Hinsichtlich der Entwicklungsgeschichte deutsch-amerikanischer Beziehungen bietet sich eine grobe Einteilung in drei Phasen an1: 1945 bis 1955 - die Phase der Besatzung und des Besatzungsstatuts: Nach der nationalsozialistischen Herrschaft war Deutschland durch die Alliierten militärisch besetzt. Die Amerikanische Besatzung führte nach wenigen Jahren zu Partnerschaft und Kooperation. Verantwortlich dafür war die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Siegermächten bereits kurz nach Ende des Krieges. Die daraus resultierende Ost-West- Konfrontation veranlasste die Großmächte USA und UdSSR dazu, die Beziehungen zu ihrem neuen Alliierten (BRD, bzw. DDR) zu intensivieren. Die Vereinigten Staaten brauchten einen demokratischen, wirtschaftlich potenten, sowie zu militärischer Kooperation bereiten Verbündeten an der Nahtstelle zum Ostblock. Für die junge Bundesrepublik waren die Beziehungen zu den USA von noch größerer Bedeutung: sie boten Westdeutschland einen Weg zurück auf die internationale Bühne und damit einen Zugang zur internationalen Politik. 1955 bis 1990 - die Phase grundsätzlicher Übereinstimmung:
In den folgenden 35 Jahren stimmten beide Länder in den meisten politischen und militärischen Fragen "im Grundsatz" überein. Das schloss nicht aus, dass es in Einzelfragen Auseinandersetzungen gab: transatlantische Handelsstreitigkeiten, Debatten über Wirtschaftsbeziehungen zum Ostblock, auch persönliche Probleme zwischen Helmut Schmidt und Jimmy Carter zum Ende der siebziger Jahre. Der dominante Konflikt dieser Phase betraf jedoch die Sicherheitspolitik. In den fünfziger Jahren gab es Kontroversen über den deutschen Wehrbeitrag, in den sechziger Jahren ging es um die Frage nach der neuen strategischen Verteidigungskonzeption der flexiblen Antwort, in den siebziger Jahren wurden Amerikas Verstrickungen in den Vietnam-Krieg kritisiert und in den achtziger Jahren beherrschte die Nachrüstungsdebatte und die Entwicklung neuer Waffentechnologien (Neutronenbombe, SDI) die Sicherheitsdiskussion. 2 1990 bis 1998 - Die Phase nach Ende des Ost-West-Konflikts: Die Jahre nach 1990 waren durch beharrliches Suchen nach einer neuen Basis transatlantischer Zusammenarbeit gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
Epilog Die Geschichte deutsch-amerikanischer Beziehungen (1945 - 1998)
1. Einleitung
2. Die Rot-Grüne Koalition 1998: mögliche Bedenken…?
2 - 1. Die SPD vor der Wahl: Rhetorische Kontinuität
2 - 2. Die Grünen vor der Wahl: Gemeinwohl vor nationalen Interessen
2 - 3. Der Koalitionsvertrag
3. Ausgewählte Konfliktfelder
3 - 1. Erste Anzeichen transatlantischer Irritationen
3 - 2. Der Kosovo – Krieg
3 - 3. Nationale Raketenabwehr
3 - 4. Die Multilateralismus - Debatten
3 - 5. Der 11. September 2001 & Afghanistan: Solidarität unter Vorbehalt
3 - 6. Der Irak-Konflikt
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen im Zeitraum von 1998 bis 2003 unter der rot-grünen Bundesregierung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit ein Konflikt zwischen dem traditionellen politischen Selbstverständnis der Regierungsparteien und neuen globalen Herausforderungen besteht, der die transatlantischen Beziehungen belastet.
- Analyse der außenpolitischen Rahmenbedingungen und Parteiprogramme von SPD und Grünen
- Untersuchung zentraler Konfliktfelder wie dem Kosovo-Krieg und der Raketenabwehr
- Bewertung der Debatten um Multilateralismus und die Rolle Deutschlands in der Welt
- Diskussion der Auswirkungen der Irak-Politik auf die transatlantische Partnerschaft
Auszug aus dem Buch
3.3 Nationale Raketenabwehr
Anhand der grundsätzlichen Meinungsverschiedenheit zu Beginn des Jahres 2000 bezüglich des amerikanischen Projekts zur nationalen Raketenabwehr zeigt sich, wie weit die sicherheitspolitischen Vorstellungen zwischen Berlin und Washington auseinander liegen. Der amerikanische Plan zur nationalen Raketenabwehr sah den Bau und die Stationierung von Abfangraketen in den USA und anderen Ländern vor, um die amerikanische Bevölkerung vor Angriffen mit ballistischen Raketen aus sogenannten Schurkenstaaten (rouge states) zu schützen. Zu diesen Staaten zählte Amerika zu diesem Zeitpunkt bereits: Irak, Iran, Nordkorea, Sudan, Syrien und Libyen. Allen gemein war die Einschätzung, dass sie offen oder geheim im Besitz von atomaren, biologischen oder chemischen Waffen samt Transportmittel seien.
