Globaler und lokaler Islam. Islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen

Ein kritischer Einblick in das Projekt Islamunterricht


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

2. Islamunterricht in Deutschland
2.1. Was wird im Islamunterricht gelehrt und welche Ziele verfolgt er?
2.2. Wie verbreitet ist Islamunterricht in Schulen in Deutschland derzeit?
2.2.1. Wie wird das Projekt von Schulen und Ministerien geplant und umgesetzt?
2.2.2. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt - und welche Herausforderungen noch bewältigt werden, um das Projekt erfolgreich zu etablieren?
2.3. Welche Alternativen zu islamischem Religionsunterricht in Schulen sind denkbar?

3. Wie stehen Schüler und Eltern dem Projekt gegenüber? - Fragen, Antworten und Analyse

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Hinfuhrung zum Thema

In Deutschland leben derzeit rund vier Millionen Muslime. Das macht einen prozentualen Bevölkerungsanteil von etwa 4,89% aus1. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt, da deutsche Persondausweise die Konfessionszugehörigkeit des Islam nicht als solche-, sondern sie unter ״sonstige“ aufführt. Demnach lässt sich vermuten, dass die Zahl deutlich höher liegt als Schätzungen und Hochzählungen zufolge. Viele von ihnen sind schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die mit ihren christlichen und kofessionslosen Mitschülern die Regelschulen im Land besuchen. An allen Schulformen, sei es die Grundschule, die weiterführenden Schulen, wie Haupt-, Red- und Gesamtschden, ds auch Gymnasien und Berufsschulen wird Religionsunterricht angeboten, für den ausgebildete, beziehungsweise studierte Fachlehrer eingestellt sind. Wo an Grundschden meist evangelische und katholische Schder gemeinsamen Religionsunterricht haben, ist an den weiterführenden Schden der Unterricht meist in evangelischen und katholischen Religionsunterricht gefächert. Für die Schderinnen und Schder, die nicht getauft sind, oder einer anderen Religion als dem Christentum angehören, hierzu gehören vor dlem Muslime, aber auch in Deutschland derzeit weniger verbreitete Konfessionsangehörige, wie Juden, Buddhisten oder Hindus, wird der praktische Philosophie Unterricht häufig ds Alternative angeboten. Dort werden laut Lehrplänen Themen wie Ethik gelehrt, aber auch Einblicke in die großen Weltreligionen aufgezeigt. Viele Muslime besuchen außerhdb des regulären Schulunterrichts, an Wochenenden, den Koranunterricht, um sich mit ihrer Religion auseinander zu setzen. Seit einigen Jahren gibt es nun bundesweit die Diskussion, ob und vor allen Dingen wie und wann, Islamunterricht, als neue Form von Religionsunterricht an deutschen Schulen, stattfinden kann und soll. Da das Thema sehr aktuell- und daher in den Medien stark vertreten ist und sich eine Vielzahl an komplexen Unterthemen anbietet, werde ich mich in dieser Arbeit darauf beschränken wie das Projekt Islamunterricht geplant und umgesetzt wird, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit dieser stattfinden kann, welche Hürden schon genommen, aber vor dien Dingen welche Herausforderungen noch überwunden werden müssen, damit sich das Projekt etabliert und welche Alternativen zu islamischem Religionsunterricht in Schulen denkbar sind. Zudem werde ich die Ergebnisse einer kurzen Umfrage vorstellen und diese hinsichtlich des Projekts analysieren. In einem abschließenden Fazit werde ich reflektieren, welche Prognose sich mir für die nähere Zukunft des Projekts schließt.

