Die Lepra im 11. - 15. Jahrhundert in Deutschland. Das Melaten zu Köln


Hausarbeit, 2014
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Lepra
2.1 Die Krankheit Lepra
2.2 Die Lepraschau
2.3 Der Alltag eines Leprosen

3. Leprosorien
3.1 Die Leprosorien
3.2 Das Melaten zu Köln

4. Fazit

5. Anhang

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Mieselsucht, „ uzsatz[1] und als Krankheit des heiligen Lazarus wurde die Lepra im Mittelalter bezeichnet. So vielseitig die Bezeichnungen waren so vielseitig waren die Krankheiten, die darunter gefallen sind. Heute ist die Lepra in Europa so gut wie ausgerottet worden, jedoch gab es eine Zeit, in der ein Teil der europäischen Bevölkerung mit Lepra infiziert war. Die Bevölkerung fürchtete die Krankheit, durch die man Verformungen und Verfärbungen am Körper bekam. Auch wenn die Lepra nicht so tödlich wie die Pest war, veranlasste die Seuche die Menschen dazu, die Infizierten systematisch auszugrenzen. Eine Infizierung mit der Lepra bedeutete für den Menschen im Mittelalter eine enorme Wandlung seines Lebens.

2. Die Lepra

2.1 Die Krankheit Lepra

Die Krankheit Lepra ist eine durch das Bakterium „Mycobacterium Leprae“ ausgelöste bakterielle Infektion[2], die im 12. Jahrhundert bis Ende des 14. Jahrhundert ihre „Hochzeit“ in Europa hatte.[3] Die Lepra ist nicht so tödlich wie die Pest,[4] doch durch eine lange Inkubationszeit[5] von bis zu 20 Jahren konnte der infizierte Mensch das Bakterium unbemerkt weiter reichen.[6] Die Sterblichkeit im Mittelalter setzte relativ früh ein, ein Leprose (ein an Lepra erkrankter Mensch) starb zwar früher als ein gesunder Mensch zu der Zeit, jedoch lag dies oft an einer Kopplung mit weiteren Infektionen und Krankheiten.[7]

Ein intaktes Immunsystem ist in der Regel in der Lage die Krankheit nach einer Infektion abzuwehren. Die Lepra ist eine Tröpfchen- und Schmierinfektion und wird somit über die Schleimhäute weitergegeben. Ein weiterer Übertragungsweg im Mittelalter waren zudem Tätowierungen.[8] Bei einer „erfolgreichen“ Infektion treten bei der betroffenen Person innerliche und äußerlich sichtbare Symptome auf.[9] Die Haut weist de- und hyperpigmentierte Stellen auf und kann knotenartige Aufreibungen bilden. Die betroffenen Stellen sind zum Teil rot-bräunlich gefärbt.[10] Bei einem fortgeschrittenen Krankheitsverlauf können im Gesichtsbereich die knotenähnlichen Aufreibungen verschmelzen, wodurch der Betroffene ein verdicktes und „fratzenartiges“ Gesicht bekommt, was dazu führte, dass die Betroffenen „ facies leonina “ (Löwengesicht) genannt wurden.[11] Des Weiteren verursacht das Bakterium eine Gefühllosigkeit von Hautparten, die durch eine Zerstörung von Gewebe verursacht wird. Die Zerstörung der Gewebestellen führt auch zu Entzündungen, die zu der Verstümmelung von Extremitäten und zu neurologischen Schäden, wie zum Beispiel eine Erblindung führen kann.[12]

Der Begriff Lepra leitet sich von dem griechischen Begriff leprós ab, was „ schuppig, uneben, rau, aussätzig“ bedeutet. [13] Der Begriff Lepra wird erst seit dem 18. Jahrhundert verwendet, seit dem 13. Jahrhundert wurde die Bezeichnung „ uzsatz[14] („ Aussatz “) verwendet, die darauf hinwies, dass die Leprosen vor der Stadt leben mussten und somit als „ Aussätzige “ galten.[15] Unter dem Begriff „ Aussatz “ wurde im Mittelalter jedoch nicht nur die uns heute bekannten Formern der Lepra versammelt, vielmehr wurde der Begriff für eine Reihe von Hautkrankheiten verwendet.[16] Eine weitere Bezeichnung für die Lepra war „ Miselsucht “. Da die Lepra eine Krankheit der ärmeren Schicht der Bevölkerung war, leitet sich der Begriff Misel von dem lateinischen misellus, was „elend“ bedeutet, ab.[17] Da die Lepra meistens Menschen der ärmeren Schicht befiel und sie als Sinnbild des armen Lazarus galten (der die Verkörperung der Leiden Christi darstellt), wurde der heilige Lazarus der Schutzheilige der Leprosen.[18]

