hier gemeinten Diskussion bezieht. Da es sich bei der Willens- und Handlungsfreiheit (WF und HF) um ein persönliches Vermögen handelt, mit dem eigenen Wollen eine Entscheidung zu treffen, die dann wiederum zu einer Handlung führen soll, können WF und HF im Allgemeinen zur EF zusammengefasst werden. In der Entscheidung, die ein Mensch in seinem Bewusstsein trifft, ist also sein Wille zu dieser Entscheidung und die Handlung, von der wir in diesem Fall ausgehen, dass sie ihr folgen wird, schon inbegriffen. Natürlich werde ich in Fällen, in denen die spezielle Betrachtung der Freiheit des Willens (oder Wollens) und Handelns gefragt ist, auch die gesonderten Begriffe benutzen.

Diese gesonderte Einteilung ist vor allem nötig, wenn man in negative und positive Freiheit unterscheidet. Erstere drückt aus, dass der Entscheidende bei der Ausführung seiner Entscheidung frei von ihn hindernden Dingen ist, er also eine Handlung ohne Beeinträchtigung ausführen kann. Die positive Freiheit dagegen bezeichnet die Fähigkeit einer Person, die Entscheidung nur durch sein eigenes Wollen herbeizuführen. Die negative Freiheit ist dabei eher unproblematisch, da sich nicht darüber streiten lässt, dass eine Handlung überhaupt nur möglich ist, wenn die Person dazu ungehindert in der Lage ist. Ob eine Entscheidung im Sinne der positiven Freiheit aber allein durch das unbedingte Wollen erklärt werden kann, wollen wir später genauer betrachten.

Weiterhin werden an die EF mehrere Bedingungen geheftet, um sie als wirklich freie Einheit aus Wille und Handlung zu identifizieren und somit einen starken Begriff von Freiheit zu etablieren. Die erste Bedingung der Freiheit ist der Alternativismus. Nach ihm ist zu jedem festgelegten Zeitpunkt des Entscheidungsprozesses ein Anderskönnen möglich[3]. Da zu einem fixierten Zeitpunkt auch nur eine genau festgesetzte Konstellation an Bedingungen für eine Person herrscht, heißt dies also es gibt unter exakt gleichen Bedingungen immer mehrere Entscheidungsoptionen für die Person aus denen das bewusste Ich dann eine wählen kann. Besonders intuitiv erscheint uns die Vorstellung, in der Vergangenheit zu einem bestimmten Zeitpunkt eine andere Wahl getroffen haben zu können, ganz nach dem Motto: „Hätte ich mal mich mal für diese Option entschieden.“ Dann wäre alles anders – und genau das trägt ein gewisses Konfliktpotential in sich, worauf ich auch im Folgenden noch eingehen werde.

Die zweite Bedingung ist die Urheberschaft der Person oder auch Akteurskausalität. Diese begründet die positive Freiheit des Entscheidenden. Warum die Entscheidung zu einer Handlung getroffen wird, ist dabei nur durch den Willen der Person erklärbar. Die Handlungsentscheidung knüpft hier nicht kausal an eine Kette vorangegangener Ereignisse an, sondern legt ihre Ursache einzig und allein in den autonomen Willen des betreffenden Menschen[4]. Somit hat die Person die absolute Kontrolle über ihre Entscheidungen und kann im Rahmen der negativen Freiheit handeln.

Drittens ist das Intelligibilitätsprinzip zu nennen, nach dem freie Entscheidungen aus Gründen erfolgen müssen. Eine Person, die ihre Handlungen nicht nach Gründen erwählt, entscheidet zufällig und irrational und ein freier Wille soll im Gegenteil Ausdruck von Selbstbestimmung sein, die nicht mit Zufall und Irrationalität vereinbar ist[5]. Zum einen kann man seine Handlungen nur rational kontrollieren und abpassen und zum anderen würde man durch Zufall diese Kontrolle verlieren. Die Gründe müssen zwangsläufig aus dem Willen der Person stammen, um nicht mit dem Alternativismus und der Akteurskausalität im Kontrast zu stehen, welche im Prinzip besagen, dass man nur so handeln kann, wie man will.

