Ursachen und Formen von Gewalt. Unterrichtsentwurf Ethik für eine 9. Klasse


Unterrichtsentwurf, 2017

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Unterrichtsvoraussetzungen

Die Ethikklasse der neunten Jahrgangsstufe besteht aus 16 SuS. Die SuS sind mit den fur die Unterrichtstunde notwendigen Methoden und Sozialformen vertraut, was flussiges Arbeiten erwarten lasst. Es handelt sich um eine Einzelstunde, die Dienstagmorgen in der dritten Stunde stattfindet. Hierdurch ist mit guter Konzentrationsfahigkeit und Motivation der SuS zu rechnen. Die Arbeitsblatter werden in Kopie gestellt. Ein Overheadprojektor ist in der Klasse zur Presentation von Folien vorhanden. Sollte auf Grund technischen Versagens eine Arbeit mit dem Overheadprojektor nicht moglich sein, kann auf den Beamer ausgewichen werden. Die Stunde dient als Einfuhrungsstunde zur Unterrichtseinheit „Gewalt" und soil dementsprechend einen ersten Uberblick verschaffen.

2. Sachanalvse

lm Folgenden werden die vier grundlegenden Aggressionstheorien aufgelistet.

Die Theorie, dass Aggression aus einem Trieb heraus entsteht, wurde in den sechziger Jahren von Konrad Lorenz gepragt. Seine Untersuchungen und Uberlegungen zu aggressivem Verhalten bei Menschen starteten in der Beobachtung von Fischen, welche ein ebensolches Verhalten an den Tag legen. Dass Menschen uberhaupt zu Aggressionen fahig sind, begrundet er damit, dass Kampf an sich in der Natur zum Zweck der Arterhaltung allgegenwartig ist.[1] Fur die Tierwelt ist Aggression sogar unentbehrlich um den Fortbestand der eigenen Art gegenuber Feinden zu schutzen. Dadurch, dass der Aggressionstrieb ein „echter, primar arterhaltender Instinkt ist", ist er laut Lorenz besonders gefahrlich fur den Menschen, da man keine auReren auslosenden Faktoren beseitigen kann.[2] Weiter noch dadurch, dass der Mensch Waffen entwickelt hat, die uber seine ihm korpereigenen Waffen hinaus gehen, kann er so schnell toten, dass das Opfer keine Gelegenheit hat durch, zum Beispiel Unterwerfung, Aggressionshemmungen zu erzeugen.[3] Bei Tieren werden diese Hemmungsmechanismen nach wie vor ausgelost um das Beschadigen und Toten von Artgenossen zu verhindern.[4] Aggressionen konnen sich anstauen und bei entsprechenden Reizeinflussen entladen werden, niemals aber einfach verschwinden. Um Aggressionen bei Menschen zu minimieren werden die Moglichkeiten aufgezeigt, die Aggressionen anderweitig abzubauen oder durch

