Seit Menschen Sprachsysteme erfunden haben, unterliegen Sprachen einem fortwährenden Wandel: Wörter verändern sich, manche Wörter sterben aus und immer wieder werden neue Wörter „erfunden“ oder neu gebildet. Eine Wortschatzerweiterung ist notwendig, da immer wieder neue Gegenstände, Sportarten, Kriterien, Zustände, Handlungsweisen, Zusammenhänge, Entwicklungen etc. beschrieben und benannt werden müssen. In der Sprachwissenschaft beschäftigt sich der Bereich der Morphologie mit diesem Phänomen. „Die Morphologie beschäftigt sich mit dem Aufbau von Wortformen und Wörtern aus kleinsten >Wortbausteinen<, sie fragt nach der Kombinatorik von Einheiten wie Stämmen und Affixen, sie leitet Bedeutungen komplexer Wörter her und macht verständlich, aufgrund welcher Mechanismen neue Wörter entstehen.“. Neue Wörter müssen aber den Menschen zugänglich gemacht werden, so dass auch die Möglichkeit besteht, unbekannte Wörter nachzuschlagen. Dies ist zum Beispiel Aufgabe der Dudenredaktion, die jedes Jahr neue Wörter in den Duden aufnimmt. Um eine geeignete Auswahl zu treffen, werden in Unmengen von Texten (Romane, Erzählungen, Zeitungen, Zeitschriften usw.) neue Wörter gesucht. Vorschläge aus der Bevölkerung sind ebenso willkommen. Zusätzlich bedient sich die Dudenredaktion kommerzieller Datenbankanbieter wie zum Beispiel GENIOS. „Über eine Volltextsuche kann hier jedes von einem Redakteur, einer Redakteurin eingegebene Wort, das existiert und belegt ist, in Sekundenschnelle nachgewiesen und mit der Zahl seiner Belege und den Umgebungstexten herausgefiltert werden. Die Ergebnisse dieser Analysen lassen zunächst einmal Rückschlüsse auf die Verwendungshäufigkeit des betreffenden Wortes zu.“. Letztendlich entscheiden die Redakteure, welche Wörter in die neue Auflage des Wörterbuchs aufgenommen werden. „Natürlich können nie alle Wörter, die im Zeitraum zwischen zwei Auflagen neu in die deutsche Sprache gekommen sind oder in ihr gebildet wurden, verzeichnet werden: Dies ist schon allein deshalb nicht machbar, weil der Umfang eines Wörterbuchs beschränkt ist.“. In dieser Proseminararbeit soll dargestellt werden, welche allgemeinen Grundsätze bei der Neubildung von Wörtern beachtet werden müssen, welche Grundsätze auf das Englische zutreffen und dann, welche Unterschiede bei Wortbildungen des Englischen und Deutschen bestehen. Dazu möchte ich zuerst den Begriff der Wortbildung von der Entlehnung, Bedeutungsveränderung und Neuschöpfung, sowie der Flexion abgrenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzer Überblick über Wortbildung im Englischen
2.1 Abgrenzung von Wortbildung gegenüber Entlehnung, Neuschöpfung, Bedeutungsveränderung und Flexion
2.1.1 Entlehnung
2.1.2 Neuschöpfung
2.1.3 Bedeutungsveränderung
2.1.4 Flexion
2.2 Wortbildung im Englischen
2.2.1 Komposition
2.2.2 Derivation
2.2.3 Konversion
2.3 Adjektivwortbildung im Englischen
2.3.1 Komposition
2.3.2 Derivation
2.3.3 Konversion
3. Unterschiede zwischen deutscher und englischer Wortbildung
4. Untersuchung von Neubildungen im Englischen
4.1 Vorgehensweise
4.2 Tendenzen nach Algeo
4.3 Analyse der Neubildungen
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die allgemeinen Grundsätze der Wortbildung mit einem spezifischen Fokus auf das Englische und vergleicht diese mit den Strukturen der deutschen Sprache, um Unterschiede in den Wortbildungsprozessen aufzuzeigen.
- Grundlagen der Wortbildung und deren Abgrenzung zu verwandten sprachlichen Phänomenen.
- Analyse der Wortbildungsarten Komposition, Derivation und Konversion im Englischen.
- Kontrastiver Vergleich zwischen deutscher und englischer Wortbildung hinsichtlich Flexion und Fugen.
- Empirische Untersuchung englischer Adjektivneubildungen basierend auf Daten des Oxford English Dictionary.