2. Islamunterricht in Deutschland

2.1. Was wird im Islamunterricht gelehrt und welche Ziele verfolgt er?

Das bereits 1973 diskutierte und geforderte Schulfach Islamunterricht, als Alternative zum christlichen Religionsunterricht findet im einundzwanzigsten Jahrhundert neues Interesse, weswegen es im nordrhein-westfalischen Schulgesetz, welches allen Schülerinnen und Schülern im Land das Recht auf Bildung zuspricht, aufgefuhrt ist. Dieses Bildungsrecht bezieht sich auch auf religiöse Bildung.2

Laut dem Chefausbilder der nordrhein-westfalischen Islamlehrer, Mouhanad Khorchide, sollen muslimische Lernende im Islamunterricht ״Barmherzigkeit“ lemen,3 denn diese ist der Kernpunkt der muslimischen Glaubensrichtung und von ihr gehen die anderen Gebote und Verbote, als auch Werte und Normen aus, weswegen Barmherzigkeit erlernt werden muss, um alle weiteren Zweige des Islam zu ergründen.

Tatsächlich soll der Lemende sich mit Fragen auseinander setzen, wie der Beziehung des Individuums zu Gott, als auch zu seinen Mitmenschen im Einzelnen und in der Gesellschaft und letzten Endes zu sich selbst. Der Name Allah als Gott soll ergründet werden, wie auch der Name und die Rolle des Propheten Muhammed. Für Grundschulen in Nordrhein-Westfalen gilt es, sich mit sechs ausformulierten Schwerpunkten zu beschäftigen. Hierzu zählen Allah als Gott, die heiligen Schriften und der Koran, die Gemeinschaft der Geschöpfe

Allahs, die Gemeinschaft der Propheten, die Bedeutung des Glaubens im menschlichen Leben, als auch zuletzt Verantwortung zu übernehmen im Leben.4 Demnach sollen die Schülerinnen und Schüler im Islamunterricht viele unterschiedliche Kompetenzen erlangen, die denen des katholischen, oder evangelischen Religionsunterricht in ihrer Wertigkeit gleichstehen. Alle Kompetenzen zu nennen, würde in seinem Umfang diese Arbeit sprengen, daher formuliere ich hier einige wenige, grundlegende Kompetenzen aus. Die Lernenden sollen sich Fragen zum Ursprung des Menschen stellen. Wo kommt er her und wohin geht er nach dem Tod. Sie sollen heraussteilen können, dass alle Menschen im Sinne Gottes auf der Welt existieren und daher das Leben und Gottes Gnade verdient haben. Weiterhin sollen sie Wege finden, wie sie sich für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, egal welcher Herkunft und Religion, einsetzen können. Sie mögen aus dem Koran und der Sunnah Verse so ableiten, dass sie für das heutige Leben eine passende Bedeutung finden als auch Vorbilder der islamischen Kultur entwickeln können, um diese zu begründen, kritisch zu hinterfragen und als Lebensbegleiter in Betracht zu ziehen. Die Prophetennamen des Korans sollen bekannt sein und Propheten anderer Religionen in Bezug dazu gesetzt werden. Vergleiche und Unterschiede, vor allem in der Bedeutung der jeweiligen Propheten, sollen herangezogen werden, um so unterschiedliche Religionen in Beziehung zu einander zu setzen. Die Koranrezitation von religiösen Liedern sollte unterschieden werden können und die Unterscheidung von Suren5, zwischen mekkanisch6 und medinensisch7 soll benannt werden. Desweiteren sollen die Schüler den Stammvater der drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum, Abraham, kennen und somit die Religionen in ihren Ursprüngen verknüpfen können und letztlich die Moschee in ihrer Funktion, ihrem Aufbau und Ursprung kennenlemen und mit anderen Gotteshäusern, wie der Kirche in Beziehung setzen. Auch die Auseinandersetzung mit muslimischen Festen, wie beispielsweise dem Ramadan und Bayram, soll stattfinden und als Teil einer bereichernden Tradition betrachtet werden. Der islamische Religionsunterricht, soll wie auch der christliche, eine religiöse Identität bei Kindern aufbauen. Sie sollen von Kindesalter an, in ihrer Kultur unterstützt und begleitet werden, vor allem aber, sich nicht diskriminiert, oder als Minderheit in Nordrhein-Westfalen fühlen, weil sie nicht die Möglichkeit haben wie ihre Mitschüler sich mit ihrer eigenen Identität zu befassen.