Hieraus schließt sich sogleich was denn HF ist. Es ist Fähigkeit, verschiedene, nicht beeinträchtigte Optionen nach Gründen aus dem persönlichen Willen umzusetzen. Trivial ausgedrückt heißt das, HF ist zu handeln, wie man will. Die logische Folge daraus scheint, dass WF bedeutet, man wolle, wie man will. Zur genaueren Analyse dieser Folgerung komme ich im Unterkapitel 2.3.

2.2 Perspektiven auf die Debatte

Die große Frage, die in der Diskussion um die Freiheit nun entstand, ist die nach der Vereinbarkeit der WF mit dem Kausaldeterminismus. Der Determinismus besagt, dass der gesamte Weltverlauf durch das erste Ereignis von vornherein festgelegt ist, da jede Ursache eine bestimmte Wirkung hat und alle Reaktionen notwendigerweise auf deren vorangegangene Aktionen folgen, wobei diese wiederum auch nur notwendige Reaktionen sind. Obwohl die Annahme des Determinismus die Voraussagbarkeit aller Vorgänge theoretisch möglich macht, ist diese keine Voraussetzung für ihn.

Die Einstellung zur Unvereinbarkeit von Determinismus und Freiheit heißt Inkompatibilismus und ist in zweifacher Form vertreten. Auf der einen Seite stehen die ‚ harten Deterministen ‘, der Einfachheit halber hier nur ‚Deterministen‘, die erklären, dass die WF aufgrund der determinierten Welt nicht existieren kann, denn wenn alle Ereignisse schon festgelegt sind, ist es erstens auch der Wille jeder Person und damit zweitens jede Entscheidung, die diese Person je treffen wird. Auf der anderen Seite gehen die Libertarier von der Nicht-Existenz des Determinismus aus, um somit den freien Willen, wie er oben durch seine Bedingungen gekennzeichnet wurde, zu ermöglichen[6]. Schließlich finden sich in der Mitte die Kompatibilisten, die davon ausgehen, dass die WF bzw. EF nicht trotz sondern gerade aufgrund des Determinismus möglich ist, da dieser ihre Bedingungen ermöglicht, wenn die Freiheit in abgeschwächter Form existiert[7]. Die genauere Erläuterung der Standpunkte der jeweiligen Parteien wäre für unsere Zwecke nicht weiter sinnvoll.

2.3 Grundlegende Kritik an der Freiheit

Nun möchte ich die Aussage, WF sei zu wollen, was man will, die ich oben offen gelassen habe, wieder aufnehmen. Seinen Willen zu wollen, wäre die Konsequenz, die aus der Akteurskausalität gezogen werden muss, denn der autonome Wille stellt die Basis der Freiheit dar. Wenn die Erklärung einer Entscheidung letztendlich im Willen liegt und der Wille somit schon zielgerichtet auf die Entscheidung produziert werden muss, müsste man auch wollen können, was man will. Das ist aber offensichtlich nicht möglich, denn der Wille einer Person ist schon da, wenn sie ihn betrachtet, sonst könnte man ihn folglich nicht betrachten. Anders gesagt würde zu wollen, was man will auch bedeuten, etwas anderes wollen zu können, als man tatsächlich will[8]. Also muss der Wille durch etwas entstehen, was der Person nicht bewusst ist, wenn ihr erst der fertige Wille bewusst erscheint. So kann man sagen, dass die Beschreibung der HF auf den ersten Blick richtig anmutet, da man ja sehr wohl so handeln kann, wie man will. Aber da die Handlung durch eine Entscheidung im Bewusstsein ausgelöst wird, die wiederum vom Willen abhängen soll und dieser nicht die Kriterien der Freiheit erfüllen kann, scheint die Handlung eines Menschen zwar gegebenenfalls in ihrer Ausführung nicht, aber in ihrer Bedingung frei.

Eine Kritik am Alternativismus erschließt sich mir außerdem aus der, als Rechtfertigung für die Freiheit gedachten, Argumentation von Thomas Buchheim. Danach ist ‚Können‘ bzw. ‚Anderskönnen‘ nur eine virtuelle Größe. Es ist nur Potential und somit auch nicht real (wenn es nicht umgesetzt wird). Der Mensch transformiert beim Anderskönnen also Irreales in Tatsächliches, was auch richtig anmutet, da er vermeintlich aus dem Nichts handeln kann[9]. Da aber potentielle Handlungen andere Grundlagen haben, als die tatsächlich Ausgeführte, und diese Grundlagen in der zu betrachtenden Situation der Entscheidung zur Handlung nicht vorliegen, ist das Anderskönnen, also das Können der potentiellen Handlungen, einfach nicht existent. Es ist nur ein irreales Vermögen, das wir uns aufgrund von Unkenntnis der Faktoren, die uns bestimmen, zuschreiben.