Psychoanalyse eine Entspannung hervorzurufen. Keine Losung besteht indessen darin Reizsituationen zu vermeiden oder ein moralisch motiviertes Verbot daruber zu verhangen.[5] Eine Moglichkeit der Neuorientierung von Aggression besteht darin, durch die ritualisierte Sonderform des Kampfes - also durch Sport - einen Abbau von Aggressionen zu fordern.[6] Eine weitere Theorie besagt, dass Aggressionen ein Teil der menschlichen Kultur sind. Diese Position steht also kontrar zu der eben geschilderten von Lorenz. Menschliches Verhalten soil sich vielmehr aus Gewohnheiten herausbilden, welche sich im Kontext zu Sozial- und Umwelteinflussen entwickeln.[7] Aus einer Studie des kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen geht hervor, dass Jugendliche aus schlechter gestellten sozialen Schichten haufiger zu Gewalttaten neigen als Jugendliche aus hoheren sozialen Schichten. Hieraus konnte man unter anderem die Schlussfolgerung ziehen, dass diese Jugendlichen zwecks mangelnder Anerkennung im schulischen oder familiaren Bereich versuchen sich diese Anerkennung durch Gewalt gegenuber anderen zu verschaffen. Des Weiteren geht aus der Studie hervor, dass Jungen deutlich haufiger Gewalttaten begehen als Madchen und, dass eine positive Korrelation zwischen der GroRe einer Stadt und der Haufigkeit von Gewaltdelikten unter Jugendlichen besteht.[8] Eine weitere Theorie besagt, dass Aggressionen als Antwort auf Verletzungen entstehen. Aggressionen als Reaktion auf Frustration kann sich in verschiedenen Formen auRern. Unter anderem entweder direkt bezogen auf die Person, die die Frustration auslost odergegenuber unbeteiligten Personen.[9] Es besteht auch die Moglichkeit, dass sich die durch Frustration ausgeloste Aggression gegen Objekte oder gegen die frustrierte Person selbst richtet.[10] Des Weiteren wird erlautert, dass die Starke der Aggression unmittelbar mit der Intensitat der Frustration zusammenhangt.[11] Wesentlich ist auch, dass aber nicht automatisch jede Frustration zu Aggressionen fuhren muss. Dies hangt zum einen mit der Intensitat aber auch mit der personlichen Fahigkeit zum Umgang mit Frustrationen zusammen.[12] Die vierte Theorie befasst sich damit, dass Aggressionen erlernt werden konnen.

Diese sich auf dem Behaviorismus begrundende Theorie besagt, wenn durch Aggressionen entstehende Erfolgserlebnisse gehauft auftreten, diese zu einem vermehrt aggressivem Verhalten fuhren. So wird als Beispiel genannt, dass Kinder die durch Aggressionen von ihren Eltern oder Gleichaltrigen das bekommen, was sie mochten, dieses Verhalten vermehrt anwenden werden, da sie damit Erfolg haben. Dem zugrunde liegt die Annahme, dass man sich so verhalt, dass man den fur sich groRtmoglichen Nutzen erreicht.[13] Das heiRt, dass gerade in der Erziehung ein solches Verhalten moglichst nicht belohnt werden solIte und auch von den Eltern nicht vorgelebt werden sollte. Dennoch gibt es Faktoren, wie zum Beispiel Gleichaltrige, andere Erwachsene oder Medien, die eine vollige Vermeidung eines solchen Erlernens nicht ausschlieRen lasst.

3. Didaktische Relevanz

Die vorliegende Unterrichtsstunde befasst sich gemaR des aktuell gultigen Bildungsstandards mit dem der Anthropologie zuzuordnenden Themenkomplexes der Konflikte. Durch die einfuhrende Stunde zu der Unterrichtseinheit „Gewalt" sollen die Schulerinnen und Schuler die Fahigkeit erwerben Ursachen menschlicher Aggressionen erlautern und Aggressionstheorien in ihren Grundzugen darlegen zu konnen[14]. Des Weiteren findet eine Erorterung der Notwendigkeit der Konfliktregelung als Bedingung humanen Zusammenlebens statt, indem Formen von Gewalt und mogliche Losungsansatze erarbeitet werden. Hierbei sollen die vorweg erarbeiteten Aggressionstheorien notiges Hintergrundwissen liefern. Vorweg muss man sich unweigerlich die Frage stellen was Aggressionen uberhaupt sind. Im taglichen Sprachgebrauch wird der Begriff der Aggression oft als Synonym zu Wut, schlechter Laune oder sonstigen negativen Stimmungen verwendet. Per Definition setzt der Begriff der Aggression ein aktives Verhalten voraus (lat. aggredi sich zubewegen auf [etw./jdn.]; heranschreiten; sich nahern; angreifen). Aggressionen mussen sich aber nicht unweigerlich in korperlicher Gewalt auRern, auch verbale Angriffe konnen von aggressivem Verhalten zeugen. Jeder kennt sie, sei es durch sich selbst, sein personliches Umfeld oder Medien. Umso wichtiger fur die SuS ist es sich in einem sachlichen Rahmen mit diesem Bestandteil ihrer Erfahrungswelt auseinander zu setzen. Urn Aggressionen besser verstehen zu konnen, werde in der Unterrichtsstunde die moglichen Ursachen erarbeitet. Weiterfuhrend sollen Formen von Gewalt und Vorschlage fur PraventionsmaRnahmen bzw. MaRnahmen zur Gegensteuerung von aggressivem Verhalten von den SuS erortert und diskutiert werden.