Die ersten Texte und Berichte über die Lepra stammen aus Indien, ungefähr 600 vor Christus. Sie befinden sich in einer Lehrbuchsammlung, der „ susruta samhita “.[19] Die Lepra hat sich vermutlich von Indien aus Richtung Osten ausgebreitet und den ganzen asiatischen Raum infiziert. Durch größere Heereszüge von Alexander dem Großen und Dareios I. breitete sich die Lepra Richtung Westen aus, gleichzeitig wurde durch die Phönizier die Lepra im Mittelmeerraum verbreitet. Nach Westeuropa gelangte die Lepra durch die römische Expansion, durch die römischen Heere.[20] In der früheren Forschung wurde davon ausgegangen, dass sich die Lepra erst durch die Kreuzzüge in Europa verbreiten konnte. In der heutigen Forschung geht man hinggegen davon aus, dass die Lepra schon vor den Kreuzzügen Europa erreicht hatte und die Infektionsrate durch die Kreuzzüge nur erhöht wurde.[21] Beweise für eine vorherige Existenz der Lepra in Europa stellen zum einen archäologische Schriften aus dem 6. Jahrhundert nach Christi da, die erstmals ein Regelwerk für die Leprosen festlegen. Zum anderen wurden in dem Konzil von Orléans von 549 Beschlüsse für den Umgang mit Leprosen verabschiedet.[22] Laut dem Konzil sollten die Bischöfe die Leprosen in ihrem Bistum mit Nahrung und Kleidung versorgen und gleichzeitig drauf achten, dass die Leprosen durch eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit nicht weitere gesunde Menschen anstecken.[23]

2.2 Die Lepraschau

Jeder Bürger wurde dazu angehalten, eine Person mit einer Hautkrankheit oder verdächtigen Hautmalen, einer weltlichen oder geistlichen Behörde zu melden, auch Selbstanzeigen waren möglich.[24] Die verdächtigte Person wurde dann zu einem Vorsprechen bei dem städtischen Rat eingeladen, welcher die „ Lepraschau “ als Überprüfung durchführte.[25] Das Tribunal wurde zu Beginn von Priestern durchgeführt, welche dann von Leprosen selber abgelöst wurden, die vor einem städtischen Zeugen die Untersuchung durchführen mussten. Ab dem 14. Jahrhundert untersuchten Ärzte die Lepra-Verdächtigen.[26] Der Patient selber durfte zu seiner Verteidigung einen Anwalt und/oder Familie als Beistand mitnehmen.[27]

Da die Lepraschau keiner generellen Vorschrift unterlag, konnte sie je nach Stadt und Region unterschiedlich verlaufen, war in ihren Grundzügen jedoch ähnlich. Um die Untersuchungen so präzise wie möglich zu gestalten, entwickelten Ärzte wie Arnold von Villanona (1240-1311) oder Bernhard von Gordon (ca. 1283) Diagnosemethoden.[28] Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass die Lepradeutung bei der Lepraschau für die mittelalterlichen Praktiken im Vergleich zu heute ausgereift war. Die Lepradeutung beruhte zum Beispiel im Melaten auf der Ätiologie[29] des hippokratischen Corpus.[30]

Die Untersuchung wurde akribisch durchgeführt. Es wurden Haut, Blut, Urin und der Körperbau untersucht. So wurde die Haut des Patienten auf Flecken und Hautstörrungen untersucht. Für die Harnschau wurde der Urin des Patienten mit Bleischlacke vermischt, bei einer kranken Person sollte diese dann oben an der Oberfläche schwimmen.[31] Ebenfalls wurden die Nase und die Daumen der Patienten auf Geschwüre und Verformungen untersucht. So mussten die Patienten des Öfteren singen, um durch die Singprobe eine Veränderung des Kehlkopfes sichtbar zu machen.[32]

„Streute man Bleischlacke auf den Urin eines Leprösen, so schwamm sie an der Oberfläche, während sie normalerweise auf den Grund des Gefäßes sank. Auch das Blut Lepraverdächtiger wurde zu den verschiedensten Untersuchungen herangezogen: mit Essig vermischt und in der flachen Hand zerrieben, vermittelte es ein Gefühl stumpfer Trockenheit; durch ein feines Tuch geseiht, hinterließ es einen Hirsekörnern ähnlichen Rückstand; mit dem Wasser einer ganz bestimmten Quelle verrührt, verklumpte es, während das Blut eines Gesunden rein leuchtend rot blieb.“[33]

Nach der Untersuchung wurde das Urteil verkündet, was in den meisten Fällen mit einer positiven Verurteilung einher ging und nun für den Kranken bedeutete, dass er von der Gemeinschaft ausgestoßen wurde.[34]

Eines der ältesten deutschen ärztlichen Leprazeugnisse stammt von 1357 aus dem Melaten zu Köln. Drei Ärzte untersuchen einen Geistlichen aus Bonn und sprechen ihn von dem Lepraverdacht frei. Es wird geschrieben, dass sie die Lepraschau zu dritt abgehalten haben, damit Irrtümer minimiert.[35]