2.4 Freiheit aus Sicht der neurologischen Wissenschaften

Zunächst einmal sei auf die Aussage von Wolfgang Prinz hingewiesen, der sagt, dass die Idee der WF prinzipiell nicht mit wissenschaftlichen Überlegungen vereinbar sei. In der Philosophie sei die Meinung stark vertreten, dass die Wahrnehmung des Bewusstseins fehlerhaft sein könne, aber in der Debatte um die Freiheit des Geistes sei es selbstverständlich, (eventuell nur)[10] diese Wahrnehmung zu ihrer Rechtfertigung zu nutzen[11]. Grundsätzlich bemängeln die Vertreter der Neurowissenschaften den unbedingten Charakter der EF. Gerhard Roth stellt hierzu vier Kritikpunkte auf[12]:

1. Das Gefühl der Freiheit kann nachgewiesenermaßen irregeführt werden. Menschen können in Entscheidungen unbewusst manipuliert werden und trotzdem das Gefühl einer eigenen, unbeeinflussten Intention haben. Er verweist dabei zum Beispiel auf die Einflussnahme von Werbung auf die Kaufabsichten einer Person. Holk Cruse beschreibt außerdem zwei Experimente, die diesen Punkt stützen. In diesen Experimenten wurden Hirnareale von Versuchspersonen gereizt, um körperliche Bewegungen herbeizuführen. Bei einem ersten Versuch wurde der Thalamus gereizt, was zu der Bewegung eines Fingers der Versuchspersonen führte. Sie berichteten, dass sie diese Bewegung nicht beabsichtigt hatten. Bei einem zweiten Versuch wurde der motorische Kortex der Personen gereizt, was ebenso zu einer Fingerbewegung führte. In diesem Fall jedoch gaben die Versuchspersonen an, den Finger willentlich bewegt zu haben[13]. Der Anreiz dazu kam aber evident von außen, was den ersten Kritikpunkt von Gerhard Roth umso plausibler macht. Natürlich muss man beachten, dass eine simple Fingerbewegung, ähnlich wie in vielen Kritiken zu den Versuchen von Benjamin Libet, noch nicht mit einer komplexen Handlung gleichzusetzen ist. Das Gefühl der eigenen Intention hingegen scheint tatsächlich trügen zu können. Letztendlich postuliert Cruse, dass eine Entscheidung im Hirn bewusst und unbewusst getroffen wird und schon der Anteil an unbewussten Prozessen die Freiheit dieser Entscheidung unglaubwürdig macht[14].

2. Es ist unumstritten, dass Menschen einen Willen haben, aber daraus muss nicht folgen, dass dieser frei ist. Wir erleben schließlich einfach nicht die interne und externe Bedingtheit unseres Wollens, denn wie wir vorher schon festgestellt haben, ist der Wille schon fertig, wenn wir ihn betrachten. Einige Freiheitsverteidiger sagen zwar, dass der anfängliche Wille zwar schon fertig ins Bewusstsein tritt, wir aber ihn aber ab dann durch den Prozess der Deliberation (dem Abwägen von Gedanken und Wünschen im Entscheidungsprozess) nach persönlichen Vorstellungen ergänzen und formen können. Auch darauf will ich später noch eingehen. Roth jedenfalls will hiermit auch das Entscheiden nach Gründen als Rechtfertigung für die Freiheit entkräften. Nach ihm wirken neuronale Ursachen kausal auf den Entscheidungsprozess ein, die zunächst nicht bewusst sind und erst im Nachhinein beim Auftreten im Bewusstsein ihre sprachliche Semantik zugeschrieben bekommen, um sie im Konzept der Sprache nachvollziehen zu können. Ähnlich argumentieren Grün[15] und Linke[16]. Letzterer sagt, dass die Bedeutung eines Willens, einer Entscheidung, einer Handlung – also deren Grund – erst im Beobachtungsprozess des jeweiligen Aspekts im Bewusstsein zugeschrieben werde. Dies diene dazu, die eigene Abfolge von Wille, Entscheidung und Handlung mit sich selbst und anderen zu kommunizieren und zu rechtfertigen.

