"Ein Verb ist ein Wiewort, zum Beispiel wie alt ist er - 11 Jahre". Diese, auch im Titel dieser Arbeit angeführte, Antwort eines Viertklässlers auf die Frage "Was ist ein Verb?" lässt vermuten, dass es um das sprachliche Wissen von Schülern am Ende der Grundschule schlecht bestellt ist. Betrachtet man jedoch die Erklärung des Schülers etwas genauer, so steckt doch einiges an Wissen darin: Gut, der Schüler hat scheinbar die Wortarten Verb und Adjektiv vertauscht, doch die Aussage dass ein Adjektiv ein Wiewort ist, wie er es formuliert, ist so vermutlich in der Mehrzahl von Sprachbüchern aufzufinden. In diesem Zusammenhang konnte er sich wohl auch noch an die dazugehörige Fragetechnik erinnern, die ebenfalls in den meisten Lehrwerken für die Grundschule zu finden ist. Diese hat er dann nach bestem Wissen und Gewissen auf sein Beispiel angewandt und was dabei herauskam, das ist in den ersten Zeilen dieser Einleitung zu lesen: Der Eindruck, dass der Schüler so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann.
Die Frage, die sich aus dieser kleinen Analyse der Schüleräußerung ergibt, kann nicht mehr lauten: Was hat der Schüler falsch gemacht, denn er hat die ihm in der Schule vermittelten Wissensbestände angewandt, die so in vielen aktuellen Sprachbüchern und damit auch im Unterricht vermittelt werden. Vielmehr muss die Frage lauten: Was hat die Schule hier falsch gemacht? Wie kann es dazu kommen, dass Schüler im unterrichtlichen Kontext ein derart diffuses sprachliches Wissen aufbauen, das ihnen in der konkreten Problemsituation keine korrekte Lösung ermöglicht?
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das sprachliche Wissen von Schülern am Übergang in die weiterführenden Schulen umfassend zu erheben. Das heißt, dass insbesondere die verschiedenen Wissensarten und deren Zusammenspiel im Sinne von Wissen, Können und Bewusstheit im Mittelpunkt stehen. Zudem soll geklärt werden, wie es im schulischen Kontext zu dem vorhandenen bzw. nicht vorhandenen sprachlichen Wissen kommen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehen und Gliederung
1.3 Forschungsstand
1.3.1 Wissenspsychologie
1.3.2 Sprachliches Wissen zu den Wortarten/ zum Verb
1.3.3 Zusammenfassung
2. Sprachliches Wissen
2.1 Was ist überhaupt Wissen? – Ein Exkurs in die Wissenspsychologie
2.1.1 Deklaratives Wissen
2.1.2 Problemlösewissen
2.1.3 Prozedurales Wissen
2.1.4 Metakognitives Wissen
2.2 Eine Definition – sprachliches Wissen
2.2.1 Deklaratives Sprachwissen
2.2.2 Sprachliches Problemlösewissen
2.2.3 Prozedurales Sprachwissen
2.2.4 Metakognitives Sprachwissen
2.3 Entwicklung sprachlichen Wissens
2.3.1 Im einsprachigen Kontext
2.3.2 Im mehrsprachigen Kontext
2.4 Notwendigkeit sprachlichen Wissens
3. Kompetenzmodelle und –auffassungen des Deutschunterrichts
3.1 Sprachliche Kompetenz nach Steinig und Huneke
3.2 Sprachliche Kompetenzauffassung der DESI-Studie
3.3 Kompetenzmodell für den Deutschunterricht nach Jakob Ossner
3.4 Fazit
4. Das Verb
4.1 Linguistische Betrachtung
4.1.1 Morphologische Betrachtung
4.1.2 Semantische Betrachtung
4.1.3 Syntaktische Betrachtung
4.2 Fachdidaktische Betrachtung
4.3 Unterrichtsrealität
4.3.1 Curriculare Vorgaben
4.3.1.1 Nationale Bildungsstandards
4.3.1.2 Bildungsplan Grundschule BW 2004
4.3.2 Sprachbücher
4.4 Einordung des Verbs in das Kompetenzmodell nach Ossner