2.2. Wie verbreitet ist Islamunterricht in Schulen in Deutschland derzeit?

2.2.1. Wie wird das Projekt von Schulen und Ministerien geplant und umgesetzt?

Der Religionsunterricht ist das einzige Unterrichtsfach in Deutschland, welches einen verfassungsrechtlichen Rang vertritt. So ist im Grundgesetz geschrieben, dass Religionsunterricht in nicht privaten Schulen ein ״ordentliches Lehrfach“8 ist. Die Besonderheit dieses Schulfachs ist, dass es anders als die übrigen Schulfächer, von den Religionsgemeinschaften inhaltlich gestaltet wird. Die Kosten und die Planung der Lehrkräfte werden jedoch vom Staat geplant. Seit der Artikel im Grundgesetz eingetragen ist, hat sich die Gesellschaft in Deutschland stark gewandelt. Mittlerweile besteht eine Schulklasse nicht nur noch aus Katholiken und Protestanten, sondern auch zu großen Teilen aus Muslimen, nicht getauften Kindern, also den Atheisten und weiteren kleinen Gruppen, wie den Juden, Buddhisten und weiteren. Als Übergangslösung wird seit einigen Jahren an den meisten Schulen in Deutschland der Philosophieunterricht als Alternative zum christlichen Religionsunterricht angeboten. Automatisch nehmen diejenigen Schülerinnen und Schüler, die nicht der christlichen Gemeinde angehören, am o.g. Unterricht teil.

Die religiöse Pluralität in Deutschland fordert aber schon seit langem, dass konfessionsgebundener Religionsunterricht für Muslime organisiert wird. Vor allem das Kulturministerium beschäftigt sich mit der Lösung des derzeit andauernden Konflikts. Dadurch, dass Vertreter unterschiedlicher, muslimischer Verbände, zum Beispiel Eva-Maria El-Shabassy aus dem Zentralrat der Muslime, aber auch Vertreter vom Islamrat, der DITIB und des Verbands der islamischen Kulturzentren, in den Gremien der einzelnen Bundesländer sitzen, welche sich unter anderem mit der Gestaltung von Unterrichtsinhalten beschäftigen, hoffen die Bundesländer auf eine einheitliche Lösung. Weil aber derzeit nicht alle Bundesländer über solche Gremien verfugen und die Organisation des Islam nicht so strikt funktioniert, wie die der Kirche, stellt sich das Ganze als problematisch dar und unterschiedliche Anknüpfungspunkte und Experimente werden gestartet. Um einen Religionsunterricht anzubieten, bedarf es nämlich der Voraussetzung, dass die jeweilige Religionsgemeinschaft, in dem Falle die Muslime, organisiert- und somit in der Lage ist, die zentralen Unterrichtsinhalte des Schulfachs verfassungstreu zu gestalten.

Die Organisation eines solchen landesweiten Gremiums wird aber von einigen Seiten kritisiert, da lediglich Vertreter des konservativen Islam Teil der Gremien sind und somit die Liberalität in der Gestaltung und Planung eines Unterrichtsmodells fehlt.9

Seit dem Jahr 2012 wird nun in Nordrhein-Westfalen der islamische Religionsunterricht, ebenso wie der christliche Religionsunterricht als ״ordentliches Fach“ (vgl. Artikel 7, Absatz 3) angeboten. Nach langer Recherche meinerseits, stellte es sich aber in NRW als äußerst schwierig heraus, Schulen zu finden, die eben dieses Unterrichtsfach anbieten. Ebenso hat es das Bundesland Hessen Ansätze geschaffen, die Durchsetzung des neuen Schulfachs voranzutreiben. Das Land hat sich unter anderem mit der DITIB10 einen Kooperationspartner geschaffen, der nun in der Lage ist, Inhalte des Unterrichts festzulegen.