3. Wenn der Wille nicht bedingt ist und Gründe erst im Nachhinein konstruiert werden, so ist das Handeln einem akausalen Geschehen zuzuordnen. Dies soll ebenfalls das Intelligibilitätsprinzip und die Akteurskausalität entkräften und bedeutet im Endeffekt, dass alle Entscheidungen zufällig getroffen werden. Wie wir aber schon festgestellt haben sind Zufall und EF nicht zu vereinen.

4. Roth sagt schließlich noch, dass die EF gegen alles „[…] handlungspsychologische und neurologisch-neurobiologische Wissen darüber, wie Handlungen, bei denen wir uns frei fühlen, im Gehirn vorbereitet und ausgeführt werden.“[17] spreche. Die Hirnareale, die den wissenschaftlichen Erkenntnissen nach für die bewusste Handlungsplanung zuständig sind, seien nicht in der Lage, den motorischen Kortex so zu aktivieren, dass dieser bestimmte Bewegungen auslöst[18]. Auch hier könnte man wieder sagen es sei wichtig, zwischen einfacher Bewegung und komplexer Handlung zu unterscheiden. Aus neurologischer Sicht ist die Bewegung, die nicht aus Reflex oder anderer somatischer Reizung entsteht aber schon die Handlung die aus Ursachen zustande kommt. Auch bewusste Gründe können dabei zu Ursachen werden, da nicht ausgeschlossen ist, dass das Bewusstsein trotz allem nicht auf die Entscheidung einwirken kann. Diese Gründe sind aber schließlich auch bedingt und nicht allein auf das bewusste Ich zurückzuführen. Also ist neurologisch gesehen eine Handlung letztendlich nichts mehr als eine Bewegung, der antizipierte und nachträgliche Bedeutung beigemessen wird. Und diese Bewegung kann nach Roth nicht nur durch bewusste Hirnareale ausgelöst werden.

2.5 Die Erklärung einer Entscheidung aus neurologischer Sicht

Betrachtet werden soll hier eine wohlüberlegte und viel bedachte Entscheidung, da eine Handlung aus ‚trivialen‘ Ursachen wie Hunger oder anderen somatischen Bedürfnissen schnell ergründet ist. Gerhard Roth behauptet, die Argumente, die einer Person bei der Deliberation in den Sinn kommen, seien ausschließlich vom unbewusst arbeitenden Erfahrungsgedächtnis bestimmt[19] und im Nachhinein erst wieder bewusst versprachlicht. Diese Argumente kommen zustande, indem im Hirn die potentiellen zukünftigen Zustände repräsentiert werden, die diese oder jene Handlung auslösen könnte. Aufgrund früherer Erfahrungen und der Assoziation bereits bekannten Wissens mit diesen Zuständen, aber auch wegen durch Spiegelneuronen angeeigneter fremder Erfahrung, kann das Hirn sie emotional bewerten. Diese emotionale Bewertung schließt ähnlich wie im Sinne einer hochkomplexen, ausdifferenzierten Konditionierung eine Unterscheidung in positive und negative Konsequenzen der antizipierten Handlung mit ein. Diese Repräsentation zukünftiger Zustände und deren emotionale Bewertung determinieren letztendlich, welches Verhalten ausgeführt werden soll[20]. Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass wir uns mit unserer Entscheidung wohl fühlen wollen und sie demnach durch neuronale Prozesse entschieden wird. Die emotionale Letztentscheidung rechnet Roth dabei dem limbischen System zu. Dieses sei vollständig durch unsere Erfahrungen geprägt und gebe den entscheidungsauslösenden Impuls[21]. Erst dann erscheint die Entscheidung im Bewusstsein, das hier als eine Art Interface dient, um die Entscheidung auch bewusst nachzuvollziehen[22].

