Analyse der Szene "der Prügler" auf Franz Kafka's "der Prozess"


Referat / Aufsatz (Schule), 2018

2 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Der Prozess – Franz Kafka (Szene: „der Prügler“)

Der im Jahr 1925 erschienene Roman „Der Prozess“ von Franz Kafka thematisiert die unbegründete Verhaftung des Bankangestellten Josef K. am Morgen seines 30. Geburtstages, seinen Prozess und den Versuch, sich gegen die übermächtige und anonyme Gerichtsinstanz zu behaupten. Josef K. ist sich unterdessen keines Vergehens bewusst, weshalb ihn seine scheiternden Nachforschungen über seine vermeintlichen Straftaten mit der Zeit zunehmend belasten. Nach einem einjährigen abstrakten Verfahren wird er schließlich abgeführt und ohne jegliche Urteilssprechung exekutiert.

Im vorliegenden Textauszug aus dem Kapitel „der Prügler“ wird der Protagonist Josef K. eines Abends Zeuge von einer grotesken Szenerie in der Rumpelkammer des Bürokomplexes, in dem er arbeitet. Von merkwürdigen „Seufzer[n]“ angelockt, öffnet er die zugehörige Tür und findet dort „die Wächter Franz und Willem“ wieder, welche zusammen mit einem „in einer Art dunkler Lederkleidung“ gekleideten Mann „gebückt in dem niedrigen Raum“ stehen. Letzter hält eine „Rute in der Hand […] um sie zu prügeln“, da K. sich über ihr Fehlverhalten während seiner Verhaftung beim Untersuchungsrichter beklagt hat. Als die Wächter K. erblicken, bitten sie ihn sie zu befreien und rechtfertigen ihr Taten damit, dass sie „schlecht […] bezahlt sind“ und schließlich ihre „Familie zu ernähren“ haben. Außerdem sei ihr Handeln „Tradition“ und würde erst bestraft, wenn es „öffentlich zur Sprache“ wird. Darüber hinaus schuldigen sie K. an, sie dementsprechend in diese Situation gebracht zu haben, und letztlich auch für die Beendigung ihrer beruflichen „Laufbahn“ verantwortlich zu sein. K. versucht daraufhin den Prügler, welcher „die Strafe [als] ebenso gerecht wie unvermeidlich“ bezeichnet, entgegen seiner vorläufigen Anschuldigungen der Wächter von seinem Vorhaben abzubringen, und bietet ihm Bestechungsgeld an, um Franz und Willem zu verschonen. Er gibt an, dass er sie gar nicht für seine Wohnungsverwüstung schuldig hält, sondern „die Organisation“ und „die hohen Beamten“ des Gerichtes, worauf ihm die Wächter verzweifelt zustimmen. Der Prügler reagiert auf K.‘s Bestechungsversuche jedoch mit Ablehnung und Unverständnis. Seines Erachtens nach sei er „zum Prügeln angestellt, und daher prügle [er]“, und „lasse [sich] nicht bestechen“. Daraufhin fasst er „die Rute mit beiden Händen“ und hiebt auf Franz ein, welcher auf den Schmerz sogleich mit einem Schrei reagiert. K. ist dies so peinlich und seine Angst vor Entdeckung so groß, dass er die Tür zuwirft und das Szenarium vor den herbeieilenden Dienern verleugnet: „ „Ist etwas geschehen?“ „Nein, nein“ “. Sobald die Diener verschwunden sind, beginnt sich K. mit dem Erlebnis auseinanderzusetzen. „In die Rumpelkammer wagt er sich nicht [mehr] zu gehen“ und daher „beugt er sich aus dem Fenster“ und lässt seine Gedanken schweifen. Obwohl es ihn belastet, „dass es ihm nicht gelungen war, das Prügeln zu verhindern“ und er sich eingesteht, dass es „sehr weh getan haben“ muss, streitet er jegliche Schuld seinerseits ab und versucht sich ein gutes Gewissen zu reden. Er rechtfertigt sein Verhalten damit, dass man sich „in einem entscheidenden Augenblick [beherrschen] muss“ und verlagert die Verantwortung auf Franz, welcher durch seinen Schrei eine mögliche Überredung des Prüglers und so seine Befreiung verhindert hat. Desweiteren führt K. an, dass er sicher „nicht gespart“ hätte, da es „ihm wirklich daran“ lag, „die Wächter zu befreien“. Nichtsdestotrotz wird es deutlich, dass seine eigentliche Intention es ist, die Strukturen des „Gerichtswesens [auf diese Weise] zu bekämpfen“, um sich so einen eigennützigen Vorteil hinsichtlich seines Prozesses zu schaffen. Als K. die Bank am nächsten Tag verlassen will, findet er in der Rumpelkammer die gleiche Szenerie wie am Vortag vor. „Fast weinend“ wirft er daraufhin „die Tür zu“ und fordert die Diener auf, „doch endlich die Rumpelkammer aus[zuräumen]“.

In diesem Kapitel zeichnet sich insbesondere durch die häufig verwendeten Adverbien deutlich der personale Erzähler ab, welcher alles monoperspektivisch aus der Sicht des Protagonisten K. berichtet. Der hypothetische Schreibstil unter Benutzung des Konjunktivs, ebenso wie die langen Sätze erinnern zudem stark an einen inneren Monolog oder Bewusstseinsstrom und unterstreichen den Gewissenskonflikt K.‘s bezüglich der Schuldfrage.

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Ende der Leseprobe aus 2 Seiten

Details

Titel
Analyse der Szene "der Prügler" auf Franz Kafka's "der Prozess"
Note
1
Jahr
2018
Seiten
2
Katalognummer
V431182
ISBN (eBook)
9783668748484
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz Kafka, der Prozess, der Prügler, Expressionismus, Jahrhundertwende, 1920, Literatur, Roman, Romananalyse, Szenenanalyse, Josef K.
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Anonym, 2018, Analyse der Szene "der Prügler" auf Franz Kafka's "der Prozess", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431182

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