Zuerst waren zwei Raketenabwehrsysteme im Gespräch: Die nationale Raketenabwehr (national missile defence, NMD) mit Stützpunkten in den USA sollte zum Schutz des Heimatlandes dienen. Abwehrsysteme für das Gefechtsfeld (theater missile defence, TMD) sollten amerikanische Truppen in Asien und im Nahen Osten schützen. Später war nur noch von Raketenabwehr (MD) die Rede, denn Verbündete sollten in die Planung mit einbezogen werden. 39
In den sicherheitspolitischen Zirkeln Deutschlands reagierte man mit Kritik und Ablehnung. Man führte zunächst technische Gründe an. Den Deutschen schien es angebrachter, mit herkömmlicher Rüstungskontrolle gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen vorzugehen. Joschka Fischer führte diese Diskussion lange allein mit den Amerikanern, machte sich schließlich den russischen Standpunkt zu eigen und wurde damit schärfster europäische Kritiker des Projekts.
Zusammenfassung der Kapitel
Epilog Die Geschichte deutsch-amerikanischer Beziehungen (1945 - 1998): Bietet einen Überblick über die historischen Entwicklungsphasen der deutsch-amerikanischen Partnerschaft von der Besatzungszeit bis zum Ende des Kalten Krieges.
1. Einleitung: Erläutert die Ausgangslage der verschlechterten transatlantischen Beziehungen nach 1998 und definiert den zentralen Forschungsgegenstand der Arbeit.
2. Die Rot-Grüne Koalition 1998: mögliche Bedenken…?: Analysiert die programmatischen Grundlagen und die außenpolitische Ausrichtung der rot-grünen Regierung unmittelbar nach ihrem Amtsantritt.
3. Ausgewählte Konfliktfelder: Untersucht konkrete politische Krisen und Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und den USA im Zeitraum 1998 bis 2003.
4. Ausblick: Bilanziert die Erkenntnisse über den Einschnitt im transatlantischen Verhältnis und wirft einen Blick auf künftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Deutsch-amerikanische Beziehungen, Rot-Grüne Koalition, Außenpolitik, Transatlantische Partnerschaft, Irak-Konflikt, Kosovo-Krieg, Nationale Raketenabwehr, Multilateralismus, Sicherheitspolitik, Bundeswehr, 11. September, Terrorismusbekämpfung, UNO, Rhetorische Kontinuität, Weltordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das deutsch-amerikanische Verhältnis unter der ersten rot-grünen Regierung zwischen 1998 und 2003 und untersucht die Gründe für die signifikanten politischen Spannungen in dieser Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Schwerpunkte sind die Auswirkungen von Parteiprogrammen auf die Außenpolitik, das Krisenmanagement in militärischen Konflikten, Debatten über internationale Rüstungsprojekte und die verschiedenen Auffassungen zur Weltordnung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Konflikt zwischen dem traditionellen politischen Selbstverständnis der deutschen Regierung und den globalen Realitäten aufzuzeigen, der zu einer spürbaren Entfremdung vom wichtigsten Verbündeten, den USA, führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Parteiprogrammen, Koalitionsverträgen, Regierungserklärungen und der bestehenden Fachliteratur sowie Quellen zur Außenpolitik basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich in chronologischer und thematischer Weise den Konfliktfeldern, beginnend bei den internen Bedenken der Koalition über den Kosovo-Krieg und die Raketenabwehr bis hin zum Irak-Konflikt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Deutsch-amerikanische Beziehungen, Multilateralismus, Rot-Grüne Außenpolitik, Sicherheitspolitik und transatlantische Irritationen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Joschka Fischer in der Raketenabwehr-Debatte?
Die Arbeit stellt dar, wie Fischer durch die Übernahme russischer Argumentationsmuster zum schärfsten europäischen Kritiker des amerikanischen NMD-Projekts wurde, was die konzeptionellen Unterschiede in der Sicherheitspolitik verdeutlichte.
Welchen Einfluss hatte der Irak-Konflikt auf das transatlantische Verhältnis?
Der Irak-Konflikt wird als Höhepunkt der Krise beschrieben, in dem sich die deutschen Vorbehalte gegen militärische Gewalt und das Misstrauen gegenüber der US-Hegemonie in einer Weise zuspitzten, die die diplomatische Beziehung schwer belastete.
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- Frank Brinkmann (Author), Michael Holtschulte (Author), 2004, Die Amerikapolitik der Rot-Grünen Koalition anhand ausgewählter Konfliktfelder 1998-2003., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43251