Da die Entscheidung aber aufgrund der persönlichsten Voraussetzung entstanden ist, die ein Mensch bieten kann, nämlich seine eigene Erfahrung und Emotion, welche nicht durch einen kommunikativen Akt verwischt oder undeutlich gemacht werden können und die Gehirnstruktur grundsätzlich geprägt haben, drückt eine so zustande gekommene Handlung die Identität und Persönlichkeit eines Menschen in bester Weise aus. Um diese an der Handlung nachvollziehen zu können, müsste man allerdings alle zur Entscheidung notwendigen Bedingungen des anderen kennen und nachempfinden können, was prinzipiell unmöglich ist. Trotzdem kann ein Mensch für seine Handlung nicht verantwortlicher sein als in diesem Sinne, um nur kurz auf die Ängste einer vermeintlichen Verantwortungslosigkeit bei einem vollständig determinierten Menschen einzugehen.

Da man aber nie nachvollziehen kann, welche Faktoren letztendlich zu der Entscheidung einer Person (auch der eigenen Person) geführt haben, und wahrscheinlich auch nie dazu in der Lage sein wird, kommt es zu der Annahme, dass wir frei entscheiden. Freiheit im Sinne von Indeterminismus ist also eigentlich nur auf die prinzipielle Unerfassbarkeit der determinierenden Faktoren zurückzuführen. Dass Freiheit als Annahme im sozialen Leben dabei durchaus sinnvoll ist, dürfte auch den Neurologen und den stärksten Deterministen erkenntlich sein. Erstens hat es keine weitere Bedeutung für unser Leben, wenn die Freiheit des Geistes als Illusion enttarnt würde, da auch alles sinnlich Wahrnehmbare schon als solche gedeutet wird und wir trotzdem die Welt so nehmen, wie wir sie erfahren und damit arbeiten. Zweitens ist das Gefühl des Ichs, Träger seiner eigenen Entscheidungen zu sein, gesellschaftlich verhaltenswirksam. Es ist tief mit moralischem Verantwortungsbewusstsein verbunden und erklärt zudem Verhalten von Personen, das wir nicht nachvollziehen können.

3 Systeme und Selbstorganisation

Bevor die Freiheit des Wollens, Entscheidens und Handelns nun aus Sicht von Systemen betrachtet werden kann, will ich zunächst ausführen, wobei es sich in der Systemtheorie handelt, was Systeme denn eigentlich sind, wie Selbstorganisation zu verstehen ist und wie das Gehirn und das Bewusstsein als Systeme zu verstehen sind.

3.1 Systeme in der Systemtheorie

Die Systemtheorie (ST) teilt die Welt in Systeme ein, um Sachverhalte besser betrachten zu können, da sie damit die Komplexität der Welt in weniger komplexe Teilbereiche gliedert und sie für die Betrachtung verringert. Ein solches System entsteht somit aufgrund der Differenz mit seiner Umwelt[23]. Das bedeutet, dass die Komplexität nur verringert werden kann, wenn das System auf eine bestimmte Weise unabhängig von seiner Umwelt beschrieben wird. Bei idealen, physikalischen Systemen ist das von vornherein der Fall. Sie sind kausal und operativ geschlossen gegenüber ihrer Umwelt. Diese Systeme erfüllen dabei eine lineare Gleichung, was bedeutet, dass man ganz im Sinne einer strikten Kausalität von einem Zustand auf einen anderen schließen kann. Ein Zustand Z1 zu einem Zeitpunkt t1 ist mittels gegebener Gesetze immer Ursache für einen Zustand Z2 zum Zeitpunkt t1. Dies ist beliebig oft wiederholbar und das System ist eindeutig determiniert[24].

Systeme im Sinne der Systemtheorie nach Luhmann hingegen werden nur auf ihre operative Geschlossenheit betrachtet, das heißt, dass sie kausal offen sind, aber eigene Elemente mit eigenen Operationen besitzen, die nicht direkt aus der Umwelt beeinträchtigt werden können und nur mit sich selbst interagieren. Das System besteht aus seinen Elementen, die sich zu Strukturen zusammensetzen und bestimmte Prozesse durchführen, die nach einer systemimmanenten Logik ablaufen. Somit besitzt das System eine Eigendynamik. Die Elemente des Systems verbinden sich zu Strukturen durch die Prozesse im System, die diese Strukturen benötigen. Die Strukturen wiederum bestimmen aber die Prozesse. So beschreibt sich das System selbst und bezieht all seine Vorgänge auf seinen eigenen Zustand, was man Selbstreferenz nennt[25]. Die Autopoiesis beschreibt dazu noch, dass sich lebende Systeme entgegen der Entropie selbst erhalten, indem sie die eigenen Komponenten durch ihre Prozesse ständig ersetzen[26].