2.3 Der Alltag eines Leprosen

Das Leben für einen Leprosen war kein Vergnügen. Gezeichnet durch Hautmahle wurde er von seinen Mitmenschen gemieden, selbst die eigene Familie wandte sich von ihm ab. Für den Umgang mit den Leprosen wurde eine Reihe von Regeln aufgestellt. Eine der ersten Bestimmungen für den Umgang mit den Leprosen wurde durch den Langobarden König Rothar 634 bestimmt, so dass ein Leprose wie ein toter Mensch zu behandeln sei, was für die Leprosen bedeutete, dass sie jegliches Recht auf Besitz, Erbe und weiter Rechte verloren.[36]

In der Synode von Compiénge von 757 wurde bestimmt, dass bei der Bestätigung einer Leprainfektion die Ehe mit dem gesunden Partner aufgelöst wurde. Diese Bestimmung wurde 1140 durch das decretum Gratiani wieder aufgelöst. Allerdings wurde 1240 durch in Jerusalem verfassten Rechtscodex Livre des Assies de Bourgois festgelegt, dass mit der kirchlichen Einwilligung die Ehe mit einem Leprosen aufgelöst werden konnte.[37]

Sogar Karl der Große befasste sich mit den Leprosen in dem er 789 in seinem 3. Kapitular bestimmte, dass sich die Leprosen nicht unter die gesunden Menschen mischen dürften.[38] In dem 3. Laterankonzil von 1179 wurden weitere Regeln für einen Leprosen verfasst. So sollten sich die Leprosen zusammenschließen und vom Zehnten befreit sein.[39] So wurde der Weg für die ersten Leprosorien oder Siechenhäuser geebnet.

Den Leprosen wurden diese strenge Maßnahmen und Regeln aufgebunden, da die Menschen große Angst vor einer Ansteckung hatten. Sie nahmen die Absonderungsvorschriften des Alten Testaments als Vorbild.[40] Die Kirche versprach den Gläubigen, dass sie durch die Pflege und Betreuung von Kranken das Ewige Leben im Himmel erreichen würden, was zu einem paradoxen Handeln der Menschen führte, da sie einerseits mit Angst und Abscheu auf die Kranken reagierten, andererseits ihnen nun ihre halfen.[41]

[...]


[1] Winkle 1997, S. 22: Aussatz

[2] Jankrift, Kay Peter: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, in: Kintzinger, Martin (Hrsg.): Geschichte kompakt, Darmstadt 2003, S. 114.

[3] Rulfié, Jaques; Sournia, Jan-Charles: Die Seuchen in der Geschichte der Menschheit, 2., Stuttgart 1987, S. 95.

[4] Rulfié 1987, S. 90.

[5] Zeitraum der Infektion und dem Auftreten erster Symptome.

[6] Rulfié 1987, S. 90; Jankrift 2003, S. 115.

[7] Rulfié 1987, S. 90.

[8] Winkle, Stefan: Kulturgeschichte der Seuchen, Düsseldorf 1997, S. 15.

[9] Jankrift 2003, S. 114.

[10] Jankrift 2003, S. 114.

[11] Jankrift 2003, S. 114; Rulfié 1987, S. 90.

[12] Jankrift 2003, S. 114f.; Rulfié 1987, S. 90.

[13] Duden

[14] Winkle 1997, S. 22.

[15] Rulfié 1987, S. 83.

[16] Jankrift 2003, S. 115.

[17] Winkle 1997, S. 20, Rulfié 1987, S. 84

[18] Winkle 1997, S. 1089, Jankrift 2003, S. 116

[19] Rulfié 1987, S. 83

[20] Rulfié 1987, S. 83; Asen, Johannes: Das Leprosenhaus Melaten bei Köln, Bonn 1908, S. 13.

[21] Jankrift 2003, S. 116; Asen 1908, S. 15.

[22] Asen 1908, S. 13f.

[23] Jankrift 2003, S. 116

[24] Rulfié 1987, S. 84; Winkle 1997, S. 22.

[25] Jankrift 2003, S. 120.; Winkle 1997, S. 22.

[26] Winkle 1997, S. 22.; Jankrift 2003, S. 120.

[27] Rulfié 1987, S. 84

[28] Jankrift 2003, S. 120.

[29] Lehre von Ursachen in der Medizin.

[30] Jankrift 2003, S. 115

[31] Rulfié 1987, S. 84; Winkle 1997, S. 22f.; Jankrift 2003, S. 120.

[32] Jankrift 2003, S. 120.

[33] Rulfie 1987, S. 84f.

[34] Rulfié 1987, S. 84.

[35] Winkle 1997, S. 22.

[36] Jankrift 2003, S. 116

[37] Jankrift 2003, S. 117

[38] Jankrift 2003, S. 116f.; Asen 1908, S. 14.

[39] Jankrift 2003, S. 118

[40] Winkle 1997, S. 21.

[41] Winkle 1997, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Lepra im 11. - 15. Jahrhundert in Deutschland. Das Melaten zu Köln
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V431630
ISBN (eBook)
9783668740006
ISBN (Buch)
9783668740013
Dateigröße
934 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lepra, jahrhundert, deutschland, melaten, köln
Arbeit zitieren
Al Min (Autor), 2014, Die Lepra im 11. - 15. Jahrhundert in Deutschland. Das Melaten zu Köln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431630

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