Auszug aus dem Buch
2.3 Adjektivwortbildung im Englischen
Das moderne Englisch hat im Lauf seiner Weiterentwicklung fast alle Flexionen verloren und ist heute weitgehend eine unflektierte Sprache. Einsilbige und einige zweisilbige Adjektive werden nur noch zwecks Steigerung flektiert, alle anderen Adjektive werden synthetisch gesteigert und bleiben damit völlig unverändert. Jedoch ist wie im Deutschen die Wortklasse der Adjektive eine äußerst aktive und produktive Wortklasse. Neue Adjektive werden durch Komposition und Derivation gebildet (vgl. Quirk/Greenbaum 1985, 1515-1585).
2.3.1 Komposition
Wie bei der deutschen Adjektivwortbildung kann unterschieden werden zwischen Determinativkomposita und Kopulativkomposita (z.B. bitter-sweet“). Adjektivische Determinativkomposita haben im Englischen folgende Kombinationsmöglichkeiten: Substantiv + Adjektiv → capital-intensive, childproof, crashworthy, space-born, time-tested; Verb + Adjektiv → leadfree, born-again; Adjektiv + Adjektiv → deaf-mute, double-helical, large-statured, open-ended, double-blind; Präposition + Adjektiv → overripe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert den stetigen Wandel von Sprachen durch Wortschatzerweiterung und definiert die Rolle der Morphologie sowie die Aufgabe der Dudenredaktion bei der Erfassung neuer Begriffe.
2. Kurzer Überblick über Wortbildung im Englischen: Dieses Kapitel definiert Wortbildung durch Abgrenzung zu Begriffen wie Entlehnung und Flexion und erläutert die Mechanismen der Komposition, Derivation und Konversion im Englischen.
3. Unterschiede zwischen deutscher und englischer Wortbildung: Das Kapitel stellt die verschiedenen Rollen der Flexion in beiden Sprachen gegenüber und thematisiert das deutsche Fugenelement als strukturelles Unterscheidungsmerkmal.
4. Untersuchung von Neubildungen im Englischen: Hier werden Adjektivneubildungen aus dem Oxford English Dictionary analysiert, um Tendenzen in der aktuellen englischen Wortbildung aufzuzeigen.
5. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schlägt zukünftige Forschungsansätze zur Untersuchung von Anglizismen und dem mündlichen Sprachgebrauch vor.
Schlüsselwörter
Wortbildung, Morphologie, Englische Sprache, Deutsche Sprache, Komposition, Derivation, Konversion, Sprachwandel, Flexion, Neologismus, Adjektiv, Oxford English Dictionary, Wortschatzerweiterung, kontrastive Linguistik, Affixe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die morphologischen Mechanismen der Wortbildung und untersucht, wie im Englischen neue Wörter gebildet werden und worin sich diese Prozesse von den deutschen Strukturen unterscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einordnung der Wortbildung, der Analyse englischer Wortbildungsarten wie Komposition und Derivation sowie einem kontrastiven Vergleich zwischen Englisch und Deutsch.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, allgemeine Grundsätze der Wortbildung darzustellen, diese auf das Englische anzuwenden und die spezifischen Unterschiede zur deutschen Sprache herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur kombiniert mit einer praktischen Analyse von englischen Adjektivneubildungen auf Basis des Oxford English Dictionary.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Abgrenzung von Begriffen, die Beschreibung englischer Wortbildungstypen sowie eine detaillierte Einzelanalyse ausgewählter Wörter aus dem OED.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wortbildung, Morphologie, Komposition, Derivation, Konversion, Neologismen und der Vergleich zwischen Englischer und Deutscher Sprache.
Warum wird die Flexion als Unterscheidungsmerkmal zwischen Deutsch und Englisch hervorgehoben?
Die Flexion spielt im Deutschen eine wesentlich größere Rolle als im Englischen; deren Verlust oder Unterordnung im Englischen führt zu einer höheren Durchlässigkeit zwischen den Wortklassen.
Was ist das Ergebnis der Analyse der Adjektivneubildungen?
Die Analyse zeigt, dass im Englischen die Derivation bei Adjektiven eine zentrale Rolle spielt, wobei jedoch die Aussagekraft aufgrund der geringen Stichprobengröße als erste Vermutung zu werten ist.
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- Anonym (Author), 2004, Wortbildung. Wie verändert sich Sprache?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43253