5. Zusammenfassung
6. Forschungsdesign der quantitativen Erhebung
6.1 Anlage der empirischen Erhebung
6.1.1 Stichprobe
6.1.1.1 Ein bürokratischer Exkurs
6.1.1.2 Die endgültige Stichprobe
6.1.2 Datenformat
6.1.2.1 Test
6.1.2.2 Note
6.2 Methodisches Vorgehen
6.2.1 Datenerhebung
6.2.1.1 Test
6.2.1.2 Note
6.2.2 Datenaufbereitung
6.2.2.1 Test
6.2.2.2 Note
6.2.3 Datenauswertung
6.2.4 Gütekriterien
7. Ergebnisse der quantitativen Erhebung
7.1 Deklaratives sprachliches Wissen
7.2 Sprachliches Problemlösewissen
7.3 Typenbildung
7.4 Zusammenfassung und Diskussion
8. Forschungsdesign der qualitativen Einzelfallstudien
8.1 Anlage der Einzelfallstudien
8.1.1 Fallauswahl
8.1.2 Datenformat
8.1.2.1 Test
8.1.2.2 Schülertext
8.1.2.3 Interview
8.2 Methodisches Vorgehen
8.2.1 Datenerhebung
8.2.1.1 Test
8.2.1.2 Schülertext
8.2.1.3 Interview
8.2.2 Datenaufbereitung
8.2.2.1 Test
8.2.2.2 Schülertext
8.2.2.3 Interview
8.2.3 Datenauswertung
8.2.3.1 Test
8.2.3.2 Schülertext
8.2.3.3 Interview
8.2.4 Gütekriterien
9. Ergebnisse der qualitativen Einzelfallstudien
9.1 Fall A
9.2 Fall B
9.3 Fall C
9.4 Fall D
9.5 Fall E
9.6 Fall F
10. Schluss
10.1 Zusammenführung und Diskussion der Ergebnisse
10.2 Beantwortung der Forschungsfragen
10.3 Gütekriterien und Aussagekraft
10.4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das sprachliche Wissen von Schülern am Übergang in die Sekundarstufe I, mit einem spezifischen Fokus auf das Verb. Ziel ist es, das vorhandene Wissensspektrum – unterteilt in deklaratives, prozedurales, metakognitives und Problemlösewissen – zu erheben und zu analysieren, wie sich dieses Wissen im schulischen Kontext entwickelt.
- Wissenspsychologische Grundlagen des Sprachwissens
- Kompetenzmodelle für den Deutschunterricht
- Linguistische und fachdidaktische Analyse des Verbs
- Quantitative Erhebung des deklarativen und Problemlösewissens
- Qualitative Einzelfallstudien zur Vertiefung des Wissensverständnisses
Auszug aus dem Buch
1.1 FRAGESTELLUNG UND ZIELSETZUNG
Ein Verb ist ein Wiewort, zum Beispiel wie alt ist er - 11 Jahre
Die, auch im Titel dieser Arbeit angeführte, Antwort eines Viertklässlers auf die Frage Was ist ein Verb? lässt vermuten, dass es um das sprachliche Wissen von Schülern am Ende der Grundschule schlecht bestellt ist. Betrachtet man jedoch die Erklärung des Schülers etwas genauer, so steckt doch einiges an Wissen darin:
Gut, der Schüler hat scheinbar die Wortarten Verb und Adjektiv vertauscht, doch die Aussage dass ein Adjektiv ein Wiewort ist, wie er es formuliert, ist so vermutlich in der Mehrzahl von Sprachbüchern aufzufinden. In diesem Zusammenhang konnte er sich wohl auch noch an die dazugehörige Fragetechnik erinnern, die ebenfalls in den meisten Lehrwerken für die Grundschule zu finden ist. Diese hat er dann nach bestem Wissen und Gewissen auf sein Beispiel angewandt und was dabei herauskam, das ist in den ersten Zeilen dieser Einleitung zu lesen: Der Eindruck, dass der Schüler so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des sprachlichen Wissens von Schülern am Ende der Grundschule ein und definiert das Forschungsziel sowie die methodische Gliederung der Arbeit.
2. Sprachliches Wissen: Dieses Kapitel erarbeitet einen theoretischen Rahmen, indem der Wissensbegriff und insbesondere das sprachliche Wissen in seine vier Komponenten unterteilt und definiert werden.