In Bayern ist es widerum so, dass bereits Lehrpläne entwickelt wurden. Um diese liberal und transparent zu gestalten, haben sich hierfür mehrere Seiten zusammengeschlossen. So gehören zu den Entwicklern einerseits Pädagogen und Vertreter des Kulturministeriums, aber auch evangelische und muslimische Theologen. Das Ganze funktioniert derzeit noch als Modellversuch, der bis ins Jahr 2019 andauem soll. Währenddessen beaufsichtigt das zuständige Kulturministerium den Unterricht in seiner Gestellung, Umsetzung und Zielsetzung. Dies entspricht nicht dem zuständigen Artikel des Grundgesetz, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Religionsgemeinde die Verantwortung für den Unterricht trägt, jedoch wird sich nach 2019 zeigen, inwieweit sich dies in die angedachte Richtung entwickelt.

2.2.2. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt - und welche Herausforderungen noch bewältigt werden, um das Projekt erfolgreich zu etablieren?

Wie bereits in 2.2.1. erwähnt, muss die Voraussetzung gegeben sein, dass eine Religionsgemeinschaft soweit organisiert ist, dass sie die Verantwortung über die Gestaltung und Planung eines zugehörigen Unterrichtsfachs übernehmen kann. Im Falle des Islamischen Religionsunterricht bedeutet dies, dass die derzeit ״lose“ Organisation der Gemeinde eine festere Struktur finden muss, um ihr Ziel weiter entwickeln zu können.

Ein weiterer entscheidender Punkt zur Durchsetzung des Islamunterricht ist, dass ausreichend ausgebildetes Personal vorhanden sein muss. Die Altlehrer und Lehrerinnen an deutschen Schulen sind, auch wenn sie einst evangelische oder katholische Theologie studiert haben, oder auch Ethik und Philosophie, nicht ausreichend ausgebildet um die Anforderungen an das Fach zu erfüllen. Als Lehrkraft muss man neben sehr guten Arabisch Kenntnissen, außerdem über einen abgeschlossenen Studiengang im Fach verfugen. In Deutschland gibt es momentan vier Hochschulen, die das Studium im Fach Islamische Religionslehre anbieten. Aufgrund weniger Ausbildungsstätten für das Fach im Lehramt und weniger Schulen, die das Schulfach imbieten, ist auch die Verbreitung der Auszubildenden im Lehramtsstudium Islamische Religionslehre gering. Diese drei Punkte folgen aus den jeweils anderen Punkten. So bieten wenige Schulen, an denen das Fach unterrichtet wird, wenige Praktikumsplätze und somit wenig Motivation für Studienanfänger.

[...]


1 www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in- deutschland/145148/religionszügehoerigkeit

2 § 132a des Schulgesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen: Übergangsvorschrift zur Einführung von islamischem Religionsunterricht

3 www.welt.de/print/wams/nrw/articlell0319407/Welcher-Islam-wird-an-Schulen-gelehrt.html

4 http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_gs/klp_rel_islam/LP_Islamischer_ Religionsunterricht_GS_Endfassung.pdf

5 Der Koran besteht aus 114 Suren

6 Mekkanisch = Ayat, die vor der Hidschra in Mekka hinabgesandt wurden und sich an Bewohner Mekkas richtet

7 Medinensisch^ Ayat, die nach der Hidschra in Medina hinabgesandt wurden und sich an Bewohner Medinas richtet

8 Vgl. Grundgesetzt, Artikel 7, Absatz 3

9 Zitiert aus: Islamwissenschafflerin Lamya Kaddor, Gründerin und Vorsitzende des Liberal­Islamischen Bundes

10 DITIB: Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.v.

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Details

Titel
Globaler und lokaler Islam. Islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen
Untertitel
Ein kritischer Einblick in das Projekt Islamunterricht
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Globaler und lokaler Islam
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V430969
ISBN (eBook)
9783668738096
ISBN (Buch)
9783668738102
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, Muslime, Moslem, Unterricht, Religion, Ethik, Schule, Deutschland, Kritische Reflexion, Projekt, Islamunterricht, Vergleich, Christentum, Konflikt, KUltur
Arbeit zitieren
Anna-Lea Fischer (Autor), 2015, Globaler und lokaler Islam. Islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430969

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