Obwohl diese Systeme Komplexität verringern, können sie dennoch selbst hochkomplex sein, da ihre Komponenten miteinander agieren und dieses Agieren die weiteren Aktionen bestimmt. Sogar die Planung von Prozessen, also bestimmte Erwartungsmuster, wirken sich auf die Arbeitsweise des Systems aus. Die Struktur und die Prozesse verändern sich stetig und beeinflussen somit die weitere Entwicklung des Systems, sodass sich keine wiederholbaren, kausalen Zusammenhänge beobachten lassen. Diese Komplexität kann durch nicht-lineare Gleichungen beschrieben werden, wobei die Systementwicklung sehr sensibel von den Anfangs- und Randbedingungen des Systems abhängt.

Da das System nun eine weit geringere Komplexität als seine Umwelt besitzt, aber trotzdem mit ihr im Kontakt steht, findet eine Wechselwirkung von System und Umwelt über sehr selektive, kompatible Strukturen beider statt. Das nennt man die strukturelle Kopplung. Weil nur Einflüsse der Umwelt auf das System einwirken können, die innerhalb dieser strukturellen Kompatibilität liegen, muss das System nur solche Einwirkungen verarbeiten, die es auch betreffen, d. h. solche, die an die Arbeitsweise des Systems anschließen können[27]. Dabei werden aber keine Strukturen ausgetauscht, da die Elemente und Strukturen eines Systems nur auf das betreffende System anwendbar sind. Eine Einwirkung der Umwelt auf das System kann als Reizung, Irritation oder Provokation aufgefasst werden[28]. Die Umwelt provoziert also das System bei der strukturellen Kopplung über einen Reiz zu einer Reaktion. Das System baut dabei den Reiz, der ja durch fremde Strukturen und Prozesse getragen wurde, in ‚systemeigener Sprache‘ in seine Arbeitsweise ein. Es ordnet sich dem Reiz gemäß neu. Es passt also die eigenen Strukturen und Prozesse der Irritation von außen an, was dann so scheint, als habe es die ‚Sprache‘ der Umwelt in eigene ‚Sprache‘ übersetzt und weiterverwertet. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Irritation durch die Umwelt und die operative Reaktion des Systems ist dabei aus rein systemischer Sicht nicht gegeben, da das System nur auf eigene Weise auf eine Provokation reagiert aber nicht seine Struktur durch die Umwelt determinieren lässt[29]. Trotzdem kann die Einwirkung kausal betrachtet werden, dies aber nach Luhmann nur durch einen Beobachter, der der reinen Penetration der Umwelt und der Reaktion des Systems Bedeutung im Sinne eines bestimmten Ursache- Wirkungszusammenhangs zuschreibt. Diese Zuschreibung ist dabei davon abhängig, „wie der Beobachter seine Interessen formuliert, wie [er] Wirkungen und Ursachen für wichtig oder für unwichtig hält. Kausalität ist eine selektive Aussage.“[30] Der Beobachter hat demnach eine gewisse, eigene Motivation, eine bestimmte Ursache mit einer bestimmten Wirkung zu verbinden, die zum Beispiel bei einem Wissenschaftler aus seiner Fachrichtung stammt, die immer schon Attributionsgewohnheiten der kausalen Komponenten prägt.

