Fortlaufend nehmen unsere Sinne Eindrücke aus der Umwelt war. Welchen wir uns zuwenden, was wir uns ansehen oder welchen Handlungen wir nachgehen, wird größtenteils selbst bestimmt. Voraussetzung ist die Konzentration bzw. die Zuwendung unserer Aufmerksamkeit auf das für uns Relevante. Für einige Menschen kann diese zuerst einfach erscheinende Aufgabe eine Schwierigkeit darstellen, die für sie selbst und die Menschen in ihrer Umwelt zur Belastung werden kann.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Aufmerksamkeitsprozesse und Aufmerksamkeitsstörungen. Sie zeigt einige Theorien über die Funktionalität der Aufmerksamkeit auf und gibt Aufschluss darüber, welcher Bedeutung Aufmerksamkeitsstörungen zukommen.
Speziell wird dabei auf die Aufmerksamkeits-Defizit(-Hyperaktivitäts)-Störung, kurz AD(H)S, und ihre Behandlungsmöglichkeiten sowie Erfolgsaussichten eingegangen. Zum nötigen basalen Verständnis wird die Wahrnehmung des Menschen kurz erklärt. Es folgen verschiedene grundlegende Theorien zu Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeitsstörungen sowie im Speziellen AD(H)S bilden den Abschluss dieser Ausarbeitung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wahrnehmung
3 Aufmerksamkeit
3.1 Allgemein
3.2 Selektive Aufmerksamkeit
3.2.1 Filter-Modell der Aufmerksamkeit nach Broadbent
3.2.2 Attenuationstheorie nach Treisman
3.2.3 Theorie der späten Selektion nach Deutsch und Deutsch
3.3 Selektive visuelle Aufmerksamkeit
3.3.1 Ortsbasierte Aufmerksamkeit
3.3.2 Objektbasierte Aufmerksamkeit
3.3.3 Dimensions-/ Merkmalsbasierte Aufmerksamkeit
4 Aufmerksamkeitsstörungen
4.1 Allgemein
4.2 ADS/ADHS
4.2.1 Allgemein
4.2.2 Krankheitsbild
4.2.3 Diagnose und Behandlung
4.2.4 Behandlung durch eine Multimodale Therapie
4.2.5 Behandlung durch Psychotherapie
4.2.6 Behandlung durch pharmakologische Mittel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Mechanismen der menschlichen Aufmerksamkeit und beleuchtet deren Störungen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Krankheitsbild AD(H)S, dessen Diagnose und vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten liegt.
- Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung als Basis der Aufmerksamkeit
- Wissenschaftliche Theorien zur selektiven Aufmerksamkeit
- Differenzierung der Aufmerksamkeitsausrichtung (orts-, objekt- und merkmalsbasiert)
- Symptomatik und diagnostische Kriterien der AD(H)S
- Multimodale Therapieansätze und pharmakologische Interventionen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Filter-Modell der Aufmerksamkeit nach Broadbent
Die Filtertheorie der Aufmerksamkeit von Broadbent (1958) ist das erste einflussreiche Modell der perzeptiven Aufmerksamkeit, das eine Erklärung für Aufmerksamkeitsselektion bietet. Er geht davon aus, dass alle Reize bzw. Informationen die menschlichen Eingangs- und Verarbeitungssysteme bis zu einer Art Flaschenhals durchlaufen. An dieser Stelle des Systems wird auf Basis einer physikalischen Charakteristik im Sinne eines Filters bestimmt, welche Information weiterverarbeitet wird und welche nicht. Im Rahmen seiner Theorie werden drei Versuchsergebnisse oder Testreihen genannt.
Der erste Test untersucht durch dichotomisches Hören, warum man einem Gespräch folgen kann, während man ein anderes ignoriert. Einer Person werden zwei unterschiedliche Audiospuren jeweils einem Ohr dargeboten und ihre Aufgabe besteht darin, sich auf ein Ohr zu konzentrieren, während das andere ausgeblendet wird. Der Audioinhalt des ignorierten Ohres kann im Gegensatz zu dem aufmerksamen nicht wiedergegeben werden, physikalische Veränderungen wie Stimmen- oder Sprachwechsel etwa jedoch schon.
