Über die Frage nach der europäischen Identität und der Entwicklung einer kulturellen und wirtschaftlichen Abgrenzung befasst sich der Autor mit der langen Geschichte einer wechselseitigen Beeinflussung zwischen 'Europa' und der Türkei. Insbesondere reflektiert und analysiert er die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen, die sich seit dem "Ankara Agreement" von 1963 bis zur Entscheidung über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen im Jahr 2004 entwickelt haben.
Den Abschluss bildet der Versuch einer Bewertung des Standes der Debatte um den EU-Beitritt der Türkei im Jahr 2005.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
Was ist „Europa“?
Zur Frage der europäischen Identität und zur historischen Entwicklung einer kulturellen und wirtschaftlichen Abgrenzung
II. Hautteil
1. Die Türkei und die EU
Vom „Ankara Agreement“ (1963) bis zur Entscheidung über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen (2004)
2. Die wirtschaftliche Entwicklung
Vom Ende des Osmanischen Reiches bis zur Gegenwart
III. Schluss
Der aktuelle Stand der Debatte um den EU-Beitritt
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei, indem sie sowohl historische Hintergründe der europäischen Identitätsbildung als auch die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei seit der Republikgründung beleuchtet, um ein fundiertes Verständnis für die kontroversen Standpunkte innerhalb des Beitrittsprozesses zu ermöglichen.
- Historische Herleitung des europäischen Grenzbegriffs und der Identitätsbildung.
- Analyse der vertraglichen Beziehungen zwischen der Türkei und der EU seit 1963.
- Darstellung der türkischen Wirtschaftspolitik vom Osmanischen Reich bis zur Gegenwart.
- Untersuchung der politischen Argumente von Befürwortern und Kritikern eines EU-Beitritts.
Auszug aus dem Buch
Was ist „Europa“?
„Europa“ beschreibt den westlichen Teil der eurasischen Landmasse; man könnte es auch als ein „Endland Asiens“ bezeichnen. Es umfasst mit ca. 10 Mio. Quadratkilometern ungefähr ein Fünftel von ganz „Eurasien“, und ist mit rund 740 Mio. Einwohnern nach Asien der bevölkerungsreichste Kontinent der Erde. Aufgrund von geschichtlichen, wirtschaftlichen und auch kulturellen Gründen erscheint es jedoch gerechtfertigt, Europa als selbstständigen Erdteil aufzufassen.
Die Grenzen dieses dreieckförmigen „Endlandes“, erweitert um diverse Insel und Halbinseln (Skandinavien, Iberien, Apennin, Kleinasien u.a.) lassen sich im Norden, Westen und Süden durch das Nordpolarmeer, den Atlantik und das Mittelmeer relativ eindeutig fest legen; anders sieht es jedoch im Osten aus, an der „Nahtstelle“ zum asiatischen Kontinent. Hier werden im Allgemeinen der Gebirgszug des Ural und – nach Süden anschließend – der Fluss Ural sowie das Schwarze Meer, der Kaukasus und das Kaspische Meer als Grenze zwischen Europa und Asien betrachtet.
Diese Eingrenzung aufgrund von geographischen Gegebenheiten bringt allerdings einige Probleme mit sich: Die Begrenzung ist höchst ungenau, so beispielsweise im Bereich zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer. Diese geographische Grenzziehung entspricht nicht den politischen Grenzen; so werden insbesondere Russland und die Türkei, aber auch kleinere Staaten wie Georgien und Aserbaidschan hiervon „durchteilt“. Diese Grenzen sind weder aus historischer noch aus wirtschaftlicher oder kultureller Sicht zu rechtfertigen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die geografischen und historischen Schwierigkeiten bei der Definition von „Europa“ und untersucht, wie sich eine europäische Identität in Abgrenzung zum „islamischen Osten“ entwickelte.
II. Hautteil: Hier werden die vertragliche Annäherung der Türkei an die EU seit 1963 sowie die komplexe wirtschaftliche Transformation des Landes vom Osmanischen Reich bis in die Gegenwart analysiert.
III. Schluss: Dieses Kapitel fasst den aktuellen Stand der politischen Debatte um den EU-Beitritt zusammen und stellt die gegensätzlichen Positionen von Befürwortern und Kritikern gegenüber.
Schlüsselwörter
Türkei, Europäische Union, EU-Beitritt, Ankara Agreement, europäische Identität, Wirtschaftsentwicklung, Zollunion, Beitrittskandidat, Kopenhagener Kriterien, Privilegierte Partnerschaft, Menschenrechte, Minderheitenschutz, Staatssektor, Globalisierung, Außenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei unter Berücksichtigung historischer, wirtschaftlicher und politischer Faktoren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die historische Identitätsfindung Europas, die Entwicklung der türkisch-europäischen Vertragsbeziehungen und die Transformation der türkischen Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität des Beitrittsprozesses und die unterschiedlichen Argumentationslinien der Befürworter und Gegner aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung offizieller Dokumente sowie politischer Analysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU seit 1963 sowie eine detaillierte Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind EU-Beitritt, Ankara Agreement, Wirtschaftsentwicklung, Kopenhagener Kriterien und Privilegierte Partnerschaft.
Welche Rolle spielt das „Ankara Agreement“ für den Beitrittsprozess?
Es bildet die historische Grundlage der vertraglichen Beziehungen und sicherte der Türkei bereits 1963 die grundsätzliche Möglichkeit eines späteren Beitritts zu.
Wie bewerten Kritiker die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Beitritts?
Kritiker äußern Bedenken hinsichtlich der finanziellen Belastungen für den EU-Haushalt und der Auswirkungen durch die Freizügigkeit auf den europäischen Arbeitsmarkt.
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- M.A. Frank Oelmüller (Author), 2005, Die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43140