3.2 Selbstorganisierende Systeme

Selbstorganisation bezeichnet nach Günter Schiepek die „spontane Produktion, Reproduktion und Veränderung“ von Strukturen und Prozessen im System, sowie „kohärente Verhaltensmuster aufeinander bezogener Systeme.“[31] Die Umwelt stellt dabei Randbedingungen zur Verfügung, welche vom System durch Selbstorganisation selektiert werden. So ist Selbstorganisation letztendlich die dynamische Entwicklung des komplexen Systems durch seine Eigendynamik, abhängig von Anfangs- und Randbedingungen, und die gegenseitige Bedingung von Strukturen und Prozessen. Dabei geht es immer um die Betrachtung des Systems in seiner mikroskopischen Ebene, d.h. der Zustand der Elemente oder Komponenten des Systems und ihre Interaktionen, sodass diese in ihrer Gesamtheit die makroskopische Ebene, also das System selbst, bilden. Interelementare Veränderungen bewirken dann eine Entwicklung des Systems. Es kann dabei stabil vorliegen, wenn seine Strukturen und Prozesse, aufgrund von gleichbleibender Energiezufuhr, unverändert vorliegen, sodass das System in einer steten Ordnung verbleibt. Die Energiezufuhr wird auf experimenteller Ebene als Kontrollparameter bezeichnet, da sich damit die Entwicklung des Systems regulieren lässt. Denn ändert sich die Energiezufuhr um ein bestimmtes Maß, wird das System instabil, es geht „von einem Ordnungszustand in einen anderen über. Instabilitäten bilden demnach den Ursprung der Systementwicklung.“[32] Der mikroskopische Zustand gerät beim Überschreiten einer kritischen Veränderung der Energiezufuhr in eine Fluktuationsverstärkung, die zu einer Neuordnung der mikroskopischen Strukturen und Prozesse und damit des Systems führt. Fluktuation ist die Summe des unterschiedlichen Eigenverhaltens der Elemente in der dissipativen Struktur auf mikroskopischer Ebene, die im stabilen Zustand von der Systemordnung auf einem unbedeutenden Niveau gehalten werden. Dabei testen sie aber sozusagen aus, ob das System noch stabil ist, da sie erst im gegenteiligen Fall bedeutsam werden.

Denn beim Erreichen des instabilen Zustands gibt es kein kohärentes Verhalten der Elemente des Systems mehr und dadurch kann das Verhalten eines Elements (oder mehrerer) auf das der anderen einwirken und sie mit seinem Verhalten ‚anstecken‘. Die Elemente passen sich dem Verhalten der dominierenden Komponente an, oder um es in Hermann Hakens Worten auszudrücken: Die anderen Verhaltensformen werden von der Dominierenden „versklavt“[33]. Die Verhaltensform, die sich somit durchgesetzt hat, wird zum Ordnungsparameter (OP) des Systems und legt so dessen makroskopischen Zustand fest. Das gemeinsame Verhalten der Mikro-Zustände und der OP bedingen sich dabei zirkulär kausal – sie synergieren. Das Zusammenwirken der Systemteile bringt den OP hervor und dieser bedingt wiederum ihr Verhalten. Lässt man den OP in dieser Betrachtung weg, kann man sagen, die Elemente hätten sich „konsensualisiert“[34]. Andersherum kann ohne Betrachtung der Teile gesagt werden, die OP haben sich selbst bestimmt, was eine Beschreibung der Systementwicklung mit weniger Informationen möglich macht, da es bei weitem mehr Elemente als OP gibt[35].

Wenn die Zustandsänderung des Kollektivs an Elementen dabei nichtlinear verläuft und die Verhaltensübertragung der Elemente Rückkopplungen auslöst, kann sich das Zusammenwirken dieser Rückkopplungen allerdings auch zum OP durchsetzen. Rückkopplungen im weiteren Ordnungsprozess dann wiederum genauso usw., was zu einer chaotischen Dynamik führt. Lakshmanan und Rajasekar definieren Chaos so: „Chaos is the phenomenon of occurrence of bounded nonperiodic evolution in completely deterministic nonlinear dynamical systems with high sensitive dependence on initial conditions.”[36] Chaos ist also deterministisch und hochsensibel in der Abhängigkeit von seinen Anfangsbedingungen (und Randbedingungen). Kleine Veränderungen der Anfangsbedingungen führen exponentiell zu großen Veränderungen des finalen Betrachtungszustands. Wollte man in einem chaotischen System vom Ausgangszustand auf den Endzustand schließen, müsste man erstens alle relevanten Parameter kennen, die die Systementwicklung betreffen und zweitens diese Parameter unendlich genau bestimmen können, was prinzipiell unmöglich ist. Die Vorhersage der Systementwicklung wird also unweigerlich von der Tatsächlichen abweichen. Der Umfang und der Zeitpunkt dieses Abweichens hängen dabei von den zwei zuvor genannten Aspekten ab. Je genauer die Vorhersage sein soll, also eine späte und geringe Abweichung der Systementwicklung, desto größer muss die Menge an relevanten Parametern sein, die bekannt sind. Da alle, das System betreffende, Parameter relevant sind gilt bei der Auswahl dieser zumindest, je relevanter sie für die Systementwicklung sind, desto genauer kann die Vorhersage getroffen werden. Durch die unmögliche Vorhersage einer exakten Entwicklung entsteht der Eindruck des Zufalls in diesem sonst deterministischen Konzept. Hier sieht man wieder, dass Determinismus nicht Vorhersagbarkeit bedeuten muss. Aus chaotischen Entwicklungen ab der Instabilität des Systems kann aber beim erneuten Erreichen eines kritischen Punktes der ‚Kontrollparameter‘, wobei hier für den bloßen Betrachter schwer die Rede von Kontrolle sein kann, wieder ein periodisches Muster entstehen. Sozusagen „[…] eine Ordnung aus dem Chaos […]“[37].