Der zweite Versuch von Broadbent selbst sieht ähnlich aus, die Audionachrichten in Form von unterschiedlichen Zahlen werden einer Person paarweise gleichzeitig vorgespielt. Die Aufgabe ist, die Zahlen möglichst vollständig wiederzugeben. Das Ergebnis ist die bevorzugte Wiedergabe nach Informationsquelle, nicht der jeweiligen Informationspaare.
Der dritte Befund von Welford (1952) bezieht sich auf Reaktionszeiten zwischen zwei schnell hintereinander folgenden Reizen. Die Reaktionszeit der Versuchsperson auf den zweiten Reiz fällt umso länger aus, desto größer das Zeitintervall zwischen den Reizen ist. Seine Interpretation ist ein Engpass im Verarbeitungssystem, der vor Abschluss einer aktuellen Verarbeitung keine neue beginnen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz der Aufmerksamkeitsprozesse dar und führt in das Thema der Aufmerksamkeitsstörungen, speziell AD(H)S, sowie die Zielsetzung der Arbeit ein.
2 Wahrnehmung: Dieses Kapitel erläutert die sensorische Aufnahme von Reizen als notwendige Basis für das Verständnis der Aufmerksamkeit und kognitiver Selektionsprozesse.
3 Aufmerksamkeit: Hier werden grundlegende Definitionen, die Funktionsweise der Aufmerksamkeit und wissenschaftliche Modelle zur selektiven sowie visuellen Aufmerksamkeit behandelt.
4 Aufmerksamkeitsstörungen: Dieses Kapitel beschreibt allgemeine Aufmerksamkeitsstörungen und widmet sich im Detail der Symptomatik, Diagnose und den multimodalen sowie medikamentösen Behandlungsansätzen bei AD(H)S.
Schlüsselwörter
Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Selektion, Broadbent, Treisman, Filtertheorie, ADHS, ADS, Impulsivität, Hyperaktivität, Multimodale Therapie, Methylphenidat, Psychotherapie, Kognitive Psychologie, Diagnostik
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die psychologischen Prozesse der menschlichen Aufmerksamkeit, von ihrer normalen Funktionsweise bis hin zu klinisch relevanten Störungsbildern wie AD(H)S.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit untersucht?
Die Schwerpunkte liegen auf den Theorien zur selektiven Aufmerksamkeit, der visuellen Aufmerksamkeitsausrichtung sowie den diagnostischen und therapeutischen Strategien bei AD(H)S.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Aufmerksamkeit funktioniert, warum sie gestört sein kann und welche multidisziplinären Ansätze zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten bestehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der klassische psychologische Theorien (z.B. Broadbent, Treisman) und empirische Studien zur Aufmerksamkeitsforschung und AD(H)S-Therapie ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Aufmerksamkeitsmodellen und einen klinischen Teil, der das Störungsbild AD(H)S, Fallbeispiele und evidenzbasierte Behandlungsmethoden analysiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aufmerksamkeit, selektive Wahrnehmung, Filtertheorie, ADHS-Symptomatik, multimodale Therapie, Verhaltenssteuerung und kognitive Ressourcen.
Wie unterscheidet sich ADS von ADHS laut den Ausführungen?
Bei ADS ohne „H“ liegt keine Hyperaktivität vor; die Betroffenen leiden primär unter einer Aufmerksamkeitsstörung und Impulsivität, zeigen jedoch seltener ein nach außen gerichtetes, hyperaktives Verhalten.
Warum wird bei AD(H)S oft eine multimodale Therapie empfohlen?
Da die Störung multifaktoriell bedingt ist und verschiedene Lebensbereiche betrifft, erzielt ein isolierter Behandlungsansatz selten den gewünschten Erfolg. Eine Kombination aus Aufklärung, Elterntraining, Verhaltenstherapie und ggf. Medikation verspricht die besten Ergebnisse.
Welche Rolle spielt die pharmakologische Behandlung im Kontext der Therapie?
Medikamente wie Methylphenidat dienen dazu, Symptome zu reduzieren und so eine psychologische Basis zu schaffen, damit begleitende verhaltenstherapeutische oder pädagogische Maßnahmen bei den Patienten besser greifen können.
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- Vincent Haezeleer (Author), 2015, Aufmerksamkeitsprozesse, -störungen und AD(H)S, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432248