3. Kompetenzmodelle und –auffassungen des Deutschunterrichts: Verschiedene wissenschaftliche Kompetenzmodelle werden diskutiert, wobei das Modell nach Ossner als theoretische Basis für die eigene Studie ausgewählt wird.
4. Das Verb: Das Verb wird hier linguistisch, fachdidaktisch und unter Berücksichtigung der realen Unterrichtspraxis sowie der curricularen Vorgaben detailliert analysiert.
5. Zusammenfassung: Dieses Kapitel bündelt die theoretischen Erkenntnisse zu den Wissensdimensionen und deren Bedeutung für das schulische Lernen.
6. Forschungsdesign der quantitativen Erhebung: Der empirische Teil beginnt mit der Beschreibung des methodischen Aufbaus, der Stichprobe und der Instrumente der quantitativen Vorstudie.
7. Ergebnisse der quantitativen Erhebung: Hier werden die gewonnenen Daten der Vorstudie deskriptiv und statistisch ausgewertet, wobei der Fokus auf den deklarativen und Problemlöse-Wissensbeständen liegt.
8. Forschungsdesign der qualitativen Einzelfallstudien: Dieser Abschnitt beschreibt die Anlage und das methodische Vorgehen der qualitativen Vertiefungsstudien, die auf den Ergebnissen der Vorstudie basieren.
9. Ergebnisse der qualitativen Einzelfallstudien: Die Ergebnisse der sechs Einzelfälle werden detailliert dokumentiert und interpretiert, um ein tieferes Verständnis der Wissenskonstellationen zu gewinnen.
10. Schluss: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt, Forschungsfragen beantwortet und die Gütekriterien sowie Grenzen der explorativen Studie reflektiert.
Schlüsselwörter
Sprachliches Wissen, Verb, Grundschule, Wissensdimensionen, Problemlösewissen, Grammatikunterricht, Deklaratives Wissen, Sprachgefühl, Bildungsstandards, Einzelfallanalyse, Kompetenzmodell, Sprachdidaktik, Metakognition, Schulbuchanalyse, Empirische Studie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Masterarbeit befasst sich mit dem sprachlichen Wissen von Kindern am Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen, wobei das Phänomen "Verb" als exemplarischer Untersuchungsgegenstand dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft psychologische Theorien des Wissenserwerbs mit fachdidaktischen Modellen und empirischen Untersuchungen zur Grammatikvermittlung im Deutschunterricht.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, zu erheben, wie umfassend das sprachliche Wissen der Schüler ist und inwieweit dieses Wissen – in seinen verschiedenen Ausprägungen – in konkreten Problemsituationen tatsächlich abgerufen und angewendet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Es wird ein methodischer Mix (Vertiefungsmodell) verwendet: Zunächst findet eine quantitative Vorstudie statt, gefolgt von qualitativen Einzelfallstudien, um die Ergebnisse tiefer gehend zu interpretieren.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Wissensarten, Kompetenzmodelle), eine linguistische und fachdidaktische Analyse des Verbs sowie eine umfangreiche empirische Untersuchung inklusive Auswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben dem "sprachlichen Wissen" und dem "Verb" vor allem die Differenzierung zwischen Wissen und Können, deklaratives Wissen, Problemlösewissen sowie der Begriff des "Sprachgefühls".
Warum wurde das Verb als exemplarischer Gegenstand gewählt?
Das Verb wurde gewählt, da es eine zentrale Rolle im Deutschunterricht einnimmt, eine hohe linguistische Komplexität aufweist und Schüler bereits frühzeitig mit unterschiedlichen didaktischen Zugangsweisen zu dieser Wortart konfrontiert werden.
Was ist das zentrale Fazit der Untersuchung?
Die Ergebnisse zeigen eine Diskrepanz zwischen Wissen und Können auf: Schüler verfügen oft über ein theoretisches (deklaratives) Wissen, sind jedoch häufig nicht in der Lage, dieses bei komplexen Problemlöseaufgaben explizit anzuwenden, da sie stark auf implizite Strategien (Sprachgefühl) zurückgreifen.
- Arbeit zitieren
- Evelyn Matzeder (Autor:in), 2014, Das sprachliche Wissen von Schülerinnen und Schülern beim Übergang in die Sekundarstufe 1, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/431646