[...]


[1] Förster, H. von, in: Kratky, K.W., Wallner, F. (Hrsg.) 1990, S. 78.

[2] Sauter, E. 2011, S. 43-65.

[3] Goschke, T.; Walter, H., in: Köchy, K.; Stederoth, D. (Hrsg) 2006, S. 107.

[4] vgl. ebd., S. 108.

[5] vgl. ebd., S.107f.

[6] vgl. Keil, G. 2009, S. 4.

[7] Goschke, T.; Walter, H., in: Köchy, K.; Stederoth, D. (Hrsg) 2006, S. 109, 111.

[8] Keil, G. 2009, S. 8.

[9] Buchheim, T., in: Geyer, C. (Hrsg.) 2004, S. 159f.

[10] T.F.

[11] Prinz, W., in: Geyer, C. (Hrsg.) 2004, S. 22f.

[12] Roth, G., in: Roth, G.; Grün, K.J. (Hrsg.) 2006, S.10f.

[13] Cruse, H., in: Geyer, C. (Hrsg.) 2004, S. 224.

[14] vgl. ebd., S. 224.

[15] Grün, K.-J., in: Roth, G.; Grün, K.-J. (Hrsg.) 2006, S. 51.

[16] Linke, D.B. 2005, S. 95.

[17] Roth, G., in: Roth, G.; Grün, K.-J. (Hrsg.) 2006, S. 10.

[18] ebd., S. 11.

[19] Roth, G. 2003, S. 526.

[20] Goschke, T., in. Roth, G.; Grün, K.-J. (Hrsg.) 2006, S. 120. Siehe auch: Rensch, B. 1988, S. 40.

[21] Roth, G. 2003, S. 527, 532.

[22] vgl. Prinz, W., in: Geyer, C. (Hrsg.) 2004, S. 22.

[23] Luhmann, N. 2011, S. 64.

[24] Müller, K. 1996, S. 70.

[25] Schuldt, C. 2006, S. 9-11, 26.

[26] vgl. Müller, K. 1996, S. 82, 328.

[27] Luhmann, N. 2011, S. 116f.

[28] ebd., S. 120.

[29] ebd., S. 120.

[30] ebd., S. 90.

[31] Schiepeck, G., in: Kratky, K.W.; Wallner, F. (Hrsg.) 1990, S. 185.

[32] Paslack, R. 1991, S. 7.

[33] Haken, H.; Wunderlin, A., in: Kratky, K.W.; Wallner, F. (Hrsg.) 1990, S. 25.

[34] Haken, H; Schiepek, G. 2006, S. 83.

[35] ebd.

[36] Lakshmanan, M.; Rajasekar, S. 2003, S. 101.

[37] Müller, K. 1996, S. 342.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Willens- und Handlungsfreiheit in einer Welt sich selbstorganisierender Systeme
Untertitel
Die Freiheit des menschlichen Willens zu handeln
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Philosophie)
Note
2,2
Autor
Jahr
2014
Seiten
36
Katalognummer
V430847
ISBN (eBook)
9783668737051
ISBN (Buch)
9783668737068
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Willensfreiheit, Handlungsfreiheit, Determinismus, Systemtheorie, Synergetik, Selbstorganisation, Freier Wille
Arbeit zitieren
Tom Fengel (Autor), 2014, Willens- und Handlungsfreiheit in einer Welt sich selbstorganisierender Systeme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430847

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