4. Didaktisch-methodische Analyse

Wesentlicher Inhalt der Stunde sind die vier in der Sachanalyse erlauterten Aggressionstheorien und praxisorientierte Losungswege. Es wird also sowohl die anthropologische Sichtweise bearbeitet als auch die der alltaglichen Erfahrungen der SuS. Der erste Teil der Stunde dient dem Kennenlernen der verschiedenen Aggressionstheorien. Im Zweiten Teil wird die Stunde anhand des Praxisbezuges und Losungsansatze vertieft. Die Stunde versucht den Anspruch des handlungs- und schulerorientierten Unterrichts moglichst aufrecht zu erhalten um so den „subjektiven und objektiven Bedurfnissen und Interessen der Schuler gerecht zu werden".[15] Lernzielorientierte Aspekte sind dennoch vor allem in der ersten Halfte der Stunde starker ausgepragt.Um die Aufmerksamkeit der SuS zu gewinnen wird zu Beginn der Stunde ein Bildimpuls am OHP gegeben. Hierfur wird ein Bild gewahlt, das den meisten SuS bekannt sein durfte und das Interesse der SuS wecken soil (Homer Simpson wurgt seinen Sohn Bart). Nach der klassischen Bildbeschreibung durch die SuS, soil das Bild inhaltlich analysiert werden und somit auf die Frage nach Ursachen von Gewalt bzw. Aggression ubergeleitet werden. Ein kurzes Brainstorming soil die Ideen der SuS sammeln und erste Uberlegungen anstoRen. Des Weiteren wird kurz besprochen warum es wichtig ist sich mit der Thematik auseinander zu setzen und die Lernziele der Stunde werden vorgegeben. Durch die eindeutige Bestimmung der Unterrichts- und Lernziele sowie der Relevanz fur die SuS soil die Motivation gesteigert werden.[16] Die Leitfrage „Welche Ursachen und Formen hat Gewalt?" wird an die Tafel geschrieben. AnschlieRend finden sich die SuS in vier Expertengruppen a vier SuS zusammen. Die SuS sollen durch Gruppenarbeit ihre sozialen und kommunikativen Fahigkeiten weiterentwickeln.[17] Den SuS wird mitgeteilt, dass sie nach der Bearbeitung in den Expertengruppen in neue Gruppen mit jeweils einem Experten einer Theorie eingeteilt werden. Dies soil eine zusatzliche Arbeitsmotivation schaffen, da die SuS nicht nur fur ihren Lernerfolg verantwortlich sind, sondern auch fur den ihrer Mitschuler. Hierdurch wird auch die Arbeitskompetenz hinsichtlich Eigenverantwortung und Verlasslichkeit gefordert. Die SuS erschlieRen sich durch Textarbeit die ihnen zugeordnete Aggressionstheorie und fassen diese eigenverantwortlich in ihren Gruppen auf einem Arbeitsblatt zusammen. Ferner sollen die SuS Argumente finden, die eventuell gegen ihre Theorie sprechen konnten. Dies soil die kritische Auseinandersetzung mit den Theorien fordern. Um das genaue Lesen und einen moglichst hohen Informationserwerb zu sichern, werden den SuS entsprechende Arbeitsauftrage vorgelegt. Bei Fragen konnen sich die SuS an die Lehrkraft wenden. Nach Beendigung der Erarbeitungsphase werden die Expertengruppen aufgelost und in die neuen Gruppen mit unterschiedlichen Experten eingeteilt. Nun sollen die SuS ihrer Gruppe ihre jeweilige Aggressionstheorie vorstellen und auf dem Arbeitsblatt erganzen, wodurch die fur das Lernziel notwendige Sachkompetenz gewahrleistet werden soil. Um einen zusatzlichen Anreiz fur sorgfaltiges Arbeiten zu geben, wird den SuS mitgeteilt, dass im Anschluss vier SuS ausgewahlt werden die eine mundliche Ergebnissicherung durchfuhren indem sie kurz eine Aggressionstheorie vorstellen, die nicht die ihrer Expertengruppe sein soil. Gegebenenfalls werden hierbei durch andere SuS oderdie Lehrkraft fehlende Aspekte erganzt. Nach Abschluss der Ergebnissicherung werden die SuS gebeten wieder auf ihre Ursprunglichen Platze zuruckzugehen. Da sich die SuS nun ausreichend mit derTheorie von Aggressionen und Gewalt beschaftigt haben, sollen sie nun praxisbezogene Ansatze herausarbeiten. Hierfur sollen die SuS uberlegen welche Erscheinungsformen von Gewalt und Aggressionen sie kennen und jeweils eine mogliche Ursache und einen moglichen Losungsansatz nennen. Hier soil das selbstandige kritische Denken der SuS gefordert werden, weshalb diese Aufgabe auch vorerst in Einzelarbeit durchgefuhrt wird. Im Anschluss sollen die SuS ihrem Sitznachbaren aber ihre Argumente darlegen um das argumentative Diskutieren zu fordern. Weiteres Ziel dieser Sozialform ist es, dass sich die SuS gegenseitig erganzen und fur neue Ideen anregen.[18] Durch die anschlieRende Ergebnissicherung an derTafel haben die SuS die Gelegenheit ihre Aspekte vorzustellen und zu diskutieren bzw. sich gegenseitig zu erganzen. In mundlicher Form soil zusatzlich Ruckbezug auf die verschiedenen Theorien genommen werden; also welche Erscheinungsform von Gewalt welcher Theorie zuzuordnen ware. Des Weiteren soil diskutiert werden, ob es eindeutige Ursachen und Losungen gibt oder ob diese hinterfragt werden mussen. Sollte am Ende noch Zeit ubrig sein kann mit den SuS uber das Zitat, welches sich auf dem Arbeitsblatt zur Gruppenarbeitsphase befindet, diskutiert werden.

5. Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Lorenz, Konrad: Das sogenannte Bose, Wien 1963, S. 37.

[2] lbid. S. 77.

[3] lbid. S. 339.

[4] lbid. S. 337.

[5] lbid. S. 370 f.

[6] slbid. S. 373.

[7] Alland, Alexander: Aggression und Kultur. Pladoyer fur menschliche MaRstabe bei der Erklarung menschlichen Verhaltens, Frankfurt 1974, S. 30.

[8] Baier, Dirk (Hrsg.) et al.: Jugendliche in Deutschland als Opfer und Tater von Gewalt. Erster Forschungsbericht zum gemeinsamen Forschungsprojekt des Bundesministerium des Inneren und des KFN, Hannover 2009, S.65-69.

[9] Dollard, John, et al.: Frustration and Aggression, New Haven Connecticut 161969, S. 27.

[10] lbid. S. 53f.

[11] lbid. S. 37f.

[12] lbid. S. 45f.

[13] Fromm, Erik: Anatomie der menschlichen Destruktivitat, in: Aggressionstheorie (Bd. VII) hrsg. v.

Funk, Rainer, Stuttgart 1980, S. 39.

[14] Siehe Bildungsplan 2004, S. 67.

[15] Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden I: Theorieband, Berlin 152013, S. 214-217.

[16] Vgl.: Pfister, Jonas: Fachdidaktik Philosophie, Bern 22014, S. 93f.

[17] lbid. S. 27.

[18] lslbid. S. 26.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ursachen und Formen von Gewalt. Unterrichtsentwurf Ethik für eine 9. Klasse
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Fachdidaktik I
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V431068
ISBN (eBook)
9783668760677
ISBN (Buch)
9783668760684
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ursachen, formen, gewalt, unterrichtsentwurf, ethik, klasse
Arbeit zitieren
Stefanie Zimmermann (Autor), 2017, Ursachen und Formen von Gewalt. Unterrichtsentwurf Ethik für eine 9. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431068

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